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Haus Harkorten

Gutsanlage in Hagen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Herrenhaus 2014
Haustür 2014
Herrenhaus 2007
Herrenhaus um 1915

Haus Harkorten ist eine baulich fast vollständig erhaltene, jedoch verfallende Gutsanlage und der ehemalige Wohnsitz der Patrizier- und Unternehmer-Familie Harkort im Hagener Stadtteil Westerbauer im südöstlichen Ruhrgebiet.

AnlageBearbeiten

Die denkmalgeschützte Gesamtanlage am Nordrand der früheren Gemeinde Westerbauer wird durch eine lange Allee erschlossen und besteht aus mehreren Gebäuden:

  • dem ehemaligen Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das über eine sechsstufige Freitreppe betreten wird,
  • dem Ökonomiegebäude, das im 17. Jahrhundert errichtet worden war
  • und dem 1705 gebauten Speicher, der zum Teil auch zu Wohnzwecken genutzt wurde.

Das mindestens aus dem 18. Jahrhundert stammende „Backhaus“, welches 2013 abgetragen und auf neuen Fundamenten neu errichtet wurde, war nicht in das Denkmalensemble aufgenommen worden. Der Neubau enthält keine historische Substanz mehr.[1]

Haus Harkorten gilt als ein „Höhepunkt des Bergischen Wohnhausbaus“, obwohl nicht im historischen Herzogtum Berg gelegen.[2] Der zweigeschossige Fachwerkbau auf hohem Bruchsteinsockel besitzt ein gebrochenes, teilweise geschweiftes Walmdach, dem an Eingangs- und Gartenseite jeweils ein großes Zwerchhaus mit geschweiftem Giebel vorgesetzt ist. In sechs Achsen sind große barocke Fenster über die Fassade verteilt. Zwischen den mittleren Fenstern befindet sich der Eingang mit Freitreppe. Er besitzt ein reich mit Schnitzereien verziertes Portal mit verziertem Oberlicht.

GeschichteBearbeiten

Haus Harkorten ist Geburtshaus von Gustav, Eduard und Friedrich Harkort, dem „Vater des Ruhrgebiets“. Nur wenige hundert Meter entfernt in der Nähe der Ennepe befand sich die Harkort’sche Fabrik, von der heute allerdings nur noch wenige Gebäudeteile übriggeblieben sind. Direkt daneben führte noch bis in die 1960er Jahre hinein die Harkort’sche Kohlenbahn vorbei.

In den Jahren 1756/57 ließ Johann Caspar Harkort III. auf dem älteren Gut der Familie Harkort ein neues Herrenhaus durch die Schwelmer Meisterschule im bergischen Rokokostil errichten. Die Anregung zum Bau des Herrenhauses ging von Louisa Catharina Harkort aus.

2014: Haus Harkorten befindet sich nach dem Verkauf an einen privaten Investor akut im Verfall durch jahrelangen Leerstand und fehlenden Bauunterhalt. Ein denkmalverträgliches Nutzungskonzept wurde bisher nicht bekannt. Die Gutsanlage wurde in Einzeleigentum zerschlagen. An den stark geschädigten Nebengebäuden laufen Instandsetzungsarbeiten. Die Garten- und Parkanlagen sind verwildert, die umgebende Landschaft ist durch Bebauung zerstört.

Im Jahr 2016 wurden vom Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes 240.000 € genehmigt, um den weiteren Verfall des Gebäudes aufzuhalten. Als erste Maßnahme wird die mit Schiefer gedeckte Fassade inklusive Dach instand gesetzt. Des Weiteren soll auch ein Konzept zur künftigen Nutzung erarbeitet werden.[3]

Es kümmert sich der "Verein zur Förderung des Erhalts und der Entwicklung von Haus Harkorten e.V." um die Zukunft von Haus Harkorten.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Haus Harkorten auf Stadtbild Deutschland, abgerufen am 24. Juni 2014
  2. Horst Ossenberg: Das Bürgerhaus im Bergischen Land. Tübingen 1983, S. 48ff.
  3. Bund gibt 240.000 Euro für Haus Harkorten - Hagen am Samstag - Wochenkurier. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 29. Oktober 2017; abgerufen am 28. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wochenkurier.de

LiteraturBearbeiten

  • Udo Reinecke: Hagen-Haspe …aus der schönen alten Zeit. Beleke, Essen 1994.
  • Hannelore Blömeke: Hofkinder. Eine Kindheit in Haus Harkotten. Lesezeichen-Verlag, Hagen 1999, ISBN 3-930217-37-6.
  • Heinz Ossenberg: Das Bürgerhaus im Bergischen Land. Ernst Wasmuth, Tübingen 1981, ISBN 3-8030-0005-X (unveränd. Nachdruck von 1963).
  • Ruth Schmidt-de Bruyn: Das bergische Patrizierhaus bis 1800. Rheinland-Verlag, Köln 1983, ISBN 3-7927-0691-1.
  • Friedrich Wilhelm Bredt, de Jonge: Bergische Bauweise. Wasmuth, Berlin 1910.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Haus Harkorten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Harkorten und die alte Eiche – Quellen und Volltexte

Koordinaten: 51° 20′ 49″ N, 7° 24′ 18″ O