Berlin-Haselhorst

Ortsteil von Berlin

Haselhorst ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Spandau. Er entstand ab dem 18. Jahrhundert aus einem Rittergut, entwickelte sich insbesondere durch die Ansiedlung einer preußischen Gewehrmanufaktur und dem Zuzug entsprechender Arbeitskräfte im 20. Jahrhundert zu einer größeren Siedlung. Einer der bekanntesten touristischen Anlaufpunkte des Bezirks Spandau und der Stadt Berlin ist die Zitadelle Spandau in Haselhorst.

Haselhorst
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgKladowGatowStaakenFalkenhagener FeldWilhelmstadtSpandauHaselhorstSiemensstadtHakenfeldeHaselhorst auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 32′ 34″ N, 13° 14′ 23″ OKoordinaten: 52° 32′ 34″ N, 13° 14′ 23″ O
Fläche 4,728 km²
Einwohner 16.471 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 3484 Einwohner/km²
Postleitzahl 13599
Ortsteilnummer 0502
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen

LageBearbeiten

Im Osten wird der Ortsteil Haselhorst durch die Paulsternstraße mit dem Ortsteil Siemensstadt verbunden. Im Südosten trennt die Alte Spree, ein Altarm der Spree, die Ortsteile Haselhorst und Siemensstadt. Im Norden wird er durch den Alten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, eine Schleife des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, von Gartenfeld getrennt; Gartenfeld gehört ebenfalls zum Ortsteil Siemensstadt. Westlich davon bildet der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal die Grenze zu Saatwinkel, einer Ortslage des – zum Bezirk Reinickendorf gehörenden – Ortsteils Tegel.

Haselhorst grenzt im Westen, durch die Havel getrennt, an den Ortsteil Hakenfelde. Weiter südlich befindet sich der Spandauer See, eine Ausbuchtung der Havel, zwischen dem Ortsteil Haselhorst und der Insel Eiswerder. Südlich von Eiswerder bis zur Spreemündung bildet die Havel auch die Grenze zum Ortsteil Spandau. Im Süden wird Haselhorst durch den Ruhlebener Altarm, einen weiteren Altarm der Spree, von Ruhleben getrennt, einem zum Bezirk Spandau und zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehörenden Kiez.[1]

Auch die Spreemündung in die Havel liegt am südwestlichen Rand von Haselhorst. Ebenfalls zu Haselhorst gehört die Mündung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals in die Havel als nordwestlichster Grenzpunkt.

GeschichteBearbeiten

Haßelhorst wurde erstmals 1590 als Flurname im Erbregister des Amtes Spandau erwähnt. Dort entstand um 1745 die Meierei Plahn. 1848 wurde das Rittergut Plahn wegen der gleichnamigen Gewehrfabrik bei Spandau in Haselhorst umbenannt.[2] 1865 wurden die umfangreichen Teilflächen Gartenfeld und Sternfeld abgetrennt in der jahrzehntelang erfolglosen Absicht, diese zu parzellieren und als Bauland zu verwerten.[3] Beide Teilflächen wurden später industrialisiert und gehören heute zum Ortsteil Siemensstadt.

Ab dem Jahr 1905 entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser für die Arbeiter der Militärwerkstätten. Die Baukosten für die auch Arbeiterkolonie bezeichnete neue Siedlung wurden mit mindestens fünf Millionen Mark angesetzt. Anfangs gab es zunächst nur Ein- bis Vierfamilienhäuser, in den Folgejahren wurden auch Mehrfamilienhäuser bis zu zehn Wohneinheiten errichtet.[4]

Der Gutsbezirk Haselhorst wurde 1910 als neuer Stadtteil in die Kreisfreie Stadt Spandau eingemeindet und kam mit dieser 1920 zu Groß-Berlin. 1929 wurde er ein Bestandteil des Spandauer Ortsteils Siemensstadt, seit 1950 ist Haselhorst selbst ein Spandauer Ortsteil.[5]

In Haselhorst befanden sich bis 1919 unter anderem eine Konservenfabrik, ein Pulvermagazin und ein Exerzierplatz der Preußischen Armee. In der Königlichen Konservenfabrik mussten die zum Wehrdienst eingezogenen Schlachtergesellen in den Herbst- und Wintermonaten alljährlich mehr als 3000 Ochsen schlachten und zu „Rindfleisch im eigenen Saft“ für die Armee verarbeiten.[2] 1892 begann man mit dem Bau einer Arbeiterkolonie. 1907 waren 51 Häuser fertig, in deren 363 Wohnungen rund 1600 Personen lebten. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 hatte die preußische Militärverwaltung eines der Häuser nachbauen lassen, das auch ausgezeichnet wurde. Noch bis 1945 war der Ortsteil Standort militärischer Produktionsbetriebe, unter anderem für Giftkampfstoffe.

Zwischen 1930 und 1935 errichtete die Gewobag am Haselhorster Damm und Burscheider Weg die heute unter Denkmalschutz stehende Reichsforschungssiedlung Haselhorst. Entworfen hatten sie namhafte Architekten der Moderne wie Walter Gropius, Fred Forbát, Otto Bartning, Paul Mebes und Paul Emmerich, die Freianlagen gestalteten Gustav Allinger und Leberecht Migge.[6]

Im 21. Jahrhundert herrscht im südlichen Bereich des Ortsteils eine industrielle Infrastruktur vor, vertreten unter anderem durch BMW und Wall. Auf der Spreehalbinsel Sophienwerder befindet sich der Außenbezirk Spandau des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Spree-Havel, das von hier aus unter anderem den Westhafen verwaltet.

SalzhofBearbeiten

 
Tanklager am Salzhof, 1987

Der Salzhof wurde 1749 von der staatlichen Salzverwaltung eingerichtet und diente hauptsächlich zur Lagerung und Reparatur der Salztonnen für die Verschiffung des Salzes. Nach Aufhebung des staatlichen Salzmonopols ging der Salzhof 1869 in Privatbesitz über. Dort standen dann eine Schneidemühle und eine Sargfabrik.[7] 1890 wurde dort eine chemische Fabrik (siehe Stadtplan von 1907[8]) erbaut, die insbesondere die südlich angrenzende Pulverfabrik belieferte und 1919 als Rüstungsbetrieb stillgelegt wurde.[7]

Ab 1926 baute die Rhenania-Ossag (seit 1947: Shell) großflächige Tanklager, die jahrzehntelang in der Einflugschneise des Flughafens Tegel das Stadtbild prägten. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden sie abgebaut.

Heute steht an dieser Stelle ein Wohngebiet, das im Rahmen der 2009 abgeschlossenen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Wasserstadt Oberhavel entstand. Dafür wurden auch in diesem früher abgelegenen Gebiet zwei Havelbrücken gebaut, die Spandauer-See-Brücke 1997 und die Wasserstadtbrücke 2001. Am Havelufer gibt es seit 2011 einen durchgehenden Grünzug mit einem Uferweg für Spaziergänger und Fahrradfahrer zwischen den Quartieren Pulvermühle und Haveleck.[9]

VerkehrBearbeiten

Verkehrstechnisch ist Haselhorst seit dem 1. Oktober 1984 durch die unter dem Straßenzug NonnendammalleeAm Juliusturm verlaufende U-Bahn-Linie U7 an die City West und die südlichen Berliner Bezirke angebunden. Die U-Bahnhöfe Haselhorst und Zitadelle befinden sich im Ortsteil Haselhorst, der U-Bahnhof Paulsternstraße liegt auf der Grenze zu Siemensstadt. In Haselhorst verkehren die Omnibuslinien X33, X36, 133, 139 und 236 sowie die Nachtbus-Linien N33, N39 und N7 (der Nachtbus der U-Bahn-Linie U7).

GewässerBearbeiten

Haselhorst ist nahezu gänzlich von Wasserstraßen umgeben. Neben der Spree mit ihren Altarmen ‚Alte Spree‘ und dem ‚Ruhlebener Altarm‘, der Havel mit der Bucht ‚Spandauer See‘ und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal mit seiner Schleife ‚Alter Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal‘, die Haselhorst begrenzen, gibt es in Haselhorst weitere Gewässer.

Der Rohrbruchteich bildet die Quelle für den Grützmachergraben. Die Rhenaniastraße trennt den Rohrbruchteich von einem Sumpfgebiet, in dem unter anderem artgeschützte Biber leben. Der Grützmachergraben fließt im Zickzack durch Haselhorst und mündet, ebenfalls in Haselhorst, in die Spree.

Auf dem Gelände der ehemaligen Pulvermühle, im heutigen Quartier Pulvermühle, beginnt der Östliche Abzugsgraben. Dieser verbindet die Havel mit der Spree. Er fließt in zwei Armen fast rechtwinklig von der Havel weg. Südlich des heutigen Grützmacherweges vereinigen sich beide Arme. Im weiteren Verlauf fließt er unter dem Gelände des BMW Motorradwerkes hindurch und mündet westlich des Grützmachergrabens in die Spree.

Die Zitadelle Spandau ist von einem Wehrgraben umgeben. Südlich der Zitadelle liegt der Westliche Abzugsgraben, der eine Verbindung zum Wehrgraben der Zitadelle hat und kurz hinter der Schleuse Spandau in die Havel mündet.

KirchenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Henry Alex: Haselhorst. Die Geschichte des Berlin-Spandauer Ortsteils am Fuße der Zitadelle. Heimatkundliche Vereinigung Spandau 1954 e. V., Berlin 2010, ISBN 978-3-938648-02-5.
  • Michael Bienert: Moderne Baukunst in Haselhorst. Geschichte, Bewohner und Sanierung der Reichsforschungssiedlung in Berlin-Spandau. Berlin Story Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86368-106-7.
  • Henry Alex: Haselhorst – Odyssee eines Namens. In: Spandauer Forschungen, Band 1, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 17–28.
  • Henry Alex: Gutsbezirk – Stadtbezirk – Ortsteil. Die territoriale Entwicklung des Berlin-Spandauer Ortsteils Haselhorst. In: Spandauer Forschungen, Band 1, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 29–49.
  • Henry Alex: Der Plan – Eine fast vergessene Spandauer Landschaft, Ein Beitrag zur Geschichte des Berlin-Spandauer Ortsteils Haselhorst. In: Spandauer Forschungen, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 51–77.
  • Arne Hengsbach: Am Ostufer der Havel. Zur Siedlungsgeschichte von Haselhorst, in: Jahrbuch „Der Bär von Berlin“, hrsgg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 25. Jg., Berlin 1976.

WeblinksBearbeiten

Commons: Berlin-Haselhorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Google Maps, Haselhorst, Berlin, abgerufen am 15. Oktober 2016.
  2. a b Haselhorst www.stadtwiki.over-blog.de
  3. Arne Hengsbach: Spandau. Verein für die Geschichte Berlins (2011)
  4. Arbeiterstätten für fünf Millionen, Berliner Tageblatt, 27. September 1905.
  5. Haselhorst auf geschichte-spandau.de, abgerufen am 15. Juni 2021
  6. Siedlung Haselhorst
  7. a b Haselhorst und der Salzhof, Volksblatt Berlin, 7. März 1982, S. 43
  8. Stadtplan von 1907
  9. Bezirksamt Spandau: Ufergrünzug Salzhof ist komplett, Pressemitteilung vom 15. August 2011