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Würgassen ist ein südöstlicher Stadtteil von Beverungen im Kreis Höxter, östliches Nordrhein-Westfalen (Deutschland). In dem rechts der Weser liegenden Ort befindet sich das 1995 stillgelegte Kernkraftwerk Würgassen. Würgassen ist in unmittelbarer Nähe zu den Städten Bad Karlshafen, Beverungen und der Gemeinde Lauenförde gelegen. Gegenüber von Würgassen, auf der anderen Weser-Seite, liegt der Ort Herstelle, der ebenfalls zur Gemeinde Beverungen gehört.

Würgassen
Koordinaten: 51° 38′ 33″ N, 9° 24′ 36″ O
Höhe: 98 m ü. NN
Fläche: 3,19 km²
Einwohner: 1100 (31. Dez. 2003)
Bevölkerungsdichte: 345 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 37688
Vorwahl: 05273
Karte
Lage von Würgassen in Beverungen

Im Dorf Würgassen leben rund 1.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

 
Blick vom Weser-Skywalk auf Würgassen
 
Würgassen (rechts) und Herstelle (links) in der Monumenta Paderbornensia von 1672

Würgassen liegt im Ostteil von Nordrhein-Westfalen nahe dem Dreiländereck mit Niedersachsen und Hessen im Weserbergland. Es befindet sich rund 3,5 km (Luftlinie) südöstlich der Kernstadt von Beverungen an der Weser und ist neben Lüchtringen der einzige Ort des Kreises Höxter am rechten Ufer der Weser. Gelegen am Südwestrand des Sollings, weswegen es auch den Beinamen „Tor zum Solling“ trägt, breitet es sich an einer alten Weser-Furt direkt westsüdwestlich der eindrucksvollen Hannoverschen Klippen mit dem Weser-Skywalk aus. Jenseits bzw. südlich der Weser liegt der Beverungener Ortsteil Herstelle.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich im Jahre 944 als „Werigise“ bezeugt, bestand Würgassen aber vermutlich schon zu Zeiten Karls des Großen im Augau. 1698 wurde das Schloss in seiner jetzigen Form fertiggestellt, die Kellergewölbe stammen von einem deutlich älteren Gebäude. Die Herkunft des Ortsnamens hat sicher nichts mit der Überlieferung zu tun, Karl der Große habe die Würgasser wegen eines Rückfalles in heidnische Sitten in den „Gassen erwürgen“ lassen, sondern ist wohl eher mit den Begriffen „Wisura“ (Weser) und „Gisen“ (aufbrodeln) in Verbindung zu bringen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Weser bei Würgassen von Felsen durchzogen, die das Wasser unruhig strömen ließen.

Die Einwohner, die nicht in der Landwirtschaft arbeiteten, verdingten sich früher vor allem als Matrosen in der Weserschifffahrt. Seit 1971 waren viele im neu erbauten Kernkraftwerk beschäftigt. Das Kernkraftwerk Würgassen (KWW) war ein Siedewasserreaktor der ersten Generation mit einem Kraftwerksblock[1]. Es wurde in Würgassen innerhalb von drei Jahren erbaut, von 1971 bis zum 26. August 1994 betrieben, dann wegen Haarrissen im Stahlmantel des Reaktorkerns heruntergefahren und am 14. April 1997 endgültig stillgelegt. Siebzehn Jahre lang bis 2014 wurde das Kernkraftwerk für mehr als eine Milliarde Euro rückgebaut, entkernt und von radioaktiver Strahlung befreit. Von 455.000 Tonnen Rückbaumasse fielen etwa 5.000 Tonnen radioaktiver Abfall an. Ein Abriss der verbliebenen Gebäude ist noch nicht möglich, weil sich auf dem Gelände ein Zwischenlager für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall befindet.[2] Die Gebäude könnten zu einem Erdgaskraftwerk umgebaut werden.

Eine Besonderheit ist die Lage rechts der Weser, aufgrund derer Würgassen eigentlich zu Niedersachsen gehören müsste. Ein langer Streit um den Verlauf der Landesgrenze konnte erst 1837 beigelegt werden. Noch heute liegt der Schießstand der Schützenbruderschaft teils auf westfälischem und teils auf niedersächsischem Gebiet.

Am 1. Januar 1970 wurde Würgassen in die Stadt Beverungen eingegliedert.[3]

BauwerkeBearbeiten

 
Schloss Würgassen, Lithographie

Schloss WürgassenBearbeiten

Im Altort Würgassen, direkt an der Weser, befindet sich das Schloss aus dem Jahr 1698, heute ein privat genutzter Gutshof.

St. Michael-KircheBearbeiten

Als sichtbares Zeichen der Christianisierung wurde bereits zur Zeit Karls des Großen eine Kapelle gebaut. Sie wurde im 15. Jahrhundert verwüstet. Erst 1693 wurde eine neue Kapelle gebaut, die dem Heiligen Michael geweiht wurde. Diese Kapelle verfiel in den nächsten Jahrzehnten. 1765 wurde sie erneuert. Nachdem die neue Kapelle zu klein wurde, entstand zwischen 1907 und 1908 die neugotische Kirche.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In Würgassen sind angesiedelt: Holzverarbeitende Betriebe, Energieerzeugung und -verteilung, kunststoffverarbeitende Betriebe, Landwirtschaft, Bau/Handwerk und Handel.

VerkehrBearbeiten

Nächstgelegener Verkehrsflughafen ist der Flughafen Paderborn-Lippstadt.

StraßeBearbeiten

Würgassen liegt an der Bundesstraße 83, die von Bückeburg kommend entlang der Weser nach Bebra führt. Die nächsten Anschlussstellen zu den Bundesautobahnen 7 und 44 sind etwa 40 km entfernt. Entlang der Weser führt der Weserradweg. An den Ort Herstelle ist Würgassen sowohl mit einer Brücke als auch mit einer Weser-Fähre angebunden. Der Anlegepunkt der Fähre befindet sich direkt unterhalb des Hotels Alte Linde.

BahnBearbeiten

Eine Bahnstation an der Sollingbahn (Kursbuchstrecke 356) liegt im Nachbarort Lauenförde, heißt aber wegen der geringen Entfernung zur Stadt Beverungen Bahnhof Lauenförde-Beverungen. Es besteht eine Anbindung im 2-Stunden-Takt in Richtung Ottbergen und Bodenfelde; von Bodenfelde fährt der Zug entweder nach Northeim oder Göttingen. In Ottbergen besteht Anschluss in Richtung Altenbeken, Paderborn und Holzminden. Bis 1984 hatte Würgassen eine eigene Bahnstation.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Würgassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Power Reactor Information System der IAEO: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  2. Hannoversche Allgemeine Zeitung Nr. 242 vom 17. Oktober 2014 Seite 6: Michael B. Berger: "Der Letzte macht das Licht aus. Das erste kommerziell genutzte Atomkraftwerk ist in 17 Jahren mit großer Akribie entkernt worden - Würgassen an der Oberweser."
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 107.