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Leo XIII.

256. Papst der katholischen Kirche
(Weitergeleitet von Leo XIII)
Leo XIII.

Papst Leo XIII. (Vincenzo Gioacchino Pecci; * 2. März 1810 in Carpineto Romano; † 20. Juli 1903 in Rom) war von 1878 bis 1903 Papst der römisch-katholischen Kirche.

Papst Leo XIII. ist als politischer Papst in die Geschichte eingegangen. Die von vielen gefürchtete Dogmenhäufung nach der Unfehlbarkeitserklärung aus dem Jahr 1870 unter Papst Pius IX. blieb aus. Wohl aber kann man Leo XIII. den ersten Enzyklikenpapst nennen, er verfasste 86 dieser päpstlichen Rundschreiben, darunter sieben zur Marienverehrung. Sein Ziel war es, die Kirche aus ihrer selbst gewählten Isolierung gegenüber den neuzeitlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen, jedoch war er von der Notwendigkeit einer „zeitlichen Macht“ (Kirchenstaat) des Papstes überzeugt. Einerseits orientierte er sich an der hochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat, andererseits verfasste er die erste explizite Sozialenzyklika der römisch-katholischen Kirche und wertete damit die katholische Soziallehre auf. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen wurde er mit dem Attribut „Arbeiterpapst“ und dem Beinamen „der Soziale“ bekannt.

Leo XIII. starb im Alter von 93 Jahren, kein Papst wurde bisher älter. Zudem war mit ihm zum ersten Mal ein Camerlengo (Kardinalkämmerer) zum Papst gewählt worden.

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Gioacchino Pecci entstammte dem niederen Landadel. Sein Vater war Kriegskommissar und Oberst.

AusbildungBearbeiten

Bereits als Junge galt er als hochbegabt und entwickelte eine Vorliebe für das Lateinische. Er studierte von 1818 bis 1824 am Jesuitenkolleg in Viterbo, von 1824 bis 1832 folgte das Theologiestudium am Collegium Romanum. Die Ausbildung für den päpstlichen Verwaltungs- und Diplomatendienst an der Accademia dei Nobili Ecclesiastici in Rom dauerte von 1832 bis 1837. Pecci promovierte 1835 zum Doktor beider Rechte (Dr. iur. utr.).

1837 empfing der Kirchenjurist und Theologe durch Kardinalvikar Carlo Odescalchi die Priesterweihe. Bereits von 1838 bis 1841 war er päpstlicher Delegat in Benevent, danach in der gleichen Funktion in Perugia.

BischofBearbeiten

1843 ernannte ihn Gregor XVI. zum Titularerzbischof von Tamiathis und sandte ihn als Nuntius nach Belgien, von wo er allerdings auf Wunsch des Königs wieder abberufen wurde. Von 1846 bis 1878 war er Bischof von Perugia, wo er den Dom im neugotischen Stil umgestalten ließ. Am 19. Dezember 1853 wurde er zum Kardinal mit der Titelkirche San Crisogono erhoben. Er vertrat dort zunächst eine streng konservative und wissenschaftsfeindliche Linie. Zur Stärkung der Traditionen sollte seine Reform des Theologiestudiums dienen.

In der Umbruchphase der Loslösung Umbriens vom Kirchenstaat (1860) war Pecci Anführer der Bischöfe gegen das italienische Staatskirchentum. Mitte der 1870er Jahre öffnete er sich allmählich gegenüber der modernen Kultur und Technik. Nach dem Tod des bisherigen Camerlengos Filippo de Angelis wurde er 1877 zum Nachfolger ernannt. In dieser Funktion führte Kardinal Pecci die Amtsgeschäfte während der Sedisvakanz im Jahr 1878. Er wurde, gegen den bisherigen Brauch, als Kandidat der Gemäßigten am 20. Februar nach zweitägigem Konklave, dem ersten in der Sixtinischen Kapelle, zum Nachfolger von Pius IX. gewählt.

PontifikatBearbeiten

 
gekrönter Papst Leo XIII.
 
Karikatur von Wilhelm Scholz zur Beendigung des Kulturkampfes. Papst und Reichskanzler fordern sich gegenseitig zum Fußkuss auf. Bildunterschrift: „Pontifex: ‚Nun bitte, genieren Sie sich nicht!‘ Kanzler Bismarck: ‚Bitte gleichfalls!‘“[1]
 
Leo XIII. Offizielles deutschsprachiges Sterbebildchen

Die Krönung Leos XIII. erfolgte am 3. März 1878 in der Sixtinischen Kapelle. Seine angegriffene Gesundheit ließ ein eher kurzes Übergangspontifikat erwarten.

Seine Wahl des Papstnamens Leo war ein Zeichen der Verehrung für Leo XII., aber auch ein Signal für den von ihm angestrebten Wandel in der Stellung des Papsttums.

Restauratives ProgrammBearbeiten

Ohne einschneidend mit der Politik seiner Vorgänger zu brechen, erstrebte er als Antwort auf die Nöte seiner Zeit die Restauration der von ihm als vorbildlich erachteten hochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat. Dabei stand die Reform des Theologiestudiums mit ihrer Orientierung an Thomas von Aquin an erster Stelle. Sein persönliches Vorbild war Innozenz III. (1198–1216). 1891 ließ er dessen Leichnam nach Rom überführen und ihn in San Giovanni in Laterano beisetzen.

Die Hinwendung zum Mittelalter fand ihren symbolischen Ausdruck im Kirchenbau jener Zeit; vornehmlich wurden neogotische Gotteshäuser errichtet. Dieses eher rückwärts gewandte Programm Leos XIII. war insofern zum Scheitern verurteilt, als er die unwiderruflichen Folgen des gesellschaftlichen Wandels im 19. Jahrhundert nicht beachtete. Mit einer Negation der Europäischen Revolutionen von 1848/49 seien ihre Folgen nicht aus der Welt zu schaffen. Das nachrevolutionäre Europa verurteilte außerdem seine Konzeption eines universalen Papsttums mit geistlichem Führungsanspruch.

Stärkung der Katholischen SoziallehreBearbeiten

Die berühmte Enzyklika Rerum Novarum (dt.: Geist der Neuerung) 1891 begründete den Ruf Leos XIII. als „Arbeiterpapst“. Er prangerte die Ausbeutung der Arbeiter an und wies auf ihre Verelendung infolge der Industrialisierung hin. Zudem beschrieb er deren negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Staat und zeigte einen Weg zur Besserung der Verhältnisse auf. Gleichzeitig wandte er sich gegen den Sozialismus als Ausweg aus der Misere und befürwortete das Privateigentum. Der Papst entwickelte mit dieser Enzyklika eine Lehre von der menschlichen Person und ihren Rechten, von der Ordnung der Wirtschaft, von der Koalitionsfreiheit der Arbeiter und der sozialen Verpflichtung des Staates. Arbeitsschutz sei eine staatliche Aufgabe, ebenso der gesetzliche Rahmen für die Arbeiterrechte. Seitdem kann man von einer lehramtlich fundierten kirchlichen Soziallehre sprechen. Diese Enzyklika wird als die „Mutter aller Sozialenzykliken“ betrachtet; die nachfolgenden Päpste bezogen sich darauf mit „Fortentwicklungsenzykliken“. Laut André Habisch, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ist die Enzyklika bis in die Gegenwart prägend für die deutsche Wirtschaftsordnung.[2]

Verhältnis zu anderen StaatenBearbeiten

In der Auseinandersetzung mit dem italienischen Staat untersagte der Papst den Katholiken die parlamentarische Mitwirkung. Durch Zugeständnisse an Bismarck (gegen den Willen der Zentrumspartei) beendete Leo XIII. den Kulturkampf. Er forderte die französischen Katholiken zum Frieden auf, denn er wollte seine Kräfte auf die Auseinandersetzung mit Italien konzentrieren, was letztlich scheiterte.

Bei der Beilegung der Streitigkeiten mit der Schweiz und den lateinamerikanischen Ländern war er erfolgreicher. Er knüpfte engere Kontakte zu den USA und Russland, die Beziehungen zu England und Spanien verbesserten sich. Die Vermittlung im Konflikt um die Karolinen (1885), ein geschickter taktischer Zug Bismarcks, wertete zusätzlich die internationale Stellung des Papstes auf. Das von ihm angestrebte Maß von politischer Mitsprache und Einflussnahme konnte er jedoch nicht erreichen.

Verhältnis zu anderen Kirchen (Ökumene)Bearbeiten

Sein Engagement für eine Beendigung der Schismen zu den Orthodoxen Kirchen und zu den Anglikanern hatte keinen Erfolg, da er von ihnen forderte, dass sie seinen Primat anerkennen und die Anglikaner ihre Weiheriten für ungültig erklären sollten.

Leo XIII. forderte mit dem Apostolischen Schreiben Orientalium dignitas (1894) von den anderen Kirchen, dass sie sich in der Frage des Primats dem Papst unterwerfen sollten.

Die apostolische Bulle Apostolicae curae erklärt die Weihe von Diakonen, Bischöfen und Priestern in den Anglikanischen Kirchen (einschließlich der Church of England) für ungültig. Gleichzeitig erkannte er die Weihen der Orthodoxen und Orientalischen Kirchen an. Die Freimaurerei verurteilte er in derselben Bulle.

Verhältnis zu den Ortskirchen und zur WeltmissionBearbeiten

Im Bewusstsein von der universalen Stellung des Papsttums verstärkte Leo XIII. den römischen Zentralismus. Die Bischöfe erhielten häufig genaue Instruktionen, und päpstliche Interventionen in den einzelnen Ländern wurden immer häufiger. Dazu wurde die Stellung der Nuntien gegenüber den Bischöfen gestärkt. Auch die zunehmenden Pilgerfahrten nach Rom und Reformen in der Organisationsstruktur der Orden (z. B. Franziskaner, Benediktiner) dienten zur Verstärkung der Bindungen von Klerus und Laien an den Hl. Stuhl.

Unter Leo XIII. wurde die Weltmission auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt und ausgeweitet. Es gab gleichsam einen Globalisierungsschub bei den kirchlichen Strukturen: 48 Apostolische Vikariate und 248 Diözesen wurden neu eingerichtet.

Verhältnis zur Theologie und zur WissenschaftBearbeiten

Der Papst unterstützte die historische Forschung und öffnete 1881 das Vatikanische Archiv für Gelehrte aller Konfessionen. 1891 gründete er die vatikanische Sternwarte Specola Vaticana in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, die einzige naturwissenschaftliche Forschungseinrichtung des Vatikans. In der Enzyklika Providentissimus Deus (1893) ermutigte Leo zum Bibelstudium und warnte gleichzeitig vor rationalistischen Interpretationen, die die Inspiration der Schrift leugneten.

1897 approbierte Leo XIII. außerdem die Gründung der Catholic University of America in Washington, D.C. Im apostolischen Brief Testem Benevolentiae (1899) verurteilte er die Häresie des Amerikanismus, einer theologischen Reformbewegung in den Vereinigten Staaten, da diese den Katholiken in den USA eine Anpassung an die Zivilreligion der US-amerikanischen Kultur vermitteln wollte. Diese Reformbewegung war aus päpstlicher Sicht zu liberal, da sie die Bedeutung von Glaubensinhalten zugunsten praktischen Verhaltens vernachlässige.

Verhältnis zur FreimaurereiBearbeiten

Am 20. April 1884 veröffentlichte Leo XIII. die Enzyklika Humanum genus, der zufolge die Menschheit aus zwei gegnerischen Gruppen besteht; die eine kämpfe für Wahrheit und Tugend, die andere für Lüge und Laster. Die eine entspreche dem Reich Gottes auf Erden, der Kirche Jesu Christi, die andere dem Königreich Satans, das durch die Freimaurerei geleitet oder gefördert werde. Im Jahr 1885 wurde er in diesem Zusammenhang Opfer des Taxil-Schwindels.[3] Spätere von ihm verfasste Schriften gegen die Freimaurerei waren Dall’alto dell’Apostolico Seggio, Custodi di quella fede und Inimica vis.

Herz-Jesu-VerehrungBearbeiten

Leo XIII. förderte die Verehrung des Herzens Jesu, dem er am 11. Juni 1899 die gesamte Menschheit weihte. Er erläuterte diese Weihe in seiner Enzyklika Annum sacrum (deutsch: Heiliges Jahr, bezogen auf das damals bevorstehende Jahr 1900).

MarienfrömmigkeitBearbeiten

Leo XIII betonte die Mittlerfunktion Marias und förderte insbesondere den Rosenkranz, dem er sieben Enzykliken widmete. „Gnade und Wahrheit (kämen) durch Jesus Christus“.(Joh 1,17 EU) Nur durch Maria würden „die Gnaden aus diesem Schatz“ uns verliehen. Niemand könne „zum Vater im Himmel kommen als durch den Sohn“. Er fuhr fort: „so ähnlich kann niemand zu Christus kommen als durch seine Mutter.“[4] Hauptmotiv der Marienfrömmigkeit sei, dass Gläubige sich an Maria wendeten, weil sie „Gottes Gerechtigkeit“ fürchteten, denn Maria als „die Mutter des allmächtigen Gottes“ sei „ganz gütig, nachsichtig und barmherzig“. Jeder Gläubige solle die „Marienverehrung zu seiner liebsten und teuersten Angelegenheit machen“.[5]

Mit der Marienverehrung Leos XIII. setzte sich Franz Graf-Stuhlhofer auseinander und äußerte Bedenken gegen das Gottesbild: „Hier wird Gott als zwar streng, aber glücklicherweise von der ihm zur Seite stehenden Maria leicht beeinflussbar dargestellt.“ Außerdem erscheine Maria „als die eigentliche Mittlerin zwischen Gott und den Menschen“. Es entstehe der Eindruck, wir „sollen uns an Maria wenden, die unsere Anliegen an Gott weiterleitet.“[6]

Tod, Organentnahme und GrabBearbeiten

Leo XIII. wurden nach seinem Tode als bisher letztem Papst sämtliche Organe entnommen. Sein Nachfolger, Pius X. (1903–1914), wünschte dies ausdrücklich nicht. Seitdem ist diese Praxis nicht mehr gängig. Allerdings flammte die Diskussion 2005 wieder auf, als Polen das Herz des verstorbenen Johannes Paul II. begehrte. Das Kardinalskollegium blieb bei der von Pius X. getroffenen Entscheidung und lehnte derartige Wünsche ab. Die Entnahme von Organen ist somit erst nach einer Kanonisation möglich. Diese werden dann als Reliquien verehrt.

Leo XIII. wurde zunächst im Petersdom bestattet. Sein heutiges Grab ist in der Basilika San Giovanni in Laterano.[7]

Enzykliken und Apostolische RundschreibenBearbeiten

Die 86 leoninischen Enzykliken und weitere apostolische Schreiben im chronologischen Überblick:

 
Philip Alexius de László: Porträt von Papst Leo XIII, 1900

Heilig- und Seligsprechungen, KirchenlehrerBearbeiten

 
Fotografie von Papst Leo XIII., aufgenommen 1903[8]

SeligsprechungenBearbeiten

Papst Leo XIII. hat folgende Personen seliggesprochen:

HeiligsprechungenBearbeiten

Folgende Personen wurden von ihm heiliggesprochen:

Ernennungen zum KirchenlehrerBearbeiten

Cyrill von Alexandrien wurde 1882 von Papst Leo XIII. zum Kirchenlehrer ernannt, 1890 folgte Johannes von Damaskus, den er außerdem zum Patron der Theologiestudenten des Ostens ausrief. Und 1893 erhob er auch Cyrill von Jerusalem zum Kirchenlehrer.

Bonaventura wurde von Papst Leo XIII. als „Fürst aller Mystiker“ bezeichnet.

 
um 1898

Wirkung Leos XIII.Bearbeiten

Sowohl von den Zeitgenossen als auch von der Nachwelt wird das Pontifikat dieses Papstes kontrovers beurteilt. Dies betrifft vor allem die zum Teil recht widersprüchliche Haltung gegenüber den Erscheinungen der Moderne.

Gemessen an seinem eigenen Anspruch erreichte Leo XIII. seine Ziele nur in begrenztem Umfang. Die katholische Kirche ging mit neuer Orientierung aus seinem Pontifikat hervor.

Leo XIII. verhalf der Kirche an der Wende zum 20. Jahrhundert zu neuem Selbstvertrauen. Es war mit sein Verdienst, dass die Kirche in den traditionell katholischen Ländern außer Frankreich, aber auch in Deutschland, zu einer relevanten Kraft der modernen Gesellschaft wurde.

 
Wappen Leos XIII.

WappenBearbeiten

Das Wappen des Papstes ist das Stammwappen der Familie Pecci: In Blau eine schlanke grüne Zypresse, darüber ein silberner Querbalken; die Zypresse unter dem Balken begleitet von zwei silbernen Lilien, über dem Balken rechts (= optisch links) ein goldener Stern mit Schweif. Der Baum wächst in zeitgenössischen Wappenzeichnungen meist aus einem grünen oder auch erdfarbenen Schildfuss. Manche Darstellungen des Wappens sind von einem Schriftband mit dem Wahlspruch „Lumen de coelo“ (Licht vom Himmel) begleitet. Frühere Darstellungen des Familienwappens zeigen den Querbalken abweichend nicht über den gesamten Schild gelegt, sondern hinter dem Baum.[9]

 
Der Papst ist Nachfolger des Apostels Petrus und Bischof von Rom. Hier ist Leo XIII. am Steuerruder der Kirche Gottes. Nach einem Gemälde des Kunstmalers Friedrich Stummel in der Wallfahrtskirche von Kevelaer.[10]

VariaBearbeiten

Papst Leo XIII. verlieh dem Vin Mariani (Mariani-Wein) eine Goldmedaille und ließ sich auf

 
Papst Leo XIII. für Mariani-Wein

einem Werbebild für das Getränk abbilden. Damals wusste man noch nicht, dass das Getränk den Ethylester des Benzoylecgonins enthält, der dem Methylester des Benzoylecgonins (Kokain) strukturell sehr ähnlich ist.

Der Papst hat aus seiner Leidenschaft für Schnupftabak nie einen Hehl gemacht.

Er war der erste Papst, dessen Stimme aufgenommen wurde. Die 45-sekündige Aufnahme hat Giovanni Bettini am 5. Februar 1903 – also fünf Monate vor seinem Tod – mit einem Phonograph auf einer Wachsrolle gemacht, während der 93-jährige Papst das Ave Maria betete. Man kann sie heute noch auf einer CD mit Gesängen des Kastraten Alessandro Moreschi hören. (Alessandro Moreschi. The Last Castrato. Complete Vatican Recordings. OPAL CD 9823, 1984; 1987)

Außerdem war er der erste Papst, der mit einer Kamera gefilmt wurde, und zwar von William Kennedy Laurie Dickson. Dickson hatte die Kamera selbst erfunden, die nach der Aufnahme vom Papst gesegnet wurde. Die Aufnahme ist noch vorhanden und in einen Film neueren Datums eingefügt worden.[11]

Mit seiner Amtszeit von mehr als 25 Jahren gehört Leo XIII. zu den am längsten regierenden Päpsten.[12] Sein unmittelbarer Vorgänger, Pius IX., war mit mehr als 31 Jahren noch länger im Amt. Später hatte Johannes Paul II. eine Amtszeit von mehr als 26 Jahren.

Im Jahre 1883 wurde auf seinen Erlass hin das Vatikanische Geheimarchiv öffentlich zugänglich gemacht. Nur wenige konnten zuvor die dort vorhandenen archivalischen Quellen nutzen.

Leo XIII. ließ ab 1887 die Cappella Pecci in der Kirche Santissime Stimmate di San Francesco neu als Grablege für Familienmitglieder der Familie Pecci ausgestalten. Dort beerdigt sind seine Mutter und sein Bruder sowie später verstorbene Angehörige der Familie.

Stefan George verfasste ein Gedicht auf Leo XIII.[13] Nach Wolfgang Frommel ist dies das einzige bedeutende deutsche Gedicht auf einen Papst.[14]

LiteraturBearbeiten

  • Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert: Von Leo XIII. zu Johannes Paul II. C.H.Beck, München 1999, ISBN 978-340-644892-8. Hier: Zwischen Anpassung und Widerstand. Leo XIII. (1878-1903). S. 45ff, in Auszügen online bei Google Books.
  • Rene Fülöp-Miller: Leo XIII. und unsere Zeit. Macht der Kirche – Gewalten der Welt. Rascher, Zürich/ Leipzig 1935.
  • Iosif R. Grigulevic: Die Päpste des XX. Jahrhunderts. Von Leo XIII. bis Johannes-Paul II. Urania, Leipzig 1984.
  • Rudolf Lill: Die Wende im Kulturkampf. Leo XIII, Bismarck und die Zentrumspartei; 1878–1880. Niemeyer, Tübingen 1973, ISBN 3-484-80068-2.
  • Bruno Moser (Hrsg.): Das Papsttum. Epochen und Gestalten. Südwest, München 1983, ISBN 3-517-00809-5.
  • Ronald J. Ross: The Failure of Bismarck’s Kulturkampf: Catholicism and State Power in Imperial Germany, 1871–1887. Catholic University of America, Washington (D.C.) 1997, ISBN 0-8132-0894-7.
  • Ekkart SauserLeo XIII, Papst. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 1451–1463.
  • Christoph Weber: Quellen und Studien zur Kurie und zur vatikanischen Politik unter Leo XIII. Mit Berücksichtigung der Beziehungen des Hl. Stuhles zu den Dreibundmächten bis 1893. Niemeyer, Tübingen 1973, ISBN 3-484-80065-8.
  • Anton de Waal: Unseres heiligen Vaters Papst Leo XIII. Leben. Russell’s, Münster 1881 (Online: ULB Münster)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leo XIII – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikisource: Leo XIII. – Quellen und Volltexte
  Wikisource: Leo XIII – Quellen und Volltexte (Latein)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. aus: Kladderadatsch, Nr. 14/15, 18. März 1878.
  2. Gerda Frey, Anja Zwittlinger-Fritz: Geld und Religion. Der Arbeiterpapst Leo XIII. Focus online und print, 16. September 2012.
  3. Belege hierzu unter Taxil-Schwindel (Einzelnachweise).
  4. Leo XIII. im Rundschreiben Octobri mense (1891); deutsch bei Rudolf Graber (Hrsg.): Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren. Würzburg, 2. Aufl. 1954, S. 48; die weiteren Zitate auf S. 49f.
  5. Leo XIII. im Rundbrief Augustissimae Virginis Mariae (1897); zitiert nach Graber: Die marianischen Weltrundschreiben, 1954, S. 112.
  6. Franz Graf-Stuhlhofer: Zu Heiligen beten? Heiligenverehrung gemäß der Bibel, bei Kirchenvätern sowie in heutiger kirchlicher Praxis und Lehre. Folgen Verlag, Langerwehe 2014 (E-Book; 1. gedruckte Auflage Asslar 1988), Kap. Zu Maria beten?
  7. Leo XIII. Auf: vaticanhistory.de (Memento vom 23. Dezember 2013 im Internet Archive)
  8. Die katholischen Missionen, Oktober 1903
  9. vgl. Weinand: Leo XIII, seine Zeit, sein Pontificat, und seine Erfolge. 1886, S. 210 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  10. Die katholischen Missionen. Freiburg im Breisgau, September 1903.
  11. Film über die Schätze des Vatikans. Phönix, 15. Februar 2008
  12. Die Amtszeit von Simon Petrus lässt sich historisch nicht sicher bemessen.
  13. Stefan George: Leo XIII. In: Der Siebente Ring, Berlin 1907, Volltext auf Wikisource
  14. Wolfgang Frommel: Templer und Rosenkreuz. 1943.
VorgängerAmtNachfolger
Pius IX.  Papst
1878–1903
Pius X.