Pahres

Ortsteil von Gutenstetten

Pahres ist ein Ortsteil der Gemeinde Gutenstetten im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken.

Pahres
Gemeinde Gutenstetten
Koordinaten: 49° 37′ 11″ N, 10° 39′ 19″ O
Höhe: 283–294 m ü. NHN
Fläche: 4,2 km²
Einwohner: 119 (25. Mai 1987)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91468
Vorwahl: 09163

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt am südlichen Aischufer. Ca. 1 km südlich erhebt sich der Ziegenhoferberg (333 m ü. NHN). Die Kreisstraße NEA 12 führt nach Reinhardshofen (0,8 km nördlich) bzw. zur Bundesstraße 470 (1 km südwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt ebenfalls zur B 470 (0,6 km südöstlich).[2]

GeschichteBearbeiten

Das Dorf entstand um 800 als slawische Rodungssiedlung. Hierauf verweist der Ortsname, der auf das altslawische Wort „parězъ“ zurückzuführen ist, das Waldschlag bedeutet. 1232 wird der Ort als „Paris“ erstmals urkundlich erwähnt. Ursprünglich gehörte der Ort zum Hochstift Würzburg. 1303/17 verleiht dieses Conrad und Hartung von „Paris“ den Zehnten. 1317/22 gehörte Gutend von Seckendorff der halbe Zehnten im Ort, daneben zwei Wiesen gemeinsam mit einem Herrn Hörauf und ein Lehen gemeinsam mit seinen Brüdern Arnold und Aberdar von Seckendorff. Bis 1356 waren auch die Herren von Hohenlohe im Ort begütert. 1356 belieh Gerlach von Hohenlohe den Kunz von Seckendorff mit der Mühle in Pahres. Daneben waren die Klöster Birkenfeld, Münchaurach und Münchsteinach und die Reichsstadt Nürnberg im Ort begütert. Im Urbar der Burggrafschaft Nürnberg des Jahres 1361/64 wird auch burggräflicher Besitz angegeben, der seit 1427 brandenburg-kulmbachisch wurde.[3]

Seit 1663 ist die Privatbrauerei Hofmann belegt.[4] Aus Pahres stammt der als Sohn eines Brauereibesitzers geborene Dachsbacher und Neustädter Arzt, Nürnberg-Fürther Gerichtsarzt und Erlangener und Münchner Universitätsprofessor Moritz Hofmann (1843–1906).[5]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Pahres 25 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (21 Anwesen; Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach: 1 Braustatt, 1 Schmiede, 1 Gut, 1 Haus; Kastenamt Neustadt an der Aisch: 1 Häckersgut, 1 Häuslein, Synagoge; Klosteramt Münchsteinach: 2 Tropfhäuslein, 1 Haus, 4 Häuslein; Klosteramt Münchaurach: 1 Gut, 2 Halbgüter; Klosteramt Birkenfeld: 1 Widumsgut, 2 Gütlein), das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Halbhof, 2 Güter) und der Nürnberger Eigenherr Haller von Hallerstein (1 Hof).[6]

1810 kam Pahres an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Pahres 1811 dem Steuerdistrikt Gutenstetten zugeordnet. 1813 wurde die Ruralgemeinde Pahres gebildet, zu dem Eckenhof, Rappoldshofen, Reinhardshofen und Ziegenhof gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Pahres aufgespalten in

  • Eckenhof zur Ruralgemeinde Gerhardshofen;
  • Ruralgemeinde Pahres mit Ziegenhof;
  • Ruralgemeinde Reinhardshofen mit Rappoldshofen.[7]

Die Ruralgemeinde Pahres unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt).[8] Ab 1862 wurde Pahres vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch, ab 1880 Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,204 km².[9]

Nachdem 1818 im Königreich Bayern dem Judentum das Recht zur Religionsausübung zugesichert worden war, wurde in Pahres für 4313 Gulden eine Synagoge erbaut. Diese wurde mangels Bedarfes 1880 nach Neustadt verlegt, wo sich seit 1864 wieder Juden niedergelassen hatten, die zunächst der Israelitischen Kultusgemeinde Diespeck angehörten.[10]

Am 1. Juli 1972 wurde Pahres im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Gutenstetten eingemeindet.[11]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 4: Eingeschossiges Wohnstallhaus, 18. Jh. Satteldach mit Fledermausgauben, Ecklisenen, Gurtbänder auch im Giebel. Horizontal zweigeteilte Haustür mit aufgedoppelten Rauten.[12]
  • Haus Nr. 5: Eingeschossiges Wohnstallhaus, Haustür wie an Nr. 4. 18. Jh.[12]
  • Haus Nr. 15: Eingeschossiges Wohnstallhaus, Erdgeschoss verputzt, Giebel Fachwerk. Haustür horizontal geteilt, aufgedoppelte Rauten. Mitte 18. Jh.[12]
  • Haus Nr. 21 (= Am Wiesengrund 2): Mühle
  • Haus Nr. 40/4012 (= Neustädter Str. 2/4): Doppelhaus

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987
Einwohner 211 266 254 237 218 212 216 208 188 182 164 152 137 143 149 149 138 137 124 197 215 189 162 141 119
Häuser[13] 36 41 43 39 36 30 32 33 29
Quelle [14] [15] [16] [16] [17] [16] [18] [16] [16] [19] [16] [16] [20] [16] [16] [16] [21] [16] [16] [16] [22] [16] [9] [23] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Bewohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Johannes Baptist und Laurentius (Gutenstetten) gepfarrt.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 339 (Digitalisat).
  2. Pahres im BayernAtlas
  3. H. Sponholz (Hrsg.), S. 119.
  4. Pahres auf der Website gutenstetten.de
  5. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950, OCLC 42823280; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. Ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 527.
  6. H. H. Hofmann, S. 122.
  7. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 60 (Digitalisat). H. H. Hofmann S. 221.
  8. H. H. Hofmann, S. 188.
  9. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 807 (Digitalisat).
  10. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950, OCLC 42823280; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. Ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 416.
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  12. a b c R. Strobel, S. 154. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
  13. Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 70 (Digitalisat). Pahres: 203 Einwohner, 34 Häuser; Ziegenhof (S. 107): 8 E., 2 H.
  15. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 200 (Digitalisat). Pahres: 258 Einwohner, 39 Häuser; Ziegenhof: 8 E., 2 H.
  16. a b c d e f g h i j k l m n Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  17. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1057, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat). Pahres: 202 Einwohner; Ziegenhof: 16 E.
  18. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1223, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1157 (Digitalisat).
  20. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1229 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1267 (Digitalisat).
  22. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1100 (Digitalisat).
  23. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 175 (Digitalisat).