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Obersachsen (Diespeck)

Ortsteil der Gemeinde Diespeck in Mittelfranken

Obersachsen ist ein Ortsteil der Gemeinde Diespeck im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken.

Obersachsen
Gemeinde Diespeck
Koordinaten: 49° 35′ 0″ N, 10° 39′ 46″ O
Höhe: 317–331 m ü. NHN
Einwohner: 79 (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 91456
Vorwahl: 09161

GeografieBearbeiten

Durch das Dorf fließt der Sachsenbach, der ein rechter Zufluss der Aisch ist. Ca. 0,75 km nordwestlich des Ortes liegt das Waldgebiet Martersbach, ca. 1 km nördlich liegt das Flurgebiet Herrnfeld, ca. 0,5 km südwestlich erhebt sich der Geißberg (354 m ü. NHN).[2]

GeschichteBearbeiten

796 erhielt Bischof Berowelf von Würzburg von Karl dem Großen ein Kontingent der vertriebenen Sachsen aus Nordalbingien. Ein Teil der Sachsen wurde eingesetzt, das Land des heutigen Ober- und Untersachsen urbar zu machen.[3] So entstanden, vom Königshof Riedfeld aus organisiert, zunächst acht Sachsenhöfe.[4] Die bald in zwei Gruppen (heute Ober- und Untersachsen) aufgeteilten Orte werden in einer Urkunde, die im Zeitraum 868–900 entstanden ist, als „Ad Saxones“ erstmals namentlich erwähnt.[5] Im 14. Jahrhundert wurde das Rittergut Waldsachsen gebildet, das grundherrschaftliche Ansprüche in Dettendorf, Eggensee und Obersachsen hatte (Ober- und Untersachsen unterstanden der Stadtvogtei Neustadt. Während Obersachsen seit 1486 fest an Dettendorf gebunden war und zum Kastenamt Dachsbach gehörte, gehörte Untersachsen zum Kastenamt Neustadt und kam in Bindung zu Eggensee). In Obersachsen wurden ein Wasserschloss, ein Kellerhaus, ein Schlossbauernhof, eine Ziegelhütte und eine Pechhütte errichtet. 1491 gehörte Obersachsen wie Eggensee zur Pfarrei Neustadt.[6] Zwischen 1502 und 1506 kam das Rittergut an Konrad von Lüchau (aus dem bereits 1486 in Obersachsen belegten Adelsgeschlecht Lüchau.[7]) 1525 wurde das Wasserschloss und der Ort in der Folge des Bauernkriegs vernichtet. 1707 erwarb der Stadthauptmann Bühl das immer noch öd liegende Schloss. Die verbliebenen Steine der Ruine wurden für den Bau seines Sitzes in Dettendorf verwendet.[3]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Obersachsen mit Untersachsen eine Gemeinde.[8] In Obersachsen gab es 8 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Neustadt an der Aisch aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Waldsachsen inne. Alle Anwesen hatten das Rittergut Waldsachsen als Grundherrn.[9]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Obersachsen dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Diespeck zugeordnet. Es gehörte der 1813 gegründeten Ruralgemeinde Dettendorf an.[10] Am 1. Juli 1971 wurde Obersachsen im Zuge der Gebietsreform nach Diespeck eingemeindet.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 65 83 74 80 84 58 69 83 61 74 79
Häuser[11] 11 10 18 15 14 14 14 21
Quelle [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Johannes Baptist (Diespeck) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Johannis Enthauptung (Neustadt an der Aisch).

VerkehrBearbeiten

Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Untersachsen bzw. nach Dettendorf zur Kreisstraße NEA 15. Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt nach Eggensee.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 338 (Digitalisat).
  2. Obersachsen im BayernAtlas
  3. a b www.diespeck.de
  4. Max Döllner (1950), S. 158.
  5. H. Sponholz (Hrsg.), S. 93.
  6. Max Döllner (1950), S. 113 und 159 f.
  7. Max Döllner (1950), S. 104.
  8. H. H. Hofmann, S. 137.
  9. H. H. Hofmann, S. 120.
  10. H. H. Hofmann, S. 184.
  11. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1846, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  12. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 68 (Digitalisat).
  13. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 197 (Digitalisat).
  14. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1056, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1221, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1155 (Digitalisat).
  17. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1227 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1265 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1095 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 803 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 175 (Digitalisat).