Personenkilometer

Personenkilometer oder Passagierkilometer (Pkm) ist bei der Ortsveränderung von Personen bzw. Passagieren eine Maßeinheit für die Transportleistung oder Verkehrsleistung. Sie bemisst sich als Produkt der beförderten Personen bzw. Passagiere und der dabei zurückgelegten Entfernung (Abstand von Start- und Zielort) in Kilometern (km). Diese Größe findet Eingang in die wirtschaftlichen und statistischen Erhebungen von Verkehrsunternehmen, -verbünden und von Staaten.

In Staaten, in denen das metrische System nicht geläufig ist (z. B. USA, Großbritannien, Liberia u. a.), wird statt des Personen- oder Passagierkilometers mit Passagiermeilen gerechnet.

Die Summe von Personen kann abweichend davon bei der Ermittlung der Zuladung durch ein statistisch ermitteltes Durchschnittsgewicht je Person berücksichtigt werden; die Verkehrsleistung wird dann in Tonnenkilometer bemessen.

Kommerzielle BedeutungBearbeiten

Personenkilometer ist eine allgemeine Maßeinheit für die zu erbringende Transportleistung von Personen, unabhängig davon, zu welchem Zweck und auf welche Art die Ortsveränderung erfolgt. Bedeutung erlangt diese Einheit vor allem im kommerziellen Personenverkehr. Im deutschsprachigen Raum wurde Personenkilometer auch für beförderte Passagiere verwendet, das deutsche Personenbeförderungsgesetz spricht im öffentlichen Personenverkehr ebenfalls von „Personen-Kilometern“.[1]

Mit der Globalisierung und unter maßgeblichem Einfluss des internationalen Flugverkehrs wird zunehmend der Begriff Passagierkilometer verwendet.

Der Personen- oder Passagierkilometer ist eine der bedeutendsten Kennzahlen im Personenverkehr. Er ist nicht nur ein Maß für die Planung, Durchführung, Abrechnung und Statistik kommerziell erbrachter Beförderungsleistungen, sondern ist eine ökonomisch wichtige Größe, denn aus ihr können die erzielbaren Transporterlöse ermittelt werden. Abgekürzt wird dieser Wert mit Pkm (deutsch) bzw. RPK für Revenue Passenger Kilometers (englisch), also die Kilometer der ertragbringenden Passagiere (ausgelastete Passagierkilometer), wobei gratis oder sehr billig zu befördernde Personen, wie z. B. Säuglinge oder Kinder bis zu einem bestimmten Alter, nicht miteinbezogen werden.

Man unterscheidet ferner

  • die angebotene Beförderungsleistung (PKO, englisch passenger kilometers offered) und
  • die tatsächlich erbrachte Beförderungsleistung (PKT, englisch passenger kilometers transported).
  • Eine andere gängige Bezeichnung für die angebotene Beförderungsleistung ist SKO (englisch seat kilometers offered).[2]

Da die gefahrenen oder geflogenen Kilometer häufig in Tarifen bepreist werden, ergibt sich der Preis (Gegenleistung des Kunden für die Beförderungsleistung) aus dem Produkt aus Anzahl der Passagiere mal Tarifkilometerpreis.

Unterscheidung Personenkilometer/PassagierkilometerBearbeiten

Im engeren Sinne ist der Passagierkilometer als Maßeinheit nur im kommerziellen Personenverkehr sinnvoll. Er spiegelt die für Passagiere erbrachte Leistung eines befördernden Verkehrsunternehmens wider. Bezogen auf Passagiere (Fahrgäste, Kunden) sind Passagierkilometer und Personenkilometer identisch. Für die dennoch mögliche physikalische Unterscheidung beider Begriffe allerdings können folgende, vereinfachte Beispiele dienen:

Ein Flugzeug kann maximal einhundert Fluggäste 10.000 km weit befördern

Verkehrsleistung (allgemein): 6-köpfige Crew + 100 Kunden mal 10.000 km ergibt 1.060.000 Personenkilometer, für die das Flugzeug als Beförderungsmaschine an Tragkraft und Treibstoff zusätzlich zum Eigengewicht bemessen sein muss. Passagierleistung (kommerziell): 100 Kunden mal 10.000 km ergibt demgegenüber beim selben Flug 1.000.000 Passagierkilometer, für die das Verkehrsunternehmen maximal Erträge erwarten kann.

Noch ungünstiger ist das Verhältnis bei einem Fahrradtaxi für zwei Fahrgäste

Der Fahrer muss bei einem Weg von 1000 m drei Personen befördern, die Leistung beträgt 3 Personenkilometer, erlöswirksam sind aber höchstens 2 Passagierkilometer.

Besonderheiten im FlugverkehrBearbeiten

Zur Ermittlung der Passagierkilometer (auch Sitzkilometer oder englisch Revenue Passenger Kilometers) wird die Distanz zwischen zwei Orten theoretisch festgelegt, Umwege also ignoriert. Im globalen Verkehr wird zur Ermittlung dieser Distanz die Orthodrome (Großkreisentfernung) verwendet, also die kürzeste Verbindung zweier Punkte auf der Erdoberfläche. Weil das naturgemäß auf ein Jahr gerechnet eine riesige Zahl ergibt, wird sie in Millionen oder Milliarden angegeben. Es werden nur die zahlenden Passagiere eingerechnet.

Passagierkilometer werden in der Praxis dazu benutzt, um Fluggesellschaften miteinander zu vergleichen. Sie gelten als deutlich aussagekräftiger als andere Größen, wie z. B. Umsatz, Flottengröße oder Anzahl der Zielflughäfen. Nach Passagierkilometern gemessen waren in den letzten Jahren abwechselnd die US-Fluggesellschaften American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines mit erheblichem Abstand die größten Fluggesellschaften der Welt.

StatistikBearbeiten

In Statistiken spielt die Messzahl der Personenkilometer beispielsweise eine Rolle, wenn die verschiedenen Fahrtzwecke untersucht werden. So ist in Deutschland der Berufsverkehr ein wichtiger Bestandteil des Individualverkehrs und weist nach dem Urlaubs- und Freizeitverkehr den zweithöchsten Anteil am Personenverkehrsaufwand (gemessen in Personenkilometer) auf:[3]

Personenverkehrsaufwand nach Fahrzweck
(in Milliarden Personenkilometern)
2003 2017
Urlaubs- und Freizeitverkehr 43,6 % 38,9 %
Berufs- und Ausbildungsverkehr 20,4 % % 20,5 %
Einkaufsverkehr 17,2 % 15,8 %
Geschäfts- und Dienstreiseverkehr 12,5 % 20,2 %
Begleitfahrten 5,2 % 4,6 %

Danach ist der Urlaubs- und Freizeitverkehr zwar immer noch führend, doch hat der Geschäfts- und Dienstreiseverkehr seinen Anteil stark erhöht. Die anderen Verkehre haben sich kaum verändert.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. z. B. im § 45 a Abs. 2 Satz 1 PbefG (PDF; 141 kB) aufgerufen 29. Januar 2009
  2. Verkehrswerkstatt Lexikon (Memento des Originals vom 31. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schule.de, abgerufen am 29. Januar 2009.
  3. Bundesministerium für Verkehr und digitale Informationen (Hrsg.): Verkehrszahlen 2019/2020, 2019, S. 235