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Michael F. Feldkamp (2010)

Michael-Frank Feldkamp (* 23. April 1962 in Kiel) ist ein deutscher Historiker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Feldkamp wuchs zunächst in Kiel auf und besuchte bis zum Abitur 1982 das Gymnasium Carolinum in Osnabrück. Nach Ableistung des 15-monatigen Grundwehrdienstes in Delmenhorst studierte er seit Oktober 1983 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn die Fächer Geschichte, katholische Theologie, Pädagogik und Philosophie unter anderem bei Hans Pohl, Klaus Hildebrand, Rudolf Schieffer, Gabriel Adriányi und Hubert Müller. 1985/1986 studierte er für ein akademisches Jahr Kirchengeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom mit den Schwerpunkten Urkundenlehre und Historische Hilfswissenschaften bei Paulius Rabikauskas sowie Erwin Gatz.

Im Jahr 1990 legte er am staatlichen Prüfungsamt in Köln, Außenstelle Bonn, die Erste Staatsprüfung für das Lehramt (Sekundarstufe I und II) ab. 1986 sowie von 1990 bis 1991 war Feldkamp Stipendiat am Deutschen Historischen Institut in Rom. Nach einer Anschlussförderung seiner Forschungen zur Geschichte der Apostolischen Nuntiatur in Köln durch die bischöfliche Studienstiftung Cusanuswerk im Jahr 1992 wurde er noch im Dezember des gleichen Jahres in Bonn bei Raymund Kottje zum Dr. phil. promoviert.

Im März 1993 wurde Feldkamp wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv des Deutschen Bundestages. Nebenbei war Feldkamp 1995/1996 als Lehrbeauftragter am Seminar für Kirchengeschichte an der Katholischen Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn tätig. 1996/97 war er in jener Außenstelle des Instituts für Zeitgeschichte (München) tätig, die unter der Leitung des Historikers Hans-Peter Schwarz im Auswärtigen Amt in Bonn die Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland herausgab.

Seit dem Jahre 2000 ist Feldkamp Bearbeiter bzw. Redakteur des Datenhandbuches zur Geschichte des Deutschen Bundestages.

Im Bundestag war er unter anderem als Ghostwriter tätig und darüber hinaus für verschiedene Bundestagspräsidenten als Redenschreiber. Ferner arbeitete er vertretungsweise beim Protokoll des Bundestages sowie als persönlicher Referent des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Johannes Singhammer.

WirkenBearbeiten

Feldkamp veröffentlichte seit 1982 zur Osnabrücker Bistumsgeschichte und Geschichte des Apostolischen Vikariats des Nordens vom späten Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit.

Zwischen 1993 und 2009 bearbeitete er fünf der insgesamt 14 Editionsbände Der Parlamentarische Rat 1948–1949. Akten und Protokolle, darunter jener Band, der die Beziehungen des Parlamentarischen Rates zu den Militärgouverneuren der westalliierten Besatzungsmächte dokumentiert, sowie die Protokolle des Finanzausschusses und des Hauptausschusses. Sein 1998 publiziertes Buch „Der Parlamentarische Rat. Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes“ erschien 2008 und erneut 2019 in einer bebilderten und aktualisierten Neuausgabe.

Im Ausland ist Feldkamp bekannt geworden durch seine Veröffentlichungen zur Kölner Nuntiatur und zur Papstdiplomatie sowie seinen Beiträgen über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus. Sein Werk mit dem Titel Pius XII. und Deutschland aus dem Jahre 2000 verfolgte das Ziel, den komplexen Forschungsstand einem größeren Leserkreis nahezubringen und sich so von den üblichen Anklagen oder apologetischen Schriften zu diesem Thema abzuheben. Zugleich war es die erste wissenschaftlich fundierte Antwort auf John Cornwells Buch Pius XII. – Der Papst, der geschwiegen hat. Feldkamp korrigierte die Ansichten Cornwells über die Entstehungsgeschichte des Serbischen Konkordats von 1914 und wies auf eklatante Übersetzungsfehler bei italienischsprachigen Dokumenten in der englischen wie in der deutschen Ausgabe hin. Die Historische Zeitschrift (Bd. 274/1, S. 260) urteilte, das Feldkamps Werk geeignet sei, „die Diskussion um den Pacelli-Papst in ruhige Bahnen zu lenken“.

Mit seinem Buch Goldhagens unwillige Kirche trat Feldkamp Daniel Goldhagen entgegen; dieser hatte nach Feldkamps Ansicht auf der Grundlage von Vorurteilen, Fälschungen und offenbar absichtlich falschen Übersetzungen Papst Pius XII. zu Unrecht als Antisemiten und Nazi-Freund dargestellt.

2005 belegte Feldkamp in seiner Studie über Kurt Georg Kiesingers Beitritt in die NSDAP die in der Zeitschrift Hochland von Ernst-Wolfgang Böckenförde 1960/1961 veröffentlichte und kontrovers diskutierte These über die Anfälligkeit der katholischen akademischen Jugend für nationalsozialistisches Gedankengut am Ende der Weimarer Republik. Damit einher ging – so Feldkamp – die seit Mitte der 1920er Jahre zu konstatierende Abkehr von den Altvorderen der Zentrumspartei; diese waren noch vom Geist des Kulturkampfes geprägt, wagten aber von innen her keine Erneuerung der Zentrumspartei, die seit Beginn der Weimarer Republik in den verschiedensten Koalitionen in der Regierungsverantwortung stand.

Seit 2000 befasst sich Feldkamp mit den Anfängen des Deutschen Bundestages. Hierzu hat er kleinere biografische Studien zu Erich Köhler, Hermann Ehlers, Karl Mommer und Paul Löbe sowie über das Verhältnis zwischen Konrad Adenauer und Kurt Schumacher vorgelegt. Als Co-Autor befasste er sich mit der Geschichte der Polizei beim Deutschen Bundestag und der Geschichte der Saaldiener im Bundestag. Ferner hat sich Feldkamp 2012 im Rahmen einer umfangreichen biografischen Skizze über Franz Nüßlein (veröffentlicht 2013) in die Nachrufaffäre im Auswärtigen Amt eingebracht.

Im Jahre 2016 erschien Feldkamps Studie mit dem Titel Vom Jerusalempilger zum Grabesritter. Hierin widerlegte er – unter Fortführung der Forschungsergebnisse von Valmar Cramer (1952), Kaspar Elm (1964) und Mordechay Lewy (2004/14) – die weitverbreiteten Legenden um die Entstehung des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und des so genannten „Jerusalemkreuzes“. Beide gehen demnach nicht auf Gottfried von Bouillon (1099) zurück. Der älteste Ritterschlag am Heiligen Grab ist für 1335/36 belegt; das Jerusalemkreuz kam Anfang des 14. Jahrhunderts zunächst in Zypern auf und fand erst danach über Jerusalempilger im Heiligen Land Verbreitung. Schließlich wurde es erst im 15. Jahrhundert zum Emblem für die Franziskaner im Heiligen Land sowie zum Ordenszeichen bzw. zur Ordensinsignie der Grabesritter. Demnach handelt es sich bei dem Ritterorden von Heiligen Grab eigentlich um einen Pilgerorden, der 1848 zum patriarchalischen Ritterorden (seit 1868 mit päpstlicher Genehmigung) wurde und erst im 20. Jahrhundert unter Papst Pius X. ein päpstlicher Orden.

2019 publizierte Feldkamp seine Forschungen über die Entstehung des Titularbischofs, wonach die Titularbistümer nicht in Folge der islamischen Eroberungskriege des 7. Jahrhunderts entstanden, sondern erst auf Grundlage der Beschlüsse des Konzils von Vienne 1311/12.

Wolfram Weimer führte Feldkamp bereits im Jahre 2012 auf Grund seines wissenschaftlich-publizistischen Engagements in dem Werk Who is Who der Katholiken auf und zählte ihn damit zu den „800 wichtigsten Vertreter(n) des modernen Katholizismus in Deutschland“.[1]

MitgliedschaftenBearbeiten

 
Wappen des K.St.V. Arminia in Bonn

AuszeichnungenBearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Osnabrücker Landesgeschichte und norddeutsche Kirchengeschichte
 
Stadtplan von Osnabrück 1633
  • Anmerkungen zum Stadtplan Osnabrücks von Wenzel Hollar aus dem Jahre 1633. In: Osnabrücker Mitteilungen 88 (1982), S. 230–233 (online-Zusammenfassung: [1]).
  • Die Ernennung der Osnabrücker Weihbischöfe und Generalvikare in der Zeit der »successio alternativa« nach römischen Quellen. In: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 81 (1986), S. 229–247.
  • Die Jesuitenmission in Bremen 1648–1773. In: Archivum Historicum Societatis Iesu 59 (1990), S. 27–74.
  • Der Nachlaß des Komponisten, Diplomaten und Bischofs Agostino Steffani (1654–1728) im Archiv der Propaganda Fide. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 72 (1992), S. 230–313 (online)
  • Zur Bedeutung der „successio alternativa“ im Hochstift Osnabrück während des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 130 (1994), S. 75–110 (online)
  • Johannes Alting (1587–1652) – Rektor der Jesuitenuniversität Osnabrück und Weggefährte des Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg. Ein Lebensbild im Zeitalter der Konfessionalisierung, in: Osnabrücker Mitteilungen 100 (1995), S. 75–116.
Wissenschafts- und Universitätsgeschichte
Papstdiplomatie
  • Die Rechnungsbücher aus der Abbreviatur der Kölner Nuntien Lucini, Bellisomi und Pacca. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 78 (1991), S. 82–96.
  • Die Tribunal- und Gebührenordnung der Nuntiatur Madrid aus dem Jahre 1611. In: Archivum Historiae Pontificiae 30 (1992), S. 363–384.
  • Bullen von Nuntien und Legaten. Zum Sprachgebrauch des Terminus »Bulle« in der frühen Neuzeit. In: Römische Historische Mitteilungen. 34/35 (1992/1993), S. 133–138.
  • Studien und Texte zur Geschichte der Kölner Nuntiatur. 4 Bände. Città del Vaticano 1993, 1995 und 2008, ISBN 88-85042-22-8, ISBN 88-85042-21-X, ISBN 88-85042-27-9, ISBN 978-88-85042-51-3.
  • Die europäischen Nuntiaturen in der frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung der Luzerner Nuntiatur. In: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte. 88 (1994), S. 27–48.
  • Die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zum Heiligen Stuhl 1949–1966. Aus den Vatikanakten des Auswärtigen Amts. Eine Dokumentation. Köln u. a. 2000, ISBN 3-412-03399-5.
  • La diplomazia pontificia. Da Silvestro I a Giovanni Paolo II. Milano 1998 (franz. Übersetzung: Paris 2001, ISBN 2-204-06452-1; span. Übersetzung: Madrid 2004, ISBN 84-7914-697-4).
  • Geheim und effektiv. Über 1000 Jahre Diplomatie der Päpste. Augsburg 2010, ISBN 978-3-86744-150-6.
  • Warum entstanden aus den im Konfessionellen Zeitalter säkularisierten deutschen Bistümern keine Titularbistümer? Beobachtungen zur Entwicklung des Rechtsinstituts des Titularbischofs, in: Incorrupta monumenta ecclesiam Defendunt. Studi offerti a mons. Sergio Pagano, prefetto dell’Archivio Segreto Vaticano, hrsg. von Andreas Gottsmann – Pierantonio Piatti – Andreas E. Rehberg, Band I/1: La Chiesa nella storia. Religione, cultura, costume, Città del Vaticano 2018, ISBN 978-88-98638-08-6, S. 589–606.
Politischer Katholizismus und Nationalsozialismus
Entstehung des Grundgesetzes
Geschichte des Deutschen Bundestages
Verschiedenes
  • Regentenlisten und Stammtafeln zur Geschichte Europas. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Reclam-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-017034-6.
  • Franz Roman Nüßlein (1909–2003) und die sog. „Nachruf-Affäre des Auswärtigen Amtes im Jahre 2005.“ In: 1863–2013. Festschrift zum 150. Stiftungsfest des katholischen Studentenvereins Arminia, Bonn 2013, ISBN 978-3-00-041979-9, S. 74–101. Online: [2]
  • Was heißt Abendland? Ein alter Ausdruck ist derzeit wieder als Schlagwort präsent. Woher kommt er? Wofür steht er? In: Die Tagespost vom 7. Januar 2015. Online: [3].
  • Vom Jerusalempilger zum Grabesritter. Geschichte des Ritterordens vom Heiligen Grab (= Propyläen des christlichen Abendlandes, Band 1), Patrimonium-Verlag, Aachen 2016, 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-86417-055-3. Leseprobe auf der Homepage des Patrimonium-Verlags: [4]
  • Reichskirche und politischer Katholizismus. Aufsätze zur Kirchengeschichte und kirchlichen Rechtsgeschichte der Neuzeit (= Propyläen des christlichen Abendlandes, Band 3), Patrimonium-Verlag, Aachen 2019, ISBN 978-3-86417-120-8.

LiteraturBearbeiten

  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Bio-Bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. 19. Ausg., Saur Verlag, München 2003, S. 750 f.
  • Nicolè Alexander: Schwergewicht mit neuen Akzenten. In: Blickpunkt Bundestag. Heft 1/2006, S. 55 (online).
  • Wolfram Weimer (Hrsg.): Who is Who der Katholiken. Ausgabe 2013/2014, Pattloch, München 2012, S. 151.
  • Reimund Haas: Die Kölner Nuntiatur (1584–1794). Bemerkungen zu Michael F. Feldkamps Werk „Studien und Texte zur Geschichte der Kölner Nuntiatur 1 – 4“. In: Geschichte in Köln. Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte, Band 61, 2014, ISBN 978-3-412-22367-0, S. 274–283.
  • Gabriele Pollert: Porträt in Unser Frohnau, März 2015, S. 22f.

WeblinksBearbeiten

Autorenporträts (Links)
Interviews

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfram Weimer (Hrsg.): Who is Who der Katholiken, München 2013/2014, S. 151.
  2. Textarchiv Bundestag.de – Stand 12/2012.
  3. http://www.academiasanctiambrosii.it/wp-content/uploads/2015/05/Unbenannt.jpg − Stand 11/2017.
  4. Akademische Monatsblätter, 97. Jg., Heft 7 (Juli 1985).
  5. http://royalhouseofrwanda.org/royal-news-and-events/item/93-visit-to-rome