Jim Inhofe

US-amerikanischer Politiker und Senator für den Bundesstaat Oklahoma

James Mountain „Jim“ Inhofe (* 17. November 1934 in Des Moines, Iowa) ist ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und seit 1994 Senator für den Bundesstaat Oklahoma.

James Inhofe (2017)

Vorher war er von 1967 bis 1969 Mitglied im Repräsentantenhaus und von 1969 bis 1977 im Senat von Oklahoma. Zwischen 1987 und 1994 vertrat er Oklahoma im US-Repräsentantenhaus. Außerdem war er 1978 bis 1984 Bürgermeister von Tulsa.

Jugend und frühe KarriereBearbeiten

Inhofe zog als Kind mit seiner Familie nach Tulsa, Oklahoma. Er diente von 1957 bis 1958 in der United States Army.[1] 1973, mit 39 Jahren, erwarb er einen B.A. an der University of Tulsa[1] Inhofe arbeitete als Präsident der Quaker Life Insurance Company, die in seiner Amtszeit Insolvenz anmeldete.[2]

Er hat (Stand 2008) eine Pilotenlizenz, besitzt ein Flugzeug und ist Mitglied der Pilotenvereinigung AOPA.[3]

Inhofe ist seit 1959 verheiratet mit Kay Inhofe, geb. Kirkpatrick; sie haben vier Kinder. Ihr Sohn Perry stürzte im November 2013 mit seinem Flugzeug ab und starb.[4]

Politische KarriereBearbeiten

Inhofe engagiert sich seit den 1960ern politisch. Von 1967 bis 1969 saß er für die Republikaner im Repräsentantenhaus von Oklahoma und von 1969 bis 1977 im Senat des Staates. Die letzten vier Jahre war er dort republikanischer Oppositionsführer. 1976 verzichtete er auf eine Wiederwahl, um letztlich erfolglos für das US-Repräsentantenhaus zu kandidieren. 1978 gewann er wieder ein politisches Amt: Er wurde Bürgermeister von Tulsa – ein Amt, das er bis 1984 ausübte.

KongressBearbeiten

 
Inhofes offizielles Bild aus dem 100. Kongress (1987)

Als der demokratische Sitzinhaber Jim Jones 1986 nicht mehr zur Wiederwahl antrat, kandidierte Inhofe. Er gewann die Wahlen in den Jahren 1986, 1988, 1990 und 1992 im 1. Kongresswahlbezirk von Oklahoma, der seitdem als republikanische Hochburg gilt.

1994 wählte die University of Oklahoma den damaligen demokratischen Senator aus Oklahoma, David Boren, zu ihrem Präsidenten. Boren kündigte an, als Uni-Präsident anzutreten, sobald ein Nachfolger im Senat gewählt sei, und so fand in Oklahoma eine Nachwahl statt, zu der Inhofe antrat. Die Wahl, die zeitgleich mit der Repräsentantenhaus-Wahl und der Senatswahl stattfand, war landesweit ein republikanischer Erdrutschsieg. Inhofe saß für die verbleibenden zwei Jahre von Bowens Wahlperiode im Senat. Bei den Wahlen 1996, 2002, 2008, 2014 und 2020 wurde er im Amt bestätigt. Im US-Senat ist er seit Januar 2015 Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und öffentliche Bauten, was er bereits von 2003 bis 2007 war, und sitzt ebenfalls im Streitkräfteausschuss.

Er vertrat 2018 den todkranken John McCain als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des US-Senats und übernahm nach McCains Tod den Ausschussvorsitz.[5]

Inhofe hat während seiner Zeit in einer der beiden Kammern der US-Kongresses fünf Regierungswechsel zwischen Republikanern und Demokraten miterlebt; er war dadurch mal auf Seiten der Regierungspartei und mal auf Seiten der Oppositionspartei: Als er 1986 begann, war der Republikaner Ronald Reagan US-Präsident, 1993 bis 2001 war es Bill Clinton (Dem), 2001 bis 2009 George W. Bush (Rep), 2009 bis 2017 Barack Obama (Dem), 2017 bis 2021 Donald Trump (Rep) und ab 2021 wird es Joe Biden (Dem) sein.

Politische PositionenBearbeiten

 
Jim Inhofe mit dem geschäftsführenden Verteidigungsminister der USA, Patrick Shanahan, bei der Münchener Sicherheitskonferenz (2019)

Inhofe gilt als ausgesprochen konservativer Republikaner. Bei der Wahl zum Senat 1994 warb er mit dem Slogan “God, Guns and Gays” (Gott, Waffen und Schwule) und sprach sich öffentlich für Schulgebete, gegen die Kontrolle von Waffenbesitz und gegen die Zulassung Homosexueller zum Militär aus.[6] Generell vertritt er einen wirtschaftsfreundlichen und gegen die Umwelt gerichteten Kurs.[7] Unter anderem gilt Inhofe als der republikanische Politiker, der am profiliertesten die menschengemachte globale Erwärmung leugnet.[8] So nannte er sie den größten Schwindel („hoax“), mit dem das amerikanische Volk jemals hinters Licht geführt werden sollte, und eine „Verschwörung“.[9] Nur die Trennung von Staat und Kirche sei ein noch größerer Schwindel.[7] Als Vorsitzender des Umweltausschusses des Senats machte er diesen zu einem wichtigen Pfeiler der organisierten Klimawandelleugnerszene, zudem forderte er, führende Klimaforscher vor Gericht zu bringen. Er steht in enger Verbindung mit Marc Morano, der für ihn eine bedeutende Klimaleugner-Website betreibt.[8]

 
Inhofe 2015 bei einer Senatsrede, bei der er mit einem Schneeball gegen die Existenz der globalen Erwärmung argumentierte

Im Februar 2015 brachte er einen Schneeball mit zu einer Senatssitzung und führte die Existenz von Schnee als Beweis gegen die globale Erwärmung sowie die kurz zuvor bekannt gegebenen Rekordtemperaturen des Jahres 2014 an.[10] Hierbei verwechselte er mit voller Absicht Klima und Wetter; tatsächlich behauptet die Klimaforschung nicht, dass zukünftig kein Schnee mehr fallen würde.[11] Zuvor hatte er in seinem Buch The Greatest Hoax: How the Global Warming Conspiracy Threatens Your Future einen Bibelvers aus dem 1. Buch Mose (Gen 8,22 EU) über die Schöpfungsgeschichte der Erde als Beweis gegen die Existenz des menschengemachten Klimawandels angeführt. In dieser Bibelstelle, die Inhofe seine Lieblingsbibelstelle nannte, wird ausgeführt, dass es Frost und Hitze geben soll, solange die Erde existiert.[12]

Menschen, die an die globale Erwärmung glauben, verglich er 2006 mit Nazis, die US-Umweltbehörde EPA mit der Gestapo. 2008 behauptete er, die Luftverschmutzung sei auf einem Allzeittief, und lehnte damit schärfere Umweltgrenzwerte ab. Diese würden der Wirtschaft schaden, hätten aber keine nennenswerten Effekte auf die Umwelt. 2005 kämpfte er gegen die Ausweitung von Quecksilber­grenzwerten auch auf Öl- und Gasfeuerungen.[7]

Inhofe hat außerdem mehrfach öffentlich geäußert, dass er die meisten Vorhersagen über das Ozonloch für eine Erfindung hält. Als Vorsitzender des Senats-Umweltausschusses blockierte er einen Gesetzentwurf, der den Ausstoß von Treibhausgasen vermindert und einen Handel mit Emissionsrechten vorgeschrieben hätte. Er machte den 2004 erschienenen Roman State of Fear (Welt in Angst), der von einer weltweiten Verschwörung von Umweltschützern handelt, zur Pflichtlektüre für den Senatsausschuss.[13]

Im September 2013 lehnte Inhofe einen Militärschlag gegen Syrien ab.[14]

WeblinksBearbeiten

Commons: James Inhofe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Jim Inhofe im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)
  • Website

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b James Mountain Inhofe, Biographical Directory of the United States Congress (Memento vom 21. September 2016 im Webarchiv archive.today)
  2. Hyde Mulvihill APC Lawyers – “Insurers in Liquidation, Rehabilitation and under Conservation/Supervision” (Memento vom 9. Mai 2006 im Internet Archive)
  3. www.aopa.org (toter Link)
  4. usatoday.com
  5. Jim Inhofe named chairman of Senate Armed Services Committee, replacing John McCain. In: The Washington Examiner, 5. September 2018. Abgerufen am 20. April 2019.
  6. Oklahoma’s Inhofe on attack again in Senate race, USA Today, 18. September 2008
  7. a b c John H. Barnhill: Inhofe, James. In: Mathew Lindstrom (Hrsg.): ‘Encyclopedia of the US Government and the Environment’. History, Policy and Politics. Vol. 1, ABC-CLIO 2011, S. 417f.
  8. a b Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press, 2011, S. 144–160, insb. 153f.
  9. Jim Inhofe: The Greatest Hoax. How the Global Warming Conspiracy Threatens your Future. WND Books, Washington, D.C. 2012.
  10. Republican Senate environment chief uses snowball as prop in climate rant. In: The Guardian, 26. Februar 2015. Abgerufen am 13. November 2016.
  11. Michael Brüggemann: Die Medien und die Klimalüge. Falsche Skepsis und echte Leugnung. In: Volker Lilienthal, Irene Neverla (Hrsg.): „Lügenpresse“ : Anatomie eines politischen Kampfbegriffs. Köln 2017, S. 137–157, hier S. 142.
  12. Forget about that snowball — here’s what climate change could actually do to our winters. In: Washington Post, 3. März 2015. Abgerufen am 12. November 2017.
  13. Michael K. Janofsky: Michael Crichton, Novelist, Becomes Senate Witness. New York Times, 29. September 2005
  14. welt.de 3. September 2013: Einflussreiche Republikaner wollen Assad angreifen