Hauptmenü öffnen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Stockelsdorf
Stockelsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Stockelsdorf hervorgehoben
Koordinaten: 53° 53′ N, 10° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Ostholstein
Höhe: 18 m ü. NHN
Fläche: 56,7 km2
Einwohner: 16.926 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 299 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 23612, 23617
Vorwahlen: 04504, 04505, 04506, 0451
Kfz-Kennzeichen: OH
Gemeindeschlüssel: 01 0 55 040
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ahrensböker Straße 7
23617 Stockelsdorf
Website: stockelsdorf.de
Bürgermeisterin: Julia Samtleben (SPD)
Lage der Gemeinde Stockelsdorf im Kreis Ostholstein
AhrensbökAltenkrempeBad SchwartauBeschendorfBosauDahme (Holstein)DamlosEutinFehmarnGöhlGremersdorfGrömitzGroßenbrodeGrubeHarmsdorfHeiligenhafenHeringsdorfKabelhorstKasseedorfKellenhusenLensahnMalenteManhagenNeukirchenNeustadt in HolsteinOldenburg in HolsteinRatekauRiepsdorfScharbeutzSchashagenSchönwalde am BungsbergSierksdorfStockelsdorfSüselTimmendorfer StrandWangelsSchleswig-HolsteinKarte
Über dieses Bild
Luftbild Stockelsdorf, im Hintergrund die Türme der Stadt Lübeck

Stockelsdorf ist eine amtsfreie Gemeinde im Kreis Ostholstein, Schleswig-Holstein. Stockelsdorf liegt unmittelbar an der nördlichen Stadtgrenze zur Hansestadt Lübeck und bildet mit dieser und der östlich angrenzenden Stadt Bad Schwartau eine Agglomeration. Zur Gemeinde gehören neben dem gleichnamigen Kernort die Dorfschaften Arfrade, Curau, Dissau, Eckhorst, Horsdorf, Klein Parin, Krumbeck, Malkendorf, Obernwohlde und Pohnsdorf als Ortsteile. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Stockelsdorf nach Henstedt-Ulzburg die zweitgrößte Gemeinde ohne Stadtrechte in Schleswig-Holstein.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und VerkehrBearbeiten

Stockelsdorf liegt nördlich von Lübeck und an der Landesstraße 332 (ehemals Bundesstraße 206). Von Stockelsdorf führen Stadtbuslinien des Stadtverkehr Lübeck (SL) nach Lübeck und Bad Schwartau, außerdem wird Stockelsdorf von Regionalbuslinien der Autokraft bedient.

Von 1916 bis 1967 war Stockelsdorf Bahnstation der Lübeck-Segeberger Eisenbahn.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wird Stockelsdorf im Jahr 1320. Da hier bereits von einem Dorf die Rede ist (villa), das sich in ritterschaftlichem Besitz befindet, müssen die Ursprünge des Ortes deutlich früher liegen.

Historische QuelleBearbeiten

In einer Urkunde vom 25. Februar 1320 (ausgestellt in Hamburg) genehmigen gleich 3(!) holsteinische Grafen, nämlich Graf Adolph VII. und seine Vettern, die Grafen Gerhard III. (der Große) und Johann III. (der Milde), den Verkauf der villam stochelstorpe von dem Ritter Burchard von Otteshude (Borchardus de Otteshudhe) an den Lübecker Bürger Emelrich Pape (Emelrico dicto Papen). Bereits 1333 erwirbt der spätere Lübecker Bürgermeister Bertram Vorrade Stockelsdorf.

Weitere EntwicklungBearbeiten

Weitere Lübecker Adlige gelangten später in den Besitz des Gutes (v. Brömbsen, v. Höveln, v. Calven, v. Dame). 1925 wurde das Gut von der Witwe des letzten Besitzers (Major Lembcke) aufgelöst. 1534 wurde ein Holstein betreffender Teilfrieden der Grafenfehde, der Frieden von Stockelsdorf hier vor den Toren der Hansestadt vereinbart. Bis zum Groß-Hamburg-Gesetz 1937 gehörte Stockelsdorf zum Freistaat Oldenburg (Landesteil Lübeck). Die Ortsteile Dissau, Malkendorf und Krumbek sowie ein halber Anteil von Curau waren bis zu diesem Zeitpunkt als Exklaven Teile der Hansestadt Lübeck. Es gibt im Zentralort zwei denkmalgeschützte Gebäude: die Stockelsdorfer Kirche von 1903 und das Herrenhaus Stockelsdorf, von 1761, das kürzlich renoviert wurde und heute den Bürgersaal beherbergt. Zusätzlich wird derzeit wieder versucht, hier einen Restaurationsbetrieb zu etablieren, nachdem ein erster Versuch im Jahr 2005 gescheitert war. Die 1839 erbaute Zollscheune am Landgraben, der die lübsche Grenze darstellte, ist 1968 dem Ausbau der Bundesstraße 206 nach Bad Segeberg zum Opfer gefallen.

Stockelsdorfer FayencenBearbeiten

Auf dem Gutsgelände des Herrenhauses Stockelsdorf wurde vom Gutsbesitzer Georg Nicolaus Lübbers im Jahr 1772 eine Fayencen-Manufaktur gegründet. Direktor wurde der sehr erfahrene Johann Georg Buchwald, der bereits vorher in Eckernförde (1765) und Kiel (1768) ähnliche Fabriken geleitet hatte. Die qualitätsvollen Arbeiten der Stockelsdorfer Fayencemanufaktur sind teilweise heute noch erhalten und im St.-Annen-Kloster wie im Behnhaus in Lübeck ausgestellt, unter anderem ein Ofen. Wegen des großen Widerstandes der Lübecker Töpfer und der einsetzenden Einfuhr von billigem englischem Steingut musste die Manufaktur bereits 1786 wieder geschlossen werden.[2] Direktor Buchwald wurde kurz darauf in Bad Schwartau ansässig und begann eine Produktion von Tonwaren auf eigene Kosten, die jedoch nicht sehr erfolgreich war.[3]

Jüdische GemeindeBearbeiten

Im 18. Jahrhundert hatte man – nach Moislinger Vorbild – den Juden Niederlassungsrecht gewährt. 1799 wird der jüdische Friedhof erwähnt – die jüdische Schule wurde 1840 von 18 Kindern besucht.

Historische OrtsteileBearbeiten

MoriBearbeiten

 
Plessing’sches Gutshaus

Mori ist ein ehemaliges lübsches Gut und wird 1333 erstmals erwähnt. Zunächst als Neuhof (nyger hof); im Jahre 1410 als to der murryen (morrien). Besitzer war Bertram Vorrad – später sein Vetter Tiedemann Vorrad. Als dieser 1385 ohne Erben starb, musste der Hof verkauft werden. Nach langem Erbschaftsstreit erwarb ihn 1410 Wilhelm von Calven. Bis 1528 gehörte Mori als Meierhof zum Gut Stockelsdorf, dann teilten sich van Calvens Enkel die Höfe. 1636 konnte die Familie den Hof nicht mehr halten, nachdem ein Schwager von dort aus Straßenräuberei betrieben hatte und dafür in Lübeck hingerichtet worden war.[4] Der Käufer des heruntergekommenen Hofes, der Lübecker Ratsherr Adrian Müller, ließ ein neues Herrenhaus im Stil der Renaissance mit Bergfried als Schutz der Dorfbewohner im Dreißigjährigen Krieg errichten. Dessen Sohn ließ eine Kapelle bauen, die bis 1821 bestand. Später gehörte das Gut u. a. Anton von Lüneburg. Nach mehreren weiteren Besitzerwechseln gelangte Mori in das Eigentum der Plessings. Der kgl. bayr. Konsul in Lübeck, Carl Theodor Plessing, ließ das alte Herrenhaus ab 1900 wieder bewohnbar machen und bewirtschaftete das Gut bis zum Kriege. Nach dem Krieg übergab er es seinem Sohn und zog in die Hansestadt. Das bereits im 19. Jahrhundert parzellierte Gut wurde 1934 aufgelöst und gelangte in den Besitz des Landes Schleswig-Holstein. Mori wurde ab den 1950er Jahren als Seniorenwohnheim genutzt (Morierhof). Das Grundstück mit dem Herrenhaus liegt heute (nach der Gebietsreform von 1970) wenige Meter außerhalb der Stockelsdorfer Gemeindegrenze und gehört zum Lübecker Stadtteil Groß Steinrade.

FackenburgBearbeiten

Fackenburg ist die Gegend zwischen Segeberger und Morier Straße. 1751 erhielt der Verwalter von Mori, Philibert Fack, von dem Gutsbesitzer von Albedyll etwas Land sowie Brau- und Brennereirechte. Man versprach sich gute Umsätze wegen der unmittelbaren Lage an der Lübecker Stadtgrenze, die durch den Fackenburger Landgraben markiert ist. Das Anwesen wurde schon bald (Genitiv und etwas französelnd) Facken(s) Bourg genannt. Es entwickelte sich zu einem betriebsamen Handelsplatz, an dem nicht nur Bier, sondern auch Waren aller Art angeboten wurden. Von den Lübeckern wurde Fackenburg wegen der günstigen Preise gern genutzt, da hier die strengen Zunftbestimmungen, wie sie innerhalb der Lübecker Stadtmauern herrschten, nicht galten. Die Fackenburger Allee im Anschluss an die Krempelsdorfer Allee erinnert noch heute an diese Zeiten.

RavensbuschBearbeiten

Ravensbusch ist eine Wohnhaussiedlung zum Gut Mori gehörig. Zunächst nur einzelne Katen, später auch Mehrfamilienhäuser. Ravensbusch wurde schon früh Standort einer Schule (s. Schulweg). Das heutige Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1907.

MarientalBearbeiten

Dieser Siedlungskern geht vermutlich zurück auf Maria Catharina von Lübbers, Ehefrau des Georg Nicolaus von Lübbers, der 1761 das Gut Stockelsdorf erwarb. Lübbers gilt als Gründer und großer Förderer der Fayencen-Herstellung in Stockelsdorf (s. oben).

HolzkampBearbeiten

Der Hof Holzkamp gehörte als Pertinenz zum Gut Mori. Er war Stapelplatz für das nach Lübeck bestimmte Brennholz.[5] Holzkamp hat eine besondere Bedeutung in der Geschichte der Mennoniten in Schleswig-Holstein. Geerlinck Roosen pachtete Holzkamp 1566 von dem damaligen Gutsherrn auf Mori Thomas von Calven.[6] Neben Landwirtschaft betrieb er hier Pulvermacherei. Die Familie Roosen blieb über 100 Jahre auf Holzkamp. In Altona (siehe Gerrit Roosen) spielte sie eine große Rolle im Handel und in der mennonitischen Gemeinde.

Heute ist Holzkamp Teil des Mischgebiets Brandenbrook/Holzkamp. Hier sind Gewerbeflächen und Wohnbebauung entstanden.[7]

KrumbeckBearbeiten

Der Krumbecker Hof (180 ha), 1937 nach Stockelsdorf eingemeindet, gehört seit über 600 Jahren der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck. 1986 beschloss die Lübecker Bürgerschaft, dass die Güter der Stiftung nur noch nach den Grundsätzen des Ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden sollen. Auf dem Krumbecker Hof geschieht das seit 2004 nach den Demeter-Richtlinien. Zum Hof gehört eine denkmalgeschützte Durchfahrtscheune, die heute als Kulturscheune genutzt wird.[8]

GegenwartBearbeiten

Heute ist Stockelsdorf eine Großgemeinde mit zehn Außendörfern und insgesamt über 16.000 Einwohnern. Die Gemeinde hat zwei evangelisch-lutherische Kirchen: eine im Zentralort Stockelsdorf und eine in Curau. Stockelsdorf ist durch Buslinien der Stadtverkehr Lübeck GmbH angebunden. In zwei Industriegebieten werden diverse Gewerbe betrieben. Auch eine der größten Diskotheken Schleswig-Holsteins (der „MegaParc“ Lübeck, ehemals namentlich bekannt unter Atrium Lübeck und Abaco) war dort angesiedelt. Der Ausbau der Bundesautobahn 20 vom Kreuz Lübeck in Richtung Bad Segeberg ist erfolgt, die Anschlussstelle Geschendorf westlich von Stockelsdorf wurde am 28. Juli 2009 dem Verkehr übergeben.

SchulenBearbeiten

  • Grundschulen
    • Grundschule Ravensbusch, Segeberger Straße (eröffnet 1907), 207 Schüler in 8 Klassen
    • Gerhart-Hauptmann-Grundschule, Breslauer Straße (eröffnet 1969), 193 Schüler in 9 Klassen
    • Erich-Kästner-Grundschule, Dorfstraße (eröffnet 1991), 206 Schüler in 8 Klassen
  • Gemeinschaftsschule
    • Gerhard Hilgendorf Gemeinschaftsschule Stockelsdorf, Rensefelder Weg, (ex Realschule Stockelsdorf (eröffnet 1976)), 579 Schüler in 25 Klassen

Schülerzahlen aus dem Schuljahr 2018/2019.[9]

KirchenBearbeiten

 
Die Curauer Kirche in Curau

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte Stockelsdorf zum Kirchspiel Rensefeld.

Seit 1969 gibt es in Stockelsdorf zwei ev.-luth. Kirchengemeinden:

  • Stockelsdorf I
  • Stockelsdorf II (Stockelsdorf-Mori mit Mori, Eckhorst, Gr. Steinrade, Bohnrade und Bargerbrück)

Sie nutzen gemeinsam die Stockelsdorfer Kirche.

SportBearbeiten

Der Allgemeine Turn- und Sportverein (ATSV) Stockelsdorf von 1894 e. V. bietet verschiedene Sportarten an, dazu gehören Fußball, Handball, Bogenschießen, Tennis, Gymnastik, Gerätturnen und Leistungsturnen.[10]

TelekommunikationBearbeiten

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindewahl am 6. Mai 2018 führte zu folgendem Ergebnis:

Gemeindewahl Stockelsdorf 2018
 %
50
40
30
20
10
0
41,2 %
26,9 %
12,9 %
8,3 %
6,8 %
3,9 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f Bündnis für Bürger Schleswig-Holstein
Sitzverteilung seit 2018 in Stockelsdorf
8
4
2
2
12
1
12 
Insgesamt 29 Sitze

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau ein Bündel von drei goldenen, mit der Spitze nach oben gerichteten Pfeilen, überhöht von drei goldenen sechsstrahligen Sternen.“[11]

PartnerstädteBearbeiten

Die Kirchengemeinde pflegt Partnerschaften mit Tansania und Rumänien.

PersönlichkeitenBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Der in Lübeck geborene Autor und Rückwärtssprecher Bernhard Wolff entdeckte sein Talent zum kreativen Umgang mit Sprache als Zehnjähriger am Ortsschild von Stockelsdorf, das für ihn rückwärts gelesen als frodslekcots viel interessanter klang.[12]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Stockelsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2018 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Annaluise Höppner: Lübeck. Eine Hansestadt macht Geschichte. Weiland-Verlag. Lübeck 1986, ISBN 3-87890-060-0.
  3. Max Steen: Alt Schwartau - Geschichte und Geschichten. Verlag Gustav Weiland, Lübeck 1980 (2. Aufl.)
  4. Chronik von Mori
  5. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten. 2. Abtheilung, 1. Band (1845) in der Google-Buchsuche, Naumburg 1845, S. 672 f.
  6. B. C. Roosen: Geschichte der Mennoniten-Gemeinde zu Hamburg und Altona. Band 1, Hamburg 1886, S. 22
  7. Gemeinde Stockelsdorf: Wirtschaft
  8. Bodo Fabian: Der Krumbecker Hof – eine lübsche Geschichte. In: Lübeckische Blätter 184 (2019), Heft 13 (Digitalisat), S. 214f
  9. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Verzeichnis der allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein 2018/2019
  10. Website des ATSV Stockelsdorf von 1894 e. V.
  11. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  12. Heike Dierbach: Das ßolhcsdarrhaf - Der Hamburger Bernhard Wolff ist Rückwärtssprecher und Gedächtniskünstler