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Züschen (Fritzlar)

Stadtteil von Fritzlar

Züschen, eine ehemals selbstständige waldeckische Stadt, ist ein Stadtteil von Fritzlar im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Der Ort liegt nordwestlich von Fritzlar am Eder-Zufluss Elbe.

Züschen
Stadt Fritzlar
Wappen von Züschen
Koordinaten: 51° 10′ 18″ N, 9° 13′ 43″ O
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 10,07 km²[1]
Einwohner: 1000 ca.[2]
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 34560
Vorwahl: 05622

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Lochstein und Vorkammer des Steinkammergrabes von Züschen

Die frühzeitige Besiedlung der Gegend um Züschen belegen die Felsritzzeichnungen im Steinkammergrab von Züschen und am Riesenstein (Heiligenberg). Die Chatten unterhielten in Züschen eine Kultstätte, und der Ortsname ist von dem chattischen Gott Ziu abgeleitet.[3]

Züschen ("Tuischinum") wird um 850, 1070 und dann 1237 urkundlich erwähnt,[4] war aber mit Sicherheit schon weitaus früher besiedelt: Im Jahre 1894 wurde ein Steinkammergrab (Galeriegrab) östlich von Züschen entdeckt, das aus der Zeit um 3000 vor Chr. stammt.

Der Ort erhielt vermutlich 1322 während der Regierungszeit des Grafen Heinrich IV. von Waldeck Stadtrecht. Von 1430 bis 1810 gehörte der Ort den Herren von Meysenbug, die es von den Landgrafen von Hessen, später von den Grafen von Waldeck zu Lehen hielten (siehe auch Burg Züschen). Nach dem Tod von Heinrich von Meysenbug, dem letzten männlichen Vertreter seines Geschlechts, im Jahre 1810 wurde der waldecksche Hofmarschall Johann Friedrich Georg Heinrich von Dalwigk zu Lichtenfels-Kamp (1734–1810) mit Züschen belehnt; er starb jedoch bereits wenige Wochen nach Meysenbug, und seine Erben verkauften den Besitz für 120 000 Taler an den Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode,[5] Oberstallmeister im Königreich Westphalen.

1625 ging der Ort, zuvor lange von den Landgrafen von Hessen an die Grafen von Waldeck verpfändet, endgültig in den Besitz Waldecks über. Danach gehörte Züschen zunächst zur Grafschaft und später zum Fürstentum Waldeck und von 1919 bis 1929 zum Freistaat Waldeck, dann bis 1945 zu Preußen und seitdem zu Hessen, wo es Teil des Landkreises Waldeck war.

Die bis dahin selbständige Stadt Züschen wurde am 1. Januar 1974, trotz starken Widerspruchs des Landkreises Waldeck, im Rahmen der Hessischen Gebietsreform kraft Landesgesetz in die Stadt Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis eingegliedert.[6][1] Heute leben in Züschen rund 1000 Einwohner. Der Ort wird hauptsächlich von der Holzverarbeitungsindustrie und vom Tourismus geprägt.

PolitikBearbeiten

 
Stadtwappen von Züschen

OrtsvorsteherBearbeiten

Derzeitiger Ortsvorsteher ist Dirk Plettenberg. (Stand: Januar 2018)

WappenBearbeiten

Blasonierung: Das Wappen zeigt den achtstrahligen Waldecker Stern auf weißem Grund und weist damit auf die ehemalige Zugehörigkeit zu Waldeck hin.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

UmgebungBearbeiten

 
Ruine der Kreuzkirche

VerkehrBearbeiten

Der nächste Autobahnanschluss, an die A 49, Richtung Süden, ist in Fritzlar. Die nächstgelegene Anschlussstelle der A 49 nach Norden zum Kreuz Kassel Mitte befindet sich in Gudensberg.

Regelmäßige Busverbindung gibt es in Richtung Naumburg (Hessen) und nach Fritzlar. Der nächste regionale Bahnhof befindet sich in Fritzlar; Fernzüge halten in Wabern.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Ludwig Ritte (1884–1936), deutscher Landwirt und Politiker (Landbund), geboren in Züschen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Züschen, Schwalm-Eder-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Januar 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ort im Internetauftritt der Stadt Fritzlar, abgerufen im Februar 2016
  3. a b Steinkammergrab Züschen (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)
  4. Johann Adolf Theodor Ludwig Varnhagen: Grundlage des Waldeckischen Landes und Regentengeschichte, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1825 (S. 9)
  5. Generalmajor z. D. Eisentraut: Vortrag am 19. Februar 1917 über „die Herren von Meysenbug“. In: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Jahrgang 1916/17, Kassel, 1917, S. 36
  6. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain (GVBl. II 330-22) vom 28. September 1973. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 356, §§ 16 und 27 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  7. Schloss Garvensburg

WeblinksBearbeiten

  Commons: Züschen (Fritzlar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien