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Begegnung zweier Citadis 402 auf der Linie T3a

Die Linie 3 der Pariser Straßenbahn (sie umfasst die Linien T3a und T3b der Straßenbahn Île-de-France) war die erste neue Straßenbahnlinie, die innerhalb der französischen Hauptstadt Paris verkehrt. Sie wurde 2006 in Betrieb genommen (zunächst im 13., 14. und 15. Arrondissement), im Dezember 2012 sowie im November 2018 verlängert und verbindet in zwei Abschnitten auf einer Länge von 26,7 Kilometern die Stationen Pont du Garigliano im Südwesten und Porte d’Asnières im Nordwesten der Stadt. Ihre Trasse folgt den Boulevards des Maréchaux, einer Aneinanderreihung von Boulevards, die Paris an seinen Außengrenzen parallel zur letzten Stadtmauer (im Verlauf der heutigen Stadtautobahn Boulevard périphérique) umgeben, weshalb sie auch als „Tramway des Maréchaux“ bezeichnet wird.

GeschichteBearbeiten

 
Citadis 402 während der Testphase
 
Gleisplan des ersten Abschnitts der Linie T3 mit dem Betriebshof Atelier de maintenance de Lucotte
 
Die Strecken der Linien T3a und T3b

Nachdem die Buslinien, die Paris entlang der Boulevards des Maréchaux umrundeten (PC 1-3) schon lange an ihre Grenzen stießen, begann man im Jahr 2000 mit der Planung einer Verbesserung des Angebotes durch Kapazitätserhöhung. Man entschied sich für eine normalspurige Straßenbahn, welche aber durchaus umstritten war, da durch ihren Bau der zwangsläufig ohnehin knappe Straßenraum in Paris weiter verkleinert würde. Die oberirdische Linienführung, die alle Pariser Ausfallstraßen kreuzen muss und durch neue Signal- und Ampelanlagen die Flüssigkeit des Straßenverkehrs einschränkt, wurde daher kontrovers diskutiert.

Dennoch begann man im Jahr 2004 mit dem Bau des ersten Teilstückes der Tramway des Maréchaux. Der Bau beschränkte sich nicht auf die Straßenbahntrasse, sondern wurde auch dazu genutzt, diese Boulevards grundlegend umzugestalten. Die Straßenbahn verkehrt durchgehend auf eigener Trasse, welche großteils als Rasengleis ausgeführt ist. Die Kosten für die Errichtung des ersten Stücks und der Umgestaltung der betroffenen Straßenzüge beliefen sich auf rund 320 Mio €.[1] Die Inbetriebnahme der Strecke zwischen den Endpunkten Pont du Garigliano und Porte d’Ivry erfolgte am 16. Dezember 2006.[2]

2009 begannen Bauarbeiten an einer Verlängerung über den Pariser Osten bis in den Norden zur Metrostation Porte de la Chapelle. Diese 14,5 km lange Verlängerung mit 26 neuen Stationen wurde im Dezember 2012 in Betrieb genommen. Die Baukosten beliefen sich auf 652 Millionen € für die Straßenbahnstrecke und 149 Millionen € für die damit verbundene Umgestaltung der befahrenen Straßen. Die Kosten wurden von der Stadt Paris und der Region Île-de-France getragen.[3] Da eine Strecke dieser Länge sehr verspätungsanfällig geworden wäre, wurde die T3 in zwei Linien mit Umstieg in Porte de Vincennes geteilt: Die T3a verkehrte zwischen Pont du Garigliano und Porte de Vincennes, die T3b zwischen Porte de Vincennes und Porte de la Chapelle.

Am 24. November 2018 wurde die Verlängerung der T3b ab Porte de la Chapelle nach Westen zur Porte d'Asnières in Betrieb genommen.[4] Auf der 4,3 km langen Neubaustrecke entstanden acht Haltestellen, von denen immerhin fünf einen Umstieg zur Metro oder zum Schnellbahnnetz RER ermöglichen. An der Haltestelle Porte de Clignancourt gibt es einen Übergang zur Métrolinie 4 und an der Porte de Saint-Ouen einen Übergang zum Nord-Ost-Zweig der Métrolinie 13. Der Nord-West-Zweig dieser Linie kann – ebenso wie die geplante Verlängerung der Métrolinie 14 und des RER C – über die Haltestelle Porte de Clichy erreicht werden.

Mögliche Nutznießer sind 600.000 Einwohner und 300.000 Beschäftigte, welche im Einzugsbereich der Verlängerungsstrecke im 17. bzw. 18. Arrondissement von Paris oder in den Gemeinden Saint-Denis, Saint-Ouen-sur-Seine, Clichy und Levallois-Perret wohnen bzw. arbeiten.[5]

Mit den Baumaßnahmen wurde 2015 begonnen. Die Fertigstellung war zunächst für Ende 2017 vorgesehen.[6] Im Frühjahr 2016 wurde aber bekannt gegeben, dass der Straßenbelag in erheblichem Umfang mit Asbest verunreinigt sei, und deshalb zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich seien.

Die Linie 3 (2006–2012)Bearbeiten

Zum Einsatz kamen auf der Linie 3 einundzwanzig 7-gliedrige Garnituren des Typs Citadis 402 von Alstom. Sie bieten 304 Personen Platz, bei 68 Sitzplätzen. Die Maximalgeschwindigkeit der Fahrzeuge liegt bei 60 km/h, welche von sechs Asynchronmotoren mit einer Nominalleistung von 120 kW angetrieben werden. Die Stromversorgung erfolgt über eine Oberleitung mit 750 V Gleichspannung.

Die Linie T3aBearbeiten

 
Routenskizze der Linie T3a
 
Begegnung zweier Züge in der Haltestelle Porte de Versailles (Umsteigestation zur Métrolinie 12)
 
Gleisverzweigung auf dem Cours de Vincennes – die geraden Gleise führen als Betriebsstrecke zur Linie T3b, deren Zug (im Hintergrund) hat soeben die Endstation Porte de Vincennes verlassen
 
Zug der Linie T3a in der Endstation Porte de Vincennes unter der Brücke der Petite Ceinture, im Hintergrund die Wende- und Abstellanlage
 
Betriebshof Ateliers de Lucotte

Streckenverlauf der Linie T3aBearbeiten

Die Strecke mit einer Länge von 12,4 Kilometern und 25 Haltestellen verläuft auf den Boulevards des Maréchaux im Süden und Südosten der Stadt. Endhaltestelle im Westen ist die Station Pont du Garigliano, an welcher Umsteigemöglichkeit zur Linie RER C besteht. Die Linie kreuzt in weiterer Folge mehrere Métrolinien, die Straßenbahnlinie T2 sowie die Linie RER B bei der Cité Universitaire, einer Studentensiedlung. Weiterhin wird auch das Stadion Stade Charléty durch die Linie angebunden. Ab der Haltestelle Porte d'Italie verläuft die Linie auf ca. 700 m Länge direkt oberhalb der unterirdischen Métrolinie 7. Die drei Haltestellen Porte d'Italie, Porte de Choisy und Porte d'Ivry werden von beiden Linien bedient. Im weiteren Verlauf überquert die Strecke die Seine auf der Pont National, folgt weiter dem Verlauf der Boulevards des Maréchaux und erreicht schließlich ihre Endstation Porte de Vincennes, wo die Gleise mit denen der Linie T3b verbunden sind.

Liste der Haltestellen von Westen nach Osten:

Tramlinie T3a
Station Umsteigemöglichkeiten
Pont du Garigliano RER C 
Balard 08 
Desnouettes
Porte de Versailles 12  T T2 
George Brassens
Brancion
Porte de Vanves 13 
Didot
Jean Moulin
Porte d'Orléans 04 
Montsouris
Cité Universitaire RER B 
Stade Charléty
Poterne des Peupliers
Porte d'Italie 07 
Porte de Choisy 07 
Porte d'Ivry 07 
Maryse Bastié
Avenue de France in der Nähe: 14  RER C 
Baron le Roy
Porte de Charenton 08 
Porte Dorée 08 
Montempoivre
Alexandra David-Néel
Porte de Vincennes 01  T T3b 

Depot und BetriebswerkstättenBearbeiten

Der Betriebshof (genannt Ateliers de Lucotte nach einer nahegelegenen Straße, der Rue du Général-Lucotte) liegt südlich der Straßenbahnstrecke in der Nähe des Boulevard périphérique. Das Gelände mit einer Fläche von 1,8 ha hat Abstellgleise für 21 Straßenbahngarnituren und beherbergt auch die Betriebswerkstätten für diese Linie sowie die Streckenleitzentrale (Poste de commandement de la ligne (PCL)).

Streckenverlauf der Linie T3bBearbeiten

 
Routenskizze der Linie T3b
 
Station Porte de Vincennes der Linie T3b – die Haltestelle der Linie T3a liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite
 
Brücke über den Canal de l’Ourcq

Liste der Haltestellen von Süden nach Norden:

Tramlinie T3b
Station Umsteigemöglichkeiten
Porte de Vincennes 01  T T3a 
Porte de Montreuil 09 
Mairie de Miribel
Porte de Bagnolet 03 
Séverine
Adrienne Bolland
Porte des Lilas 03bis  11 
Hôpital Robert Debré 07bis 
Butte du Chapeau Rouge
Porte de Pantin 05 
Delphine Seyrig
Ella Fitzgerald RER E 
Porte de la Villette 07 
Canal Saint-Dénis
Rosa Parks RER E 
Porte d'Aubervilliers
Colette Besson
Porte de la Chapelle 12 
Diane Arbus
Porte de Clignancourt 04 
Angélique Compoint
Porte de Saint-Ouen 13 
Épinettes - Pouchet
Honoré de Balzac
Porte de Clichy 13  RER C 
Porte d'Asnières - Marguerite Long

Technische Neuerungen: Energiesparen mit SuperkondensatorBearbeiten

Im Rahmen des Projekts STEEM (Système de Tramway à Efficacité Energétique Maximisée = Straßenbahn mit maximierter Energieeffizienz) wurde eine Bahn der Linie 3 mit einem Superkondensator ausgestattet, welche zu Testzwecken von Mai 2009 bis September 2010 auf einem 300 m langen Teilstück zwischen den Haltestellen Porte d'Italie und Porte de Choisy jeweils stromlos fuhr. Mit dem Superkondensator ist es möglich einen Großteil der Bremsenergie zu speichern und beim folgenden Fahrzyklus wieder zu verwenden. Dabei konnte gegenüber den nicht umgerüsteten Fahrzeugen eine durchschnittliche Energieersparnis von 16 % erzielt werden.[7]

Betrieb und FuhrparkBearbeiten

 
Alstom Citadis auf der T3

Da die meisten Pariser Straßenbahnlinien untereinander keine Gleisverbindungen besitzen und kein Linienwechsel stattfindet, verfügt jede Linie über ihren eigenen Fahrzeugpark. So auch die Linie T3, die mit 46 Fahrzeugen des Typs Citadis 402 des Herstellers Alstom betrieben wird. Die Fahrzeuge haben eine Länge von 43,7 m und eine Breite von 2,65 m und fassen 304 Personen. Sie sind als Zweirichtungsfahrzeuge ausgeführt, sodass an beiden Enden Führerstände sowie auf beiden Seiten Türen vorhanden sind. Dadurch benötigt die Linie keine Wendeschleifen, es wird an den Endstellen nur die Fahrtrichtung geändert.

Die Linie verkehrt täglich zwischen 5:00 und 0:30, an Freitagen und Samstagen bis 1:00. Zur Hauptverkehrszeit beträgt das Intervall 4 Minuten, pro Tag werden 112 000 Fahrgäste befördert.[8]

Im Hinblick auf die geplante Westverlängerung der Linie T3b bestellte das STIF im Juni 2015 zusätzliche 17 Citadis-Züge. 14 Züge sollen Ende 2017 zur Inbetriebnahme dieser Verlängerung bereitstehen. Die drei restlichen werden der Linie T3a zur Kapazitätserhöhung zugeteilt.[9]

ZukunftBearbeiten

Die Verkehrspolitik der Stadt Paris sieht vor, langfristig die Linie 3 zu einer Ringlinie auszubauen.

Verlängerung von der Porte d'Asnières zur Porte DauphineBearbeiten

Im April 2014 erklärte Anne Hidalgo, die neue Bürgermeisterin von Paris, ab Juni 2014 eine Studie in Auftrag zu geben, um eine Verlängerung der Linie T3b bis zur Porte Maillot zu prüfen und langfristig den Lückenschluss bis zur Brücke Pont du Garigliano zu erreichen. Dadurch würde vor allem die Universität Paris-Dauphine und der Bois de Boulogne besser an den ÖPNV angeschlossen.[10] Nach umfangreichen Planungen wurden zu Beginn des Jahres 2016 mehrere Planungsvarianten vorgestellt: zwei Vorschläge sehen einen Weiterbau bis zur Porte Maillot vor, zwei andere Vorschläge planen sogar bis zur Porte Dauphine.- Vom STIF wurde der Weiterbau bis zu Porte Dauphine im Prinzip schon im Oktober 2015 genehmigt.[11]

Verlängerung von der Porte Dauphine zum Pont du GariglianoBearbeiten

Im Westen des ersten Teilstücks der T3 wurde bereits unmittelbar mit der Inbetriebnahme im Jahr 2006 eine Verlängerung zur Porte d'Auteuil angedacht. Diese Planungen stießen allerdings im 16. Arrondissement auf starken Widerstand der lokalen Bevölkerung und Gewerbetreibenden und wurden längere Zeit nicht mehr verfolgt. Im April 2014 erklärte Anne Hidalgo, die neue Bürgermeisterin von Paris, dass es ihr Ziel sei, langfristig den Lückenschluss bis zur Brücke Pont du Garigliano zu erreichen.

EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Straßenbahnlinie T3a – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: Straßenbahnlinie T3b – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien