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Kloster Veßra

Gemeinde in Thüringen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen fehlt
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Kloster Veßra
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kloster Veßra hervorgehoben

Koordinaten: 50° 30′ N, 10° 39′ O

Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Verwaltungs­gemeinschaft: Feldstein
Höhe: 340 m ü. NHN
Fläche: 19,78 km2
Einwohner: 304 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 15 Einwohner je km2
Postleitzahl: 98660
Vorwahl: 036873
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 025
Adresse der Verbandsverwaltung: Mauerstr. 9
98660 Themar
Bürgermeister: Wolfgang Möller (FwV)
Lage der Gemeinde Kloster Veßra im Landkreis Hildburghausen
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Kloster Veßra war ein Prämonstratenser-Stift und ist heute eine Gemeinde im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein an. Der Verwaltungssitz ist in der Stadt Themar.

GeographieBearbeiten

Kloster Veßra liegt an der Einmündung der Schleuse in die Werra.

GemeindegliederungBearbeiten

Ortsteile sind Neuhof (im 17. Jahrhundert hervorgegangen aus der Wüstung und dem Hof Atlas) und Zollbrück.

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte des Ortes ist eng verbunden mit dem namengebenden, im 12. Jahrhundert gegründeten Prämonstratenserkloster, das im 16. Jahrhundert säkularisiert wurde, um danach als fürstliche bzw. von 1815 bis 1945 als staatliche Domäne Preußens bewirtschaftet zu werden. Die 1138 geweihte Stiftskirche diente nach Aufhebung des Klosters als Dorfkirche, ab 1815 als Domänenscheune und brannte 1939 aus.

Verwaltungsmäßig gehörte Veßra bis 1815 zum hennebergischen bzw. kursächsischen Amt Schleusingen, danach bis 1945 zum preußischen Landkreis Schleusingen.[2]

Die angegliederte Siedlung war stets sehr klein. 1790 gab es knapp 150 Einwohner, 1910 waren es etwa 250. Der Ort war von der landwirtschaftlichen Nutzung der Domäne geprägt. Zeitweise war er für das Gestüt der Domäne bekannt, das zwar schon seit 1677 bestand, aber an überregionaler Bedeutung erst gewann, nachdem es 1815 zum königlich-preußischen Hauptgestüt (Hauptgestüt Veßra) ausgebaut worden war. Letzteres wurde 1840 zugunsten des Hauptgestüts Graditz aufgegeben.[3][4] Die Porzellanfabrik und -malerei Herda, Bofinger & Co[5] war ab 1893 vor Ort aktiv und beschäftigte neben Formern und Schleifern auch Porzellanmaler. Die nach dem Austritt von Hugo Herda im Jahr 1906 in Bofinger & Co umbenannte Gesellschaft ging 1921 als Porzellanfabrik Kloster Veßra AG in Liquidation.[6] 1939 richtete die damals mit Sitz in Suhl (heute in Ulm) eingetragene Waffenfabrik Heinrich Krieghoff ein Nebenwerk in Veßra ein.[7]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 124 Männer und Frauen Zwangsarbeit leisten, davon 98 bei Krieghoff und 22 auf der Domäne.[8][9] Als nach der Auflösung der Domäne 1945 eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) entstanden war, wurden im Ort eine Baumschule und eine Schafzuchtanlage betrieben.

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Kloster Veßra besteht aus sechs Ratsmitgliedern:

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[10]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Klosteranlage und FreilichtmuseumBearbeiten

 
Ruine der Stiftskirche St. Marien des Klosters Veßra

Das ehemalige Prämonstratenserkloster Veßra liegt am Ortsrand unweit der Mündung der Schleuse in die Werra.

In dem von einer Mauer umgebenen, etwa sechs Hektar großen Klosterhof ragt die Ruine der Klosterkirche St. Marien auf, dem bedeutendsten romanischen Baudenkmal im Gebiet zwischen Rhön, Grabfeld und Rennsteig. Um die Klosterruine gruppieren sich weitere Gebäude der ehemaligen Klosteranlage wie die Torkapelle, die Klausur und ein Rest des Kreuzgangs.

Die Gründung des Klosters geht auf den Hennebergischen Grafen Gotebold II. († 1144) und seine Ehefrau Liutgard zurück. 1138 wurde die Stiftskirche durch Otto von Bamberg geweiht. Drei Jahre später erhielt das Kloster die päpstliche Bestätigung. Jahrhundertelang war Veßra das Hauskloster der Grafen von Henneberg, der in diesem Gebiet bis 1583 herrschenden Dynastie. Landesherr Johann Friedrich von Sachsen säkularisierte das Kloster im Zuge der Reformation im Jahr 1533, mit Ausnahme der Stiftskirche, die fortan als Dorfkirche diente. Die Grafen von Henneberg wandelten die Klosteranlage in den Jahren von 1543/1544 bis 1573, dem Todesjahr des letzten Abtes von Veßra, in eine landesherrliche Domäne um. Die neue Bestimmung führte im Laufe der Zeit zu dem teilweisen Verfall der Gebäude. Das königlich-preußische Hauptgestüt Veßra missbrauchte ab 1815 das Kirchenschiff jahrelang als Scheune. 1939 machte ein Großfeuer die Kirche zur Ruine. Die Grabkapelle der Grafen von Henneberg wird nun als Dorfkirche genutzt. Heute erkennt man noch das großartige Gotteshaus von Veßra.[11]

Nach über vierhundertjähriger Nutzung als landesherrliche, später staatliche Domäne und ab 1953 als Sitz einer LPG bekam Kloster Veßra 1975 mit dem Einzug des Agrarhistorischen Museums des Bezirkes Suhl wieder eine kulturelle Funktion. Seit 1990 beherbergt die ehemalige Klosteranlage das Hennebergische Museum Kloster Veßra, in dem sich die Gebäude der Kloster- und Domänenzeit mit den dorthin umgesetzten ländlichen Wohn-, Wirtschafts- und Kommunalbauten zu einem Freilichtmuseum verbinden. Dazu gehört auch das umgesetzte Dorfbrauhaus aus Wolfmannshausen mit der vollfunktionsfähigen Brauanlage, die mehrmals im Jahr in Betrieb genommen wird.[12]

Siehe auchBearbeiten

FilmeBearbeiten

  • Kloster Veßra – Begegnung mit der Vergangenheit. Dokumentarfilm, Regie: Robert Sauerbrey, Deutschland 2012.

LiteraturBearbeiten

  • Paul Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft XXXI. Fischer, Jena 1904 (Neudruck, Fischer, Jena 2013, ISBN 978-3-86777-378-2).
  • Günther Wölfing, Ernst Badstübner: Amtlicher Führer Kloster Veßra. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2003, ISBN 3-422-03094-8.
  • Günther Wölfing: Die Säkularisation des Klosters Veßra. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte. Band 10. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1983, ISSN 1860-8248, S. 115–135.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Schleusingen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  3. Nach anderen Quellen erfolgte die Auflösung des Hauptgestüts Veßra nicht im Jahr 1840, sondern 1843.
  4. Carl Bräuer: Vessra in Die Gestüte des In- und Auslandes. G. Schönfeld’s Verlagsbuchhandlung, Dresden 1901, S. 19ff. (online).
  5. Adressbuch der keramischen Industrie, Müller, 1906, S. 74.
  6. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Bd. 45, Teil 1, 1921, S. 167 und Bd. 30, 1906, S. 1757.
  7. John Walter: A concise dictionary of Guns & Gunmakers. Archiving Industry (PDF; englisch).
  8. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945 (Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8, Thüringen). Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 134.
  9. Renate Oschlies: Schüler erforschten die Geschichte der Zwangsarbeiter in ihrer Heimatstadt. Erst wurden sie gelobt, dann ignoriert. Getroffen in Suhl, Berliner Zeitung vom 12. Juli 2000. online.
  10. Thüringer Landesamt für Statistik
  11. Werner Herrmann: Dorfkirchen in Thüringen. Verlagshaus Thüringen, 1992, ISBN 3-86087-014-9, S. 57.
  12. Bierbrauen im Kloster Veßra