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Rasephas ist ein Stadtteil der thüringischen Kreisstadt Altenburg. Er befindet sich nordöstlich der Innenstadt etwas nördlich des Bahnhofes. Geprägt wird der Stadtteil durch die historische Eisenbahnersiedlung und dörfliche Strukturen. Bekanntheit erlangte der Ort durch den hier von 1937 bis 1945 ansässigen Rüstungskonzern HASAG.

Rasephas
Stadt Altenburg
Koordinaten: 51° 0′ 31″ N, 12° 26′ 26″ O
Höhe: 170–193 m ü. NN
Fläche: 2,21 km²
Einwohner: 570 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte: 258 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1922
Postleitzahl: 04600
Vorwahl: 03447
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Über dieses Bild
Lage von Rasephas in der Stadt Altenburg

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Rasephas ist der nördlichste direkt in das Stadtgebiet übergehende Stadtteil. Im Westen schließt sich noch Zschernitzsch an, im Norden liegen die Ortsteile Knau und Unterzetzscha, im Osten befindet sich der Stadtteil Poschwitz und im Süden grenzen Kauerndorf und Unterm Berge an. Die Blaue Flut durchfließt den Stadtteil.

GeschichteBearbeiten

 
Historischer denkmalgeschützter Vierseithof von 1836

Ein Gasthof in Rasephas wurde erstmals 1722 erwähnt. Im Jahr 1945 übernahm die Deutsche Reichsbahn das Gebäude und führte es bis 1992 als Kulturhaus der Eisenbahner weiter, darin waren neben der Gaststätte auch Vereine untergebracht. Dieses als Eisenbahnerheim bekannte Gebäude beherbergt heute eine Art Fitnessstudio. Politisch gehörte Rasephas zum wettinischen Amt Altenburg,[1][2] welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam der Ort wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte er bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900)[3] bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900).[4] Das Dorf gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging.

Rasephas wurde genau wie Drescha, Kauerndorf und Zschernitzsch am 1. Oktober 1922 von Altenburg eingemeindet. Der Ort besaß, ähnlich wie Zschernitzsch, einen Eisenbahnhaltepunkt mit Namen Altenburg-Rasephas an der Bahnstrecke nach Zeitz, die am 14. Dezember 2002 aufgegeben wurde. Aufgrund dieser Tatsache siedelte sich 1937 und 1938 der Rüstungskonzern HASAG an, der hier Munition produzierte und ein Außenkommando des KZ Buchenwald war. Für ihre Mitarbeiter wurde sogar ein Freibad angelegt, welches allerdings 2009 aus finanziellen Gründen geschlossen wurde. Der Betriebsteil Altenburg/Nord wurde zum Größten des Konzerns, so wurden 1944 8736 Menschen beschäftigt, darunter auch viele Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Am 7. Oktober 1944 sollte das Werk bombardiert werden, die Bomben verfehlten es allerdings und trafen den Ort, sieben Menschen starben. Das Gelände befindet sich zwischen Zschernitzsch und Rasephas und wurde am 17. März 1945 bombardiert, der Ort blieb unversehrt. Am 12. April 1945 traten 2943 Häftlinge einen Todesmarsch in Richtung Waldenburg an, geplant war es sie ab Karlsbad in Vernichtungslager zu transportieren. Zwei Tage später wurde das Lager von US-amerikanischen Truppen befreit.[5][6] Heute befindet sich auf diesem Gelände das Gewerbegebiet Poststraße direkt an der B180.

Mit der ersten Kreisreform der DDR im Jahr 1950 kam Rasephas als Stadtteil von Altenburg zum Landkreis Altenburg. Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam Rasephas mit dem Kreis Altenburg an den Bezirk Leipzig, der seit 1990 als Landkreis Altenburg zu Thüringen gehörte und 1994 im Landkreis Altenburger Land aufging.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1922 12001
2000 686
2004 595
2009 570

Jeweils am 31. Dezember[7], außer 1, am Tag der Eingemeindung -->

EisenbahnersiedlungBearbeiten

 
Ein Haus der Eisenbahnersiedlung
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Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Das historische Wachstum des Ortes fand verstärkt in den Jahren 1922 bis 1926 statt, als die Eisenbahnersiedlung angelegt wurde, sie umfasst insgesamt 32 Gebäude. Die Siedlung wurde im Jahr der Eingemeindung in die Stadt Altenburg angelegt und wurde notwendig, da der dortige Zugverkehr mehr und mehr an Bedeutung gewann, was die vier Stellwerke auf Rasephaser Gemarkung beweisen. Historisch besonders wertvoll, weil es sich um Thüringens einzig erhaltene Gartenstadtanlage handelt, die Gärten dienten auch zur Selbstversorgung. Das ist der Grund, warum es im Jahre 2011 zu einem Politikum kam. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie verbietet es, die Gärten zu Parkzwecken zu nutzen, weshalb eine Stellplatznot herrscht. Die Behörde will die derzeitige Zahl von 65 auf 86 erhöhen, allerdings werden laut Stadtverwaltung mindestens 151 Stellflächen benötigt.[8][9]

VerkehrBearbeiten

Die ehemalige B 93 und die B 7 verliefen durch den Stadtteil bis die dafür gebaute Ortsumgehung von Altenburg eingeweiht wurde. Die B 180 verläuft heute noch durch den Stadtteil. Rasephas besaß zwischen 1940 und 2002 einen Eisenbahnhaltepunkt an der Bahnstrecke Zeitz–Altenburg.

KircheBearbeiten

 
Die Sankt-Katharina-Kirche

Rasephas besitzt eine von sieben Pfarrkirchen im Altenburger Stadtgebiet, die um 1450 erbaut wurde und zudem Kulturdenkmal ist. Reste eines romanischen Vorgängerbaues aus dem 12. Jahrhundert sind vorhanden, allerdings wurde das Turmoberteil im 17. Jahrhundert im barocken Stil umgebaut. Zur Ausstattung gehören ein Taufstein von 1416, eine Kanzel von 1650 sowie eine Holzfigur der Heiligen Katharina aus der Zeit um 1500.[10]

Weitere EinzeldenkmaleBearbeiten

Im Stadtteil Rasephas befinden sich neben dem Denkmalensemble Eisenbahnersiedlung und der Kirche weitere Kulturdenkmäler, so ein Altenburger Vierseithof von 1836, der Pfarrhof, der Wasserturm Rasephas/Knau und verschiedene Stellwerke des Bahnbetriebsgeländes: Stellwerk W1 Rasephas/Unterzetzscha, Stellwerk B2 Betriebswerk Rasephas, Stellwerk W3 Verschiebebahnhof Rasephas sowie Stellwerk W4 Verschiebebahnhof Rasephas.

Söhne und TöchterBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rasephas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Das Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, ab S. 201
  2. Die Orte des Amts Altenburg ab S.83
  3. Der Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Das Landratsamt Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Altenburger Zeitzeuge von November 2011
  6. D. Blaas, C. Brumme, F. Otto Die HASAG in Altenburg Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge des Außenlagers Buchenwald im Rüstungskonzern S. Sell Heimatverlag Altenburg 2009
  7. Statistische Jahrbücher der Stadt Altenburg
  8. Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 23. November 2011
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.wochenspiegel-abg.deTV Altenburg vom 17. November 2011
  10. Website der Kirchgemeinde, abgerufen am 5. Februar 2016