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Berlin-Kaulsdorf

Ortsteil von Berlin

Kaulsdorf ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Gemeinsam mit Biesdorf und Mahlsdorf befindet sich hier Deutschlands größtes zusammenhängendes Gebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern.[1]

Kaulsdorf
Ortsteil von Berlin
BerlinMarzahnHellersdorfKaulsdorfMahlsdorfBiesdorfBrandenburgKaulsdorf auf der Karte von Marzahn-Hellersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 30′ 29″ N, 13° 34′ 51″ OKoordinaten: 52° 30′ 29″ N, 13° 34′ 51″ O
Fläche 8,81 km²
Einwohner 18.921 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 2148 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12621, 12619
Ortsteilnummer 1003
Gliederung
Verwaltungsbezirk Marzahn-Hellersdorf
Ortslagen
  • Alt Kaulsdorf
  • Kaulsdorf-Nord
  • Kaulsdorf-Süd

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Ort entstand vor 1200 im Zuge der deutschen Ostsiedlung, allerdings nicht als Neugründung („aus wilder Wurzel“), sondern in Umstrukturierung einer slawischen Siedlung, wie der archäologische Befund von vergesellschafteten spätslawischen und frühdeutschen Scherben zeigt. Um 1250 folgte die Errichtung der Dorfkirche Kaulsdorf. Im Jahr 1347 wurde Kaulsdorf als Caulstorp in einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Ludwig des Älteren an die Kalandsbrüder in Bernau erwähnt. Erstmals erschien der Name jedoch bereits 1285 im Zusammenhang mit einem Bewohner: Nicolao de Caulestorp.[2] 1412 wurde der Ort ein Altargut der Petrikirche zu Cölln an der Spree, bis 1536 die Rechte der Petrikirche an die Domkirche in Berlin abgetreten wurden. 1539 wurde Kaulsdorf mit der Reformation Tochterkirche von Biesdorf.

 
Kaulsdorfer Dorfkirche

Die ersten Wohnhäuser entstanden um die Kirche herum als ein typisches Angerdorf; ungewöhnlich ist allerdings seine Dreiecksform. Infolge des Dreißigjährigen Kriegs wurden 1638 alle Höfe im Dorf verwüstet und waren ohne Bewohner, bis 1652 in Kaulsdorf fast alle Bauern- und Kossätenhöfe wieder besetzt wurden. Franz Carl Achard, Berliner Akademiemitglied, erwarb 1782 das von Abgaben befreite Gut für Versuche des Rübenanbaus und der Zuckergewinnung. Der Haltepunkt Kaulsdorf an der Preußischen Ostbahn wurde 1869 eröffnet.

In Kaulsdorf, das zum damals neu gebildeten Amtsbezirk Biesdorf gehörte, fand erstmals 1874 eine Gemeindevertreterwahl statt. Die Eröffnung des Wasserwerks Kaulsdorf zur Trinkwasserversorgung der Einwohner erfolgte im Jahr 1916. Bis 1920 gehörte der Ort zum Landkreis Niederbarnim, dann wurde Kaulsdorf nach Groß-Berlin eingemeindet und Teil des Bezirks Lichtenberg. Im März 1920 wurde Kaulsdorf an das Elektroenergienetz angeschlossen. Zwischen 1942 und 1945 entstand ein Hilfslazarett (später Krankenhaus Kaulsdorf, 1997 bis 2015: Vivantes Klinikum Hellersdorf, danach Vivantes Klinikum Kaulsdorf, Standort Myslowitzer Straße).

Aus dem Bezirk Lichtenberg wurde Kaulsdorf 1979 zum damals neuen Ost-Berliner Stadtbezirk Marzahn ausgegliedert. Als dieser 1986 geteilt wurde, kam Kaulsdorf zum neu geschaffenen Stadtbezirk Hellersdorf (bestehend aus den Ortsteilen Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf). Der Ortsteil wurde 2001 durch die Fusion der Bezirke Marzahn und Hellersdorf Teil des neu gebildeten Bezirks Marzahn-Hellersdorf.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Im Jahr 1895 wohnten in Kaulsdorf 750 Personen, deren Zahl sich durch die Ansiedlung weiterer Familien vor allem entlang der Bahnlinie bis 1920 auf rund 4000 erhöht hatte.[2] Im Jahr 1995 hatte Kaulsdorf 13.089 Einwohner, Ende 2015 waren es 18.794.[3] Der enorme Zuwachs resultiert aus der Neuerrichtung von Eigenheimen, der Sanierung von alten Bauerngehöften und auch aus den neuen Siedlungsgebieten um die Hugo-Distler-Straße nördlich von Alt-Kaulsdorf, die Steffenshagener Straße oder die Kaulsdorfer Gärten.

Bauten und NaturBearbeiten

DenkmaleBearbeiten

An der Kaulsdorfer Straße 90 befand sich zur Zeit des Nationalsozialismus ein Zwangsarbeitslager. Zum Gedenken wurden am Ufer der Wuhle Ausstellungstafeln aufgestellt.[4]

Das Sowjetische Ehrenmal Berlin Kaulsdorf an der Kreuzung Brodauer/Waplitzer Straße wurde zu Ehren der hier gefallenen sowjetischen Soldaten errichtet und trägt eine Inschrift in russischer Sprache.[5]

Inschrift links:

Ewiger Ruhm Euch Recken des russischen Volkes, die Ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt.

Inschrift rechts:

Ewiger Ruhm den Kämpfern der Roten Armee, die im Kampf um die Einnahme Berlins gefallen sind.

Inschrift hinten:

Ewiger Ruhm Euch Helden, die Ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt.

Wirtschaft, Bildung und GesundheitBearbeiten

Das Wasserwerk Kaulsdorf, 1916 in Betrieb genommen, versorgt rund 160.000 Berliner Haushalte mit Trinkwasser.[6]

In Kaulsdorf hat sich 1932 die Firma Schilkin KG angesiedelt und produziert seitdem Spirituosen für den deutschen Markt und für den Export. Bis 1990 gab es südlich der Straße Alt-Kaulsdorf eine Gewerbeansiedlung einschließlich einer traditionsreichen Gärtnerei. Hier befindet sich heute ein Einkaufszentrum.

Die Gebäude des ehemaligen Wachkommandos Missionsschutz, das in der DDR für die Bewachung der diplomatischen Vertretungen in Ost-Berlin verantwortlich war, an der Hönower Straße (jetzt: Heinrich-Grüber-Straße) /Ecke Hellersdorfer Straße werden vom Polizeiabschnitt 63 der Berliner Polizei genutzt.

In Kaulsdorf gibt es die im Jahr 1911 eingeweihte Dorfschule in der Adolfstraße (jetzt: Franz-Carl-Achard-Grundschule),[7] die Ulmen-Grundschule in der Ulmenstraße und das Best-Sabel-Bildungszentrum (Ganztags-Grundschule) in der Wernerstraße.[8]

Das Vivantes Klinikum Kaulsdorf verfügt über mehr als zehn Fachbereiche und 428 Betten (Stand: 2016).

Kultur und SportBearbeiten

Kinos oder Theatereinrichtungen gibt es im Ortsteil nicht. Größere Veranstaltungen können dagegen im Tagungs- und Kongresszentrum Am Niederfeld stattfinden.

In Kaulsdorf-Süd entstand 1926 an der Lassaner Straße die Freisportanlage der SG Stern Kaulsdorf, die bis heute weiter intensiv genutzt wird.

1903 wurde in der Wernerstraße das Wernerbad als Freibadeanstalt eröffnet. In den späten 1950er Jahren wurde es im Rahmen des NAW wieder benutzbar gemacht, musste jedoch 2002 wegen gravierender baulicher Mängel geschlossen werden. Seitdem bemühen sich Bürger und die Bezirksverwaltung um eine Reaktivierung, was bisher jedoch noch nicht gelang.[9]

VerkehrBearbeiten

Die gemeinsam geführten Bundesstraßen B 1 / B 5 (Straße Alt-Kaulsdorf) durchqueren den Ortsteil in West-Ost-Richtung. In Nord-Süd-Richtung wird Kaulsdorf-Süd durch die Chemnitzer Straße erschlossen.

Der S-Bahnhof Kaulsdorf liegt an der Preußischen Ostbahn und wird von der S-Bahn-Linie 5 bedient.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Franz Carl Achard (1753–1821), entwickelte in Kaulsdorf die Technik zur Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben
  • Ernst Edler von der Planitz (1857–1935), Schriftsteller, lebte in Kaulsdorf
  • Ludwig Renn (1889–1979), Schriftsteller, lebte von 1952 bis zu seinem Tod in Kaulsdorf, Am Kornfeld 78
 
Gedenktafel Am Feldberg 3

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Berlin-Kaulsdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten