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GeschichteBearbeiten

GemeindebildungBearbeiten

Mit dem Gemeindeedikt (1808) wurde Oberferrieden eine politisch eigenständige Gemeinde, zu der die Orte Bachmühle, Heinleinshof und Rübleinshof gehörten. Am 1. Januar 1972 wurde diese im Rahmen der bayrischen Gebietsreform nach Burgthann eingemeindet.[3]

Zweiter WeltkriegBearbeiten

Im Zweiten Weltkrieg wurde Oberferrieden zu einem Großteil zerstört. Soldaten der 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ hatten sich auf ihrem Rückzug nach Süden im Ort verschanzt und versuchten den Vorstoß amerikanischer Truppen aufzuhalten. Bitten der Bevölkerung, weiter zu ziehen und das Dorf vor einem Beschuss zu bewahren, wurden abgelehnt. Kurz zuvor hatte der Kommandeur der Division noch den Bürgermeister von Burgthann Andreas Fischer erschießen lassen, weil er weiße Tücher zum Zeichen der Kapitulation hatte aufhängen lassen.[4] Die Kämpfe dauerten vom 18. bis 20. April 1945. Da die Amerikaner nach hohen Verlusten im Häuserkampf dazu übergegangen waren, Oberferrieden aus der Ferne mit Phosphorgranaten zu beschießen, brannte der größte Teil des Dorfes ab. Nach drei Tagen zogen die deutschen Soldaten weiter. Die völlig sinnlosen Kämpfe hatten einer unbekannten, aber großen Zahl von amerikanischen Soldaten das Leben gekostet, drei SS-Soldaten lagen tot im Dorf und acht Zivilisten waren aufgrund der Kämpfe ums Leben gekommen. Pfarrer Kurt Crämer beerdigte sie am 25. April 1945 auf dem Friedhof. Grundlage seiner Trauerrede war Psalm 88,14-16: „Ich schreie zu dir, HERR, und mein Gebet kommt frühe vor dich: Warum verstößt du, HERR, meine Seele und verbirgst mein Antlitz vor mir? Ich bin elend und dem Tod nahe von Jugend auf; ich erleide deine Schrecken, dass ich fast verzage.“ So bald als möglich machte man sich an den Wiederaufbau des Dorfes. Dabei erwarb sich vor allem die Ehefrau des Pfarrers, Emy Crämer, bleibende Verdienste. Sie organisierte Baumaterial und Transportmittel, wurde bei Behörden vorstellig und erreichte dort mancherlei Unterstützung. Für diesen Einsatz wurde ihr später das Bundesverdienstkreuz verliehen.

BauwerkeBearbeiten

Siehe: Baudenkmäler in Oberferrieden

Gefallenendenkmal

 
Gefallenendenkmal Oberferrieden

In einer Nische der Mauer, die die Marienkirche umgibt, steht das Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Es wurde am 10. September 1922 eingeweiht. Im Sockel des Denkmals sind 30 Namen von Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit Herkunftsort, Dienstgrad, Datum und Ort des Todes eingemeißelt. Auf dem Sockel ruht ein Sarkophag. An ihm sind die Jahreszahlen 1914 und 1918 zu sehen sowie ein Lorbeerkranz. In seinem Rund steht: „DIE GEMEINDEN OBERFERRIEDEN UND LINDELBURG IHREN GEFALL. HELDEN“. Das Denkmal wird gekrönt von der sehr realistischen Darstellung eines sterbenden Soldaten. Rechts und links sind an den Mauernischen Tafeln angebracht. Unter der Überschrift „DEN GEFALLENEN UND VERMISSTEN DES 2. WELTKRIEGES ZUM GEDENKEN“ sind die Namen von 79 Personen verzeichnet. Darunter sind auch die Namen von Frauen, die während der Kriegshandlungen in Oberferrieden das Leben verloren haben. Die beiden Linden, die heute das Denkmal flankieren, wurden 1933 – wie vielerorts üblich – anlässlich der Machtergreifung Adolf Hitlers gepflanzt. An jedem Volkstrauertag ist das Denkmal heute noch Ort einer Gedenkfeier.[5]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1910[6] 1933[7] 1939[7] 1987[8] 2013 2017[1]
Einwohner 521 556 640 864 1259 1223

ReligionBearbeiten

Evangelische Kirchengemeinde OberferriedenBearbeiten

 
Marienkirche
 
Pfarrhaus Oberferrieden Sommer

Die Reformation wurde im Kirchensprengel Oberferrieden im Jahr 1528 eingeführt. Damit wurde auch die Marienkirche evangelisch, behielt aber bis heute ihren Namen. Die Kirche selbst stammt aus dem 14. Jahrhundert, durch viele Umbauten hat sich ihr Aussehen aber sehr geändert. Die Kirche ist jeden Tag von ca. 8 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet und lädt dazu ein, ein stilles Gebet zu sprechen oder eine Kerze am Kerzentisch anzuzünden.

Neben der Kirche befindet sich das Gemeindehaus, das 1891 als evangelisches Schulhaus errichtet worden war. Ebenfalls angrenzend steht das Pfarrhaus, das im Jahr 1908 errichtet worden ist. Es zeigt außen einige Jugendstilelemente. Der Vorgängerbau, ein Fachwerkhaus mit hohem Walmdach, stammte aus dem Jahr 1717 und war zuletzt in einem so „bußwürdigen“ Zustand, dass es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden musste. Im Pfarrhaus befindet sich das Pfarramtsbüro und die Wohnung der Pfarrfamilie. Zur Kirchengemeinde gehören folgende weiteren Ortsteile:

Insgesamt leben in der Kirchengemeinde heute ungefähr 3.000 evangelische Christen.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Oberferrieden

Der Bahnhof Oberferrieden liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg und ist eine S-Bahn Station der der Linie Nürnberg Hbf – Neumarkt (Oberpfalz). Des Weiteren führt die Bundesstraße 8 am Ort vorbei.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Pfarrer in Oberferrieden (seit der Reformation)[9]Bearbeiten

  • Hans Rupprecht (1528–1553)
  • Hans Weiß (1553–1557)
  • Johann Schmidt (1557–1592)
  • Johannes Neumeyer (1592–1604)
  • Johann Wagner (1604–1612)
  • Paul Francisci (1613–1631)
  • Kaspar Christoph Wagner (1631–1642)
  • Veit Spieß (1642–1657)
  • Jakob Georg Küffner (1657–1663)
  • Konrad Johann Otontius (1664–1675)
  • Johann Sigmund Hauck (1675–1683)
  • Andreas Schmidt (1683–1685)
  • Johann Samuel Ernst (1685–1695)
  • Andreas Rösch (1695–1716)
  • Konrad Johann Döbler (1717–1746)
  • Nikolaus Döbler (1747–1782)
  • Friedrich Binder (1783–1828)
  • Johann Friedrich Raithel (1830–1838)
  • August Heinrich Brügel (1838–1853)
  • Karl Ackermann (1854–1856)
  • Christoph Wilhelm Götz (1856–1877)
  • Johannes Zorn (1878–1889)
  • Dr. Rudolf Hagen (1891–1896)
  • Georg Tillmann (1897–1908)
  • Karl Thiermann (1908–1924)
  • Sebastian Zeuch (1924–1929)
  • Wilhelm Boß (1929–1940)
  • Kurt Crämer (1940–1958)
  • Valentin Kaffenberger (1959–1960, vertretungsweise)
  • Hermann Meixner (1960–1977)
  • Dietrich Kowalsky (1977–1980)
  • Karl-Heinz Bielor (1980–1981, vertretungsweise)
  • Dr. Hermann Schoenauer (1981–1987)
  • Heinz Rosenbauer (1987–1999)
  • Volker Dörrich (1999–2019)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.burgthann.de, Einwohnerzahlen Oktober 2017 (Memento des Originals vom 13. November 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.burgthann.de
  2. Oberferrieden in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 542.
  4. LG Nürnberg-Fürth, 17. April 1959. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. XV, bearbeitet von Irene Sagel-Grande, H. H. Fuchs, C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1976, Nr. 466, S. 275–297 Verfahrensgegenstand: Erschiessung des Bürgermeisters von Burgthann, der, aufgefordert von amerikanischen Truppen, weisse Fahnen hatte hissen lassen (Memento des Originals vom 6. Mai 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www1.jur.uva.nl
  5. Archiv der Heimatzeitung "Der Bote" – Zeitung vom 13. September 1922.
  6. Gemeindeverzeichnis, Bezirksamt Nürnberg
  7. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Nürnberg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Verein für Computergenealogie e. V.@1@2Vorlage:Toter Link/wiki-de.genealogy.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Oberferrieden
  9. Hans Wedel: Burgthann. Geschichte, Geschichten und Notizen aus den Dörfern der Großgemeinde. Selbstverlag, ohne Ort 1982, S. 275.