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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gescher
Gescher
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gescher hervorgehoben
Koordinaten: 51° 57′ N, 7° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Borken
Höhe: 59 m ü. NHN
Fläche: 80,84 km2
Einwohner: 17.205 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 213 Einwohner je km2
Postleitzahl: 48712
Vorwahlen: 02542, 02863Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BOR, AH, BOH
Gemeindeschlüssel: 05 5 54 016
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
48712 Gescher
Website: www.gescher.de
Bürgermeister: Thomas Kerkhoff (CDU)
Lage der Stadt Gescher im Kreis Borken
Kreis BorkenNordrhein-WestfalenKreis KleveKreis WeselKreis CoesfeldKreis CoesfeldNiedersachsenKreis SteinfurtNiederlandeRaesfeldHeidenRhedeBocholtBorkenRekenVelenStadtlohnHeekAhausGescherLegdenSchöppingenGronauVredenSüdlohnIsselburgKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Gescher [ˈgɛʃɐ] (plattdeutsch Gesker) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine Gemeinde des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster. Seit dem 8. Juli 2013 trägt Gescher den offiziellen Namenszusatz Glockenstadt.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Räumliche LageBearbeiten

 
Ortsteile (rot) und Bauerschaften (orange) von Gescher
 
Brauchtum verbindet
 
Die Berkel

Durch Gescher fließt die Berkel. Im Nordosten streift der Fluss Dinkel das Stadtgebiet und bildet für etwa 3 km die Grenze zur Nachbargemeinde Rosendahl. Gescher liegt rund 3 km westlich der Autobahn A 31, die Emden mit dem Ruhrgebiet verbindet. Über die Anschlussstelle (33) Gescher-Coesfeld und die kreuzende B 525, die die deutsch-niederländischen Grenze bei Südlohn-Oeding mit der Autobahn A 43 verbindet, ist der Ort verkehrsgünstig gelegen.

StadtgebietBearbeiten

Ortsteil HochmoorBearbeiten

Ortsteil, in dem auch Vertriebene nach 1945 eine neue Heimat gefunden haben (Vorwahl: 02863). Das dort befindliche Hochmoor wurde erst in den 1960er Jahren mittels Tiefpflug trockengelegt.

BauerschaftenBearbeiten

Nachbargemeinden/-städteBearbeiten

Stadt Stadtlohn
(Kreis Borken)
Gemeinde Rosendahl
(Kreis Coesfeld)
Gemeinde Südlohn
(Kreis Borken)
  Stadt Coesfeld
(Kreis Coesfeld)
Stadt Velen
(Kreis Borken)
Gemeinde Reken
(Kreis Borken)

GeschichteBearbeiten

Frühgeschichte und MittelalterBearbeiten

Frühgeschichtlich liegt Gescher an der Stammesgrenze zwischen Brukterern und Chamaven. Die Grenze lag in den Feuchtgebieten im Westen von Gescher (Estern). Entlang dieser Grenzen finden sich auch die Fluchtburgen versunkene Borg, Rauschenburg und Hengelborg. Der Name Gescher leitet sich ab von Gasgare, später dann Gaschari, einem Oberhof des Stiftes Borghorst. Nach dem Bau einer Kirche durch das Stift um das Jahr 1000 und der Einrichtung der dazugehörenden Pfarrei entwickelte sich allmählich eine dörfliche Siedlung. Gescher wurde im Feuchtgebiet der Siepen gegründet, wobei diese Siepen nicht trockengelegt oder umgeleitet, sondern überbaut wurden. Noch heute finden sich entsprechende Namen wie Waterstegge oder Armlandstraße (ein ehemaliger Knüppeldamm über die Siepe). Es zogen sich Siepen von der Katharinenstraße (Waterstegge) und auch von der Inselstraße in Richtung Wenings Feuchtgebiete. Weitere Siepen aus den südlichen und östlichen Gebieten wurden in der Gräfte gesammelt und von dort unter der Armlandstraße weitergeleitet. Diese verläuft heute noch an der linken Seite der Pankratius-Kirche. Diese Siepen existieren noch immer, teils verrohrt oder als weitläufiges Feuchtgebiet.

NeuzeitBearbeiten

1570 brannte die Siedlung fast vollständig nieder. Der Wiederaufbau sowie Plünderungen und Einquartierungen während der Niederländischen Befreiungskriege und des Dreißigjährigen Krieges behinderten die Entwicklung der Siedlung.

Infolge der französischen Revolutionskriege wurde im Jahr 1803 das Fürstbistum Münster, zu dessen Amt Ahaus Gescher gehört hatte, auf dem Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. Das Kirchspiel gelangte unter die Herrschaft des Fürsten zu Salm. Von 1811 bis 1813 war Gescher Teil Frankreichs und ab 1816 als Teil des Kreises Coesfeld preußisch.

Aus der in Heimarbeit zu leistenden Verarbeitung von Flachs zu Leinen erwuchs während des 19. Jahrhunderts die technisierte Textilindustrie, die für das Wirtschaftsleben bis Mitte des 20. Jahrhunderts prägend werden sollte. 1904 wurde die Eisenbahnteilstrecke Coesfeld–Gescher–Borken in Betrieb genommen. Das 1906 gegründete Torfwerk im Süden der Bauerschaft Tungerloh-Pröbsting stellte die Keimzelle des heutigen Ortsteils Hochmoor dar.

 
Kriegsgräberstätte

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war die bischöfliche Stiftung Haus Hall Kriegslazarett. Die Bausubstanz von Gescher blieb weitgehend unversehrt. Am 30. März 1945 (Karfreitag) übergab Bürgermeister Niemann die Gemeinde Gescher an die herannahenden englischen Alliierten. Es kam vereinzelt zu kurzen Feuergefechten mit abrückenden deutschen Soldaten. Mr. Ball übernahm als Vertreter der britischen Besatzung die Hoheit über die Stadt.

1980 eröffnete das Glockenmuseum als eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt; es wurde 2010 umfassend renoviert und erweitert.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1969 wurden in der ersten Phase der Kommunalen Neugliederung die Gemeinden Büren, Estern, Gescher, Harwick, Tungerloh-Capellen und Tungerloh-Pröbsting unter Auflösung des Amtes Gescher zur Stadt Gescher zusammengeschlossen.[2] Am 1. Januar 1975 kam diese im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms vom Kreis Coesfeld zum Kreis Borken.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 
Bevölkerungsentwicklung 1834–2002
Jahr Einwohner
1834 3.784
1846 3.807
1849 3.790
1855 3.876
1858 3.806
1864 4.002
1871 3.912
1885 3.962
Jahr Einwohner
1890 4.048
1900 4.206
1905 4.486
1914 5.219
1926 5.943
1939 7.223
1950 10.177
1961 10.795
Jahr Einwohner
1981 14.397
1990 15.092
1995 16.154
2000 16.851
2005 17.146
2010 17.164
2011 16.869
2012 16.889
Jahr Einwohner
2013 16.887
2014 16.857
2015 17.118

Laut Zensus 2011 wohnten zum Stichtag 9. Mai insgesamt 16.869 Menschen in Gescher.

ReligionBearbeiten

KirchenBearbeiten

KonfessionenBearbeiten

81,0 % römisch-katholisch
10,1 % evangelisch
8,9 % sonstige/keine/ohne Angabe

PolitikBearbeiten

Die Kommunalwahlen 2004, 2009 und 2014 führten jeweils zu den folgenden Ergebnissen:

 
Rathaus Gescher
2004 2009 2014
Partei Stimmanteil Sitze Stimmanteil Sitze Stimmanteil Sitze
CDU 40,1 % 13 46,5 % 16 41,7 % 14
SPD 27,9 % 9 20,5 % 7 24,2 % 8
UWG 16,2 % 5 13,0 % 4 14,6 % 5
GRÜNE 08,1 % 2 11,4 % 4 13,1 % 5
FDP 07,7 % 3 08,6 % 3 06,3 % 2
Die Linke 01,4 % 0 01,8 % 0

Bürgermeister und StadtdirektorenBearbeiten

Bürgermeister der Gemeinden Gescher
  • 1832–1835: Bürgermeister Lüders
  • 1918–1943: Anton Huesker
  • 1945: Bürgermeister Niemann
Amtsbürgermeister des Amts Gescher
ehrenamtl. Bürgermeister der Stadt Gescher
  • 1956–1969: Anton Cramer (CDU)
  • 1969–1977: Heinrich Hörnemann (CDU)
  • 1977–1994: Hermann Horstick (CDU)
  • 1994–1999: Heiner Theßeling (SPD)
Stadtdirektoren der Stadt Gescher
  • 1969–1982: Gerhard Willerding
  • 1982–1997: Klaus-Peter Schulz-Gadow (CDU)
  • 1997–1999: Hans Beuker (CDU)
hauptamtl. Bürgermeister der Stadt Gescher
  • 1999–2009: Heiner Theßeling (SPD)
  • 2009–2015: Hubert Effkemann (CDU)
  • seit 2015: Thomas Kerkhoff (CDU)

Mit der Auflösung des Amtes Gescher 1969 und dem Zusammenschluss der umliegenden Gemeinden zur Stadt Gescher erlosch das Amt des Amtsbürgermeisters.

Aufgrund der geänderten Gemeindeordnung von 1994 entfiel 1999 die Doppelspitze – Stadtdirektor und ehrenamtlicher Bürgermeister. Seitdem gibt es nur noch den hauptamtlichen Bürgermeister. Er wird direkt gewählt. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt.

Wappen und FlaggeBearbeiten

Der Stadt ist mit Urkunde der Bezirksregierung Münster vom 20. Januar 1971 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen worden.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Das Wappen der Stadt Gescher stellt auf grünem Schild zwei voneinander abgekehrte silberne (weiße) Jagdhörner dar.“

Das Wappen geht auf alte Jagdrechte, verliehen durch den Bischof von Münster, zurück. Auch die seit 1421 in Gescher ansässige einflussreiche Familie von der Beeke führte die Jagdhörner im Wappen.[3]

FlaggeBearbeiten

Beschreibung der Flagge: „Die Flagge ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Grün auf Weiß zu Grün längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und zeigt in der weißen Bahn das Stadtwappen im Schild.“[4]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

GlockenstadtBearbeiten

 
Glockengießerei

Der seit 1790 angesiedelten Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock verdankt Gescher den Ruf als „Glockenstadt“. 1980 wurde das westfälische Glockenmuseum eröffnet. Eine der wohl berühmtesten und größten Glocken aus Gescher ist die Weltjugendtagsglocke „Johannes Paul II“ im Geläut der Kölner Basilika von St. Aposteln.

Lokale BrauchtümerBearbeiten

  • Äppelken poop Äppelken (Äpfelchen, kleine Äpfelchen): Bei diesem alten Heischebrauch, der jedes Jahr am Tag des Erzengels Michael (29. September) stattfindet, ziehen die Kinder von Haus zu Haus und singen ein altes niederdeutsches Lied, worauf hin sie von den Bewohnern des Hauses Süßigkeiten bekommen. Bei diesem alten Brauch wurden den Kindern ursprünglich die Äpfel geschenkt, die als Fallobst oder ihrer geringen Größe wegen nicht brauchbar waren.
  • Karneval: Der jährliche Karnevalsumzug in Gescher mit dem Ruf Gescher Helau! findet traditionell zwei Wochen vor Rosenmontag statt. Begründet ist diese alte Tradition im vierzigstündigen Gebet, das im 19. Jahrhundert vielerorts im Münsterland auf den Rosenmontag gelegt wurde, um gegen das Karnevalstreiben vorzugehen. Die Gescheraner jedoch umgingen durch die Vorverlegung der Fastnacht diese Einschränkung. Auch wenn das vierzigstündige Gebet heute nicht mehr am Rosenmontag stattfindet, hat sich diese Tradition in Gescher über die Jahrzehnte erhalten.

MuseenBearbeiten

 
Museumshof
 
Imkereimuseum

Die Stadt Gescher ist über ihre Grenzen hinaus durch ihre Vielzahl an Museen bekannt:

BaudenkmaleBearbeiten

Darüber hinaus haben sich in Gescher eine ganze Reihe sehenswerter denkmalgeschützter Bauwerke erhalten.

BildungBearbeiten

SchulenBearbeiten

 
Haus Hall
  • Gesamtschule Gescher
  • Von-Galen-Schule
  • Grundschulverbund Pankratius-Schule und Schule auf dem Hochmoor
  • Brüder-Grimm-Schule, Förderschule des Kreises Borken mit dem Förderschwerpunkt Sprache
  • Haus Hall, Priv. Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

KindergärtenBearbeiten

  • Ev. Kindergarten Garten Gethsemane
  • Kindergarten Kleine Welt
  • Kindergarten Bunte Welt
  • Kindergarten St. Ludgerus
  • Kindergarten St. Pankratius
  • Kindergarten St. Maria Goretti
  • Kindergarten St. Marien
  • Kindergarten St. Stephanus
  • Kindergarten St. Antonius Haus Hall

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Gescher liegt, mit einer eigenen Abfahrt, an der A 31 und an der B 525.

 
Letzte Bahnfahrt am Bahnhof Gescher am 11. Mai 1985

An das Schienennetz ist Gescher heute nicht mehr angeschlossen. Bis 1985 lag der Bahnhof Gescher an der Bahnstrecke Empel-Rees–Münster (Baumbergebahn), welche hier demontiert wurde – die heutige SPNV-Linie RB 63 befährt hingegen lediglich den Abschnitt CoesfeldMünster.

Gescher ist an zahlreiche offizielle und ausgeschilderte regionale Radwanderwege angeschlossen, u. a. an die 100-Schlösser-Route, die Flamingoroute, die Berkelroute, die Aaroute und die Agri-Cultura-Route.[5]

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Die bischöfliche Stiftung Haus Hall ist Wohnort und Arbeitsplatz für behinderte Menschen und größter Arbeitgeber in Gescher. Des Weiteren befindet sich in Gescher die Zentrale der Huesker Synthetic GmbH, eines Herstellers von Geokunststoffen, Agrar- und Industrietextilien. In Gescher-Hochmoor befindet sich der Unternehmenssitz des Maschinenbauunternehmens Ruthmann. Eine der ältesten Glockengießereien Deutschlands, Petit & Gebr. Edelbrock, ist ebenfalls in Gescher beheimatet.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Bisher einziger Ehrenbürger der Stadt Gescher ist Anton Huesker, ehemaliger Textilfabrikant, der wegen seiner besonderen sozialen Leistungen am 25. Juni 1936 zum Ehrenbürger ernannt wurde. Auch der westfälische Textilverband erwähnt in seinen Schriften die herausragenden Leistungen von Anton Huesker.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gescher – Sammlung von Bildern
  Wikivoyage: Gescher – Reiseführer
  Wiktionary: Gescher – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden Nordrhein-Westfalens am 31. Dezember 2018 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 21. September 2018. (Hilfe dazu)
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 96.
  3. Hauptsatzung der Stadt Gescher, § 2. Abgerufen am 4. Februar 2013.
  4. Wappen und Flagge der Stadt Gescher. (PDF; 664 kB) Abgerufen am 4. Februar 2013.
  5. Münsterland e.V.: Radfahren in Gescher | Münsterland e.V. Tourismus. Abgerufen am 9. Juni 2017.