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Kladow (Zum Anhören bitte klicken! [ˈklaːdoː]) ist der südlichste Ortsteil des Berliner Bezirks Spandau. Der Name wird vom slawischen Wort kloda (‚Baumstamm‘) hergeleitet.

Kladow
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgKladowGatowStaakenFalkenhagener FeldWilhelmstadtSpandauHaselhorstSiemensstadtHakenfeldeKladow auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 27′ 11″ N, 13° 8′ 34″ OKoordinaten: 52° 27′ 11″ N, 13° 8′ 34″ O
Fläche 14,779 km²
Einwohner 16.093 (30. Jun. 2019)
Bevölkerungsdichte 1089 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 14089
Ortsteilnummer 0506
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen
  • Alt-Kladow

Lage und DatenBearbeiten

Der Ortsteil Kladow wird im Norden vom Spandauer Ortsteil Gatow, im Osten und Südosten von der Havel und im Westen und Südwesten vom Land Brandenburg begrenzt mit den Potsdamer Stadtteilen Sacrow und Groß Glienicke. Mit rund 14.000 Einwohnern gehört Kladow zu den Teilen Berlins, die ihren dörflichen Charakter erhalten haben. Nahe dem Ortskern liegt die Uferpromenade mit dem Hafen. Die unbewohnte Insel Imchen liegt vorgelagert in einer Bucht der Havel.

Für die Stadt- und Bezirksplanung nach dem System der Lebensweltlich orientierten Räume gehört Kladow zum Prognoseraum SPA4 der lediglich aus der Bezirksregion 09 Gatow/Kladow besteht. Zum Ortsteil gehören die Planungsräume 37 Kladower Damm (ostlicher Streifen mit Ortskern), 38 Kafkastraße und 36 Jägerallee (gesamter Norden und Westen bis an den Groß-Glienicker See).[1] Den Planungsräumen sind die Sozialraumdaten zugeordnet:

  • für Jägerallee unter LOR = 05 04 09 36:[2] 10014 Bewohner (ausländische Staatsangehörigkeit: 580 = 5,8 %, mit Migrationshintergrund: 1152 = 11,5 %),
  • für Kladower Damm unter LOR = 05 04 09 37:[3] 2195 Bewohner (Ausländische Staatsangehörigkeit: 114 = 5,2 %, mit Migrationshintergrund: 226 = 10,3 %) 11,8 %
  • für Kafkastraße unter LOR = 05 04 09 38[4]
Altersverteilung im LOR (31. Dezember 2018), Quelle: Sozialraumdaten
Planungs­raum gesamt 0…15 16…25 26…45 46…65 66…80 über 80
05040936
Jägerallee
10.014 18,1 9,9 19,3 30,6 17,0 5,0
05040937
Kladower Damm
02.195 11,8 7,3 14,3 31,7 25,5 9,6
05040938
Kafkastraße
03.675 12,9 9,2 15,2 30,0 25,6 3,1
Flächenanteil % in den Planungsräumen (seit 2010, Stand: 2017)
Planungs­raum gesamt
ha
Straßen Wohnen Gemein­bedarf
Misch­nutzung
KGA + WES[5] Wald Acker­land Park
Grün­fläche
Brach­fläche[6] Garten­bau Gewässer[7]
05040936
Jägerallee
729,38 7,5 27,3 29,0 5,0 0,7 16,0 0,8 9,4 0,3 04,7
05040937
Kladower Damm
431,46 2,8 11,6 13,2 0,0 1,9 05,4 4,0 0,6 7,5 053,0[8]
05040938
Kafkastraße
173,58 5,9 53,9 31,8 0,0 6,5 00,0 0,0 0,0 0,0 0,0

Im Ortsteil Kladow befinden sich mehrere Siedlungen bzw. Siedlungskerne. Einen Überblick über das aktuelle Gebäudealter der Wohnbebauung, mithin der Bauzeiten der einzelnen Siedlungen, sowie nach Straßen und Grundstücken sortierbar, gibt eine skalierbare Karte des Landeskartenwerks (FIS-Broker).[9]

GeschichteBearbeiten

 
Gedenkstein der Finnenhaussiedlung, errichtet 1958–1961
 
Kossätenhaus im
Sakrower Kirchweg 6/8
 
Ehemaliges Chauffeurshaus im Landhausgarten Dr. Max Fraenkel

Im Gebiet Kladows sind archäologisch slawische Siedlungen aus dem 9. bis 12. Jahrhundert und frühmittelalterliche Metallverarbeitung (Kladower Silberfund) nachgewiesen. Die Erwähnung eines der Kladower Kirche gehörenden Ackers in Alt-Clado im Jahr 1590 lässt vermuten, dass einmal eine ältere Siedlung dieses Namens an anderer Stelle im Gemeindegebiet lag. Die Ortsform des vorfindlichen Platzdorfs deutet darauf hin, dass die Ende des 12. Jahrhunderts zuziehenden deutschen Siedler eine slawische Siedlung übernahmen.[10]

Urkundlich bezeugt wurde der Ort erstmals 1267 als Clodow. Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Cladow mit 48 Hufen erwähnt, davon acht Pfarrhufen[11] und drei Schulzenhufen. Es gab vier Kossäten, aber ausdrücklich keinen Krug (taberna). Sämtliche Rechte am Dorf gehörten den Benediktinerinnen von Spandau, die sie schon vor 1267 durch die Markgrafen erhalten hatten.

Im Zuge der Reformation verlor das Kloster 1558 seine Patronatsrechte, und das Dorf kam an das Amt Spandau (bis 1872). Wie die ganze Gegend erlitt auch Kladow im Dreißigjährigen Krieg starke Verwüstungen; sechs Bauernstellen waren verlassen. Ab 1660 unterstand es privaten Grundherren. 1685 erhielt Johannes Kunckel das Lehnschulzengut zur Finanzierung seiner Versuche. Im 18. Jahrhundert wurden auf königliche Order hin Maulbeerbäume zum Zweck der Seidenraupenzucht gepflanzt. 1744 wurde das Vorwerk Neu-Kladow angelegt, bei dem 1800 ein Gutshaus gebaut wurde. 1808 wurden große Teile des Dorfes durch einen Brand zerstört. Erst 1818 wurde die vermutlich schon im 13. Jahrhundert erbaute Dorfkirche wiederaufgebaut, die noch steht.

Im 19. Jahrhundert begann der Zuzug städtischer Bevölkerung. Ein Berliner Bauunternehmer kaufte das Gut Neu-Kladow. Am Havelufer entstanden zahlreiche Villen. Im Rahmen der Schaffung Groß-Berlins wurde 1920 die bis dahin eigenständige Stadt Spandau und ihr Umland samt der Gemeinde Kladow Teil Groß-Berlins. In den Jahren 1934/1935 wurde der Militär-Flugplatz Kladow errichtet, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Ortsteil Gatow zugeordnet wurde und als Flugplatz Gatow neben Tempelhof und Tegel einer der drei Berliner Flughäfen war, die während der Berlin-Blockade die von den Alliierten errichtete Luftbrücke möglich machten. 1953 wurde die Schilfdachkapelle Zum Guten Hirten erbaut.

Kladow zeigt sich als Dorf in der Millionenstadt. Die Gebäude wie das Gut Neukladow (1800) und die Dorfkirche (1818) gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Allerdings wurden in Kladow auch viele Neubausiedlungen errichtet wie die 1959/1960 errichtete Finnenhaussiedlung. Das neueste Bauprojekt auf einer südwestlichen Teilfläche des ehemaligen Flugplatzes Gatow (dessen Gelände vollständig zu Kladow gehört) ist die Landstadt Gatow. Mit der Einweihung des neuen Einkaufszentrums Cladow-Center an der Mündung des Ritterfelddamms zum Kladower Damm hat sich das Leben teilweise aus dem Dorfkern heraus verlagert. Nach wie vor bietet dieser jedoch zahlreiche – teilweise alteingesessene – Geschäfte und Restaurants. Im aktuellen Sozialatlas von Berlin belegt Kladow den neunten Platz (von 96 Ortsteilen), zählt also (ebenso wie Gatow) zu den „guten Gegenden“.

Verkehr und BildungBearbeiten

Im Busverkehr des VBB ist Kladow sowohl mit dem westlichen Zentrum von Berlin (X34) als auch mit denen von Spandau (134, 135, N34) und Potsdam (697) verbunden. Zusätzlich verkehrt innerhalb von Kladow die Zubringerlinie 234 als Ringlinie zum Dorfplatz. Darüber hinaus verkehrt die Fährlinie F10 der BVG im VBB-Tarifverbund stündlich zwischen Kladow und Wannsee mit Anschluss an den Bahnhof Wannsee.

Kladow verfügt über eine Oberschule, das Hans-Carossa-Gymnasium sowie zwei Grundschulen (die Grundschule am Ritterfeld und die Mary-Poppins-Grundschule). Komplettiert wird das Bildungsprogramm durch die Freie Waldorfschule Havelhöhe – Eugen Kolisko in der Nähe des anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow, dessen Gelände nunmehr vollständig im Ortsteil Kladow liegt, befindet sich unter anderem das Militärhistorische Museum Flugplatz Berlin-Gatow (Am Flugplatz Gatow 33). Hier werden viele Exponate aus den Beständen der Bundeswehr und der NVA (zum Beispiel Tornado IDS, F-4 Phantom II, F-104 Starfighter und MiG-21) gezeigt (Eintritt kostenlos).

Seit Ostern 2016 ist der in den 1920er Jahren von Erwin Barth geschaffene Landhausgarten Dr. Max Fraenkel für Besucher geöffnet.[12]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Berlin-Kladow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Lebensweltlich orientierte Räume (LOR) – Planungsräume: 36 + 37 + 38
  2. 05 04 09 36
  3. 05 04 09 37
  4. 05 04 09 38
  5. Wochenendhäuser und kleingartenähnliche Nutzungen
  6. Brachfläche, Mischbestand aus Wiesen, Gebüsch und Bäumen, wiesenartiger Vegetationsbestand
  7. Kladower Damm: einschließlich Havel vom Westufer bis Flussmitte/ Bezirksgrenze // Jägerallee: einschließlich Groß-Glienicker See vom Ostufer bis Landesgrenze im See
  8. Havel vom Westufer bis Mitte/Bezirksgrenze
  9. Gebäudealter der Wohnbebauung: Kladow
  10. Anderenfalls hätten sie eine für die Deutsche Ostsiedlung typische Ortsform wie das Angerdorf oder das Straßendorf angelegt.
  11. Eine erstaunliche Anzahl, denn üblicherweise gibt es (nur) vier Pfarrhufen.
  12. Landhausgarten Dr. Fraenkel. In: www.berlin.de/ba-spandau. Bezirksamt Spandau von Berlin, abgerufen am 3. Mai 2018.