Werkel

Stadtteil von Fritzlar

Werkel ist ein Stadtteil der Domstadt Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen. Heute zählt Werkel etwa 800 Einwohner, von denenein Teil noch in der aufgrund der fruchtbaren Böden der Fritzlarer Börde sehr ertragreichen Landwirtschaft tätig ist. Offenbar auf diese Fruchtbarkeit geht der alte Spruch zurück: „Dorla, Werkel, Lohne – Hessenlandes Krone“.

Werkel
Stadt Fritzlar
Koordinaten: 51° 9′ 20″ N, 9° 18′ 35″ O
Höhe: 182 m ü. NHN
Fläche: 6,84 km²[1]
Einwohner: 799[2]
Bevölkerungsdichte: 117 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34560
Vorwahl: 05622
Dorfkirche in Werkel

Geographie und VerkehrBearbeiten

Das noch immer ländlich geprägte Dorf liegt auf einem nach Norden zum hier von West nach Ost verlaufenden Eder-Zufluss Ems auslaufenden Schlepphang etwa 3,5 km nordöstlich der Kernstadt Fritzlar. Es befindet sich an der A 49, die seit 1975 zwischen Kassel und Borken die Bundesstraße 3 ersetzt hat. Letztere führt seitdem als Landesstraße 3590 – im Ortsbereich Frankfurter Straße (nach Fritzlar im Südwesten) bzw. Rudolph-Straße (nach Gudensberg im Nordosten) genannt – unmittelbar am Westrand des Dorfs vorbei. Die Autobahnanschlussstelle 14 “Fritzlar” liegt etwa 1 km südwestlich von Werkel an der L 3150.

Von Werkel führt die Kreisstraße K 79 nach Wehren im Nordwesten, die K 8 nach Obervorschütz im Osten, die K 78 nach Haddamar im Westen und die K 12 nach Obermöllrich im Süden.

GeschichteBearbeiten

Archäologische Funde sprechen dafür, dass eine Siedlung in der heutigen Gemarkung von Werkel schon in merowingischer Zeit im 7. Jahrhundert bestand: Am Ostrand des Dorfs wurde ein merowingerzeitliches Kriegergrab entdeckt. Südöstlich von Werkel fanden sich Spuren einer Völkerwanderungszeitlichen und späteren Siedlungsstelle. Ein 1966 aufgefundener Menhir, der "Hilgenstein", wurde vermutlich im 3. Jahrtausend v. Chr. erstmals als Zentrum in einer rituellen Stätte, aber nicht an seiner späteren Fundstelle aufgestellt, so dass seine geschichtliche Beziehung zu Werkel unklar ist.

1219 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Orts als Werkele.[1][3] Der Ort war landgräflich-hessisch, aber verschiedene nordhessische Adlige und auch kirchliche Institutionen hatten zu verschiedenen Zeiten dort Besitz oder Einkünfte, so u. a. das Erzstift Mainz, das Petristift Fritzlar, das Kloster Breitenau, das Hospital und Augustinerinnenkloster Fritzlar, sowie Mitglieder der Geschlechter derer von Holzhausen, von Löwenstein, von Falkenberg, von Linne, von Holzheim, von Dalwigk, von Hertingshausen und von Wildungen.

 
Blick auf Werkel vom nordöstlich gelegenen Nacken

Mindestens viermal wurde das Dorf im Mittelalter und der frühen Neuzeit weitgehend oder zu großen Teilen zerstört. Am 21. oder 22. Juli 1427 wurde der Ort, wie auch andere Dörfer der Umgebung, während des Mainzisch-Hessischen Kriegs von aus Fritzlar kommenden Truppen des Mainzer Erzbischofs Konrad von Dhaun ausgeplündert und vollständig verwüstet, danach jedoch wieder aufgebaut. Während der Hessen-Paderbornischen Fehde (1464–1471) brannten Paderborner Söldner im Jahre 1466 Werkel, Obermöllrich und Züschen nieder. Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erlitt das Dorf schwere Verwüstungen. Und im Jahre 1792 wütete eine Feuersbrunst im Ort. Jedes mal wurde der Ort wieder aufgebaut.

Wann die erste Kirche oder Kapelle in Werkel erbaut wurde, ist nicht bekannt. Urkundlich wird eine ,,capellam in Werckele" im Jahre 1254 erstmals erwähnt, als der Mainzer Erzbischof Gerhard sie dem Hospital in Fritzlar zuwies. Nach ihrer Zerstörung 1466 durch die Paderborner Truppen wurde sie im Jahre 1508 wieder aufgebaut; aus dieser Zeit sind bis heute der 17,5 m hohe Turmschaft und ein Spitzbogentor an der Nordseite der Kirchhofmauer erhalten geblieben. Beim Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1708 erhielt der erhalten gebliebene Kirchturm einen 36 m hohen, spitzen Turmhelm,[4] der allerdings schief stand und bis zur Zerstörung im März 1945 das Bild des Dorfes prägte. Mit dem Wiederaufbau wurde 1951 begonnen, und schon 1953 fanden die Gottesdienste wieder in der Kirche statt. 1971 wurde, nach gründlicher Renovierung des Turms, das Notdach entfernt und ein neuer pyramidenförmiger Helm aufgesetzt, der allerdings nur noch 5 m hoch ist. 1957 erhielt die Kirchengemeinde als Geschenk des Künstlers Hans Gottfried von Stockhausen das 65 cm × 140 cm große Bleiglasfenster Christus der Weltenrichter im Altarraum. Das Werk ist der einzige Schmuck in dem ansonsten schlicht gehaltenen Kirchenraum.

Im Jahre 1906 wurden die ersten Wasserleitungen in örtliche Haushalte verlegt, und 1919 erfolgte der Anschluss des Dorfs an das Elektrizitätsnetz. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am Karsamstag, dem 31. März 1945, wurde Werkel von amerikanischen Truppen zu mehr als 60 Prozent durch Artilleriefeuer, Jagdfliegerbeschuss und anschließende schwere Kampfhandlungen und Brände zerstört, als sich deutsche Truppen aus Fritzlar absetzten und in Werkel, zusammen mit sieben Panzern des Typs Tiger II der aus Kassel gekommenen 3. Kompanie der schweren Panzer-Abteilung 501, erneut Widerstand leisteten. 52 deutsche Soldaten, sechs Dorfbewohner und eine unbekannte Zahl amerikanischer Soldaten verloren dabei ihr Leben, und Hunderte von Tieren verendeten in den Flammen. Auch die Kirche wurde weitgehend zerstört.

Nach dem Krieg entstanden Neubaugebiete in den 1960er Jahren am östlichen Ortsrand, ab 1970 südwestlich auf der Steinbinge und am Hilgenstein, in den 1990er Jahren am Jakobsbörnchen und seit 2001 südlich des Dorfes am Ellergarten.

Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Werkel in die Stadt Fritzlar eingegliedert.[5]

PolitikBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b „Werkel, Schwalm-Eder-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 27. März 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ort im Internetauftritt der Stadt Fritzlar, abgerufen im Februar 2016
  3. Die Schreibweise des Ortsnamens erscheint im Laufe der Jahrhunderte in mehrfach wechselnder Form: Werkele (1219), Wercle (1235), Werckeln (1273), Werkeln (1354), Werkle (um 1390), Wergkel (1426), Werhkil (1436), Vergkel (1438), Werkil (um 1450), Werckel (1469), Werckil (1482), Werckle (1499) und Werckell (1575/85). (Werkel, Schwalm-Eder-Kreis, im Historischen Ortslexikon Hessen)
  4. Er entsprach architektonisch dem noch existierenden Kirchturm von Grifte.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 392.

LiteraturBearbeiten

  • Anneliese Pachali: Werkel von den Anfängen bis heute. Baunatal 1986

WeblinksBearbeiten