Berlin-Britz

Ortsteil von Berlin
Britz
Ortsteil von Berlin
BerlinNeuköllnBritzBuckowBuckowGropiusstadtRudowBrandenburgBritz auf der Karte von Neukölln
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 27′ 0″ N, 13° 26′ 0″ OKoordinaten: 52° 27′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O
Fläche 12,4 km²
Einwohner 42.796 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte 3451 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12347, 12359
Ortsteilnummer 0802
Verwaltungsbezirk Neukölln

Britz ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Neukölln, urkundlich erstmals erwähnt 1237. Auf dem Gelände des ehemaligen Ritterguts entstand in der Zeit ab 1925 die Großsiedlung Britz (früher: Fritz-Reuter-Stadt), bestehend aus der Hufeisensiedlung und der Krugpfuhlsiedlung. Die jüngere Großwohnsiedlung Britz-Buckow-Rudow, die seit 2002 den eigenen Ortsteil Gropiusstadt bildet, entstand erst in den 1960er Jahren.

Geschichte und EtymologieBearbeiten

14.–16. JahrhundertBearbeiten

 
Dorfkirche, um 1300

Britz wurde urkundlich erstmals im Jahr 1305 durch die Nennung eines Heinricus de Bryzk erwähnt. Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 wurde es als Britzik, Brisk, Brysk und Brisck geführt. Der Ursprung des Ortsnamens liegt – wie bei allen märkischen Orten, die mit Bries…, Brietz… und Britz… beginnen, beim slawischen Wort bříza für Birke, vergleichbar mit den parallelen Namensbildungen für Orte, die mit Buch…, Buck… und Bück… beginnen (slaw. buk = Buche) sowie für Orte, die mit Liep… beginnen (slaw. lipa = Linde).[1] (Vor?) 1369 war das Dorf im Besitz derer von Britzke. Sie hatten vom Landesherren das Ober- und Untergericht sowie das Kirchenpatronat erhalten. Ihr Gut war zu dieser Zeit zehn Hufen groß und sie erhielten Pacht und Krugzinsen. 1375 war Britz 58 insgesamt 58 Hufen groß. Drei davon waren für den Pfarrer, eine für die Kirche bestimmt. Damit ist es ausgesprochen wahrscheinlich, dass es zu dieser Zeit bereits eine Dorfkirche gab. Als weitere Bewohner erschienen eine Familie Barfuß mit einem acht Hufen großen Hof, ein Berchter Wichhus mit neun Hufen sowie die Familie Luckenwalde mit vier Hufen. Weitere 13 Hufen konnten zur Pacht vergeben werden. Im Ort gab es weiterhin 14 Kötter und einen Krug – allerdings, so verzeichnen die Akten, keine Mühle. Die Bauern mussten demnach zur Herstellung von Mehl in ein Nachbardorf gehen. 1450 erschien der Ort Brytzck in einem Schloßregister, einer Aufstellung von Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Landesherren. Mittlerweile besaßen die von Britzke 28 freie Hufen, für die sie keine Abgaben leisten mussten. Die Gemarkung war 60 Hufen groß, davon für den Pfarrer drei und die Kirche nach wie vor ein Hufen. Vier Hufen waren allerdings wüst, d. h. unbesetzt und brachten somit auch keine Einnahmen. Der Krug bestand weiterhin; außerdem arbeiteten in Britz zwölf Kötter. Die von Britzke hielten weiterhin das Ober- und Untergericht sowie das Patronat und konnten ihren Besitz im Jahr 1469 um 13 des Anteils an Müggenbruch, einer landwirtschaftlich genutzten Fläche, erweitern. 1473 gelang es ihnen, einen halben Anteil an der wüsten Feldmark Osdorf zu erwerben. Was in den folgenden Jahren geschah, ist bislang nicht genau überliefert: 1480 wurde aber berichtet, dass 18 Hufen der Britzke nun wüst gefallen waren und weitere sieben „verbrannt“ seien. In der Ausgabe 1 des Britzer Heimatbotens aus dem Jahr 1980 wurde beschrieben, dass Friedrich II. – auch der „Eiserne“ oder „Eisenzahn“ genannt – bereits im Jahr 1452 den Aufstieg der Britzkes argwöhnisch betrachtete und kurzerhand seiner Frau Katharina überschrieb.[2] Zu dieser Zeit erschienen (vor?) die Familie von Bardeleben zu Satzkorn, die von den Britzkes ein Viertel am Ober- und Untergericht sowie am Kirchenpatronat als Pfand erhielten. Sie hatten außerdem das Recht, ein Viertel der Holzung für sich zu beanspruchen und erhielten 1491 die andere Hälfte der wüsten Feldmark Osdorf.

16. JahrhundertBearbeiten

Anfang des 16. Jahrhunderts muss sich die Lage der Britzkes jedoch wieder erholt haben. Otto von Britzke erwarb 1507 Schulzendorf „mit allen Rechten“, ein Jahr später kaufte er von den Brüdern Caspar, Balzer und Joachim Botyn seinen Anteil an Lichterfelde zurück, den er Jahre zuvor hatte aufgeben müssen. Britz war zu dieser Zeit viergeteilt. Je ein Anteil gehörte den Brüdern Otto, Joachim und Georg von Britzke, die sie 1513 an die Brüder und Vettern Ebel, Hans, Heine und Heinrich mitbelehnten. Der vierte Anteil gehörte den Brüdern Friedrich und Dietrich von Bardeleben. Otto starb 1517, woraufhin seine Söhne Sigmund, Hans, Antonius, Georg, Otto und Friedrich von Britzke sein Erbe antraten. Der Sohn Otto wiederum erwarb 1530 von Jakab Wiese das Dorf Mehrow und verkaufte im Gegenzug Schulzendorf. Er und sein Bruder Otto führten im Ort die Reformation ein und beriefen 1541 mit Georgius Schulze den ersten Pfarrer, der etwa 60 Kommunikanten betreuen durfte. Ihm standen drei Pfarrhufen zu, hinzu kam eine Wiese „zu drei Fuder Heu“ sowie zwei Wispel acht Scheffel Scheffelkorn. Für seine seelsorgerische Tätigkeit erhielt er von der wüsten Feldmark Osdorf die „30. Mandel“ sowie weitere Hebungen. Der Küster hingegen musste sich mit einem Scheffelkorn von allen Hufen zufriedengeben. 1553 erwarben die von Britzke die zweite Hälfte der wüsten Feldmark Osdorf, die sie nun gänzlich besaßen.

Der Bardelebensche Anteil war auf Levin von Bardeleben übergegangen. Friedrich senior starb 1568, Dietrich im Jahr 1573 und Friedrich jun. kinderlos im April 1578. Levin musste das verschuldete Gut daher erwerben und erhielt 18 der Ober- und Untergerichte, den Kirchlehn sowie Hand- und Spanndienste der Bauern Hans Grothe, Veit Behrend sowie des Kötters Dietrich Steffen und der Krüger Gürgen Stellen und Thewes Pelze. Grothe gab 18 Scheffel Roggen, ein Scheffel Hafer, 18 Groschen Zins, ein Rauchhuhn sowie den Fleischzehnt nebst Dienst. Behrend lieferte ein Wispel 21 Scheffel Roggen, ein Wispel 22 Scheffel Hafer, 45 Groschen Zinsen sowie ebenfalls den Fleischzehnt, ein Rauchhuhn und Dienste. Von Steffen erhielt er anderthalb Hühner, 7,5 Groschen Zapfenzins, den Zehnt sowie jedes Jahr einen Kötterdienst. Pelze wiederum gab vier Hühner, 14 Pfennig Zinsen, anderthalb Scheffel Hafer und einen halben Kötterdienst. Die Gemeinde musste für die Nutzung des Britzer Müggenbruchs anderthalb Pfund Pfeffer bezahlen.

Nach dem Tod Otto von Britzkes im Jahr 1579 übernahm zunächst der einzige Sohn Sigismund das Gut. Er verstarb aber ebenfalls früh und so kamen seine Vettern Hans, Heine und Gürgen von Britzke in den Besitz des zehn Hufen großen Hofes. Hans und Gürgen traten ihren Besitz an Heine und dessen Bruder Antonius ab, der wiederum seinen Besitz ebenfalls an Heine übergab. 1582 kam es zu einem Vergleich. Heine behielt das von ihm bewohnte Gut mit Hof, Scheune und Stall. Gürgen hingegen erhielt den Gutsanteil sowie sämtliche Einnahmen, die Dienste, Pacht und den Zehnt. In diesem Jahr gab es im Ort zehn Bauern und zehn Kötter. Heine konnte das Gut jedoch nicht halten und verkaufte 1587 es für auf vier Hufen für 3050 Taler an Levin von Bardeleben. Er starb 1595 und das Gut gelangte an seinen Sohn Jacob von Bardeleben auf Selchow, der Rittersitz mit sechs Hufen, 18 Ober- und Untergericht sowie dem Kirchenpatronat an den Amtshauptmann von Biesenthal, Franz von Rathenow.

17. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 1600 lag das Kirchenpatronat im anteiligen Besitz von Heine, Gürgen und Matthias von Britzke, Jacob von Bardeleben und Franz von Rathenow. Dieser erwarb 1604 für 90 Taler von Heine, Gürgen und Matthias von Britzke einen Teil des Müggenbruchs, den Eichhorst. Im gleichen Jahr starb Jacob von Bardeleben und sein Gut übernahm Caspar von Bardeleben. Neben den drei Rittersitzen derer von Britzke gab es 1608 mit dem Rittersitz von Rathenow insgesamt vier Rittergüter. Am 7. April 1616 übernahm Hans Christian von Rathenow für 3450 Taler den Rittersitz mit sechs Hufen Land sowie allen Rechten von Franz von Rathenow, der in sein Gut Ruhlsdorf zog. 1618 starb Heine von Britzke, woraufhin seine Söhne Sigmund, Alexander und Otto sich darauf verständigten, das Sigismund das Gut Britz und Alexander das Gut Mehrow erhalten sollte, Otto hingegen ausbezahlt wurde. Kurz vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges war Britz 23 Hufen groß. Es lebten dort sieben Hufner, zwei Kötter und ein Hirte. Außerdem gab es einen Laufschmied, d. h. es gab keine eigene Schmiede im Ort. Hans Christian von Rathenow hatte sich mittlerweile ebenfalls auf das Gut seines 1626 verstorbenen Vaters nach Ruhlsdorf zurückgezogen und seinen Anteil Ostern 1630 für 6027 Taler an seinen Bruder Levin verkauft. Der zweiten Anteil, den Jacob von Barbeleben von Franz von Rathenow erworben hatte, ging an Anna Katharina von Bardeleben, geb. Predöhl. Sie heiratete Friedrich Sigmund von Bernheim und führte das Gut weiter. Britz blieb bis 1627 von Kriegseinwirkungen zunächst verschont, wurde aber dann ebenfalls mehrfach verwüstet. 1636 verließen Gürgen Steffen und Martin Diewitz ihre Höfe, so dass ihre Besitzer Christian und Georg von Britzke für die wüst gefallenen Höfe aufkommen mussten. 1652 erschien erstmals in einem Landarbeiterbericht die Schreibweise Britz. Zu dieser Zeit lebten noch der Schulze mit einem Knecht und einem Jungen sowie vier Bauern und zwei Kötter in Britz. 1659 und 1660 ging der Britzkesche Anteil an die Familie Müller. Er übernahm 1665 das Bardelebensche Viertel als Lehen und ein Jahr später das Bardelebensche Achtel – und besaß somit 1666 ganz Britz. Von diesem Besitz gingen fünf Ritterhufen, 2,5 Bauernhufen, ein Teil der Ober- und Untergerichtsbarkeit sowie ein Teil des Kirchenpatronats nebst Schäfereigerechtigkeit und einem wüsten Hausmannshof an die Familie von Algenstedt und von dort 1694 an den Kurfürsten. Ein anderer Teil ging 1699 über die Familie von Chwalkowski an die von Erlach.

18. JahrhundertBearbeiten

Die Familie von Erlach war von 1707 bis 1713 im gesamten Besitz von Britz. Unter der Leitung des Feldmarschalls Sigismund von Erlach entstand ein neues Gutshaus, das Schloss Britz. 1711 gab es sieben Hufner, acht Kötter, einen Hirten, einen Schmied, einen Schäfer, einen großen und einen kleinen Knecht sowie einen Jungen und zwei Paar Hausleute. Sie bewirtschafteten insgesamt 27 Hufen. Nach 1713 wechselten die Eigentümer und kurzer Reihenfolge. Bis 1719 war der Ort im Eigentum des Grafen von Schwerin, danach bis 1729 bei der Freifrau von Ilgen, bis 1754 bei der Freifrau von Knyphausen geborene von Ilgen und von 1754 bis nach 1805 bei deren Nachkommen, den Grafen von Hertzberg. 1745 gab es neben dem Rittergut einen Krug, zehn Bauern und acht Kötter. Der nördlich angrenzende Ortsteil Neukölln (damals: Rixdorf) war im 18. Jahrhundert auch von der Ansiedlung vorwiegend nordböhmischer Bauern und Handwerker geprägt, die Glaubensflüchtlinge waren und deren Nachkommen auch in die südlichen Vororte Britz, Buckow und Rudow zogen. 1771 bestanden im Ort 16 Giebel (= Wohnhäuser); es gab eine Schmiede und einen Hirten, drei Paar Hausleute, einen Schäfer, einen Großknecht, einen Mittelknecht und einen Kleinknecht. Sie zahlten für 27 Hufen ja acht Groschen Abgaben.

19. JahrhundertBearbeiten

1801 lebten im Ort neun Ganzbauern, sechs Ganzkötter, zwei Halbkötter, ein Büdner und 16 Einlieger. Es gab einen Radmacher, eine Schmiede, einen Krug (den Buschkrug), eine Windmühle sowie eine Schäferei. Dem Förster standen 1500 Morgen Holz zur Bewirtschaftung zur Verfügung, das Gut war 27 Hufen, das Rittergut 29 Hufen groß. In Summe bestanden 35 Feuerstellen (= Haushalte). Aus dem Jahr 1840 ist das Dorf mit Buschkrug sowie das Rittergut überliefert. Insgesamt gab es 57 Wohnhäuser. 1858 bestanden das Dorf, das Rittergut, ein Chausseehaus, die Kolonie Neubritz sowie das Etablissement Buschkrug. Es gab 17 Hofeigentümer und 15 Pächter, die 74 Knechte und Mägde sowie 63 Tagelöhner beschäftigten. Hinzu kamen 21 nebengewerbliche Landwirte mit 29 Knechten und Mägden sowie 127 Arbeiter. Die Statistik wies weiterhin 30 Personen Gesinde, sieben Bediente und 53 Besitzungen aus: Das Rittergut nahm mit 2480 Morgen die größte Fläche ein. 19 weitere Besitzungen war zwischen 30 und 300 Morgen groß und umfassten zusammen 1511 Morgen. 15 weitere Besitzungen waren zwischen 5 und 30 Morgen groß (zusammen 255 Morgen) sowie 18 Besitzungen unter fünf Morgen, die zusammen auf 24 Morgen Fläche kamen. Mittlerweile hatte sich eine umfangreiche Handwerkerschaft angesiedelt. So gab es beispielsweise 10 Bäckermeister mit 14 Gesellen, drei Tischlermeister, ein Schlossermeister mit vier Gesellen und einem Lehrling, ein Viktualienhändler, aber auch drei Krüge und 15 Arme. Britz wuchs weiter an und 1860 gab es bereits drei öffentliche Gebäude, 54 Wohn- und 78 Wirtschaftsgebäude, darunter zwei Getreidemühlen. Hinzu kamen drei Wohn- und vier Wirtschaftsgebäude in Neu-Britz, dazu ein Gasthaus und Wohnhaus Buschkrug mit zwei Wohn- und drei Wirtschaftsgebäuden.

20.–21. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 1900 war Britz auf 401 Häuser angewachsen. Bei der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 kam Berlin-Britz als Landgemeinde des Kreises Teltow mit 13.475 Einwohnern zum Bezirk Neukölln.

Während der NS-Diktatur waren Bewohner der Hufeisensiedlung und der Siedlung am Krugpfuhl stark am Widerstand gegen den Nationalsozialismus in seiner unterschiedlichsten Form beteiligt. Die zahlreichen Stolpersteine zeugen aktuell davon. In der Zeit zwischen 1934 und 1938 gehörten allerdings u. a. der Organisator und „industrielle Massenmörder“ Adolf Eichmann und sein Freund Dieter Wisliceny zu den Bewohnern der Siedlung.[3]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung in Britz von 1734 bis 1925
Jahr 1734 1772 1801 1817 1840 1858 1895 1925
Einwohner 181 248 267 mit Buschkrug 324 mit Buschkrug 573 mit Buschkrug Dorf 796, Neu-Britz 42, Buschkrug 16, Gut: 210 und Buschkrug: 4 6844 14551

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Gutshof Britz

In der Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Britz stehen die in der Denkmalliste des Landes Berlin eingetragenen Kulturdenkmale.

BauwerkeBearbeiten

  • Die Dorfkirche Britz, Backbergstraße 40, ist eine Feldsteinkirche der Zeit um 1250. Nach Brandschäden 1948 wiederhergestellt, erhielt die Kirche Glasmalereien von Charles Crodel (Weihnachts- und Tauffenster).
  • Der Gutshof Britz des ehemaligen Rittergutes mit historischem Kuh-, Pferde- und Ochsenstall, Alt-Britz 81–89, beherbergt heute ein Restaurant, den Kulturstall, das Museum Neukölln und die Musikschule Neukölln Paul Hindemith.
  • Das Schloss Britz mit Gutspark, Alt Britz 73, ist das einstige Gutshaus. Es geht auf das abgebrannte Gutshaus aus dem 15. Jahrhundert zurück. 1706 wurde das jetzige Herrenhaus unter dem Gutsherrn Feldmarschall Sigismund von Erlach errichtet. 1880 erfolgte die letzte große Umgestaltung nach Entwürfen von Carl Busse, der Ausstattung und Turm im Neorenaissance-Stil hinzufügte.
  • Die Britzer Mühle, eine Holländerwindmühle 1863 erbaut und 1985 im Rahmen der Bundesgartenschau umfassend restauriert, heute ein produzierendes Denkmal.
  • Die Ideal-Siedlung nördlich der mittleren Hannemannstraße ist seit 1907 Mustergartenstadtsiedlung von der Baugenossenschaft gleichen Namens.
  • Die Großsiedlung Britz bestand in ihrer ersten Bauphase zwischen 1925 und 1933 nur aus zwei durch die Fritz-Reuter-Allee getrennten Teilsiedlungen, die nach Plänen von Bruno Taut und Martin Wagner beziehungsweise Paul Engelmann und Emil Fangmeyer in industrieller Fertigung erstellt wurden. Sie ist eines der ersten Projekte des sozialen Wohnungsbaus, das später jenseits der Parchimer und der Buschkrugallee Allee erweitert wurde. Im Juli 2008 wurde die von Taut und Wagner konzipierte Siedlung zusammen mit fünf weiteren „Siedlungen der Berliner Moderne“ in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.
  • Marktplatz Britz-Süd: Das unter Denkmalschutz stehende Bauensemble mit großem Kinobau stammt aus den 1950er Jahren und gehört ebenfalls zur erweiterten Großsiedlung Britz.
  • Das ehemalige Krankenhaus Britz (heute: Bürgeramt 3) an der Blaschkoallee 32 wurde als Rotklinkerbau in den Jahren 1894 bis 1896 vom Landkreis Teltow erbaut. Städtisches Krankenhaus wurde es dann am 1. April 1924. Seit 2000 wird es als Bürgeramt genutzt.
  • Ein Mietshauskomplex an der Hannemannstraße, genannt die Löwenhäuser, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einer früheren Kiesgrube durch den Bauunternehmer Georg Behnke errichtet. Behnke war auch Stuckateur und Bildhauer und schuf als Fassadenschmuck eine 3,50 Meter hohe Löwenfigur an einem der neuen Wohnhäuser. Wegen starker Beschädigung wurde die Figur 1973 abgetragen, aber seit dem Jahr 2010 gibt es eine Löwendarstellung als Mosaikpflaster an der Straße.[4]

Weitere SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Der Britzer Garten ist seit der Bundesgartenschau 1985 eines der Schmuckstücke des Bezirks Neukölln.
  • Das Freilandlabor Britz und das Umweltzentrum im Britzer Garten sind ökologische Bildungstätten. Das Gebäude im Britzer Garten wurde 2018 vollstäng erneuert wiedereröffnet.
  • Das Weingut Britz ist ein 2002 angelegter Weingarten und befindet sich im Koppelweg 70. Das nichtkommerzielle Weingut widmet sich der Tradition der Pflege des Weinanbaus in Britz, wo bereits vor 300 Jahren Wein angebaut wurde. Es wird von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung von Bildung, Kultur und Umweltschutz (PA Berlin) mbH betrieben und durch den Verein zur Förderung des Britzer Weinguts unterstützt.
  • Der Kirchhof Sankt Simeon und Sankt Lukas wurde 1897 errichtet.

Brunnen, Denkmäler und GedenksteineBearbeiten

  • Brunnen-Plastik Fette Henne am Britzer Garten.
  • Ein Ensemble aus Zierbrunnen und fünf Schöpfstellen mit Skulpturen sowie die Monumentalfigur Persephone des Bildhauers Max Kruse stehen direkt neben dem Britzer Garten im weitläufigen Parkfriedhof Neukölln.
  • Goldener Esel („Rostesel“) an der Mohriner Allee Ecke Britzer Damm.
  • In der Dörchläuchtingstraße, nur wenige Meter von seinem einstigen Wohnhaus entfernt, befindet sich ein Gedenkstein für den Aktivisten und engagierten anarchistischen Schriftsteller Erich Mühsam.
  • In der Lipschitzallee (Wohnlage Gropiusstadt) befindet sich eine Fontänenanlage, die seit etwa dem Jahr 2000 trockengelegt war. Im Juli 2019 konnte die fünf Meter hoch sprudelnde Fontäne nach umfassender Erneuerung der Technik, der Brunnenschale und des baulichen Umfeldes wieder in Betrieb genommen werden.[5]

Britzer BaumblüteBearbeiten

 
Britzer Baumblüte 1966

Japanische Zierkirschen, die in Britz alljährlich blühen, sind der Anlass für das Baumblütenfest, mit dem seit 1953 in abgewandelter Form die Tradition des Rosenfestes fortgeführt wurde. Der Festplatz mit Schaustellergeschäften befindet sich auf der Parchimer Allee, nahe der Fulhamer Allee.

Großsiedlung BritzBearbeiten

Nach den planerischen Vorarbeiten der Kommune Berlin im Winter 1924 / Frühjahr 1925 sollten auf dem Ackerland des ehemaligen Rittergutes Britz mit Hauszinssteuermitteln öffentlich geförderte Wohnungen erstellt werden. Die Fläche wurde an einer Nord-Süd-Achse (Fritz-Reuter-Allee) in zwei in sich geschlossene Siedlungen mit jeweils rund 1000 Wohneinheiten geteilt und die Reihenmietshäuser und die Randbebauungen im ersten Bauabschnitt 1925/1926 von zwei unterschiedlichen – erst 1924 neu gegründeten – Wohnungsbaugesellschaften hochgezogen:

  • Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus (Degewo) erhielt den östlich des Grünen Rings‚ (heute: Fritz-Reuter-Allee) liegenden Bereich zugeteilt und errichtete hier die Eierteichsiedlung oder Krugpfuhl-Siedlung an der Buschkrugallee (Planung: Paul Engelmann und Emil Fangmeyer);
  • die Gemeinnützige Heimstätten-Aktien-Gesellschaft (GEHAG), eine Tochtergesellschaft der von Martin Wagner geleiteten Deutschen Wohnungsfürsorge Aktiengesellschaft (DEWOG), stellte auf dem westlich der Fritz-Reuter-Allee liegenden Gelände unter der organisatorischen und künstlerischen Leitung Martin Wagners und Bruno Tauts die bekannte Hufeisensiedlung dagegen.

Bei der nach knapp einem Jahr Bauzeit anstehenden Fertigstellung des ersten Bauabschnittes waren westlich der Nord-Süd-Ache das halbe Hufeisen, die „Rote Front“ und die Einfamilienhäuser im Hüsung und dem nördlich angrenzenden Gelände mit zusammen 500 Wohneinheiten zum 1. September 1926 bezugsfertig. Die östlich gelegene Krugpfuhl-Siedlung war da bereits nahezu fertig.

Über das Belegungsverfahren in der Hufeisensiedlung berichteten die Betroffenen ex post, dass die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft und/oder der SPD Grundbedingung für den Einzug gewesen sei. Eindeutig belegt ist, dass die Mieter der Großsiedlung Britz hauptsächlich aus Anhängern der SPD bestanden. Das Wahlergebnis vom November 1928 weist für die Großsiedlung 50 % der Stimmen für die SPD und 16 % für die KPD aus. (NSDAP 5 %).

Die Mieter der beiden Siedlungsteile schlossen sich unmittelbar nach ihrem Einzug im Herbst 1926 zu zwei getrennten Mietervertretungen zusammen:

  • In der degewo-Siedlung gründete sich der Siedlerverein am Buschkrug e. V.: Dieser vertrat die Interessen der Bewohner östlich der Fritz-Reuter-Allee und gab als Informationsorgan das wöchentlich erscheinende Nachrichtenblatt der Großsiedlung Berlin-Britz, im Laufe des Jahres 1928 für kurze Zeit zusätzlich oder wahrscheinlich stattdessen das Informationsblatt Heim am Buschkrug heraus.
  • Auf der anderen Seite der Straße schlossen sich die Mieter der Hufeisensiedlung zu einem „Bewohnerausschuss der Gehagsiedlung“ zusammen und gaben im Herbst 1926 die noch im gleichen Jahr wieder eingestellte Zeitschrift Das Hufeisen heraus. An die Stelle dieser reinen Siedlungszeitschrift trat ab März 1927 das wöchentlich erscheinende Organ Die Wohngemeinschaft – Das Blatt der Großsiedlung Britz, Neukölln-Dammweg und des Siedlervereins Neu-Rudow. Diese Zeitschrift erschien bis mindestens Ende 1929, ab Ende 1928 überregional mit dem Untertitel Das Blatt der Großsiedlungen.

Sendeanlage RIAS/DeutschlandradioBearbeiten

 
Höhendiagramm der Sendemasten der Lang- und Mittelwellensender von Deutschlandradio

Im Jahr 1946 errichtete die US-amerikanische Militärverwaltung auf dem Areal einer ehemaligen Baumschule eine Sendeanlage für den neu gegründeten RIAS. Die Antenne war zwischen zwei 30 Meter hohen Holzmasten gespannt. 1947 wurde sie durch einen 60 Meter hohen gegen Erde isolierten abgespannten Gittermast ersetzt. Dieser wiederum wurde 1948 von zwei heute nicht mehr vorhandenen – gegen Erdung isolierten – abgespannten Stahlfachwerkmasten von zunächst je 100 Metern Höhe abgelöst.

In den Folgejahren wurden beide selbststrahlende Sendemasten auf Höhen von 160 Metern und 144 Metern aufgestockt und auch mit Sendeantennen für UKW versehen.[6] Sie wurden 2012 bzw. 2015 rückgebaut.

Ab 1949 wurde von Berlin-Britz aus auch auf Kurzwelle gesendet. Hierfür wurde eine in Ost-West-Richtung orientierte Dipolantenne auf dem Stationsgelände errichtet. Als zweite Kurzwellenantenne kam 1983 ein Ganzwellendipol hinzu.

Zur besseren Rundfunkversorgung der DDR mit dem 1. Programm des RIAS ging 1978 auf dem Stationsgelände eine Kreuzdipolantenne für die Mittelwellenfrequenz 990 kHz in Betrieb. Diese zirkular polarisierte Antenne strahlte steil in die Ionosphäre und ermöglichte so während der Nachtstunden einen guten Empfang dieses Programms in der gesamten DDR. Diese – an fünf 30,5 Meter hohen abgespannten Masten aufgehängte – Sendeantenne musste Ende 1995 aus Gründen der nicht bestehenden elektromagnetischen Umweltverträglichkeit stillgelegt werden. Bis zum 3. September 2013 wurde von hier das Deutschlandradio-Programm gesendet.

BildungseinrichtungenBearbeiten

  • Albert-Einstein-Gymnasium (AEO)
  • Fritz-Karsen-Schule
  • Alfred-Nobel-Schule
  • Grundschule am Teltowkanal
  • Otto-Hahn-Oberschule
  • (Anna-Simsen-Oberschule, heute Alfred-Nobel-Schule)
  • Annedore-Leber-Berufsbildungswerk
  • Bruno-Taut-Schule (Grundschule)
  • Herman-Nohl-Schule (Grundschule, Sonderschule, Europaschule)
  • Zürich-Schule (Grundschule)
  • Schilling-Schule (Förderzentrum)
  • August-Heyn-Gartenarbeitsschule Neukölln
  • OSZ-IMT (Oberstufenzentrum)

ParksBearbeiten

 
Der „Kalenderplatz“ im Britzer Garten

Teiche und WasserflächenBearbeiten

Die aufgeführten Pfuhle sind von unterschiedlich großen Frei- und Grünflächen umgeben.

  • Brandpfuhl (Lage)
  • Britzer Kirchteich (Lage)
  • Fennpfuhl (Lage)
  • Großer Eckerpfuhl (Lage)
  • Hufeisenteich (Lage)
  • Krugpfuhl (Lage)
  • Papenpfuhl (Lage)
  • Roetepfuhl (Lage)
  • Walnußteich (Lage)
  • Teltowkanal zwischen dem Gewerbegebiet am Hafen Britz-West (520 Meter westlich der Wilhelm-Borgmann-Brücke am Tempelhofer Weg, Lage) und dem Hafen Britz-Ost (Lage). Nach Südosten gehört der Teltowkanal zwischen dem Britzer Hafensteig (Lage) und der Ernst-Keller-Brücke einschließlich (Johannisthaler Chaussee, Lage) zu Britz, das (nord-)östliche Ufer ist die Ortsteilgrenze zu Baumschulenweg.
  • Hafen Britz-Ost (Lage)
  • Hafen Britz-West (Lage)
  • Im Britzer Garten: Hauptsee, Östlicher See, Südlicher See, Irissee, Kopfweidenpfuhl, Teichbach.

VerkehrBearbeiten

Öffentlicher NahverkehrBearbeiten

Wichtigstes Verkehrsmittel ist die U-Bahn. Die Linie U7 hat vier Stationen im Ortsteil. Da Britz über keine Straßenbahn verfügt, ist es sehr stark auf den Busverkehr angewiesen. Als wichtige Nord-Süd-Verbindung fungiert, neben der U-Bahn, die Metrobuslinie M44, die den nächstliegenden S-Bahnhof Hermannstraße anbindet, wo Übergänge zur Ringbahn und zur Linie U8 bestehen. Als wichtiger direkter Zubringer in die Innenstadt dient die Metrobuslinie M46, die wichtige Bahnhöfe, wie das Südkreuz oder den Zoologischen Garten, anbindet. Kleinere regionale Buslinien ergänzen das Angebot.

IndividualverkehrBearbeiten

Die wichtigsten Straßenzüge sind der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Britzer Damm (später: Buckower Damm), sowie die Buschkrugallee, die über Britz hinaus die Innenstadt mit dem Bundesland Brandenburg verbinden. Die Buschkrugallee dient zudem als Zubringer zum Flughafen Schönefeld. In Ost-West-Richtung verbindet die Blaschkoallee (später: Gradestraße) Mariendorf mit Baumschulenweg. Im Norden wird Britz mit zwei Anschlussstellen von der Berliner Stadtautobahn tangiert und als westliche Begrenzung des Ortsteils verläuft die Bundesautobahn 113 mit zwei weiteren Anschlussstellen.

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günter de Bruyn: Zwischenbilanz – eine Jugend in Berlin. Frankfurt am Main 1992.
  • Ronald Kunze: Mieterbeteiligung im Sozialen Wohnungsbau. Entstehung und Entwicklung der Mietervertretungen in den Siedlungen der Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen. Kassel 1992.
  • Raymond Wolff: Neuköllner Pitaval. Berlin 1994, S. 50–59 (Zu Eichmann und Wisliceny).
  • Das Ende der Idylle? Hufeisensiedlung und Krugpfuhlsiedlung vor und nach 1933, Hg. Udo Gößwald, Barbara Hoffmann 2013 (Museumskatalog) 400 Seiten.
  • Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg: Teltow (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Bd. 4). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976.

WeblinksBearbeiten

Commons: Berlin-Britz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien. be.bra Wissenschaft, Berlin 2005.
  2. Britzer Heimatbote mit einer Chronik von Britz, Heft 1, Januar 1980, 31. Jg., S. 9
  3. Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Neukölln. Heft 4 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945. Herausgegeben von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1990.
  4. Lothar Semmel, Christa Emde: Auf Britzer Sand gebaut – Die Geschichte der Löwenhäuser (Memento vom 29. September 2012 im Internet Archive), Berlin Story Verlag, 2010
  5. Brunnen sprudelt wieder. In: Berliner Zeitung, 18. Juli 2019, S. 10 (Berllin-Seite).
  6. Berlin-Britz. In: Structurae