Hauptmenü öffnen

Wieda ist ein Ortsteil der Gemeinde Walkenried im Harz im Landkreis Göttingen im deutschen Bundesland Niedersachsen.

Wieda
Gemeinde Walkenried
Wappen von Wieda
Koordinaten: 51° 37′ 57″ N, 10° 35′ 9″ O
Höhe: 375 m ü. NHN
Fläche: 6,53 km²
Einwohner: 1295 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner/km²
Postleitzahl: 37445
Vorwahl: 05586
Wieda (Niedersachsen)
Wieda

Lage von Wieda in Niedersachsen

Blick auf den Nordosten von Wieda vom Aussichtspunkt Alte Wache
Blick auf den Nordosten von Wieda vom Aussichtspunkt Alte Wache

Geographische LageBearbeiten

Wieda liegt im Südharz nördlich von Bad Sachsa im Naturpark Harz. Das Straßendorf erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung auf beinahe 7 km Länge im von Wald gesäumten Tal des Flusses Wieda auf etwa 320 bis 460 m ü. NN. Nordwestlich von Wieda erhebt sich der höchste Berg des Südharzes, der Stöberhai (ca. 720 m), nördlich der erste Jagdkopf (602,1 m), östlich der zweite Jagdkopf (603,1 m) und südwestlich der Ravensberg (ca. 659 m).

GeschichteBearbeiten

In den Urkunden des 1127 gestifteten und 1129 mit einem Zisterzienserkonvent besetzten Klosters Walkenried wurde Wieda erstmals als Bach und Waldgebiet genannt. In diesem Wald, das heißt im Bereich des späteren Orts Wieda, betrieb das Kloster ab dem 13. Jahrhundert Kupferhütten. Einen Ort Wieda gab es bis ins 16. Jahrhundert jedoch nicht. Größeren Aufschwung nahm der Ort erst nach der Erschießung der Eisenerzlager im Kastental im 16. Jahrhundert. Für das Jahr 1562 ist erstmals eine Eisenhütte in Wieda bezeugt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der seinerzeit höchste Hochofen im braunschweigisch-blankenburgischen Harz mit einer Höhe von 6,84 m errichtet.[2]

Ein wichtiges Gewerbe war die Glasmacherei, u. a. im Weinglastal. 1610 wurde in Wieda die erste Kirche gebaut, die auch von den Glasmachern besucht wurde. 1662 kam der erste eigene Pastor hierher, bis dahin war der Pfarrer von Hohegeiß zuständig. Der mehrfache Versuch eines Zinnoberbergbaus im Silberbach vom 16. bis ins 19. Jahrhundert blieb bedeutungslos. Später war Wieda der bevölkerungsreichste Ort im Stiftsgebiet. Die Einwohner lebten vom Fuhrwesen und der Köhlerei neben Bergbau und Hüttenwesen.[3]

Im 19. Jahrhundert wanderten viele Wiedaer nach Amerika aus, da seit dem Beginn des Jahrhunderts ein Rückgang der Eisenindustrie sowie ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang einsetzte. Dies führte auch dazu, dass man den zwischenzeitlich erneuerten Hochofen 1863 abbrach. Unter Führung eines Herrn Preen half sich die Arbeiterschaft schließlich selbst und betrieb eine Hütte als Produktiv-Genossenschaft, welche Bekanntheit durch die hier hergestellten Wieda-Öfen erlangte und deren Betrieb schließlich 1972 eingestellt wurde. Das Gelände der Wiedaer Hütte brannte bei einem Großbrand am 23. Juli 1973 fast vollständig aus und wurde ab 1975 zu einem Kurpark mit Tennishalle umgestaltet.

1899 wurde vornehmlich zur Stärkung der Wirtschaft die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne gebaut, die Wieda mit dem an der Südharzstrecke gelegenen Bahnhof Walkenried verband. Die Bahntrasse durchquerte den gesamten Ort entlang des Flusses mit den vier Haltepunkten Wieda-Süd (Zündholzfabrik), Wieda, Wiedaer Hütte und Bahnhof Stöberhai.

Anfang Mai 1944 wurden die Häftlinge der SS-Baubrigade III nach Wieda verlegt. Am 11. Mai 1944 entstand in Wieda ein KZ-Außenlager, dem in den folgenden Wochen die ebenfalls neu errichteten Konzentrationslager Mackenrode, Nüxei und Osterhagen als Nebenlager unterstellt wurden. Jeweils etwa 300 Häftlinge mussten in den vier Konzentrationslagern Gleisbau-, Erd- und Rodungsarbeiten für den Bau der Helmetalbahn durchführen. Bis Ende Oktober 1944 unterstanden diese vier Lager dem KZ Buchenwald, danach dem KZ-Lagerkomplex Mittelbau-Dora. Am 6. April 1945 wurden die Häftlinge aus den drei Nebenlagern Mackenrode, Nüxei und Osterhagen zu Fuß ins KZ Wieda getrieben. Von dort mussten alle Häftlinge zusammen am 7. April 1945 zu Fuß über den Harz marschieren. Nach einem Räumungstransport per Bahn in die Altmark und einem weiteren Todesmarsch zu Fuß nach Gardelegen wurden die meisten verbliebenen KZ-Häftlinge beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune am 13. April 1945 gemeinsam mit weiteren Häftlingen aus anderen geräumten Konzentrationslagern eingesperrt und lebendig verbrannt. Ein Gedenkstein und ein Sammelgrab für sechs unbekannte KZ-Häftlinge erinnern heute in Wieda an das einstige Konzentrationslager.[4]

Der Eisenbahnbetrieb auf der Schmalspurbahn wurde 1963 aufgegeben und die Gleisanlagen zurückgebaut. 2007 wurde auf der ehemaligen Eisenbahntrasse ein Fahrrad- und Wanderweg angelegt.

Eingemeindungen

Zum 1. November 2016 wurden auf Beschluss des Niedersächsischen Landtages die bisherigen Gemeinden Walkenried, Wieda und Zorge zu einer neuen Gemeinde Walkenried zusammengefasst.[5]

PolitikBearbeiten

Ortsratswahl 2016[6]
Wahlbeteiligung: 55,79 % (2011: 65,63 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,58 %
41,46 %
6,01 %
3,73 %
3,23 %
n. k.
T. W.c
A. L.e
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,18 %p
+2,94 %p
+6,01 %p
-1,82 %p
-5,65 %p
-1,29 %p
T. W.c
A. L.e
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Einzelbewerber Thomas Wernicke
e Einzelbewerber Arthur Liebetruth

OrtsratBearbeiten

Der Ortsrat von Wieda setzt sich aktuell aus einer Ratsfrau und vier Ratsherren folgender Parteien und erlangten Sitzen zusammen (Stand: 2016):

Kommunalwahl SPD CDU Linke Einzelbewerber
Thomas Wernicke
Einzelbewerber
Arthur Liebetruth
Gesamt
11. September 2016[7] 2 2 1 05 Sitze
11. September 2011 5 4 1 1 11 Sitze

OrtsbürgermeisterBearbeiten

Der Ortsbürgermeister von Wieda ist Ulrich Kamphenkel (SPD). Seine Stellvertreterin ist Christiane Hellberg (SPD).[7]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Wappens von Wieda stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der auch die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover entworfen hat.[8] Der Rat nahm das Wappen am 27. November 1950 an und der Niedersächsische Minister des Innern genehmigte es am 19. April 1952.[9]

Blasonierung: „Unter einem silbernen Schildhaupt, belegt mit zwei schwarzen schräggekreuzten, mit brennenden roten Lappen versehene Haikatzen, schreitet in Grün ein rechtsgerichteter silberner Hirsch.“[9]
Wappenbegründung: Die Haikatzen erinnern an das Arbeitsgerät der Köhler, dieser einst im Wald tätigen Berufsgruppe. Das Gerät diente zum Anzünden der Meiler. Dazu umwickelte der Köhler eine entastete Jungfichte mit einem harzgetränkten Lappen. Sobald der Meiler aufgeschichtet war, zündete der Köhler den Lappen an und hielt ihn mit dem Ast in das Innere des Holzhaufens. Der Hirsch symbolisiert die frühere Zugehörigkeit Wiedas zur Grafschaft Klettenberg, später Honstein-Klettenberg. Der Ort führte vor der Wappeneinführung lediglich ein Siegel, dass einen stehenden Hirsch vor einer Waldsilhouette darstellte.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörte der Fremdenverkehr zum Hauptwirtschaftszweig des Ortes, der seinen Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren erreichte. Viele West-Berliner hatten hier während der Zeit der Berliner Mauer ihr Feriendomizil. Seit jüngerer Zeit verbringen auch Gäste aus den Niederlanden und den skandinavischen Ländern ihre Ferien im Südharzort. Beliebter Besuchsort ist der ehemalige Bahnhof Stöberhai, in dem sich eine Waldgaststätte befindet. Im anschließenden Gehege gibt es täglich eine Wildfütterung.[10]

VerkehrBearbeiten

Bis 1963 verlief quer durch Wieda die meterspurige Südharz-Eisenbahn.

Von Wieda aus verläuft die Landesstraße nach Braunlage, Bad Sachsa, Zorge und Walkenried. Von Walkenried sind es 15 km bis zur Anschlussstelle der Südharzautobahn A 38.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Die 1984 nach Martin Luther benannte Kirche

BauwerkeBearbeiten

  • 1778 wurde die heutige Kirche, deren Gemeinde zur Probstei Bad Harzburg gehört, eingeweiht und gleichzeitig der freistehende Glockenturm auf dem gegenüberliegenden Käseberg errichtet, damit das Geläut im ganzen Tal gehört werden konnte, und 1890 wurde eine Knauf-Schleifladenorgel eingebaut und das über dem Eingang vorhandene C weist auf den damaligen Fürsten Carl hin.

MuseenBearbeiten

  • In Wieda gibt es seit 2005 das Glas- und Hüttenmuseum im ehemaligen Rathaus in der Otto-Haberlandt-Straße, in dem die Wirtschaftsgeschichte des Ortes in den Bereichen Glashüttenwesen sowie Bergbau und Verhüttung dokumentiert wird.
  • In einem Raum des Kindergartens (ehemalige Grundschule) in der Schulstraße ist seit 2006 ein kleines Museum des aufgelösten Fernmeldesektors C der Bundeswehr auf dem Stöberhai eingerichtet, in dem Einrichtungen des ehemaligen Radarturms auf dem Stöberhai besichtigt werden können.

SonstigesBearbeiten

Der Ort ist einer der acht Orte, in denen das seit 2014 als Immaterielles Weltkulturerbe anerkannte Brauchtum des Finkenmanöver im Harz noch gepflegt wird.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des Ortes

LiteraturBearbeiten

  • Harzklub-Zweigverein Wieda (Hrsg.): Führer durch den Luftkurort Wieda im Südharz und Umgebung. Wieda 1931.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wieda – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geschichte & Zahlen. In: Internetseite der Gemeinde Walkenried. 31. Dezember 2015, abgerufen am 4. Mai 2019.
  2. Ralf Busch: Wieda. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Westlicher Harz, Clausthal-Zellerfeld, Osterode, Seesen. Band 36. Philipp von Zabern Verlag, Mainz 1978, ISBN 3-8053-0305-X, S. 192.
  3. Fritz Reinboth und Friedhart Knolle: Zum Bergbau und Hüttenwesen der Klöster Walkenried und Neuwerk. In: Harz-Zeitschrift Nr. 70. 2018, S. 35–55.
  4. Herbert Naumann: Wieda. In: Internetseite Herbert Naumann. 2019, abgerufen am 4. Mai 2019.
  5. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Walkenried, Landkreis Osterode am Harz. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 02/16. Hannover 25. Februar 2016, S. 36 (Digitalisat [PDF; 524 kB; abgerufen am 4. Mai 2019] S. 6).
  6. Ergebnis zur Gemeindewahl in Wieda am 11. September 2016. In: Internetseite Kommunale Dienste Göttingen (KDG). 16. September 2011, abgerufen am 4. Mai 2019.
  7. a b Ortsrat (Walkenried OT Wieda). In: Internetseite der Gemeinde Walkenried. Abgerufen am 4. Mai 2019.
  8. Landkreis Hannover (Hrsg.): Wappenbuch Landkreis Hannover. Selbstverlag, Hannover 1985.
  9. a b Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch. Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Hrsg.: Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Eckensberger & Co. Verlag, Braunschweig 1977, DNB 780686667, S. 118.
  10. Kleine Anfrage: „Welchen Stellenwert haben Prädikate wie ‚staatlich anerkannter Luftkurort‘ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen?“ (PDF; 100 kB) In: Internetseite Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359. 23. Februar 2011, abgerufen am 4. Mai 2019.