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Hanns-Peter Herz

deutscher Journalist und Politiker (SPD)

Hanns-Peter Herz (* 21. Juni 1927 in Berlin; † 1. September 2012) war ein deutscher Journalist, Politiker, Zeitzeuge und Träger des Verdienstordens des Landes Berlin.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Fast sein gesamtes Leben verbrachte der Sohn eines bekannten Journalisten – sein Vater war Chefredakteur des RIAS und Sprecher des Berliner Oberbürgermeisters Arthur Werner – in der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz. Zu seinen Spielkameraden zählte, obwohl er selbst jüdischen Glaubens war, auch der Sohn von Adolf Eichmann, der von 1934 bis 1938 in der benachbarten Siedlung am Krugpfuhl wohnte. Ernst Reuter war ein Freund seines Vaters. Mit Edzard Reuter hat er zusammen studiert. Bis zu seinem Tod war Hanns-Peter Herz ein gefragter Zeitzeuge.

JournalistBearbeiten

16 Jahre war Hanns-Peter Herz für den RIAS in verschiedenen Abteilungen (z. B. Politik) tätig (1950–1966). Er leitete unter anderem das innen- und das ostpolitische Ressort. Von 1985 bis 1995 war er Vorsitzender des DJV Berlin. Er war Ehrenmitglied des DJV Berlin

PolitikBearbeiten

Hanns-Peter Herz war Mitglied der SPD. 1966 ging er in die Politik und war von 1966 bis 1973 Senatssprecher von Berlin. Anschließend war er bis zum Rücktritt von Klaus Schütz Staatssekretär und Leiter der Senatskanzlei Berlin. In den Jahren von 1977 bis 1980 war er Bezirksstadtrat für Soziales im Bezirksamt Neukölln von Berlin. Anschließend vom 2. Juli 1981 bis zum 17. April 1985 Bezirksstadtrat für Bauwesen und stellvertretender Bezirksbürgermeister im Bezirk Neukölln. Nach dem Ausscheiden aus dem Bezirksamt Neukölln übte er verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten aus.

Während seiner Zeit als Pressechef des Senats verfasste Herz für den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Heinrich Albertz folgende Erklärung zum Tode von Benno Ohnesorg:

„Die Geduld der Stadt ist am Ende. Einige Dutzend Demonstranten, darunter auch Studenten, haben sich das traurige Verdienst erworben, nicht nur einen Gast der Bundesrepublik Deutschland in der deutschen Hauptstadt beschimpft zu haben, sondern auf ihr Konto gehen auch ein Toter und zahlreiche Verletzte – Polizeibeamte und Demonstranten. Die Polizei, durch Rowdies provoziert, war gezwungen, scharf vorzugehen und von ihren Schlagstöcken Gebrauch zu machen. Ich sage ausdrücklich und mit Nachdruck, dass ich das Verhalten der Polizei billige und dass ich mich durch eigenen Augenschein davon überzeugt habe, dass sich die Polizei bis an die Grenzen der Zumutbarkeit zurückgehalten hat.“[2]

Für die Angehörigen des Getöteten fand er auch in den Folgetagen kein Wort.

Ehrenamtliche FunktionenBearbeiten

Hanns-Peter Herz war 30 Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Stiftung Luftbrückendank[3] und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Berlin (seit 1982) und Vorstandsmitglied bei der Initiative Berlin-USA e. V.

EhrungenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Freie Deutsche Jugend, Juventa Verlag (1957)
  • Jugend ohne Freiheit, Colloquium Verlag (1964)
  • Jeunesse sans liberté, Colloquium Verlag (1966)

DokumentationenBearbeiten

  • Adolf Eichmann – Begegnungen mit einem Mörder. Dokumentation des NDR in Koproduktion mit BBC, Discovery Channel und der Studio Hamburg Fernseh Allianz

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Neukölln. Heft 4 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945. Herausgegeben von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1990

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verdienstorden des Landes Berlin: 1. Oktober 1994 im Ehrungsverzeichnis des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Berlin, 2. Juni 1967: Um 20.30 Uhr fällt der Schuss, der Deutschland verändert. In: Berliner Morgenpost, 30. Mai 2007
  3. Traueranzeige der Stiftung Luftbrückendank, Tagesspiegel vom 16. September 2012, S. 21