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Zwötzen ist seit dem 1. Januar 1919 ein Stadtteil von Gera.

Zwötzen
Stadt Gera
Koordinaten: 50° 51′ 6″ N, 12° 5′ 22″ O
Höhe: 205 m ü. NN
Einwohner: 4905 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Januar 1919
Postleitzahl: 07551
Vorwahl: 0365
Zwötzen (Thüringen)
Zwötzen

Lage von Zwötzen in Thüringen

Neugotische evangelische Kirche in Zwötzen
Neugotische evangelische Kirche in Zwötzen

LageBearbeiten

Zwötzen liegt südlich der Kernstadt Gera und östlich der Weißen Elster in deren Aue. Die Bahntrasse von Gera nach Süden führt durch den Stadtteil.

GeschichteBearbeiten

Erste sorbische Siedlungen werden bereits aus Zeiten der Völkerwanderung im 7. Jahrhundert berichtet. Zwötzen wurde 1314 als Zcwoczen erstmals urkundlich erwähnt; der Name wurde vermutlich von svecena (slawisch für geweihter Ort) oder vom slawischen Personennamen Swoc abgeleitet.

1533 wurde Zweczen als Kirch- und Grenzdorf slawischer Gründung bezeichnet. 1647, zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, hatte Zwötzen 54 Einwohner und 12 Häuser. Bedingt durch die Lage als Vorort der Industriestadt Gera wuchs Zwötzen zur Zeit der Industrialisierung stark und bis 1871 stieg die Einwohnerzahl auf 674 an, die durch Zwötzen führende Eisenbahnstrecke Gera – Eichicht (über Saalfeld) und das erste große Brückenbauwerk werden erbaut und in Betrieb genommen. 1890 geht die Gera-Greizer Kammgarnspinnerei in Betrieb.[1]

1892 wurde die mechanische Weberei Meinhard & Bierling in der Langen Straße 71 erbaut, die Kinderbewahranstalt „Heinrichsstift“ der evangelischen Kirche wurde eröffnet und die Königlich Sächsische Staatseisenbahn eröffnete die Strecke von Gera-Süd nach Wünschendorf mit der Haltestelle Gera-Ost in Zwötzen. Der Anschluss an ein Wasserleitungssystem erfolgt 1907, der Gasanschluss an das Gasnetz von Gera erfolgte 1910.

1894 wurde die alte, seit 1604 nachweisbare evangelische Pfarrkirche St. Martini abgebrochen, da sie für den Ort zu klein geworden war. Am 10. November 1895 wurde die neue, neogotische Zwötzener Kirche eingeweiht. Zur Einweihung der Zwötzener Schule am 30. Oktober 1911 wurde durch deren erstem Rektor Bruno Geweniger eine Festschrift, die erste Chronik von Zwötzen, verfasst.

Am 1. Januar 1919 wurde Zwötzen nach Gera eingemeindet, bereits damals zählte es mehr als 5.500 Einwohner.

Rittergut ZwötzenBearbeiten

Das Rittergut Zwötzen war ein landtagsfähiges Rittergut. Mit dem Besitz des Rittergutes verbunden war die Patrimonialgerichtsbarkeit in Form der Erbgerichtsbarkeit über Zwötzen und einen Teil von Dürrenebersdorf. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde zum 1. Januar 1855 aufgehoben.

Das Rittergut Zwötzen war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Lüschwitz, seit 1691 der Familie Heubler, seit 1742 von Brettin, seit 1803/04 von Kutschenbach, seit 1811 Wurmb von Zink, seit 1820 Albert, seit 1826 Schenk und seit 1862 Schlick.[2]

PolitikBearbeiten

Mit Inkrafttreten der neuen Hauptsatzung der Stadt Gera zum 1. Juni 2014 wurde für Zwötzen eine Ortsteilverfassung eingeführt. Am 14. September 2014 wurde Matthias Lagojda zum Ortsteilbürgermeister gewählt. Er unterhält durch zehn weitere Ortsteilratsmitglieder Unterstützung im Ortsteilrat.

SportBearbeiten

Zwötzen ist die Heimat des TSV 1880 Gera-Zwötzen. Die Fußballmannschaft, nachdem ihr 2003 der Aufstieg in die Thüringenliga gelungen war, verließ den Verein und fusionierte mit dem SV 1861 Liebschwitz zum 1. FC Gera 03. Der Verein trägt seine Heimspiele im Karl-Harnisch-Stadion in Zwötzen aus. Ab 2006 spielte die 1. Männermannschaft, die 2007 in die NOFV-Oberliga aufstieg, im größeren Stadion der Freundschaft, wich aber für einige Landesliga-Heimspiele während der Bundesgartenschau 2007 wieder nach Zwötzen aus. Nach dem Oberligaabstieg im Jahr 2010 ist Zwötzen nun wieder alleiniger Spielort.

BildungBearbeiten

Am 26. September 2005 zog die 9. Staatliche Grundschule in die damalige Zwötzener Regelschule ein. Seit dem 17. November 2006 trug die Schule den gemeinsamen Namen Zwötzener Schule. Seit dem Schuljahr 2008/2009 befindet sich die Grundschule alleine in dem Gebäude. Am 27. Mai 2014 gründete sich der Förderverein der Zwötzener Grundschule.

VerkehrBearbeiten

 
Straßenbahn der Linie 1 an der Wendeschleife Zwötzen

Zwötzen verfügte über zwei Bahnhaltepunkte, von denen heute noch einer in Betrieb ist. Über den Bahnhof Gera-Zwötzen verkehren die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella von Leipzig über Gera nach Saalfeld bzw. Zeulenroda/Hof sowie die Züge der Elstertalbahn von Erfurt über Gera nach Greiz und weiter nach Weischlitz. Die Elstertalbahn führte bis zum 24. Oktober 2016 über den ehemaligen Zwötzener Haltepunkt Gera Ost (früher Zwötzen Ost), dieser Streckenabschnitt wurde auf dem Gebiet der Stadt Gera stillgelegt.

Die Geraer Straßenbahn verkehrte ab 19. November 1925 vom Stadtzentrum durch die Reichsstraße über die Ochsenbrücke nach Zwötzen; die damalige Endhaltestelle befand sich in der heutigen Zwötzener Straße. Ab 1959 verkehrten die Bahnen im Ringverkehr Stadtzentrum–DebschwitzLusan–Zwötzen–Stadtzentrum (so genannter Südring). 1971 wurde allerdings der Abschnitt Zwötzen-Stadtzentrum durch die heutige Reichsstraße eingestellt, so dass es nur noch die Strecke über Debschwitz nach Zwötzen gab. Seit 1996 wird Zwötzen von der Linie 2 Lusan/Brüte–Zwötzen bedient. 2004 wurde diese Linie um einige hundert Meter verkürzt: es wurde eine neue Wendeschleife am Bahnhof Zwötzen mit Kombibahnsteig in Betrieb genommen. Seit Juni 2012 fährt die Linie 2 bis zur Endhaltestelle Lusan/Zeulsdorf.

Seit November 2006 ist die Linie 1 von Untermhaus durch Stadtzentrum und Reichsstraße nach Zwötzen in Betrieb. Die Wendeschleife befindet sich nahe der Einmündung der Kaimberger Straße. Die Linien 1 und 2 sind nicht miteinander verbunden. Eine mögliche Verbindung über die Lange Straße ist aber im Flächennutzungsplan der Stadt enthalten.

Außerdem wird Zwötzen von den Buslinien 16, 18 und 25 der Verkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera bedient.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Villa Rothe
 
Spielplatz mit Skulptur Bärengruppe, 1952
 
Ärztehaus Zwötzen, ehemalige Poliklinik, 1955

Die evangelische Zwötzener Kirche St. Martini wurde als neugotischer Bau mit gelber Backsteinverblendung 1894/95 von Julius Zeißig aus Leipzig als zweischiffige Hallenkirche mit nordöstlichem Glockenturm anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Die Ausstattung stammt aus der Erbauerzeit. Zwei geschnitzte Heiligenfiguren des Barock wurden aus der 1894 abgerissenen Dorfkirche und ein lebensgroßes, hölzernes Kruzifix aus Gera-Kaimberg übernommen. Eine von Axel Döhler in den 50ern geschaffene Lutherskulptur wurde neu in der Kirche aufgestellt. Die farbige Chorverglasung erfolgte 1984.

Die Villa Rothe in der Liebschwitzer Straße wurde 1899/1900 durch den Architekten Carl Zaenker erbaut.

Auf dem Meta-Böhnert-Platz findet sich eine 1952 vom Geraer Bildhauer Kurt Erich Muckisch geschaffene Steinskulptur Bärengruppe mit drei spielenden Bärenkindern.

Weitere Kulturdenkmale in Gera, die sich im Stadtteil befinden:

  • Schule mit Turnhalle und Schulhof, ehemalige Volksschule Zwötzen (bemerkenswerte Jugendstildekorationen, erbaut 1910/11, Architekten Gebr. Kießling aus Kötzschenboda), jetzt Zwötzener Grundschule Gera
  • ehemaliges Verwaltungsgebäude der Fa. Wesselmann-Bohrer-Comp. A.G., nachmalig Zentrales Materiallager und Betriebsschule der SDAG Wismut, heute Bildungszentrum
  • Industrieanlage der ehemaligen Woll- und Seidenweberei Schulenburg & Bessler, nachmalig Geraer Woll- und Seidenweberei (Gewosei), dann VEB Modedruck Gera
  • ehemalige Poliklinik Clara Zetkin (erbaut 1955), jetzt Ärztehaus
  • Kinderkrippe (Zwötzener Straße 83a) und Kinderhort mit Gartenanlage

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Franz Simcik (1885–1953), Pfarrer in Zwötzen von 1918 bis 1953, Heimat- und Kunstsachverständiger, führte eine Chronik von Zwötzen 1918–1920 und 1924, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Gera
  • Lisa Simcik-Kroemer (1890–1954), Bildhauerin und Ehefrau von Pfarrer Simcik, schuf Kriegerdenkmale und Plastiken[3][4]
  • Erwin Panndorf (1904–1942), Arbeitersportler, Gewerkschafter und antifaschistischer Widerstandskämpfer
  • Eugen Ruckdeschel, erster Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gera-Greizer Kammgarnspinnerei von 1890 bis 1919

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst Paul Kretschmer,50 Jahre Gera-Greizer Kammgarnspinnerei, Gera, 1940
  2. Rudolf Diezel: Übersicht über die Bestände des Landesarchivs Greiz, 1963, S. 136–137
  3. Archiv der Kirchgemeinde/Gemeindeblatt der Kirchgemeinden Zwötzen, Liebschwitz, Niebra, Großfalka und Hilbersdorf, November-Dezember 1999
  4. Manfred Otto Taubert, Plastiken und Skulpturen in Gera, 2014, S. 99, 191