Kaspisches Meer

größter See der Erde in Eurasien

Das Kaspische Meer, auch der Kaspisee genannt[2] (aserbaidschanisch Xəzər dənizi, kasachisch Каспий теңізі, persisch دریای خزر / دریای مازندران, DMG Daryā-ye Ḫazar / Daryā-ye Māzandarān „See von Mazandaran“, russisch Каспийское море, turkmenisch Kaspi deňzi), ist mit einer Fläche von etwa 371.000 km² der größte See der Erde. Der Salzsee ist ein endorheisches Gewässer, das heißt ohne natürliche Verbindung zu den Ozeanen.

Kaspisches Meer
Satellitenaufnahme des Kaspischen Meeres (Nord etwa Richtung 12.15 Uhr)
Geographische Lage Aserbaidschan, Kasachstan, Iran, Russland, Turkmenistan
Zuflüsse Wolga, Ural, Kura, Terek
Abfluss abflusslos
Orte am Ufer Aqtau, Astrachan, Baku, Bandar Anzali, Machatschkala, Rāmsar, Türkmenbaşy
Daten
Koordinaten 41° N, 51° OKoordinaten: 41° N, 51° O
Kaspisches Meer (Asien)
Tiefe unter Meeresspiegel 28 m unter dem Meeresspiegel
Fläche 371.000 km²[1]
Länge 1200 km
Breite 435 km
Volumen 78.700 km³
Maximale Tiefe 995 m, Seegrund 1023 m unter dem Meeresspiegel
Mittlere Tiefe 184 m

Besonderheiten

größter See der Erde,
tiefste natürliche Depression Europas,
Erdölförderung, fischreich

Das Binnengewässer hat etwa die Größe Japans und ist viermal größer als der Obere See als zweitgrößter See der Erde. Es wird von 130 Zuflüssen gespeist, wobei etwa 80 Prozent des Wassers das Kaspische Meer über die Wolga erreichen. Der Salzgehalt variiert, wobei er in der Nähe der Wolgamündung am niedrigsten ist. Im Mittel beträgt er 1,2 %, was etwa einem Drittel des Salzgehaltes der Ozeane entspricht. Der Wasserstand des Kaspischen Meeres war bereits mehrfach Schwankungen ausgesetzt und sinkt seit Ende der 1990er Jahre kontinuierlich um 6 bis 7 Zentimeter pro Jahr. Prognosen gehen davon aus, dass die Fläche des Kaspischen Meeres im Laufe des 21. Jahrhunderts um etwa ein Viertel schrumpfen wird.[3]

Das Kaspische Meer liegt innerhalb der großen Aralo-Kaspischen Niederung in West-Asien und im äußersten Osteuropa. Im Norden grenzt es in Russland und Kasachstan an die Kaspische Senke, im Osten an Turkmenistan, im Westen an Aserbaidschan und im Süden an den Iran (unter anderem an die Provinz Mazandaran) sowie das UNESCO-Welterbe-Gebiet des Hyrkanischen Waldes.

Völkerrechtlicher StatusBearbeiten

 
Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres

Da das Kaspische Meer kein Meer im juristischen Sinn ist, unterliegt es nicht dem Seerechtsabkommen von 1994.

Am 12. August 2018 vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der Anrainerstaaten Aserbaidschan, Iran, Kasachstan, Russland und Turkmenistan in Aqtau (Kasachstan) in einem Rahmenabkommen die Nutzung des Kaspischen Meeres unter einem eigenen Rechtsstatus – weder als See noch als Meer.[4] Die Vereinbarung ist noch von den Parlamenten zu ratifizieren. Außerdem muss die Aufteilung des Meeresbodens konkretisiert werden.[5]

Zuvor regelten Verträge aus den Jahren 1921 und 1940 die Schifffahrt und Fischerei nur zwischen dem Iran und der Sowjetunion. Sie definierten das Kaspische Meer als Binnengewässer mit dem Recht gemeinsamer Nutzung. Die mit dem Zerfall der Sowjetunion entstandenen Staaten Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan sahen sich seither benachteiligt. Sie strebten Förderrechte für Erdöl und Erdgas an sowie das Recht, hierzu Rohrleitungen zu verlegen. Russland war in der Vereinbarung wichtig, dass keine Streitkräfte von Drittstaaten – insbesondere der NATO – Zugang erhalten. Aufgrund der Sanktionen von Seiten der USA war der Iran daran interessiert, die 1996 begonnenen Verhandlungen zum Abschluss zu bringen.

NamenBearbeiten

Älteste Kulturzeugnisse finden sich auf Inschriften assyrischer Tonwaren und nennen ein „Südliches Meer“. Hekataios von Milet erwähnt es im 6. Jh. v. Chr. als „Kaspisches und Hyrkanisches Meer“; die erste Volksbezeichnung bezieht sich auf den Stamm der Kaspier, die am Südwestufer des Kaspischen Kaukasus lebten, im heutigen Aserbaidschan, die zweite bezeichnet das Ufer bei Hyrkanien, einer Landschaft an der heutigen Iranischen und südlichen Turkmenischen Küste.[6] Weitere antike Bezeichnungen sind die Ethnonyme „Alban“, „Joshgun“ und „Hyrcan“. Die wechselnde Besiedelungsgeschichte führte zu zahlreichen weiteren Namen wie z. B. der tatarischen Bezeichnung „Ag Deniz“ (Weißes Meer, vgl. auch Chasarisches Meer und Verwechslungen, z. B. „Blaues Meer“ in alten russischen Dokumenten mit dem Aralsee[7]) oder „Kasar Danizi“ bei den türkischsprachigen Chasaren, die im 5. bis 10. Jh. nordwestlich siedelten. Insgesamt haben verschiedene Völker dem See etwa 70 verschiedene Namen gegeben, darunter auch weniger etablierte Begriffe wie „Baku-Meer“ im 14. und 15. Jahrhundert nach der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt Baku in dieser Zeit.[6][8]

GeographieBearbeiten

 
Bathymetrische Karte (1863, Tiefen in Saschen)

Das Kaspische Meer, das in einer weitläufigen und bis zu 1023 m tiefen natürlichen Depression liegt, befindet sich unter anderem zwischen dem trockenliegenden Teil der großen Kaspischen Senke im Norden, der Kasachensteppe im Nordosten, dem großen Tiefland von Turan im Osten, dem Elburs im Süden und dem Kaukasus im Westen. Aserbaidschan (Küstenlänge: ca. 800 km), Iran (Küstenlänge: 750 km), Kasachstan (Küstenlänge: 1894 km), Russland (Küstenlänge: ca. 960 km) und Turkmenistan (Küstenlänge: 1768 km) grenzen daran. Das Kaspische Meer ist – je nach Definition – Teil der Grenze von Europa und Asien und zerteilt somit Eurasien in zwei Kontinente. Zum Verlauf dieser Grenze siehe unter innereurasische Grenze.

Die Fläche des Kaspischen Meeres betrug (Ende 2004) nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation 371.000 km²[1], damit ist der See die größte von Land umschlossene Wasserfläche der Erde beziehungsweise deren größtes Binnengewässer. Die Fläche des Kaspischen Meeres entspricht ungefähr der Fläche von Deutschland und Belgien oder auch der Ostsee ohne das Kattegat. Da das Kaspische Meer jedoch bereits seit Mitte der 1990er Jahre schrumpft, verlieren auch präzise Flächenangaben relativ schnell ihre Aussagekraft.[9]

Seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 1200 km, seine West-Ost-Ausdehnung umfasst 435 km (im Mittel 300 km). Während der große Nordteil im Mittel nur etwa 6 m tief ist, beträgt seine tiefste Stelle im Süden 995 m. Weil seine Wasseroberfläche 28 m unter dem Meeresspiegel liegt, befindet sich dieses Tiefenmaximum 1023 m unter dem Meeresspiegel und ist damit die zweittiefste natürliche Depression der Erde nach dem Baikalsee, dessen Seegrund sich 1182 m unter dem Meeresspiegel befindet.

Das Kaspische Meer besitzt keine natürliche Verbindung zu den Ozeanen. Es ist damit ein See und trägt die Bezeichnung „Meer“ nur aufgrund seiner Größe und des Salzgehalts des Wassers. Ein früher geläufiger Name war Kaspisee. Über die Wolga, den Wolga-Don-Kanal und den Don besteht aber eine schiffbare Verbindung über das Asowsche Meer zum Schwarzen Meer, über die Wolga, den Wolga-Ostsee-Kanal, Onegasee und die Newa zur Ostsee und vom Onegasee abzweigend über den Weißmeer-Ostsee-Kanal zum Weißen Meer.

EntstehungsgeschichteBearbeiten

Das Kaspische Meer ist wie das Schwarze Meer und der Aralsee ein Rest der Paratethys, eines Binnenmeeres, das sich während des Oligozäns und des Großteils des Neogens von Westeuropa bis nach Zentralasien erstreckte. Gegen Ende des Miozäns bildete sich eine Grenze zum Schwarzen Meer heraus, seit Beginn des Pliozäns kam es zu einer Serie von starken Wasserstandsschwankungen, wodurch die Größe stark variierte. Bei niedrigem Wasserstand schrumpfte das Kaspische Meer auf einen See in den tiefsten Bereichen im Süden, in Zeiten hohen Wasserstandes kam es zu Wiedervereinigungen mit dem Schwarzen Meer. Zum bisher letzten Mal geschah dies zu Ende der Eiszeiten, als die Eismassen der sibirischen Gletscher abtauten und die Manytschniederung geflutet wurde. In Richtung Osten entstand in der Aralo-Kaspischen Niederung eine Verbindung zum Aralsee.

 
Paläogeographie der westlichen Tethys-Region und ihrer Umgebung während des Oligozäns. Die Paratethys endete in Südeuropa und wurde durch das Mittelmeer ersetzt, ferner sieht man die Umrisse des Schwarzen Meeres, des Kaspischen Meeres und des Aralsees.

Schwankungen des WasserspiegelsBearbeiten

 
Strand bei Chezer Schahr (Provinz Mazandaran, Iran)
 
Das Kaspische Meer bei Baku (Aserbaidschan)

Der Wasserstand des Kaspischen Meeres wird seit 1840 aufgezeichnet. Im 20. Jahrhundert ging die Wasserfläche von Anfang der 1930er Jahre bis in die 1980er Jahre dramatisch zurück; zu Beginn dieses Zeitraums soll die Seefläche etwa 420.000 km² groß gewesen sein.[10] Das Absinken des Seespiegels vollzog sich vor allem in den Jahren 1930–1941 und 1970–1977 mit einer Geschwindigkeit von 16 beziehungsweise 14 cm pro Jahr, insgesamt um rund drei Meter.[11] Danach stieg der Pegel, bis 1996, fast auf das Ursprungsniveau an und sinkt seitdem kontinuierlich um 6,5 bis 7 cm im Jahresdurchschnitt.[12]

Die russische Regierung erwog bereits die Umleitung von sibirischen Flüssen, um das Kaspische Meer und den Aralsee mit zusätzlichem Wasser zu versorgen, als 1978 die Trendwende kam, und der Wasserspiegel wieder zu steigen begann.[12]

Die Kara-Bogas-Bucht, eine ehemals sehr flache, aber große östliche Ausbuchtung des Kaspischen Meeres, wurde 1980 an der schmalsten Verbindungsstelle durch einen Damm abgeriegelt, weil in diesem trockenen, heißen Gebiet die Verdunstung besonders hoch war. Nach dem Dammbau kam es zur völligen Austrocknung der Lagune und zur Umwandlung in eine für die Umwelt gefährliche Salzwüste. Da der Einbau von Schleusen in den Jahren 1985–1991 die Situation nicht wesentlich verbesserte, wurde der Damm 1992 beseitigt.(Beleg fehlt)

Zwischen 1978 und 1994 stieg der Wasserspiegel des Sees mit einer jährlichen Rate von 14 cm bis 40 cm an. Weitläufige Überschwemmungen des Festlandes, in einer Breite von 5–25 km und über eine Länge von 1500 km, waren die Folge. Dadurch wurden 2 Millionen Hektar Land überflutet. Der wirtschaftliche Schaden wurde mit rund 12 Milliarden US-Dollar beziffert, etwa eine Million Menschen waren betroffen.[13]

 
Das Kaspische Meer in der Provinz Mazandaran (Iran)
 
Das Kaspische Meer bei Rāmsar (Iran). Reste von Sichtschutzwänden, die die Strände zwischen Männern und Frauen abteilten.
 
Erdölförderung im Kaspischen Meer

Der Anstieg des Wasserspiegels um über zweieinhalb Meter, von -29 m (1977) auf -26,6 m führte 1995 zu einem vorläufigen Maximum.[12] Seitdem sinkt der Wasserstand, nach Angaben der Vereinten Nationen im Durchschnitt um bis zu 7 cm pro Jahr.

In den Phasen von 1979 bis 1995 sowie von 1996 bis 2015 stieg die Temperatur an der Wasseroberfläche im Durchschnitt um jeweils ein Grad Celsius. Um in der Zukunft die Pegelstände einschätzen zu können und Schäden vorbeugend vermeiden zu können, werden vergleichende Simulationsberechnungen durchgeführt, die klimatische Veränderungen, Wasserentnahmen und mögliche externe Risiken berücksichtigen. Die Mehrzahl der Simulationen prognostiziert eine Fortsetzung des aktuellen Trends, d. h. eine weitere Abnahme der Wassermenge im Kaspischen Meer im Laufe des 21. Jahrhunderts. Einer der Hauptgründe liegt in der steigenden Verdunstung durch das Ansteigen der Wasseroberflächentemperatur.[9]

Dabei sollte man auch den Einfluss auf das Weltklima berücksichtigen. Eine Studie, die 2021 vier unterschiedliche klimatische Entwicklungs-Szenarios für das Kaspische Meer berechnete und verglich, kam nicht nur zu dem Ergebnis, dass der See weiter schrumpfen würde, sondern stellte darüber hinaus fest, dass dies umfangreiche Auswirkungen auf die gesamte Region haben wird. Es wird prognostiziert, dass die Verdunstung weiter zunimmt, die Frostperioden im Winter sich weiter verkürzen und die Regenfälle unberechenbarer werden. Die Gesamtauswirkungen sind so signifikant für das Weltklima, dass die Verantwortlichen der Studie, empfehlen, sie für Klimasimulationen einzubeziehen, welche die Entwicklung der globalen Erwärmung berechnen.[14]

InselnBearbeiten

Im Kaspischen Meer befinden sich zahlreiche Inseln. Die meisten sind klein und unbesiedelt, aber es gibt auch einige besiedelte. Viele der Inseln nahe Aserbaidschan sind wegen ihrer Erdölvorkommen bedeutsam.

So hat die Bulla-Insel vor der Küste Aserbaidschans bedeutende Erdölvorkommen. Gleiches gilt für die Pirallahı-Insel. Hier fand die erste Ölbohrung im Kaspischen Meer statt und hier gab es auch einen der ersten Erdölfunde in Aserbaidschan.

Nargin, die größte Insel in der Baku-Bucht, ist ein früherer sowjetischer Militärstützpunkt. Aschūradeh liegt am östlichen Ende der Miankaleh-Halbinsel nordöstlich der Gorgan-Bucht nahe der Iranischen Küste. Aschuradeh wurde durch einen Kanal von der Halbinsel getrennt.

Verschiedene Inseln, speziell nahe Aserbaidschan, erlitten durch die Ölproduktion enorme Umweltschäden, beispielsweise Dasch Sirja, obwohl dort immer noch Robben leben.

Im Nordosten des Kaspischen Meeres liegen die Tjuleni-Inseln (Robbeninseln).

Vor der Küste Dagestans liegen die Insel Tschetschen und die Robbeninsel.

Einige Inseln liegen vor der Küste des Wolgadeltas und gehören zu Kalmückien und zur Oblast Astrachan, bzw. zum Gebiet Atyrau in Kasachstan.

Die Inseln, die zu Russland gehören, wie Werchni Oseredok, liegen in der Grenzzone der Russischen Föderation und können nicht betreten werden.

BodenschätzeBearbeiten

Unter dem Seeboden befinden sich insbesondere bei Baku sehr große Reserven an Erdöl und Erdgas. Geologen vermuten zwischen 15 und 50 Milliarden Barrel Erdöl auf dem Grund und an den Küsten des Kaspischen Meeres.[15] Optimistische Schätzungen lauten auf bis zu 100 Milliarden Barrel, die einen Wert von fünf Billionen US-Dollar verkörpern sollen.

In der Kara-Bogas-Bucht wird Salz abgebaut.

ZuflüsseBearbeiten

 
Satellitenaufnahme des Wolgadeltas
 
Das Kaspische Meer bei Türkmenbaşy (Turkmenistan)

Das Kaspische Meer wird von etwa 130 Zuflüssen gespeist. Dabei ist die Wolga mit Abstand der größte Zufluss zum Kaspischen Meer, er mündet im artenreichen Wolgadelta und ist für etwa 80 Prozent des Wassereintrags verantwortlich.[14] Zu den größten Zuflüssen des Kaspischen Meeres zählen:

Name Länge
(km)
Einzugsgebiet
(km²)
Fördermenge
(m³/s)
Lage
Atrak 669 27.300 9,2 Iran, Turkmenistan
Emba 712 40.400 17,5 Kasachstan
Kuma 802 33.500 10 Russland
Kura 1.364 218.906 575 Türkei, Georgien, Aserbaidschan
Samur 213 7.330 75 Russland, Aserbaidschan
Sefid Rud * 670 13.450 157[16] Iran
Sulak 144 15.200 176 Russland
Terek 623 43.200 305 Georgien, Russland
Ural 2.428 244.280 297 Russland, Kasachstan
Wolga 3.530 1.360.000 8.064 Russland

* Weißer Fluss, auch Sepid Rud bzw. Kisil Usen genannt

SalzgehaltBearbeiten

Im Norden, wo die beiden Hauptzuflüsse Wolga und Ural einmünden, ist der Salzgehalt nur sehr gering; in Richtung Süden, wo es kaum noch nennenswerte Zuflüsse gibt, steigt er an: Das Maximum fand sich mit über 30 % an den Salzlagerstätten in der Kara-Bogas-Bucht (Kara-Bogas-Gol) in Turkmenistan. Im Mittel beträgt der Salzgehalt 1,1 bis 1,3 % und liegt damit bei etwa einem Drittel der Konzentration in den Ozeanen.

Die große Differenz im Salzgehalt zwischen der Kara-Bogas-Lagune und dem Kaspisee davor bietet das Potential zur Stromgewinnung durch ein Osmosekraftwerk.[17]

Flora, Fauna und NaturschutzBearbeiten

 
Der Beluga-Stör Huso huso ist ein lebendes Fossil und vom Aussterben bedroht
 
Krauskopfpelikane Pelecanus crispus am Ufer des Kaspischen Meeres
 
Der Russische Stör auf einer Briefmarke aus Aserbaidschan

Bei fast 400 der am Kaspischen Meer heimischen Tier- und Pflanzenarten handelt es sich um endemische Arten, die nur hier zu finden sind.[18]

Durch die langsame Verdunstung und das Absinken des Wasserpegels, wird ein Szenario prognostiziert, dass auf einer Fläche von etwa 93.000 Quadratkilometern neue Wüsten entstehen, die den entsprechenden Flächen um den ehemaligen Aralsee ähneln werden.[3]

Im Vergleich zum Stand von vor 50 Jahren waren bis 2019 bereits insgesamt 50 bis 75 Prozent der endemischen Arten am Kaspischen Meer entweder bedroht, stark gefährdet oder bereits ausgestorben.[19]

Obwohl zahlreiche der hier lebenden Arten vom Aussterben bedroht sind und vom IUCN auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt werden, gibt es nur sehr wenige Naturschutzgebiete.

In Turkmenistan wurde 2009 das Hazar-Naturreservat eingerichtet, das südlich der Stadt Türkmenbaşy an der Ostküste des Kaspischen Meeres liegt. Zu den im Schutzgebiet vertretenen Arten zählen als gefährdet eingestufte Spezies, wie die Kaspische Robbe, der Beluga-Stör, der Russische Stör, der Sternhausen-Stör und der Glatt-Stör sowie das Kaspineunauge. Das Hazar Naturreservat steht auf der Vorauswahlliste zum UNESCO-Weltnaturerbe.[20]

In Russland befindet sich an der Nordwestküste des Kaspischen Meeres das Dagestan Naturreservat (siehe hierzu engl. Eintrag Dagestan Nature Reserve), welches sich an der Nordwestküste des Kaspischen Meeres befindet. Der Lebensraum wird von zahlreichen Spezies genutzt, unter ihnen auch Arten, wie der als gefährdet eingestufte Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus).[21]

In Aserbaidschan befindet sich das ehemalige Schutzgebiet Qızılağac, dass nicht nur einen Teil der Westküste des Kaspischen Meeres beinhaltet, sondern seit 2018 unter dem Namen Ghizilagaj National Park nicht nur die IUCN-Kategorie 2 trägt, was dem Status eines Nationalparks entspricht, sondern auch das erste Meeresschutzgebiet des Kaspischen Meeres beinhaltet. Das Gebiet soll zur Rettung von sechs Arten beitragen, die von der Ausrottung bedroht sind, darunter der Kaspische Lachs und der Beluga-Stör.[22]

Für einige vom Aussterben bedrohte Arten, wie die Kaspische Robbe wurden darüber hinaus weitere (noch ungeschützte) Gebiete ausgewiesen, durch deren Schutz eine Rettung der Spezies sichergestellt werden soll.[23]

Einige Pflanzenarten tragen Namen, die direkt auf ihre Herkunftsregion hindeuten, wie z. B.:

TierweltBearbeiten

FischeBearbeiten

Im Kaspischen Meer leben etwa 150 Fischarten[24][25], trotz des brackigen Wassers vor allem Süßwasserfische. Wirtschaftliche Bedeutung haben vor allem die vom Aussterben bedrohten Störe (einschließlich des Beluga-Störs) sowie zahlreiche Fischarten, die teilweise für die Fischerei eingeführt wurden. Eine kulinarische Spezialität des Kaspischen Meeres ist noch immer der Kaviar, dessen Gewinnung mittlerweile überwiegend in Aquakulturen erfolgt. Außerdem gibt es reichlich z. T. endemische Heringsverwandte und wilde Karpfen.

Fischarten des Kaspischen Meeres 
Störe
Heringsartige
Schmerlenartige
Karpfenfische
Lachsartige
Grundeln
Barschverwandte
Sonstige
 
Die stark gefährdete Kaspische Robbe zählt zu den endemischen Arten

Weitere Tierarten im und am Kaspischen MeerBearbeiten

Unvollständige Auswahl einiger für die Region typischer Tiere:

  • Kaspische Robbe, Phoca caspica, bisher wurden kaum Maßnahmen zum Schutz der Meeressäuger ergriffen, von denen 2021 nur noch etwa 500 im Kaspischen Meer gezählt werden konnten.[26]
  • Rohrkatze, Felis chaus, an der Westküste, sowie im Süden des Kaspischen Meeres[27]

Häfen und StädteBearbeiten

Name Einwohner Lage
Aqtau 0181.526 Kasachstan
Astara (Aserbaidschan) 0017.100 Aserbaidschan
Astara (Iran) 0045.935 Iran
Astrachan 0520.339 Russland
Atyrau 0196.494 Kasachstan
Bābolsar 0053.684 Iran
Baku 2.181.800 Aserbaidschan
Bandar Anzali 0114.105 Iran
Bandar-e Torkaman 0049.059 Iran
Derbent 0119.200 Russland
Fort Schewtschenko 0004.888 Kasachstan
Isberbasch 0055.646 Russland
Kaspijsk 0100.129 Russland
Lenkoran 0048.400 Aserbaidschan
Machatschkala 0572.076 Russland
Nouschahr 0043.635 Iran
Sumgait 0333.600 Aserbaidschan
Türkmenbaschy 0073.803 Turkmenistan

LiteraturBearbeiten

  • Gundula Bahro: Die ökologische Krise des kaspischen Meeres und der Kaspiregion. Seite 161 ff. mit Literaturangaben in: Ernst Giese, Gundula Bahro, Dirk Betke: Umweltzerstörungen in Trockengebieten Zentralasiens (West- und Ost-Turkestan). Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998.
  • V. A. Zubakov: History and Causes of Variations in the Caspian Sea Level: the Miopliocene, 7.1—1.95 Million Years Ago. In: Water Resources. 28/2001, S. 249–256, ISSN 0097-8078
  • H. J. Dumont: The Caspian Lake: History, biota, structure, and function. In: Limnology and Oceanography, 43(1), 1998, 44–52 (online einsehbar) (PDF; 1,3 MB)
  • Zhenis Kembayev: Die Rechtslage des Kaspischen Meeres (Summary: The Legal Status of the Caspian Sea). In: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, 68(4), 2008, 1027–1055.
  • Igor S. Zonn, Andrey G. Kostianoy, Aleksey N. Kosarev, Michael Glantz: The Caspian Sea Encyclopedia. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2010.

WeblinksBearbeiten

Commons: Kaspisches Meer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kaspisches Meer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Applications. The Caspian Sea ESA, abgerufen am 10. Februar 2022
  2. Duden.
  3. a b Felis chaus. Geographic Range The Moscow Times. aufgerufen am 9. Februar 2022.
  4. Caspian Sea: Five countries sign deal to end dispute. In: BBC. 12. August 2018, abgerufen am 12. August 2018.
  5. Anrainerstaaten einigen sich über Zukunft des Kaspischen Meeres. In: Spiegel Online. 12. August 2018, abgerufen am 12. August 2018.
  6. a b Kaspische Etymologie auf der Website der Heydar-Aliyev-Stiftung, abgerufen am 31. Januar 2018 (aze.)
  7. Blaues Meer. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 5. Auflage. Band 1, F. A. Brockhaus, Leipzig 1911, S. 219.
  8. Geschichte der Hauptstadt Baku – azerbaijans.com, abgerufen am 7. Januar 2019.
  9. a b S. A. Koriche, J. S. Singarayer, H. L. Cloke (2021): The fate of the Caspian Sea under projected climate change and water extraction during the 21st century. Environmental Research, Letter 16 094024 doi:10.1088/1748-9326/ac1af5
  10. Der Brockhaus von 1888 gibt die Fläche noch mit 439.864 km² an. Für 1894 wurden für die Fläche nur noch 438.688 km² angegeben, „wovon 2236 km² auf die Inseln entfallen“. Kaspisches Meer oder Kaspisee. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 10. Band, S. 218–219.
  11. Projektbeschreibung caspage.citg.tudelft.nl (englisch, Webarchiv)
  12. a b c The Caspian Sea Level Changes: Causes and Consequences Ahmed-Yesevi-Universität, aufgerufen am 7. Januar 2022.
  13. Uwe Schulte: Ertrinkt das Kaspische Meer? In: Deutsche Apothekerzeitung. (DAZ) 2008, Nr. 51, S. 108, 18. Dezember 2008.
  14. a b S. A. Koriche, S. D. Nandini-Weiss et al. (2021): Impacts of Variations in Caspian Sea Surface Area on Catchment-Scale and Large-Scale Climate. JGR Atmospheres Volume 126, Issue 18, 27 September 2021 doi:10.1029/2020JD034251
  15. CRS Report for Congress (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive)
  16. Safiyeh Haghani, Suzanne A. G. Leroy: Recent avulsion history of Sefidrud, south west of the Caspian Sea. In: Quaternary International. 27. Juni 2018, ISSN 1040-6182, doi:10.1016/j.quaint.2018.06.034 (sciencedirect.com [abgerufen am 11. Juli 2019]).
  17. Holger Dambeck: Grüner Strom aus süßem Wasser. Der Spiegel, 30. März 2012.
  18. Wimmelndes Leben inmitten der Wüste. Naturparadies Kaspisches Meer? Scinexx, aufgerufen am 9. Februar 2022
  19. Besorgniserregend rascher Schwund einzigartiger Flora und Fauna in der Region des Schwarzen und Kaspischen Meers CORDIS, aufgerufen am 9. Februar 2022
  20. Hazar State Nature Reserve UNESCO, aufgerufen am 9. Februar 2022
  21. Dalmatian Pelican Washingtoner Artenschutzübereinkommen, CITES, aufgerufen am 9. Februar 2022
  22. Azerbaijan to create the first Marine Protected Area in the Caspian Sea IUCN, aufgerufen am 9. Februar 2022
  23. Endangered Caspian Seal Habitat Awarded Important Marine Mammal Area Status IUCN, aufgerufen am 9. Februar 2022
  24. Petru Banaescu: Zoogeography of Fresh Waters. Band 2, AULA, Wiesbaden 1992, ISBN 3-89104-482-8 (englisch)
  25. Fishspecies in Caspian Sea (englisch)
  26. NABU zählt nur 500 Kaspische Robben. Bestände der Art massiv eingebrochen NABU, aufgerufen am 9. Februar 2022
  27. Felis chaus. Geographic Range IUCN, aufgerufen am 9. Februar 2022
  28. Steppenmöwe, Larus cachinnans Birds Online.ch, aufgerufen am 9. Februar 2022
  29. M. Adel, H. N. Saravi, M. Dadar et. al (2017): Mercury, lead, and cadmium in tissues of the Caspian Pond Turtle (Mauremys caspica) from the southern basin of Caspian Sea. Environmental Science & Pollution Research International 24(4):3244-3250. doi:10.1007/s11356-015-5905-5 PMID 26686855
  30. Lacerta strigata EICHWALD, 1831 The Reptile Database, aufgerufen am 9. Februar 2022
  31. Dolichophis caspius (GMELIN, 1789) The Reptile Database, aufgerufen am 9. Februar 2022