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Hans-Gert Pöttering

deutscher Politiker (CDU)
Hans-Gert Pöttering (2019)
Hans-Gert Pöttering (2014)

Hans-Gert Hermann Pöttering (* 15. September 1945 in Bersenbrück) ist ein deutscher Politiker (CDU) und war von 2007 bis 2009 der 12. Präsident des Europäischen Parlamentes seit Einführung der Direktwahl.

Er war seit der ersten Direktwahl 1979 bis zur Europawahl 2014, bei der er nicht mehr antrat, ohne Unterbrechung Mitglied des Europäischen Parlaments. Er war von 1999 bis 2007 Fraktionschef der EVP-ED. Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2004 und 2009 war er Spitzenkandidat der CDU Deutschlands. Als Teil einer Abmachung mit der sozialistischen Fraktion folgte er Josep Borrell in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode, ab 16. Januar 2007, als Parlamentspräsident. Am 14. Juli 2009 wurde er von Jerzy Buzek abgelöst.

Von 2010 bis 2017 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und BerufBearbeiten

Pöttering lernte seinen Vater nicht kennen, weil dieser in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges als Soldat gefallen war. Pöttering wuchs in Bersenbrück auf. 1966 machte er sein Abitur am Artland-Gymnasium in Quakenbrück. Er leistete bis 1968 seinen Wehrdienst in Fürstenau und Munster und wurde zum Reserveoffizier (letzter Dienstgrad: Leutnant d. R.) ausgebildet.

Anschließend nahm er sein Studium der Rechtswissenschaften, Politik und Geschichte an der Universität Bonn und der Universität Genf sowie am Institut des Hautes Études Internationales in Genf auf. 1973 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen ab; nach einem Studienaufenthalt an der Columbia University in New York wurde er 1974 bei Hans-Adolf Jacobsen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der Arbeit Die verteidigungspolitische Konzeption der Bundesregierung von 1955–1963, unter besonderer Berücksichtigung der Militärstrategie der USA zum Dr. phil. promoviert. 1976 legte er sein zweites juristisches Staatsexamen ab.

Von 1976 bis 1979 war er wissenschaftlicher Angestellter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion beim stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Burkhard Ritz im Deutschen Bundestag, ab 1989 Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück. 1995 wurde er zum Honorarprofessor an der Universität Osnabrück ernannt.[1] Pöttering hat überdies verschieden zur europäischen Politik publiziert.

Er lebt in Bad Iburg, ist katholisch, geschieden und hat zwei Söhne.

PolitikBearbeiten

DeutschlandBearbeiten

Von 1976 bis 1980 war er europapolitischer Sprecher der Jungen Union Niedersachsen und anschließend Landesvorsitzender der Europa-Union Niedersachsens von 1981 bis 1991. Von 1997 bis 1999 war Pöttering Präsident der überparteilichen Europa-Union Deutschlands.

Von 1990 bis 2010 war er CDU-Kreisvorsitzender im Landkreis Osnabrück,[2] von 1999 bis 2009 Mitglied des CDU-Präsidiums und CDU-Bundesvorstands. Am 4. Dezember 2009 wurde er als Nachfolger von Bernhard Vogel zum Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung gewählt[3] und 2011 sowie 2013 und 2015 im Amt bestätigt.[4] Anfang Dezember 2017 gab er dieses Amt an den früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ab.[5]

Pöttering ist Mitglied im Schützenverein Bad Iburg und im Freundes- und Fördererkreis des Gymnasiums Bad Iburg. Er ist zusammen mit Volker Hassemer Mitglied im Advisory Board der proeuropäischen Initiative „A Soul for Europe“.

EuropaBearbeiten

 
Kandidatenplakat zur Europawahl 1984

Hans-Gert Pöttering war seit 1979 Mitglied des Europäischen Parlaments für die Region Osnabrück, Emsland, die Grafschaft Bentheim und Ostfriesland. Er war der einzige Europaparlamentarier, der seit der ersten Direktwahl 1979 bis 2014 durchgehend gewählt worden ist.

Von 1994 bis 1999 war er stellv. Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament (Christlich-demokratische Fraktion).

Von 1984 bis 1994 war er Vorsitzender des Unterausschusses „Sicherheit und Abrüstung“ des Europäischen Parlamentes. Während seiner Tätigkeit als Leiter der Arbeitsgruppe „Regierungskonferenz 1994“ von EVP und EVP-Fraktion in den Jahren 1994 bis 1996 wurden deren Vorschläge als Grundsatzpapier Anfang November 1995 vom Kongress der EVP in Madrid mit großer Mehrheit verabschiedet. Das Papier stellte die Position der EVP für den Vertrag von Amsterdam dar.

Von 1996 bis 1999 hatte Pöttering die Leitung der Arbeitsgruppe „Erweiterung der Europäischen Union“ von EVP und EVP-Fraktion inne.

Von 1999 bis 2007 war Hans-Gert Pöttering Vorsitzender der EVP-ED Fraktion im Europäischen Parlament (Nachfolger: Joseph Daul) sowie von 1999 bis 2009 Mitglied im Präsidium der EVP.

Am 16. Januar 2007 wurde Hans-Gert Pöttering zum Präsidenten des Europäischen Parlamentes gewählt.[6] Bereits im ersten Wahlgang erhielt er 100 Stimmen mehr als für die absolute Mehrheit erforderlich gewesen wären. Am 14. Juli 2009 wurde er vom früheren polnischen Ministerpräsidenten Jerzy Buzek abgelöst.

Seit Juli 2014 ist er Ehrenmitglied des Europäischen Parlaments.[7]

MitgliedschaftenBearbeiten

Pöttering war Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Europäisches Parlament. Zudem ist er seit 2014 Ehrenmitglied des Europäischen Parlaments. Hans-Gert Pöttering ist Initiator des Hauses der Europäischen Geschichte, das beim Europäischen Parlament in Brüssel entsteht. Er sitzt dem Kuratorium des Hauses der Europäischen Geschichte vor. Zusammen mit dem ehemaligen Unternehmer und Ehrenvorsitzenden der Karlspreisstiftung, André Leysen, hat Hans-Gert Pöttering den Europäischen Karlspreis für die Jugend mitinitiiert.

AuszeichnungenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • Adenauers Sicherheitspolitik 1955–1963. Ein Beitrag zum deutsch-amerikanischen Verhältnis. Droste Verlag, Düsseldorf 1975, ISBN 3-7700-0412-4
  • Die Europäische Gemeinschaft nach den Beschlüssen von Maastricht: Vertiefung und Erweiterung, Europa Union Vlg., Bonn 1992, ISBN 3-7713-0424-5
  • Europas Vereinigte Staaten: Annäherungen an Werte und Ziele. Edition Interfrom, Zürich 2000, ISBN 3-7201-5237-5, zusammen mit Ludger Kühnhardt
  • Weltpartner Europäische Union. Edition Interfrom, Zürich 2001, ISBN 3-7201-5252-9, zusammen mit Ludger Kühnhardt
  • Kontinent Europa. Kern, Übergänge, Grenzen. Edition Interfrom, Zürich 2002, ISBN 3-7201-5276-6, zusammen mit Ludger Kühnhardt
  • Von der Vision zur Wirklichkeit. Auf dem Weg zur Einigung Europas. Bouvier, Bonn 2004, ISBN 978-3-416-03053-3
  • Im Dienste Europas. Bouvier, Bonn 2009, ISBN 978-3-416-03251-3
  • Wir sind zu unserem Glück vereint. Mein europäischer Weg. Böhlau, Köln 2014, ISBN 978-3-412-22262-8
  • Mein Europa. Werte – Überzeugungen – Ziele. Verlag Herder, Freiburg 2015, ISBN 978-3-451-34837-2

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lebenslauf (PDF; 100 kB)
  2. Website mit Lebenslauf
  3. Neue Aufgabe für Pöttering. (Memento vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.is) Süddeutsche Zeitung, 24. November 2009
  4. vgl. Pressemitteilung der Konrad-Adenauer-Stiftung vom 14. Juni 2013
  5. Lammert neuer Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Spiegel Online, 1. Dezember 2017, abgerufen am selben Tage.
  6. Europäisches Parlament: Der Dienstag im Plenum: Wahlen (Memento vom 1. März 2007 im Internet Archive) 17. Januar 2007
  7. Dr. Hans-Gert Pöttering, Konrad-Adenauer-Stiftung. In: kas.de. 15. September 1945, abgerufen am 13. Juni 2016.
  8. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  9. Dekret des Präsidenten der Ukraine Nr. 1057/2008 vom 19. November 2008; abgerufen am 16. Februar 2018 (ukrainisch)
  10. Hans-Gert Pöttering genießt seine „größte und schönste Ehrung“. Bersenbrücker Kreisblatt vom 1. Juni 2009.
  11. Hans-Gert Pöttering mit Ehrendoktorwürde der Korea Universität Seoul ausgezeichnet, Pressemeldung auf der Website der Konrad-Adenauer-Stiftung vom 15. Oktober 2010, abgerufen am 5. Februar 2011.
  12. Christian Holzgreve: Ehrung im Élysée für einen Niedersachsen. Sarkozy zeichnet Pöttering als großen Europäer aus, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5. Februar 2011, S. 5
  13. „Freund Frankreichs“, Pressemeldung auf der Website der Konrad-Adenauer-Stiftung vom 1. Februar 2011, abgerufen am 28. Oktober 2013.
  14. Pressemeldung auf der Website der Konrad-Adenauer-Stiftung vom 8. Mai 2014, abgerufen am 8. Mai 2014.