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Hermsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Gera in Thüringen.

Hermsdorf
Stadt Gera
Koordinaten: 50° 57′ 43″ N, 12° 9′ 6″ O
Höhe: 292 m ü. NN
Fläche: 2,6 km²
Einwohner: 566 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 218 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1994
Postleitzahl: 07554
Vorwahl: 036695
Hermsdorf (Thüringen)
Hermsdorf

Lage von Hermsdorf in Thüringen

Fachwerkhaus in Hermsdorf, 2012
Fachwerkhaus in Hermsdorf, 2012

GeografieBearbeiten

Hermsdorf ist im Nordosten der Stadt Gera gelegen und grenzt unmittelbar an die schon zu Sachsen-Anhalt gehörende Ortschaft Heuckewalde. Der Ort liegt in einer sanften, von flachen Anhöhen umgebenen Talsenke in der Hochebene, die Kleine Schnauder hat hier ihr Quellgebiet.

GeschichteBearbeiten

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung als Herbrandesdorf stammt von 1364; in späteren Verbriefungen tauchen die Schreibweisen Hermersdorf (1533) oder Hernsdorf (1564) auf. Dem Namen und der Ausformung als Straßendorf nach ist der Ort eine deutsche Gründung; Namensgeber dürfte ein Lokator namens Herbrand gewesen sein.[1]

Über die Jahrhunderte bis heute hat der Ort eine feste Bindung in den ehemals kursächsischen, ab 1815 preußischen und heute sachsen-anhaltischen Nachbarort Heuckewalde. Hier befinden sich die evangelische Kirchgemeinde, der Friedhof und der Kindergarten. Von 1750 bis 1970 war Heuckewalde auch zuständiger Schulort. Der Ort unterstand bis 1854 einesteils der v. tümplingschen und andererseits der v. herzbergschen Patrimonialgerichtsbarkeit (siehe "Rittergüter"). Daneben existierten noch einige Amtslehen bzw. Zeitzer Kirchkastenlehen. Hermsdorf schulte, begrub und pfarrte nach Heuckewalde, wobei für den Unterhalt der Kirche ein Drittel bzw. der Schule die Hälfte der Kosten zu tragen waren. 1827 zählte Hermsdorf 22 Häuser und 126 Einwohner.

Bis 1990 war der Ort weitgehend landwirtschaftlich geprägt mit einigen kleineren Handwerksbetrieben. 1993 begann die Ausweisung des Gewerbegebietes „Am Vogelherd“, auf dem sich mittlerweile etliche Firmen angesiedelt haben. Durch die Ausweisung des Wohngebietes „Am Hermsdorfer Anger“ vorwiegend für Einfamilienhäuser hat sich die Einwohnerzahl inzwischen vervielfacht.

RittergüterBearbeiten

In Hermsdorf bestanden zwei Rittergüter, die über Patrimonialgerichtsbarkeit in Form der Erbgerichtsbarkeit verfügten. Das eine Gut war seit Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Rittergut Kleinaga verbunden. 1696 wurde das Rittergut Kleinaga Kammergut und das Gut in Hermsdorf abgetrennt und der Familie von Tümpling verkauft. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde zum 1. Januar 1855 aufgehoben und ging an den Staat über.

Das zweite Patrimonialgericht in Hermsdorf war für 12 Zinsleute zuständig und mit dem benachbarten kursächsischen (ab 1815 preußischen) Rittergut Heuckewalde verbunden. Seit 1777 gehörte dies den Freiherren von Herzberg. Auch dieses Patrimonialgericht wurde zum 1. Januar 1855 aufgehoben.[2]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Kriegerdenkmal von 1922, im Jahr 1995 renoviert und um eine Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ergänzt

PolitikBearbeiten

Hermsdorf ist seit seiner Eingemeindung am 1. April 1994 Ortsteil der Stadt Gera mit eigenem Ortsteilrat. Ortsteilbürgermeister ist seit 2016 Mario Frank (parteilos).[3]

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Jahr 1827 1864 1939 1994 2003 2009 2013
Einwohner[4] 126 183 172 158 609 583 566

VerkehrBearbeiten

KulturBearbeiten

Die 1934 gegründete Freiwillige Feuerwehr nebst Feuerwehrverein ist Mittelpunkt des geselligen Lebens im Ort mit Maibaumsetzen, Fasching, Kinder- und Seniorenfesten. Das 1984 aus einem ehemaligen Stallgebäude entstandene Dorfgemeinschaftshaus wurde mittlerweile vom Feuerwehrverein übernommen und in Eigenleistung renoviert.

BildungBearbeiten

Die nächstgelegenen Kindereinrichtungen sind der

  • Kindergarten Heuckewalde (schon zu Sachsen-Anhalt gehörend) und die
  • Kindertagesstätte Reichenbacher Straße in Kleinaga.

Zuständige Grundschule ist die

  • Staatliche Grundschule Aga in Kleinaga.

Nächstgelegene Regelschule ist die

  • Staatliche Regelschule 12 in Bieblach-Ost.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinz Rosenkranz: Ortsnamen des Bezirkes Gera, Greiz 1982, S. 31.
  2. Rudolf Diezel: Übersicht über die Bestände des Landesarchivs Greiz, 1963, S. 116–117.
  3. Mario Frank wird Bürgermeister in Gera-Hermsdorf, otz.de vom 22. Februar 2016, abgerufen am 17. März 2018
  4. Stadtarchiv Gera

LiteraturBearbeiten

  • Brodale, Klaus und Heidrun Friedemann: Das war Gera im 20. Jahrhundert. Gudensberg 2002.
  • Cannabich, Johann Günther Friedrich: Neueste Kunde von Baden, Nassau, Hohenzollern, Lippe, Waldeck, Anhalt und den Reußischen Ländern. Weimar 1827.
  • Hahn, Ferdinand: Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung. Gera 1855.
  • Kretzschmer, Ernst Paul: Chronik von Thränitz, Grobsdorf, Zschippern, Kaimberg. Gera 1935.
  • Klotz, Johann Christoph: Beschreibung der Herrschaft und Stadt Gera. Schleiz 1816.
  • Rosenkranz, Heinz: Ortsnamen des Bezirks Gera. Greiz 1982.
  • Schiffner, Albert: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Kgr. Sachsen. Leipzig 1939.
  • Schumann, August: Vollständiges Staats,- Post und Zeitungslexikon für Sachsen. Zwickau 1825.
  • o.A.: Hof- und Staatskalender für das Fürstentum Reuß j. L.. Gera 1864.
  • Mitteilungen des geschichts- und altertumsforschenden Vereins. Altenburg; div.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hermsdorf (Gera) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien