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Protestantische Kirche in Osttimor

Religionsgemeinschaft
Die Hosana-Kirche der IPTL in Motael (Dili)

Die reformierte Protestantische Kirche in Osttimor (tetum Igreja Prostestante iha Timor Lorosa'e, IPTL), ehemals Christliche Kirche Osttimors (indonesisch Gerja Kristen Timor Timur, GKTT), ist die größte Religionsgemeinschaft der Protestanten in Osttimor. Nach eigenen Angaben gehören ihr 17.000 Mitglieder an.[1] 2018 verfügte die IPTL über 28 Pastoren, die für 74 Gemeinden in fünf Gebieten zuständig sind.[2] Oberhaupt der Kirche ist der Moderator Francisco Maria de Vasconcelos.[3][4]

GeschichteBearbeiten

 
Immanuel-Kirche der IPTL in Lospalos

Mitte der 1940er Jahre erhielten einige Familien in Baucau Bibeln von Ausländern. Kurz darauf begannen sie sich zu Bibelstudien und gemeinsames Beten zu treffen. Andere schlossen sich ihnen an und gründeten so eine protestantische Glaubensgemeinschaft.[3] Während der indonesischen Besatzungszeit gründeten sie 1988 die Christliche Kirche Osttimors (GKTT).[1] Im selben Jahr wurde die GKTT in die indonesische Gemeinschaft der Kirchen (PGI) aufgenommen. Der erste Moderator, wie ihr Führer genannt wurde, war Vincente de Vasconcelos Ximenes.[3]

In der Besatzungszeit waren viele der Mitglieder der GKTT indonesische Verwaltungsangestellte, Beamte und Soldaten. In ihrer Hochzeit hatte die GKTT 30.000 Mitglieder, 44 ordinierte Pastoren und 52 ausgebildete Evangelisten. Die meisten GKTT erhielten Unterricht in indonesischen Theologieschulen und ihr System wurde nach indonesischem Vorbild aufgebaut. Im Allgemeinen galt die Kirche in der Bevölkerung Osttimors als pro-indonesisch und gegen die Unabhängigkeit eingestellt, während der Großteil der protestantischen Führer versuchten, sich aus der Politik rauszuhalten. Zu Menschenrechtsverletzungen schwiegen sie meistens, doch waren viele heimlich im Kontakt mit der Widerstandsbewegung FALINTIL. Offene Kritik an der Besatzungsmacht kam stattdessen vom katholischen Bischof Belo. Anfang der 1990er Jahre wurde Arlindo Marçal Moderator der GKTT und die Kirche ging nun mehr auf Distanz zu Indonesien. Die GKTT wurde Mitglied des Reformierten Weltbundes und Marçal positionierte sich als Befürworter der Unabhängigkeit Osttimors, der bei Christen im Ausland um Unterstützung warb. So war er Gast zweier Generalversammlungen der Presbyterianischen Kirchen in den USA.[3]

Während der Krise in Osttimor 1999 im Umfeld des erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendums am 30. August wurden alle 60 Gebäude der GKTT von Milizen zerstört. Einige der Kirchen wurden von den eigenen, pro-indonesischen Gläubigen oder gar Pastoren angezündet. Nur noch vier Pastoren waren nach den Unruhen noch in Osttimor tätig. Die meisten Pastoren und auch ihre Anhänger waren in das indonesische Westtimor geflohen. Einige nahmen dabei auch Kircheneigentum mit.[3] Vom GKTT-Generalsekretär und amtsführenden Moderator Francisco Maria de Vasconcelos, Sohn von Vincente de Vasconcelos Ximenes, wurde fälschlicherweise gemeldet, er sei erschossen worden.[5] Er hatte sich jedoch mit etwa hundert anderen Flüchtlingen in die Berge bei Dili vor den Unruhen in Sicherheit gebracht.[3] Arlindo Marçal wechselte in die Politik und wurde Generalsekretär der Partido Democrata Cristão (PDC).[6]

Nach dem Abzug der Indonesier erfolgte die Umbenennung der GKTT zur IPTL. 2003 kam es bei einer Synode der IPTL zum Eklat zwischen dem prominenten Pastor Daniel Marçal, einem Cousin von Arlindo, und Francisco Maria de Vasconcelos. Vasconcelos schlug Marçal ein blaues Auge und wurde deswegen verhaftet. Daniel Marçal setzte sich danach für die Freilassung von Vasconcelos ein und trat als Generalsekretär zurück. Stattdessen wurde er Programm Officer beim Church World Service. Vasconcelos versöhnte sich wieder mit ihm. Allgemein wird die große Belastung, die auf Vasconcelos lag, als Grund für den Zwischenfall angesehen. Im Juli 2004 wurde Vasconcelos zum Moderator der Kirche gewählt. Zu diesem Zeitpunkt war sie nahezu bankrott und hatte nur noch 17.000 Mitglieder, 29 Pastoren und 57 Evangelisten. Zudem begannen sich andere protestantische Kirchen in Osttimor auszubreiten, wie die Assemblies of God, die Bethel Church und die Pfingstbewegung.[3]

Für ihre Generalversammlung erhielt die IPTL 2016 von der Regierung 10.000 US-Dollar.[7]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Protestantische Kirche in Osttimor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Protestantische Kirche in Timor Lorosa'e auf der Website des Ökumenischen Rats der Kirchen.
  2. Sinode GMIT: Gereja Protestan Timor Leste Butuh Tenaga Pendeta, 23. Februar 2018, abgerufen am 19. Juli 2018.
  3. a b c d e f g PCUSA News to Presbynews: Church on the rocks, 16. Juli 2004, abgerufen am 19. Juli 2018.
  4. Eur: The Far East and Australasia 2003 (= Regional surveys of the world). Psychology Press, 2002, ISBN 1-85743-133-2, ISSN 0071-3791 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Domini: Protestant Leader Killed in East Timor, 13. September 1999, abgerufen am 19. Juli 2018.
  6. Michaela Müller und Monika Schlicher: Politische Parteien und Gruppierungen in Ost-Timor, Indonesien-Information Nr. 1 2002 (Ost-Timor)
  7. U. S. Department of State: International Religious Freedom Report for 2016, Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, abgerufen am 18. August 2017.