Alexandroupoli

Hafenstadt in Thrakien in Griechenland
Gemeinde Alexandroupoli
Δήμος Ἀλεξανδρούπολης (Αλεξανδρούπολη)
Alexandroupoli (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: GriechenlandGriechenland Griechenland
Region: Ostmakedonien und Thrakien
Regionalbezirk: Evros
Geographische Koordinaten: 40° 52′ N, 25° 53′ OKoordinaten: 40° 52′ N, 25° 53′ O
Fläche: 1.219,94 km²
Einwohner: 72.959 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 59,8 Ew./km²
Postleitzahl: 68100
Vorwahl: (+30) 25510
Sitz: Alexandroupoli
LAU-1-Code-Nr.: 0301
Gemeindebezirke: 3 Gemeindebezirke
Lokale Selbstverwaltung: f123 Stadtbezirke
14 Ortsgemeinschaften
Website: alexpolis.gr
Lage in der Region Ostmakedonien und Thrakien
Datei:2011 Dimos Alexandroupolis.svg

Alexandroupoli (griechisch Αλεξανδρούπολη [alɛksanˈðrupɔli] (f. sg.), älter auch Alexandroupolis Αλεξανδρούπολις, türkisch Dedeağaç, bulgarisch Дедеагач Dedeagatsch, griechisch bis 1920 Dedeagats Δεδέαγατς) ist eine griechische Hafenstadt und Gemeinde (δήμος, Dimos) in Westthrakien sowie ehemaliger Sitz der Präfektur Evros.

GeografieBearbeiten

Alexandroupoli liegt direkt am Thrakischen Meer, einem Nebenmeer der Ägäis, das die Südgrenze der Stadt bildet. Im Westen grenzt Alexandroupoli an die Gemeinden Arriana und Maronia-Sapes im Regionalbezirk Rodopi, im Norden an die Gemeinde Soufli und im Osten an die türkische Provinz Edirne.

GeschichteBearbeiten

 
Briefmarke des französischen Postamtes, das sich von 1871 bis 1913 in der Stadt befand

1870 begann der Bau der Strecke ThessalonikiEdirneKonstantinopel der Orientbahn, der die Entwicklung der Stadt einleitete. Die Stadt wurde im Jahr 1871 unter dem Namen Dedeağaç als Teil des osmanischen Vilâyet Edirne gegründet. Der Name setzt sich zusammen aus den türkischen Wörtern dede „Urahn“ und ağaç „Baum“. Die Stadt wurde während der Fertigstellung des Dedeağaç-Zweiges der Rumelien-Eisenbahn, der ab 1872 genutzt wurde, gegründet.[2][3] Der Handel in der Stadt florierte, so dass Dedeağaç bereits 1883 die Bedeutung des damaligen Dimetoka (heute Didymoticho) als Zentrum des Sandschak verdrängte. 1894 bestand der Sandschak Dedeağaç aus den Kazas (Landkreisen) Dedeağaç, Enez und Sofrulu (heute Soufli). Der Kaza Dedeağaç bestand aus den drei Nahies (Kommunen) Ferecik, Meğri und Semadirek sowie 41 Dörfern.[4]

 
Bahnhof von Dedeağaç, 1893
 
Strategische Bahnstrecke der Jonction Salonique–Constantinople (JSC)

Ab 1894 wurde die Stadt Ausgangspunkt einer strategischen Bahnstrecke, durch die Thessaloniki direkt an das Schienennetz des Osmanischen Reiches angeschlossen wurde und nicht mehr die Strecken über Serbisches und Bulgarisches Gebiet benutzt werden mussten. Die Strecke wurde von der Société du Chemin de Fer Ottoman Jonction Salonique–Constantinople (JSC) gebaut, die hauptsächlich von französischen Geldgebern finanziert wurde.

Im Ersten Balkankrieg wurde die Stadt Ende 1912 von Bulgarien besetzt und war fortan als Dedeagatsch (Дедеагач) der wichtigste Ägäishafen des Landes.[5] Zu dieser Zeit lebten in Westthrakien 185.000 Türken, 25.500 Bulgaren, 22.000 Griechen und 2200 Bewohner anderer Ethnien.[5] Wegen des drohenden Anschlusses an Bulgarien formte sich Widerstand in der muslimisch-türkischen Bevölkerung, der in der Errichtung der Provisorischen Regierung Westthrakien mündete. Griechenland unterstützte die Etablierung einer solchen Republik mit dem Ziel, die zur selben Zeit in Konstantinopel laufenden Verhandlungen zwischen dem Osmanischen Reich und Bulgarien dahingehend zu beeinflussen, dass es zu keinem Frieden zwischen beiden Ländern kommt.

Im September 1913 nach dem Ende des Zweiten Balkankrieges fanden über 12.000 bulgarische Flüchtlinge vorübergehend Asyl am Rande der Stadt. Sie waren aus 17 verschiedenen Dörfern des gesamten westlichen Thrakiens vor der ethnischen Säuberung geflohen.[6]

Im Frieden von Neuilly vom 27. November 1919 musste Bulgarien die Stadt an die Entente abtreten. Laut der Volkszählung, die von der französischen Verwaltung Anfang 1920 durchgeführt wurde, hatte die Stadt 7222 Einwohner, davon 3900 Bulgaren, 2500 Griechen, 512 Armenier, 165 Juden, 195 Türken.[7] Im Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920 wurde die Stadt Griechenland zugesprochen und in Alexandroupoli – nach König Alexander I. – umbenannt. Anschließend mussten gemäß dem im Vertrag von Neuilly-sur-Seine vereinbarten Bevölkerungsaustausch Bulgaren die Stadt verlassen. Aus ganz Griechenland wurden nach 1920 insgesamt 53.000 Bulgaren vertrieben.[8] Umgekehrt wurden 46.000 Griechen aus Bulgarien vertrieben.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Die Gemeinde Alexandroupoli entstand im Rahmen der Verwaltungsreform 2010 aus den bisherigen Gemeinden Alexandroupoli, Traianoupoli und Feres. Diese haben seither den Status von Gemeindebezirken. Verwaltungssitz der Gemeinde ist die Stadt Alexandroupoli.

Gemeindebezirke griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Stadtbezirke / Ortsgemeinschaften
(Δημοτική /Τοπική Κοινότητα)
Lage
Alexandroupoli Δημοτική Ενότητα Αλεξανδρούπολης 030101 642,245 52.720 61.702 Alexandroupoli, Avas, Esymi, Kirki, Makri, Sykorrachi
Traianoupoli Δημοτική Ενότητα Τραϊανουπόλης 030102 163,549 03.335 02.706 Anthia, Doriko, Loutros, Nipsa
Feres Δημοτική Ενότητα Φερών 030103 411,160 09.839 08.551 Feres, Peplos, Ardani, Doriskos, Kavisos, Pylea, Tryfilli
Gesamt 0301 1.216,954 65.894 72.959

VerkehrBearbeiten

 
Der Bahnhof am Hafen von Alexandroupoli im Juli 2012

StraßenBearbeiten

Alexandroupoli liegt an der historischen Via Egnatia. Weitere Anschlüsse gibt es zur:

Ihren Anfang bzw. ihr Ende nehmen in Alexandroupoli:

Die Nationalstraße 2 in ihrem Verlauf nach Osten bis Ardanio und die Nationalstraße 51 sind zusammen als Europastraße 85 ausgewiesen, die Autobahn 2 als Europastraße 90.

Der Busbahnhof von Alexandroupoli liegt unweit der Hauptstraße Leoforos Dimokratias an der Platia Eleftherias und ist Ausgangspunkt für verschiedene Fernbuslinien, unter anderem nach Thessaloniki (Fahrzeit etwa 4:15 h). Im Stadtgebiet existiert eine hohe Zahl von Stadtbuslinien.

BahnBearbeiten

Alexandroupoli liegt an der Bahnstrecke Thessaloniki–Alexandroupoli und der Bahnstrecke Alexandroupoli–Swilengrad. Von letzterer zweigt in Pythion die Bahnstrecke İstanbul Sirkeci–Swilengrad nach Istanbul ab. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der grenzüberschreitende Zugverkehr in die Türkei im Jahr 2011 eingestellt.

 
Leuchtturm am Hafen von Alexandroupoli
 
Fähre nach Samothraki

HafenBearbeiten

Vom Hafen bestehen Schiffsverbindungen nach Samothraki, Limnos und Rhodos. Die Verbindung zur Nachbarinsel Samothraki wird je nach Wochentag bis zu zwei Mal täglich befahren und die Überfahrt dauert etwa 2:15h.

FlughafenBearbeiten

Der Flughafen Alexandroupoli befindet sich etwa 7 km östlich des Stadtzentrums.

 
Vorgeschlagene Route der Ölpipeline Burgas–Alexandroupoli

StadtentwicklungBearbeiten

Alexandroupoli ist mittlerweile eine der am stärksten aufstrebenden Städte in Griechenland. Eines der Wahrzeichen ist der Leuchtturm der Stadt, der Fáros (griechisch Φάρος) am Hafen.

Die Stadt sollte auch Teil der strategisch wichtigen Burgas-Alexandroupolis-Ölpipeline sein. Sie soll die Stadt Alexandroupoli mit der Schwarzmeer-Stadt Burgas verbinden. Mit dem Ausstieg Bulgariens 2011 wurde dieses Projekt aufgegeben.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

 
Olivenhain bei Alexandroupoli

PartnerstädteBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Tayyib Gökbilgin, Artikel Dede Aghac, in Encyclopaedia of Islam: „Dede Aghac, now Alexandroupolis, town on the Aegean coast of Thrace, founded in 1871, after the construction of the branch railway from the main Rumeli line.“
  3. Türkische Eisenbahnen, in: Dr. Freiherr v. Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage, 1912–1923, auf Zeno.org.
  4. Tayyib Gökbilgin, Artikel Dede Aghac, in Encyclopaedia of Islam.
  5. a b Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung am Balkan. Oldenbourg Verlag, München 1996, ISBN 3-486-56173-1.
  6. Л. Милетичъ: Разорението на Тракийскитѣ българи прѣзъ 1913 година, S. 222.
  7. Atanas Razbojnikow und Spas Razbojnikow: Населението на Южна Тракия с оглед на народностните отношения в 1830, 1878, 1912 и 1920 година (deutsch etwa: Die Bevölkerung und ethnische Zusammensetzung Südthrakiens in den Jahren 1830, 1878, 1912 und 1920). Sofia 1999, S. 162.
  8. Elisabeth Kontogiorgi: Population Exchange in Greek Macedonia. The Rural Settlement of Refugees 1922–1930. Clarendon Press, Oxford 2006, ISBN 0-19-927896-2, S. 229.

WeblinksBearbeiten

Commons: Alexandroupoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien