Hauptmenü öffnen

Vogtei (Gemeinde)

Landgemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis, Thüringen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Landgemeinde Vogtei
Vogtei (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Landgemeinde Vogtei hervorgehoben

Koordinaten: 51° 10′ N, 10° 27′ O

Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Erfüllende Gemeinde: für Kammerforst
für Oppershausen
Höhe: 236 m ü. NHN
Fläche: 49,57 km2
Einwohner: 4404 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km2
Postleitzahl: 99986
Vorwahl: 03601
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 075
Landgemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Landgemeindeverwaltung:
Hanfsack 3
99986 OT Oberdorla Gemeinde Vogtei
Website: www.gemeinde-vogtei.de
Bürgermeister: Christian Hecht (parteilos)
Lage der Landgemeinde Vogtei im Unstrut-Hainich-Kreis
AnrodeBad LangensalzaBad LangensalzaBad LangensalzaBad TennstedtBallhausenBlankenburgBothenheilingenBruchstedtDünwaldGroßvargulaHaussömmernHerbslebenHornsömmernIssersheilingenKammerforstKammerforstKirchheilingenKleinwelsbachKörnerKutzlebenMarolterodeMenterodaMittelsömmernMühlhausenNeunheilingenObermehlerOppershausenOppershausenRodebergSchlotheimSchönstedtSüdeichsfeldSundhausenTottlebenUnstrut-HainichUnstruttalUrlebenVogteiKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Vogtei ist eine Landgemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Im Gemeindegebiet befindet sich der geografische Mittelpunkt Deutschlands. Der Name der Landgemeinde ist von der Vogtei Dorla abgeleitet, der historischen Landschaftsbezeichnung für das heutige Gemeindegebiet.

GeografieBearbeiten

 
Kaiserlinde und Mittelpunktstein in Niederdorla
 
Mittelpunktstein in Niederdorla

Vogtei liegt im Süden des Unstrut-Hainich-Kreises südlich der Kreisstadt Mühlhausen am Nordrand des Hainich. Die Verkehrsanbindung erfolgt über die L 1016 zwischen Mühlhausen und Eisenach. Die Mühlhäuser Straße (L 2104) führt vom Abzweig am ehemaligen Gunzelhof zwischen den Ortsteilen Ober- und Niederdorla in westliche Richtung nach Heyerode.

LandgemeindegliederungBearbeiten

Die Landgemeinde besteht aus den drei Ortsteilen Oberdorla, Niederdorla und Langula. Darüber hinaus ist Vogtei erfüllende Gemeinde für Kammerforst und Oppershausen.[2] Alle fünf Orte waren zuvor in der Verwaltungsgemeinschaft Vogtei zusammengeschlossen.

NachbargemeindenBearbeiten

An das Gemeindegebiet grenzen Rodeberg und Mühlhausen/Thüringen im Norden, Oppershausen und Kammerforst im Süden, die im Wartburgkreis gelegenen Gemeinden Nazza und Hallungen im Südwesten sowie der Ortsteil Heyerode der Landgemeinde Südeichsfeld im Westen. An der Flurgrenze zu Heyerode befindet sich im Zuge der Landesstraße 2104 das Grenzhaus Heyerode als historischer westlicher Grenzpunkt der Vogtei Dorla mit dem Gebiet des Eichsfeldes.

Mittelpunkt DeutschlandsBearbeiten

Passt man die Grenzen Deutschlands in ein Gebiet zwischen den jeweils äußersten Breiten- und Längengraden ein (Rechteckmethode), so liegt der Mittelpunkt Deutschlands in der Gemarkung des Ortsteils Niederdorla etwa 500 m nördlich des Ortskerns und etwa 1000 m östlich des ehemaligen Bahnhofs Oberdorla bei 51° 9′ 48,2″ N, 10° 26′ 51,7″ O. Dieser Mittelpunkt hat als Koordinaten die Mittelwerte der Koordinaten des nördlichsten und südlichsten, sowie des östlichsten und westlichsten Punktes.

GewässerBearbeiten

Westlich von Oberdorla befinden sich die ErdfallquellenKainspring“, „Melchiorbrunnen“ und der Dittelhainsbrunnen. Der Spittelbrunnen ist eine episodisch auftretende Quelle, hier befand sich eine mittelalterliche Dorfstelle Sprudelborn. Das einstige Opfermoor ist ein nach dem Ende des Torfabbaus wieder erstandenes Gewässer, es war ursprünglich eine ausgedehnte, wassergefüllte und schrittweise verlandete Senke im Norden des Gemeindegebietes.

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte der drei Orte Oberdorla, Niederdorla und Langula ist seit der Frühzeit miteinander verknüpft: 1123 richtete der Mainzer Erzbischof in Dorla eine Propstei ein; die landwirtschaftlichen Güter und Besitzungen des Stiftes Dorla wurden in der Vogtei Dorla zusammengefasst, zu der neben einigen Wüstungen die heutigen Orte Oberdorla, Langula und Niederdorla gehörten. Der Wormser Bischof Emmerich von Schöneck († 1318) amtierte ab 1280 hier als Stiftspropst.[3]

Von 1785 bis 1786 kam es zum Gang der Vogteier nach Wien, um Kaiser Joseph II. persönlich eine Bittschrift zur Regelung der Territorialfrage der Vogtei Dorla zu übergeben.

Die drei Orte gehörten ab 1816 zum Landkreis Mühlhausen i. Th. in der preußischen Provinz Sachsen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Region in der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der DDR. 1950 wurde das heutige Gemeindegebiet Teil des Kreises Mühlhausen, welcher 1994 im Unstrut-Hainich-Kreis aufging.

Von 1911 bis 1969 hatten Oberdorla und Langula Bahnhöfe an der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt, die über den Hainich hinweg Mühlhausen mit dem Werratal verband.

Seit 1994 arbeiteten die Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft Vogtei zusammen, zu der auch Kammerforst und Oppershausen gehörten. 2011 wurden Bestrebungen aufgenommen, die Verwaltungsgemeinschaft in eine Landgemeinde zu überführen.[4] Die Gemeinderäte von Kammerforst und Oppershausen sprachen sich gegen den Beitritt zur Landgemeinde aus,[5] so dass diese am 31. Dezember 2012 aus den Orten Oberdorla, Niederdorla und Langula gebildet wurde.[2]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
2012 4.452
2013 4.427
2014 4.439
2015 4.398
2016 4.405
2017 4.415
Jahr Einwohner
2018 4.404

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Am 17. März 2019 wurde Christian Hecht (parteilos) mit 51,9 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.[6] Er löste Winfried Bötticher (SPD) ab, der seit 2013 im Amt war.

WappenBearbeiten

Blasonierung:„In Silber aus einem grünen Dreieck im Schildfuß wachsend drei grüne Kleeblätter.“

Begründung:Das 2016 genehmigte Wappen basiert auf dem ältesten gefundenen Wappen der Vogtei aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Jedes der drei Kleeblätter steht für ein Dorf der Vogtei. Das Dreieck im Schildfuß (Berg) steht für den Hainich und für die gemeinsamen Wurzeln der drei Ortsteile Langula, Niederdorla und Oberdorla.

GemeinderatBearbeiten

Die erste Gemeinderatswahl am 14. April 2013 führte zu folgendem Ergebnis:[7]

Parteien und Wählergemeinschaften '%
2019
Sitze
2019
%
2013
Sitze
2013
Gemeinderatswahl 2019
Wahlbeteiligung: 60,2 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,8 %
16,6 %
24,6 %
BLV
BLV Bürgerliste Vogtei 58,8 9 44,0 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,6 3 37,6 6
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,4 3
FWV Freie Wähler Vogtei 24,6 4
Gesamt 100 16 100 16
Wahlbeteiligung 60,2 % 45,6 %

Bauwerke und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Die evangelische Kirche Sankt Peter und Paul in Oberdorla
 
Dorfanger in Oberdorla
 
Die Mallinden im Herbst 2006
 
Das Opfermoor
  • Dorfanger Oberdorla, mit einem halben Hektar Fläche größter Dorfanger Thüringens mit Gerichtstisch, Gefallenendenkmal und Denkmal für den Gang der Vogteier aus dem Jahre 1886
  • romanische Stiftskirche Sankt Peter und Paul in Oberdorla
  • St.-Johannes-Kirche in Niederdorla
  • Mittelpunkt Deutschlands mit Gedenkstein
  • Mallinden – ein mittelalterlicher Gerichtsplatz, bestehend aus drei alten Lindenbäumen
  • Kultstätten im Opfermoor Niederdorla
  • Fickentor in Niederdorla – eines der letzten erhaltenen Dorftore Thüringens
  • Hainich

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Matthias Weckmann, (* um 1616 in Niederdorla; † 1674 in Hamburg) Organist und Komponist
  • Fritz Janson (* 1885 in Langula; † 1946 in Höngeda), Kommunalpolitiker und Oberbürgermeister der Stadt Eisenach
  • Jörg Hofmann (* 1939 in Langula), ehemaliger Hochschullehrer für Geige

WeblinksBearbeiten

  Commons: Vogtei (Thuringia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. a b § 10 Thüringer Gesetz zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2012 vom 11. Dezember 2012 (GVBl. S. 446).
  3. Burkhard Keilmann: Das Bistum vom Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit. In: Friedhelm Jürgensmeier (Hrsg.): Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801 (= Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte. 5). Echter, Würzburg 1997, ISBN 3-429-01876-5, S. 44–193, hier S. 88–91.
  4. Matthias Schenke: Verwaltungsgemeinschaft Vogtei will Landgemeinde werden. In: Thüringer Allgemeine, vom 21. Juli 2011.
  5. Claudia Bachmann: In der Vogtei wird aus drei Dörfern die zweite Landgemeinde gebildet. In: Thüringer Allgemeine, vom 27. November 2012.
  6. Bürgermeisterwahlen in Thüringen.
  7. Vogtei. Gemeinderatswahl 14.04.2013 – Endgültiges Ergebnis.