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Kultstätte

für die Ausübung von Kulten verwendeter Ort
(Weitergeleitet von Kultplatz)

Als Kultstätte oder Kultplatz wird ein geheiligter, geographisch markanter bzw. separierter und für die Ausübung von Kulten verwendeter Ort bezeichnet. Der Begriff Kultstätte zielt dabei insbesondere auf Orte und bauliche Anlagen der Vor- und Frühgeschichte ab. Religiöse Bauwerke und Gebäude neuerer Zeit, besonders christlichen Ursprungs, gelten dagegen als Sakralbauten.

Inhaltsverzeichnis

Natürliche KultstättenBearbeiten

 
Naturkultplatz (Felsheiligtum) Wilhelmsteine [1] im Schelderwald

Zu den natürlichen Kultplätzen zählen heilige Berge, Felsheiligtümer, Heilige Steine, Höhenheiligtümer, Gipfelheiligtümer oder Grottenheiligtümer; aber auch Heilige Inseln (heligo Land = Helgoland, Holy Island, bei Anglesey, Holy Isle vor der Isle of Arran, Inish Cealtra im Lough Derg, Irland), Heilige Quellen (mit besonderen Kultstätten ausgestattet: Roseninsel, Sylt), oder Höhlen, Seen, Wälder und Moore. Häufig ist bis in die heutige Zeit an der Namensgebung der ehemalige Charakter als Kultstätte erkennbar (z. B. Odense = ‚Odins See‘; Thorslund = ‚Thors Wald‘). Ebenso charakterisierten bestimmte markante Bäume, oder durch sie markierte Orte (heiliger Hain) eine Kultstätte.

Kultstätten von MenschenhandBearbeiten

Kultstätten konnten auch allein von Menschenhand gestaltete, abgegrenzte Bezirke sein. Das können Gehege, Gräben, Mauern, Steinkreise, Wälle etc. sein. Im Einzelfall kann ein Kultplatz nur durch "im Wissen der Nutzer verankerte" Schranken (sog. Tabuzonen) von der Umgebung separiert sein. Den Steinen der Megalithanlagen, Platten, Säulen oder Stelen kamen unterschiedliche kultische Funktionen zu. So dienten sie etwa als Altar, zur Vergegenwärtigung Verstorbener oder der Repräsentanz verschiedener Gottheiten. Bekanntheit erlangten die Megalithanlagen wie Stonehenge in England, maltesische Tempel oder Tempel wie Karnak in Ägypten.

MischformenBearbeiten

Sehr häufig sind natürliche Kultplätze, die irgendwann durch Menschenhand verändert oder erweitert wurden (z. B. die Externsteine, zahlreiche Nymphäen oder der Gipfel des Puy de Dôme, auf dem in antiker Zeit ein Merkurtempel errichtet wurde).

Heutige ZeitBearbeiten

Kultstätten werden (mit abnehmender Tendenz) in einigen Kulturen bis zum heutigen Tag genutzt – manchmal errichtete man an ihrer Stelle in späterer Zeit religiöse Bauwerke (Kapellen, Kirchen) oder Siedlungen. Kultstätten stehen häufig in Verbindung mit Bestattungsplätzen, oder dienten als Grabmal einer politisch-religiös bedeutsamen Person.

LiteraturBearbeiten

  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 24, S. 442.
  • Matthias Egeler (Hrsg.): Germanische Kultorte. Vergleichende, historische und rezeptionsgeschichtliche Zugänge. (=Münchner Nordistische Studien 24), München: Utz 2016.
  • Elisabeth Neumann-Gundrum, Europas Kultur der Groß-Skulpturen, Wilhelm Schmitz Verlag Gießen,1981, ISBN 3-87711-039-8
  • Giesela Graichen: Das Kultplatzbuch, Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland, Hoffmann u. Campe Verlag Hamburg, 1988, ISBN 3-455-08282-3

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Kultstätte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Horst W. Müller: Wilhelmsteine und Ellerchen, Sagenumwobene und merkwürdige Steine und Felsen im südwestlichen Hinterland, Hinterländer Geschichtsblätter, Biedenkopf, 93. Jahrgang, Nr. 3, September 2014