Die Tagespost

römisch-katholische Wochenzeitung in Deutschland

Die Tagespost trägt den Untertitel Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur und ist eine überregionale, wöchentlich im Johann Wilhelm Naumann Verlag in Würzburg erscheinende und nach Einschätzung von Journalisten „rechtskatholische“[1][2] Zeitung.

Die Tagespost
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Beschreibung Katholische Wochenzeitung
Sprache Deutsch
Verlag Johann Wilhelm Naumann Verlag GmbH
Erstausgabe 1948
Erscheinungsweise donnerstags
Verkaufte Auflage 10.910 Exemplare
(IVW Q3/2021)
Verbreitete Auflage 11.670 Exemplare
(IVW Q3/2021)
Chefredakteur Guido Horst
Herausgeber Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung
Weblink www.die-tagespost.de
ISSN (Print)

Sie hieß bis zum 1. April 1999 Deutsche Tagespost. Das Blatt erschien dreimal wöchentlich, die Samstagsausgabe mit leichten Veränderungen und Beilage der wöchentlichen Allgemeine Sonntagszeitung. Seit Januar 2018 erscheint sie mit 32 Seiten gedruckt nur noch donnerstags als Wochenzeitung sowie mit aktuellen Beiträgen online.

GeschichteBearbeiten

Mit ihrer Erstausgabe vom 28. August 1948 erschien die Zeitung unter dem Namen Augsburger Tagespost. Sie war die erste konfessionell ausgerichtete Zeitung in der amerikanischen Besatzungszone. Der Gründer Johann Wilhelm Naumann hatte zuvor seinen Lizenzanteil an der Schwäbischen Landeszeitung aufgegeben. Die Augsburger Tagespost wurde Ende 1949 wieder eingestellt. 1951 zog der Verlag von Augsburg nach Regensburg, wo die Zeitung von nun an als Deutsche Tagespost erschien und sich als überregionale katholische Zeitung für den deutschsprachigen Raum verstand.[3] Seit 1955 ist Würzburg der Sitz des Verlages und der Erscheinungsort der Zeitung.

Bis 1993 war der Johann Wilhelm Naumann Verlag, in dem die Zeitung erscheint, im Besitz der Familie des Gründungsverlegers. 1993 wurde der Verlag von der katholischen Echter-Gruppe gekauft. Mit Übernahme der Anteile von Echter ist seit November 2017 die Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung Alleineigentümerin der Zeitung.[4][5]

Seit dem 4. Januar 2018 erscheint die Zeitung in rubrikmäßig veränderter Form als Wochenzeitung donnerstags (gedruckt und elektronisch) sowie zusätzlich mit tagesaktueller Online-Redaktion, nachdem ihr weiteres Erscheinen durch die Spendensammelaktion „Rettet die Tagespost“ sichergestellt worden war. Damals erschien die Zeitung nach eigenen Angaben mit rund 9500 Exemplaren.[6]

Inhalt und AusrichtungBearbeiten

Die Tagespost dokumentiert unter anderem päpstliche Lehrschreiben und Verlautbarungen und informiert ihre Leser regelmäßig über Stellungnahmen des Vatikans und anderer kirchlicher Stellen zu aktuellen innerkirchlichen und politischen Fragestellungen. Das Blatt ist kirchenpolitisch konservativ ausgerichtet,[7][8] wird als „rechtskatholisch“[9] eingeordnet oder als Zeitung „mit rechten Tendenzen“[10] apostrophiert. Wichtige Mitarbeiter werden dem Opus Dei zugerechnet,[11][12] mit dem die Zeitung seit Jahrzehnten verbunden sein soll.[13] Vorsitzender der Eigentümerstiftung ist Norbert Neuhaus (CDU), ein ehemaliger Trierer Wirtschaftsdezernent und Vizebürgermeister, der ebenfalls Opus-Dei-Mitglied ist und von 2004 bis 2006 Generalsekretär des kirchlichen Hilfswerks Kirche in Not International war. Er ist auch Mitherausgeber des Vatican Magazins.[4][14][15][16]

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, warnte im Dezember 2019 vor rechtsnationalen Einflüssen auf Gemeinden und Kirchenvorstände und kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Tagespost als Beispiel für „einige scharf agierende kirchliche Medien“.[17] Daraufhin erwiderte deren damaliger Chefredakteur Oliver Maksan in der Tagespost, der ZdK-Präsident versuche offenbar, kritische Stimmen zum „Synodalen Weg“ mundtot zu machen.[18] Allerdings zeigten journalistische Recherchen zur „5. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“, bei der die Tagespost als der offizielle Medienpartner fungierte, dass tatsächlich Kooperationen und Verbindungen in die neurechte Szene existieren.[19]

2019 erklärte Liane Bednarz – die bis 2015 für die Tagespost geschrieben hatte –, dass die Zeitung eine „betrübliche Entwicklung“ durchmache und verwies darauf, dass in deren Feuilleton „zunehmend in langen Essays neurechte Autoren zitiert“ würden. So sei beispielsweise 2017 der französische Schriftsteller Renaud Camus, auf den die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“ zurückgeht, als „prominente[r] Intellektuelle[r]“ bezeichnet worden. Der „Große Austausch“ sei dabei sogar als Klammerzusatz erwähnt worden, „und zwar nicht kritisch“.[20]

Gregor Dotzauer konstatierte 2021 im Tagesspiegel, dass die Tagespost „neuerdings vermehrt rechte, das christsoziale Spektrum sprengende Stimmen“ anziehe.[21]

Herausgeber (Auswahl)Bearbeiten

ChefredakteureBearbeiten

  • Ferdinand Römer, von 1955 bis 1998
  • Guido Horst, von 1998 bis 2006
  • Markus Reder, von 2006 bis 2016
  • Oliver Maksan, von 2016 bis 2021[22]
  • Guido Horst, seit 2021

AutorenBearbeiten

Ständige Mitarbeiterinnen und MitarbeiterBearbeiten

Verstorbene AutorenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wahrhaftige Unterrichtung. In: Der Spiegel. 49/1985, 2. Dezember 1985, S. 116 f.
  2. Thomas Klatt: Streit um evangelisches Medienportal. In: Deutschlandfunk 5. Dezember 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  3. Alois Knoller, Brigitte Schürmann: Augsburger Tagespost. In: Augsburger Stadtlexikon.de. 1. März 2011.
  4. a b Unabhängig und selbstbestimmt. In: Die Tagespost, 3. November 2017, abgerufen im März 2019.
  5. Informationen zur Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung. In: Die Tagespost, 19. Dezember 2018, abgerufen im April 2019.
  6. Jennifer Adam: Spender retten katholische Wochenzeitung. In: Pro – Christliches Medienmagazin. 3. Januar 2018.
  7. Thomas Seiterich: Soll der Reformpapst niedergemacht werden? In: katholisch.de. 6. Januar 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  8. Daniel Wirsching: So hetzen rechte Katholiken – auch bei uns in der Region. In: Augsburger Allgemeine, 26. Juni 2019, abgerufen am 16. Oktober 2020 (Interview mit Liane Bednarz).
  9. Thomas Klatt: Streit um evangelisches Medienportal. In: Deutschlandfunk 5. Dezember 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  10. Liane Bednarz: Freiheit heißt in der AfD, politisch unkorrekt sein zu dürfen. In: Der Tagesspiegel. 11. Mai 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  11. David Neuhold: Franz Kardinal König – Religion und Freiheit. Ein theologisches und politisches Profil (= Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte). Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 147.
  12. Matthias Beier: Eugen Drewermann. Die Biografie. Patmos, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-8436-0601-1, S. 368 f.
  13. Peter Hertel: Geheimnisse des Opus Dei. Geheimdokumente – Hintergründe – Strategien. 3. Auflage. Freiburg 1995, ISBN 3-451-04386-6, S. 27.
  14. Roland Morgen: Ein Mann für alle Fälle. In: Trierischer Volksfreund, 22. Februar 2010, abgerufen im März 2019.
  15. Dr. Norbert Neuhaus. Lebenslauf auf der Internetpräsenz des Forum Deutscher Katholiken, gesehen im März 2019.
  16. Martin Haidinger: Opus Dei – Das katholische Rätsel. In: ders. mit Heiner Boberski u. a.: Mächtig. Männlich. Mysteriös. Geheimbünde in Österreich. Ecowin Verlag, Salzburg 2005, ISBN 3-902404-16-7, S. 189–220 (hier: S. 199).
  17. Jörg Köpke: Katholisch und nationalistisch. In: Berliner Zeitung, Nummer 294, 18. Dezember 2019, S. 4.
  18. Die Tagespost: Die Tagespost. 19. Dezember 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  19. Jan-Hendrik Herbst: Rechte Normalisierung und Politische Theologie. Gegenstandsbestimmung, Forschungsdiskurs und exemplarische Zusammenhänge, in: Jan Niklas Collet, Julia Lis, Gregor Taxacher (Hrsg.): Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung. Regensburg 2021, 17–50, S. 46.
  20. Daniel Wirsching: So hetzen rechte Katholiken – auch bei uns in der Region www.augsburger-allgemeine.de, 26. Juni 2019
  21. Gregor Dotzauer: Rechtskonservatismus. Alter Wein in neuen Schläuchen. In: Der Tagesspiegel, 11. Januar 2021. Abgerufen am 24. Januar 2022.
  22. Wechsel an der Spitze der Tagespost. Tagespost-Chefredakteur Oliver Maksan verlässt die Zeitung auf eigenen Wunsch zum 30. Juni. Die Tagespost, 31. Mai 2021, abgerufen am 31. Mai 2021.