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Brexit Party

Nationalistische britische Partei
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Brexit Party
Brexit-Partei
Logo der Brexit-Partei
Parteivorsitzender Richard Tice
Partei­vorsitzender Richard Tice
Partei­führer Nigel Farage
Entstehung Abspaltung von der UKIP
Gründung 20. Januar 2019
Gründungs­ort London
Haupt­sitz 83 Victoria Street
London
SW1 0HWK
Aus­richtung Pro-Brexit
EU-Skepsis
Rechtspopulismus[1]
Farbe(n) Blau und Weiß
Britisches Unterhaus
0/650
Britisches Oberhaus
0/795
Nationalversammlung für Wales
4/60
Europaabgeordnete
29/73
Website thebrexitparty.org

Die Brexit Party (deutsch: „Brexit-Partei“) ist eine politische Partei im Vereinigten Königreich. Rechte Politiker gründeten sie am 20. Januar 2019, nachdem klar geworden war, dass sich der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs („Brexit“) verzögern würde.

Gründung der ParteiBearbeiten

 
Parteiführer Nigel Farage

Im Jahr 2018 kam es zu einem Rechtsruck in der UK Independence Party. Unter anderem ernannte der seit dem Februar des Jahres amtierende UKIP-Vorsitzende Gerard Batten im November 2018 Tommy Robinson, den Gründer und ehemaligen Leiter der English Defence League, zu seinem Berater. Daraufhin traten vormals führende UKIP-Politiker aus der Partei aus. Catherine Blaiklock gründete im Januar 2019 mit Wissen und Unterstützung von Nigel Farage die Brexit-Partei.[2] Kurze Zeit später trat Farage der Partei bei. Er erklärte, es ginge nun darum, dass „das Volk gegen die Politiker“ kämpfen müsse.[3] Gemeinsam mit Farage traten sieben weitere Abgeordnete des Europäischen Parlaments zur Brexit-Partei über. Die anderen Abgeordneten sind Tim Mark Aker, Jonathan Bullock, David Coburn, Nathan Gill, Julia Reid sowie Bill Etheridge, der zuvor für wenige Monate in der Libertarian Party Mitglied war. Kurze Zeit später folgten die ehemaligen UKIP-Vorsitzenden Paul Nuttall und Diane James.

Nachdem islamfeindliche Aussagen Blaiklocks öffentlich geworden waren[4], trat sie am 20. März 2019 zurück. Führer der Partei wurde daraufhin Farage.

Finanzierung der ParteiBearbeiten

Seit ihrer Gründung, nimmt die Partei zahlende Unterstützer auf und finanziert sich durch Spenden. Laut ihres Vorsitzenden, Nigel Farage, geht es dabei vor allem um Kleinspenden. Im Juni 2019 geriet die Partei in den Fokus der Aufsichtsbehörde (Electoral Commission), die die Nachvollziehbarkeit aller Spenden anmahnte. Der britischen Zeitung The Guardian zufolge, sollte die Partei über einen Betrag von insgesamt GBP 2,5 Mio. ungeklärten Ursprungs Rechenschaft ablegen.[5] Ein Verstoß gegen die Parteispendenrichtlinien (wonach Spenden von über £ 500 nachvollziehbar sein müssen), konnte der Brexit Partei nicht nachgewiesen werden. Der Politiker Alyn Smith (Mitglied der Scottish National Party) musste sich für seine im Mai 2019 im Nachrichtensender Sky News hervorgebrachte Behauptung, die Brexit Partei sei eine Frontpartei für Geldwäsche, offiziell entschuldigen.[6] Vermutungen, dass Geschäftsmann Arron Banks hinter der Brexit-Partei steht[7] werden von Parteigründer Farage bestritten. Im Juli 2019 leitete das EU Parlament eine Untersuchung gegen die Partei ein, wegen des Vorwurfs illegaler Schenkungen von Banks an Farage in Höhe von fast einer halben Million Pfund.[8]

Politische Bedeutung und WahlergebnisseBearbeiten

Bei einer ersten Umfrage am 10. April 2019 kam die Brexit-Partei auf 10 % bei einer möglichen britischen Beteiligung an der Europawahl 2019.[9] Nachdem eine Verschiebung des Brexits um ein halbes Jahr beschlossen wurde, stieg die Partei Mitte April 2019 in einer Umfrage für die EP-Wahl auf 27 %.[10] Nach einer vom 8. bis 10. Mai durchgeführten Online-Umfrage kam die Brexit-Partei bereits auf 34 % und erreichte damit mehr Zustimmung als Labour (21 %) und Tories (11 %) zusammen.[11] Bei der britischen Europawahl am 23. Mai 2019 erreichte die Brexit-Partei 30,5 % der Stimmen und wurde damit stärkste Kraft des Landes. Zu den Kandidaten gehörten auch ehemalige Kritiker von Nigel Farage und der UKIP Partei.[12]

Mit ihren insgesamt 29 Abgeordneten ist die Brexit-Partei die größte Einzelpartei des EU Parlaments.

Die 29 Abgeordneten (MEP) sind:

Name Constituency First elected Notes
David Bull North West England 23 May 2019 ehemaliger konservativer Parlamentskandidat
Jonathan Bullock East Midlands 28 July 2017 ehemaliger UKIP-Abgeordneter; ehemaliger konservativer Parlamentskandidat
Martin Daubney West Midlands 23 May 2019
Nigel Farage South East England 10 June 1999 Anführer der Partei; ehemaliger UKIP-Abgeordneter
Lance Forman London 23 May 2019
Claire Fox North West England 23 May 2019 ehemaliges Mitglied der Revolutionary Communist Party
Nathan Gill Wales 1 July 2014 ehemaliger UKIP-Abgeordneter
James Glancy South West England 23 May 2019
Benyamin Habib London 23 May 2019
Lucy Harris Yorkshire and the Humber 23 May 2019
Michael Heaver East of England 23 May 2019
Christina Jordan South West England 23 May 2019
Andrew Kerr West Midlands 23 May 2019
John Longworth Yorkshire and the Humber 23 May 2019
Rupert Lowe West Midlands 23 May 2019 ehemaliger Kandidat der Referendum Party
Belinda De Camborne Lucy South East England 23 May 2019
Brian Monteith North East England 23 May 2019
June Mummery East of England 23 May 2019
Henrik Overgaard-Nielsen North West England 23 May 2019
Matthew Patten East Midlands 23 May 2019
Alexandra Phillips South East England 23 May 2019 ehemaliger UKIP-Medienchef
Jake Pugh Yorkshire and the Humber 23 May 2019
Annunziata Rees-Mogg East Midlands 23 May 2019 ehemaliger Parlamentskandidat
Robert Rowland South East England 23 May 2019
Louis Stedman-Bryce Scotland 23 May 2019
John Tennant North East England 23 May 2019 ehemaliger UKIP-Stadtrat, derzeitiger Parteichef der Independent Union party
Richard Tice East of England 23 May 2019
James Wells Wales 23 May 2019
Ann Widdecombe South West England 23 May 2019 ehemaliges konservatives Parlaments- und Regierungsmitglied

Zu den Kommunalwahlen in England und Nordirland im Mai 2019 trat die Brexit Party nicht an,[13] aber sie nahm an der Nachwahl für das Direktmandat in Peterborough am 6. Juni 2019 teil.[14] Bei dieser verpasste der Brexit-Partei-Kandidat knapp den Einzug ins Parlament.[15]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Right-wing populist parties are polling well in Britain, The Economist vom 15. April 2019.
  2. The new Ukip? Nigel Farage offers 'full support' for another Brexit party, independent.ie vom 26. März 2019.
  3. "No more Mr Nice Guy": Nigel Farage fumes over Brexit, sky.com vom 23. März 2019.
  4. Alex Wickham/Mark Di Stefano: The Founder Of Nigel Farage's New Brexit Party Has A History Of Anti-Muslim Comments, buzzfeed.com vom 11. Februar 2019.
  5. Syal Rajeev: Brexit party told to check all donations for possible illegal funding. In: The Guardian. 18. Juni 2019, abgerufen am 9. August 2019 (englisch).
  6. Brexit Party- Funding and Structure. In: Wikipedia - the free encyclopedia. Wikipedia Foundation, abgerufen am 9. August 2019 (englisch).
  7. Jens Berger: Großbritannien – die repräsentative Demokratie frisst ihre Kinder, nachdenkseiten.de vom 17. Mai 2019.
  8. Crisp James: Nigel Farage claims EU investigation into undeclared gifts from Brexiteer Arron Banks is 'over and dealt with'. The Telegraph, 3. Juli 2019, abgerufen am 8. September 2019 (englisch).
  9. Joe Curtis: Poll: Voters would punish Tories for Brexit delay at European parliamentary elections, cityam.com vom 10. April 2019.
  10. Peter Mühlbauer: Brexit Party schießt in Umfrage auf Platz 1, heise.de vom 18. April 2019.
  11. Brexit party may get more EU election votes than Tories and Labour combined – poll, theguardian.com vom 11. Mai 2019.
  12. Fox Claire: Why as a lifelong leftie I've joined Team Nigel: CLAIRE FOX explains her reasons for standing as a European election candidate in The Brexit Party. In: Mail Online. Daily Mail, 24. April 2019, abgerufen am 9. August 2019.
  13. Britische Kommunalwahlen: Klatsche für Mays Partei wegen Brexits?, brf.be vom 2. Mai 2019.
  14. Kate Devlin: Farage’s Brexit party eyes seat of disgraced ex-Labour MP, Fiona Onasanya, thetimes.co.uk vom 30. April 2019.
  15. Brexit-Partei verpasst Einzug ins britische Parlament, Spiegel Online vom 7. Juni 2019.