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Oberschloss (Kranichfeld)

Renaissanceschloss des ehemaligen Fürstenhauses Reuß, oberhalb der Stadt Kranichfeld in Thüringen, Deutschland
Oberschloss Kranichfeld
Blick durch die Vorburg zum Oberschloss
Blick vom Dicken Turm nach Südwesten ins Ilmtal
Blick vom Dicken Turm nach Osten

Das Oberschloss Kranichfeld ist ein Renaissanceschloss des ehemaligen Fürstenhauses Reuß, oberhalb der Stadt Kranichfeld in Thüringen, das aus einer älteren Burganlage hervorgegangen ist. Es ist im Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

BeschreibungBearbeiten

Die Schlossanlage ging aus einer mittelalterlichen Burg zur Absicherung der Handelswege durch das Ilmtal hervor. Heute spiegelt sie immer noch die Aufteilung in Vorburg und Kernburg wider. Umgeben von einer noch teilweise erhaltenen Ringmauer, besitzt sie noch den Palas und die Ruine des Bergfried. Ihr Wohnbau ist romanischen Ursprungs und wurde im 16. Jahrhundert verändert. Der 27 m hohe Bergfried, auch der „Dicke Turm“ genannt, ist seit 2002 als Aussichtsturm begehbar.[1] Eine Glaskuppel sorgt für eine Panoramaaussicht über das Mittlere Ilmtal und der weiteren Umgebung. Ein Museum im Palas zeigt die Geschichte des Oberschlosses, insbesondere die Zeit nach dem Brand von 1934.

GeschichteBearbeiten

 
„Leckarsch“ an der Erkerkonsole

Eine Burganlage der Herren von Kranichfeld wird erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. 1453 erfolgten spätgotische Umbauten oder Neubauten unter den Reußen von Plauen, jüngere Linie.[2] Ab 1530 begann unter den Herren von Reuß jüngerer Linie der Umbau zum Renaissanceschloss[3].

Die im Wesentlichen noch heute bestehende Renaissance-Anlage wird von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als ein wehrhaftes Schloss, ein sogenanntes „Burgschloss“ charakterisiert.[4] Im 17. Jh. sollte die Schlossanlage festungsartig mit Bastionen ausgebaut werden, was aber nicht umgesetzt wurde.[5] In den folgenden Jahrhunderten kam es zu mehrmaligen Eigentümerwechseln. 1898 kaufte Graf Bopp von Oberstadt das Schloss und ließ umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchführen.[6] 1906 entstanden die historistischen Neubauten des Torhauses und des Turmes neben dem Torhaus (mit Verbindungsmauer) – am Eingang der Kernburg des Oberschlosses – nach Entwürfen von Bodo Ebhardt. 1934 ist es wahrscheinlich durch Brandstiftung ausgebrannt. Der letzte Besitzer schenkte es dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler. Dieser wollte es zu einer Kultstätte ausbauen. KZ-Häftlinge eines Außenkommandos des KZ Buchenwald bauten Teile des Oberschlosses unter unmenschlichen Bedingungen wieder auf.

1945 begann ein langsamer Verfall der Anlage, der 1970 sogar der Abbruch drohte. Eine Interessengemeinschaft begann 1981 mit Stabilisierungs- und Sanierungsarbeiten. 1994 übernahm dann die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Oberschloss und setzte die Sanierungsarbeiten fort.

Das Oberschloss wurde unter anderen für Außenaufnahmen für die TV-Märchenverfilmung Der Teufel mit den drei goldenen Haaren genutzt.

LiteraturBearbeiten

  • Elmar Altwasser: Von der Burg zum Schloss und wieder zurück. Das Oberschloss zu Kranichfeld. In: Heiko Lass (Hrsg.): Von der Burg zum Schloss. Landesherrlicher und adeliger Profanbau in Thüringen im 15. und 16. Jahrhundert. 1. Auflage. quartus, Bucha bei Jena 2001, ISBN 3-931505-80-4, S. 179–191.
  • Ludger Fischer: Die Toranlage von Schloß Kranichfeld. In: Burgen und Schlösser. Jg. 37, Nr. 3, 1996, ISSN 0007-6201, S. 126–129.
  • H. Köber: Das Oberschloß zu Kranichfeld a. Ilm. In: Thüringer Fähnlein. Nr. 9. 1940, S. 125–131.
  • Paul Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Heft VII. Herzogthum Sachsen-Meiningen. Amtsgerichtsbezirke Kranichfeld und Camburg. Gustav Fischer, Jena 1890, S. 150–158.
  • Emil Ose: Das Oberschloß in Kranichfeld. In: Thüringer Monatsblätter. Nr. 42, 1934, S. 108–110.
  • Klaus Wagner: Das Oberschloss zu Kranichfeld. In: Deutsche Architektur. Nr. 17, 1968, S. 734–737.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dicker Turm am Oberschloss Kranichfeld wieder begehbar in Thüringer Allgemeine Weimar vom 25. August 2010 abgerufen am 16. April 2015
  2. Broschüre: Denkmale der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld, Tourist-Information Kranichfeld, um/vor 2017
  3. Broschüre: "Oberschloss Kranichfeld", Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 2. Auflage 2015
  4. Infotafel im Hof der ersten Vorburg, August 2017,Verfasser: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
  5. Ausstellung im Oberschloss Kranichfeld, August 2017
  6. Broschüre: "Denkmale der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld", Tourist-Information Kranichfeld, um/vor 2017

Koordinaten: 50° 51′ 4,9″ N, 11° 11′ 39″ O