Motael

Ortsteil von Dili
Motael
Das Santa-Cruz-Mahnmal und die Santo-António-Kirche in Motael
Daten
Fläche 0,77 km²[1]
Einwohnerzahl 5.039 (2015)[1]
Chefe de Suco Cornelio de Aráujo Lopes
(Wahl 2016)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Bee Dalan 2010
Boa Morena 1308
Halibur 1146
Hura 481
Lirio 94
Karte von vor 2015: Der Suco Motael liegt im Norden des Verwaltungsamts Vera Cruz.
Palapaso (Osttimor)
Palapaso
Palapaso
Koordinaten: 8° 33′ S, 125° 34′ O

Motael (ehemals 20 Maio)[2] ist ein osttimoresischer Suco, der einen Stadtteil der Landeshauptstadt Dili bildet. Seit 2004 gehört Motael zum Verwaltungsamt Vera Cruz, davor zu Dom Aleixo.

NameBearbeiten

Den Namen erhielt der Stadtteil vom timoresischen Reich, das im 18. Jahrhundert über die Region von Dili herrschte. Der Name leitet sich von „Mota Ain“ ab, was „Flussmündung“ bedeutet und wohl auf den Rio Comoro Bezug nimmt.[3]

GeographieBearbeiten

Motael
Orte Position[4] Höhe
Aitarak 8° 33′ S, 125° 34′ O m
Bairo Alto 8° 33′ S, 125° 34′ O m
Bebora 8° 33′ S, 125° 34′ O m
Farol 8° 33′ S, 125° 34′ O m
Palapaso 8° 33′ S, 125° 34′ O m

Der Suco gehört zum Zentrum der Hauptstadt. An der Stelle, wo sich die Bucht von Dili noch einmal etwas in das Land hineinschiebt, liegt Motael am westlichen Ende der kleinen Bucht. Südlich liegen die Sucos Colmera und Vila Verde und westlich die Sucos Bairro Pite und Kampung Alor, die zum Verwaltungsamt Dom Aleixo gehören. Der Westgrenze folgt in der Regenzeit der Fluss Maloa.[5] Vor der Gebietsreform 2015 hatte Motael eine Fläche von 0,55 km².[6] Nun sind es 0,77 km².[1] Von Colmera und Vila Verde erhielt Motael das Gebiet zwischen der Avenida Nicolau Lobato im Norden, dem Fluss Maloa im Westen, der Rua da Catedral im Osten und der Avenida Dom Ricardo da Silva.[7]

Motael teilt sich traditionell in fünf Stadtviertel: Aitarak im Nordwesten, Palapaso im Nordosten, Bebora im Südwesten und Farol im Südosten. Südlich kam 2015 noch Bairo Alto dazu und im Südwesten Vila Verde, der eigentlich der Namensgeber des Nachbarsucos ist.[8] Farol (portugiesisch für Leuchtturm) war am Ende der Kolonialzeit das Wohnviertel der europäischstämmigen Bevölkerung Dilis. Der 2015 zu Motael zugeschlagene Abschnitt besteht aus dem Westen des Stadtteils Bairo Alto und dem Norden von Vila Verde und Mata Doro.[7] Administrativ ist Motael in fünf Aldeias aufgeteilt. Lirio im Nordosten, Halibur im Nordwesten und südliche der Avenida Nicolau Lobato Bee Dalan, Boa Morena und Hura.[9][10]

EinwohnerBearbeiten

Im Suco leben 5039 Einwohner (2015), davon sind 2567 Männer und 2472 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 6537,3 Einwohner/km². Im Suco gibt es 773 Haushalte.[1] Fast 92 % der Einwohner geben Tetum Prasa als ihre Muttersprache an. Minderheiten sprechen Resuk, Rahesuk, Makasae, Makalero, Idaté, Fataluku oder Tetum Terik.[11] Der Ortsname „Motaél“ stammt aus dem Mambai und bedeutet „Flussmündung“. Er ist ein Beleg dafür, dass in der Region von Dili ursprünglich Mambai statt Tetum gesprochen wurde.[12]

GeschichteBearbeiten

 
Albino Ribeiro, Liurai von Motael und seine Familie (1903)
 
Der Hof des Herrschers von Motael (1903)
 
Der Liurai überwacht Bauarbeiten der Kirche von Motael (1903)[13]
 
Karte von 1908, auf der nachträglich Motael eingezeichnet wurde

Das Reich von Motael herrschte über die Region, als die Portugiesen die Hauptstadt ihrer Kolonie 1769 hierher verlegten. Schon vorher hatten hier Jesuiten erfolgreich Kinder zum Christentum bekehrt und dem Liurai von Motael christianisierte Soldaten aus Larantuka überlassen, zum Schutz vor muslimischen Überfällen. Als treuer Verbündeter stellte Dom Alexandre, der Liurai von Motael, den Portugiesen das nötige Land und Bauholz für die Gründung Dilis zur Verfügung. Zudem sicherte er ihnen auch Männer und Pferde zur Verteidigung zu. Mit der Zeit wurde Motael zu einer starken Macht innerhalb der Kolonie Portugiesisch-Timor.

1810 bis 1812 war der Liurai von Motael sogar einer der führenden Mitglieder des Conselho Governativo, die anstelle des fehlenden Gouverneurs die Kolonie regierten. 1867 half Motael den Portugiesen die Rebellion von Vemasse niederzuschlagen. 1887 wurde als einer der Verantwortlichen für die Revolte der Moradores, der Liurai von Motael, Lucas Martins, verhaftet und schließlich in Goa vor Gericht gestellt. Im Verlauf der Revolte war der Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia ermordet worden.

Das Haus des Herrschers stand im heutigen Stadtviertel von Motael, nahe dem heutigen Hafen. Südöstlich befand sich der Regierungssitz des Gouverneurs, wo heute der Jardim 5 de Maio liegt.[14]

Im Bürgerkrieg in Osttimor 1975 besetzten beide Parteien den Hafen. Die portugiesische Verwaltung verließ von hier aus die Kolonialhauptstadt in Richtung der vorgelagerten Insel Atauro. Am 7. Dezember desselben Jahres landeten indonesische Truppen in Dili. Nach der Eroberung der Stadt führten die Indonesier Chinesen, Mitglieder der FRETILIN und andere Gefangene zum Hafengelände, erschossen sie und warfen die Leichen ins Meer. Zu den Opfern gehörten die Frauenrechtlerin Rosa Bonaparte, ihr Bruder Bernardino Bonaparte Soares, Isabel Lobato (die Ehefrau des Premierministers Nicolau dos Reis Lobato) und Roger East, der letzte ausländische Reporter in Dili. Zeugen sprechen von Dutzenden Leichen.[15][16][17][18][19] Die Gesamtzahl der in der Werft Hingerichteten wird auf 150 Personen geschätzt.[20]

Am 27. Oktober 1991 wurde der Osttimorese Sebastião Gomes von indonesischen Sicherheitskräften angeschossen und verblutete in der Kirche Santo António de Motael. Bei seinem Begräbnis kam es zu einer Demonstration für die Unabhängigkeit Osttimors. Folge war ein Massaker an den Demonstranten durch indonesische Sicherheitskräften, das sogenannte Santa-Cruz-Massaker.

2006 wurde bei der Kirche von Motael ein Lager aufgebaut, um Flüchtlingen nach den Unruhen in Osttimor 2006 eine Unterkunft zu bieten.

PolitikBearbeiten

 
Cornelio de Aráujo Lopes.jpg (2017)

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Cornelio de Aráujo Lopes zum Chefe de Suco gewählt[21] und 2009 und 2016 in seinem Amt bestätigt.[22][23]

Bauwerke und EinrichtungenBearbeiten

 
Der Leuchtturm von Motael an der Av. de Motael

Im Suco Motael stehen mehrere sehenswerte Bauwerke. Die Kirche Santo António de Motael (auch Kirche von Motael) im portugiesischen Stil ist die älteste, bestehende Kirche in Osttimor, auch wenn das Gebäude 1955 nach der Schlacht um Timor im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden musste.[24] Ein großes Kirchengebäude, die Igreja Hosana der Protestantischen Kirche in Osttimor (Igreja Protestante iha Timor Lorosa'e), wurde im Oktober 2014 an der Avenida D. Ricardo da Silva von Xanana Gusmão eingeweiht.[25] An der Südostspitze des Sucos liegt der Jardim 5 de Maio (Garten 5. Mai) mit dem Integrationsdenkmal.[26] Zwischen Park und Kirche steht das 1953 erbaute Gebäude Messe para Funcionários Solteiros, ein ehemaliges Wohnheim für ledige Kolonialbeamte, mit einem mit roten Ziegeln gedeckten Walmdach.[27]

Im Zentrum von Motael liegt die Grundschule (Escola Primaria Farol),[28] am Nordostufer eine Station der Nationalpolizei Osttimors und am Nordufer der Leuchtturm Motaels; Nicht in Farol, wie man es vom Namen her erwarten könnte, sondern in Palapso. Gegenüber befindet sich in einer 2003 mit koreanischer Hilfe renovierten Kolonialvilla das Ministerium für Tourismus[29] westlich die Autoridade Nacional do Petróleo e Minerais (ANPM) und östlich die thailändische Botschaft. Die Küste an der Bucht von Dili nimmt der Hafen von Dili ein, der wichtigste des Landes.[8] Er soll durch einen neuen Hafen in der Bucht von Tibar ersetzt werden, der sich gerade im Bau befindet.

Gegenüber der Kirche Santo António befindet sich der Jardim Motael (Jardim 12 de Novembro) mit dem Denkmal für das Santa-Cruz-Massaker (auch Estátua da Juventude). Im Norden liegt, südlich des Tourismusministeriums, an der Rua dos Direitos Humanos der Jardim Borja und zwischen der Avenida de Portugal und der südlich gelegenen Travessa Sérgio Vieira de Mello in der Nähe des Leuchtturms von Motael der Jardim Farol, der für traditionelle, religiöse Zeremonien genutzt wird. In Bebora befindet sich zwischen der Avenida Nicolau Lobato und der Rua Dom Boaventura der Jardim Infantil. Auf der Südseite der Rua Dom Boaventura liegen der Sitz der Timor Post, der Fernsehsender GMN TV und das Wirtschaftsministerium im Mandarim-Gebäude.

An der nun zu Motael gehörenden Westseite der Rua da Catedral liegt das Distriktsgericht von Dili. In Farol befinden sich die Sitze von USAID und der Comissão Anti-Corrupção (CAC), sowie der Sitz des Sucos Motael an der Rua de Lautém.[30]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Motael – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Timor-Leste: Poverty in a Young Nation (Memento vom 25. Dezember 2010 im Internet Archive) (PDF; 1,2 MB)
  3. Geoffrey C. Gunn: Historical Dictionary of East Timor, 2010, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  4. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  5. Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  6. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Memento vom 5. Januar 2017 im Internet Archive) (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  7. a b Ministerium für Staatsverwaltung und Territorialmanagement: Karte des Verwaltungsamts Vera Cruz (Memento vom 10. Januar 2017 im Internet Archive), abgerufen am 1. April 2017.
  8. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (Memento vom 3. Dezember 2011 im Internet Archive) (PDF; 448 kB)
  9. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (portugiesisch; PDF; 323 kB)
  10. Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Dili, abgerufen am 21. Dezember 2020.
  11. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Motael (tetum; PDF; 8,1 MB)
  12. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, (Memento des Originals vom 14. Februar 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.anps.org.au abgerufen am 28. September 2014.
  13. Diözese Dili: Paróquia Motael, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  14. Architectural Heritage of Portuguese Origin, Karte auf S. 16, abgerufen am 3. Juni 2016.
  15. „Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  16. „Chega!“: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“, Dili wharf on 8 December 1975, S. 40–43.
  17. ABC: Australia received East Timor 'hit list' before Indonesian invasion, 27. November 2015, abgerufen am 19. Dezember 2016.
  18. ABC News: East Timor's latest attempt to find the body of its first prime minister Nicolau dos Reis Lobato, 21. Februar 2018, abgerufen am 21. Februar 2018.
  19. Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008), 2011.
  20. Peter Carey: East Timor under Indonesian Occupation, 1975-99, S. 14ff., abgerufen am 6. Dezember 2018.
  21. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  22. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  23. Jornal da República: Lista Naran Xefe Suku Eleito 2016, 2. Dezember 2016, abgerufen am 17. Juni 2020.
  24. Tony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor. Lonely Planet, London 2004, ISBN 1-74059-644-7
  25. Gedenktafel vor dem Gebäude (portugiesisch).
  26. Timor Tourism: Statue of Integration (Memento des Originals vom 24. November 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/timor-tourism.tl, abgerufen am 24. November 2015.
  27. Património de Influência Portuguesa: Messe para Funcionários Solteiros, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  28. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF; 118 kB)
  29. Gedenktafel am Gebäude (auf Portugiesisch und Englisch)
  30. Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Dili, abgerufen am 21. Dezember 2020.

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