Michael Matheus

deutscher Mittelalterhistoriker, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom

Michael Matheus (* 27. März 1953 in Graach an der Mosel) ist ein deutscher Historiker.

Michael Matheus (2018)

Ab 1994 war er Professor für Mittlere und Neuere Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 2002 bis 2012 war er Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Von 2012 bis 2018 war er wieder als Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig.

LebenBearbeiten

Michael Matheus legte 1971 am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (Trier) das Abitur ab. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik an den Universitäten Trier, Bonn und Münster. Nach dem Staatsexamen wurde er 1981 in Trier bei Alfred Haverkamp mit der Arbeit Trier am Ende des Mittelalters[1] promoviert. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Trier.

Von 1986 bis 1988 war Matheus Stipendiat der DFG sowie am Deutschen Historischen Institut in Rom. 1990 erfolgte seine Habilitation an der Universität Trier für Mittelalterliche Geschichte und Geschichtliche Landeskunde mit einer ungedruckt gebliebenen Arbeit zu den Zinsverhältnissen geistlicher Institutionen im hohen Mittelalter. 1990/91 war er als Gastdozent am DHI in Rom und als Dozent an der Universität Rom „La Sapienza“ tätig. Nach einer Tätigkeit als Hochschuldozent an der Universität Trier wurde er 1993 Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität GHS Essen. Von 1994 bis 2018 lehrte und forschte Michael Matheus als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 1994 bis 2003 und von 2013 bis 2020 war er wieder 1. Vorsitzender und Direktor des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz (IGL).

Von Oktober 2002 bis September 2012 war er Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Zum 150. Geburtstag des ehemaligen Direktors Ludwig Quidde widmete das Deutsche Historische Institut in Rom im Jahr 2008 dem Historiker eine Tagung. Die Beiträge wurden 2012 von Matheus herausgegeben.[2] Anlässlich des 500-jährigen Jahrestages von Martin Luthers Romreise veranstaltete das Deutsche Historische Institut in Rom 2011 eine Tagung. Die Romreise war oft mit der Frage verbunden, inwieweit sie Voraussetzung für die Reformation war. Der daraus resultierende Sammelband wurde von Matheus zusammen mit Arnold Nesselrath und Martin Wallraff 2017 veröffentlicht[3] und erschien 2019 in italienischer Übersetzung.

Von Oktober 2012 bis September 2018 war er wieder als Professor und Leiter des Arbeitsbereiches Mittlere und Neuere Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig. Seit September 2011 gehört er auch dem Direktorium des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft (RIGG) an. Im Jahr 2013 übernahm er den Vorsitz des Deutschen Studienzentrums in Venedig.

Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts fördert Matheus die Verbindung von historischer Forschung und neuen Medien. Am IGL entstanden unter seiner Leitung verschiedene Regionalportale.[4] Seit 2003 initiierte er am DHI in Rom mehrere elektronische Publikationsformate, die seit 2012 auf der Plattform „Romana Repertoria online/Roman Repertories online (RRO)“ zugänglich sind.[5] Im Jahre 2015 wurde in Mainz „mainzed – Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ gegründet. Zu den sechs Gründungsmitgliedern, die am Wissenschaftsstandort Mainz ihre digitalen Kompetenzen bündeln, zählt auch das IGL. Ein neuer Masterstudiengang „Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ wird ab dem WS 2016/17 an der Johannes Gutenberg-Universität angeboten.[6]

ForschungsschwerpunkteBearbeiten

 
Michael Matheus (2016)

Seine Forschungsschwerpunkte sind vergleichende Untersuchungen Deutschlands und Italiens im hohen und späten Mittelalter: die Geschichte ländlicher und städtischer Siedlungen, die Weingeschichte[7], die Bildungs- und Universitätsgeschichte[8], die Verkehrs- und Handelsgeschichte, Christen und Muslime in Süditalien[9], das Papsttum, die Kurie und Rom in der Renaissance. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Geschichte von Hospitälern und Fürsorgeeinrichtungen. Die von Matheus im Jahre 1999 in Alzey geleitete Tagung „Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich“ ging von der These aus, dass „die Fähigkeit zum strukturellen Wandel […] geradezu konstitutiv zu sein [scheint] für den dauerhaften Bestand von Hospitälern und damit auch für deren Geschichte“.[10] Die Tagung wurde als ein Meilenstein in der deutschen Hospitalforschung gewürdigt. Durch die nachgewiesene Ausdifferenzierung von verschiedenen Spitaltypen setzte eine intensive Diskussion über den Spitalbegriff und deren Tragweite ein.[11]

In seiner Dissertation untersuchte er die verfassungs- und sozialgeschichtliche Situation Triers im ausgehenden Mittelalter hauptsächlich anhand von städtischen Rechnungen. Für den Zeitraum von 1370 bis 1520 sind die von Matheus ausgewerteten Rentmeisterrechnungen nahezu lückenlos vorhanden. Zum ersten Mal wurde eine rechnungsgeschichtliche Überlieferung auf diese Weise für allgemeine stadtgeschichtliche Aspekte ausgewertet. Außerdem lieferte mit dieser Studie personengeschichtliche Untersuchungen zu neun führenden Trierer Familien, auch unter bildungsgeschichtlichen Aspekten.[12] In einer weiteren umfangreichen Untersuchung widmete er sich den Hafenkranen in der Zeit zwischen 1300 und 1600 mit einem räumlichen Schwerpunkt auf den Rhein und seinen Nebenflüssen zwischen Straßburg und Düsseldorf. Er bettet dabei die technische Innovation in ihren wirtschafts-, sozialgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen Kontext ein.[13]

Im Jahre 2013 initiierte Michael Matheus mit seiner Antrittsvorlesung am DHI in Rom zur vergleichenden europäischen Universitätsgeschichte intensivierte Studien zur Kurien- und Stadtuniversität Roms in der Zeit der Renaissance.[14] Seine These: Die Bedeutung des römischen Universitätsstandorts wurde bisher vor allem für die Zeit nach der dauerhaften Rückkehr der Päpste in die Stadt am Tiber erheblich unterschätzt. Zwar sind viele Quellen zur römischen Universitätsgeschichte vor Ort verloren, doch eröffnet die zeitaufwendige Erschließung und Auswertung der in zahlreichen römischen/vatikanischen und europäischen Archiven sowie Bibliotheken erhaltenen Quellensplitter die Möglichkeit, den lange Zeit unterbewerteten Universitätsstandort Rom neu zu beurteilen. Der von Matheus geprägte Begriff des Studienorts soll zudem den Blick über die universitären Einrichtungen hinaus auf das beachtliche Spektrum an Möglichkeiten des Bildungserwerbs in Rom in der Zeit der Renaissance lenken. Die aktuellen Forschungsergebnisse wurden in einem mit Rainer Christoph Schwinges herausgegebenen Sammelband vorgelegt.[15]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Eine vollständige Auflistung seiner Schriften ist auf der Homepage der Abteilung Landesgeschichte der Universität Mainz einsehbar.[16]

Monographien

  • Trier am Ende des Mittelalters. Studien zur Wirtschafts-, Sozial- und Verfassungsgeschichte der Stadt Trier vom 14. bis 16. Jahrhundert (= Trierer Historische Forschungen. Bd. 5). THF, Verlag Trierer Historische Forschungen, Trier 1984, ISBN 3-923087-04-7.
  • Alma Mater Treverensis. Die „alte“ Trierer Universität von 1473–1798. Katalog zur Ausstellung anläßlich des 10-jährigen Bestehens der Universität Trier. Trier 1980.
  • Hafenkrane. Zur Geschichte einer mittelalterlichen Maschine am Rhein und seinen Nebenflüssen von Straßburg bis Düsseldorf (= Trierer Historische Forschungen. Bd. 9). THF, Verlag Trierer Historische Forschungen, Trier 1985, ISBN 3-923087-08-X.
  • Germania in Italia. Incontri fra storici nel contesto internazionale. Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e Storia dell’Arte in Roma, Rom 2015, ISBN 978-88-98252-00-8.

Herausgeberschaften von Sammelbänden

  • mit Arnold Nesselrath, Martin Wallraff: Martin Luther in Rom. Die Ewige Stadt als kosmopolitisches Zentrum und ihre Wahrnehmung (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 134). De Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-030906-5.
  • Friedensnobelpreis und historische Grundlagenforschung. Ludwig Quidde und die Erschließung der kurialen Registerüberlieferung (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 124). De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-025954-4.
  • Von der Geheimhaltung zur internationalen und interdisziplinären Forschung. Die Musikgeschichtliche Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom 1960–2010 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom / Deutsches Historisches Institut in Rom. Bd. 123). De Gruyter, Berlin u. a. 2010, ISBN 3-11-025073-X.
  • mit Brigitte Flug, Andreas Rehberg: Kurie und Region: Festschrift für Brigide Schwarz zum 65. Geburtstag. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-515-08467-3.

Herausgeberschaften von Reihen und Zeitschriften

  • Herausgeber der Reihe Wirtschaftsgeschichte des rheinland-pfälzischen Raums. Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V. (ab 2020)
  • Mitherausgeberschaft der Reihe Mainzer Beiträge zur Demokratiegeschichte. Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V. (ab 2019)
  • Mitherausgeberschaft der Reihe Die Päpste. Schnell & Steiner Verlag, Regensburg (2016/2017)
  • Mitherausgeberschaft der Reihe Beiträge zur Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V. (ab 2016)
  • Geschichtliche Landeskunde. Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, Bd. 42 (1995) bis Bd. 50 (2000), Bd. 52 (2001); Bd. 55 (2002); ab Bd. 71 (2014)
  • Studi. Schriftenreihe des Deutschen Studienzentrums in Venedig / Centro Tedesco di Studi Veneziani, Neue Folge (ab Band XIII)
  • Mainzer Vorträge. Vortragsreihe des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, Franz Steiner, Stuttgart
  • Mitherausgeberschaft der Reihe Monographien zur Geschichte des Mittelalters. Anton Hiersemann, Stuttgart (2007–2016)
  • Mitherausgeberschaft des Journal of Medieval History. Elsevier, London (ab 2007)
  • Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Max Niemeyer, Tübingen ab Bd. 105 bis Bd. 129 (2003–2014)
  • Ricerche dell’Istituto Storico Germanico di Roma. Viella, Rom ab Bd. 1 bis Bd. 9 (2007–2013)
  • Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Max Niemeyer, Tübingen ab Bd. 82 bis Bd. 92 (2002–2012)

LiteraturBearbeiten

  • Anna Esposito (Hrsg.): Trier – Mainz – Rom. Stationen, Wirkungsfelder, Netzwerke. Festschrift für Michael Matheus zum 60. Geburtstag. Schnell+Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2763-4.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Michael Matheus: Trier am Ende des Mittelalters. Studien zur Sozial-, Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte der Stadt Trier vom 14. bis 16. Jahrhundert. Trier 1984.
  2. Vgl. dazu die Besprechung von Tobias Daniels in: sehepunkte 12 (2012), Nr. 11 [15. November 2012], (online)
  3. Michael Matheus, Arnold Nesselrath, Martin Wallraff (Hrsg.): Martin Luther in Rom. Die Ewige Stadt als kosmopolitisches Zentrum und ihre Wahrnehmung. Berlin 2017. Vgl. dazu die Besprechung von Moritz Schönleben in: sehepunkte 18 (2018), Nr. 11 [15. November 2018], (online).
  4. Internetportal für regionale und lokale Geschichte
  5. Romana Repertoria online/Roman Repertories online (RRO)
  6. Masterstudiengang Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften
  7. Vgl. dazu Michael Matheus (Hrsg.): Weinkultur und Weingeschichte an Rhein, Nahe und Mosel. Stuttgart 2019.
  8. Michael Matheus (Hrsg.): Friedensnobelpreis und historische Grundlagenforschung. Ludwig Quidde und die Erschließung der kurialen Registerüberlieferung. Berlin u. a. 2012; Michael Matheus (Hrsg.): Deutsche Forschungs- und Kulturinstitute in der Nachkriegszeit. Tübingen 2007; Michael Matheus: Alma Mater Trevirensis. Die „alte“ Trierer Universität von 1473 bis 1798 (Katalog). Trier 1980; Michael Matheus: Fonti vaticane e storia dell’università. In: Gian Maria Varanini, Isabella Lazzarini, Paola Guglielmotti (Hrsg.): Europa e Italia. Studi in onore di Giorgio Chittolini. Firenze 2011, S. 275–293; Michael Matheus: Roma docta. Rom als Studienort in der Renaissance. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. 90 (2010), S. 128–168 (online); Michael Matheus: Rom und die Frühgeschichte der Mainzer Universität. In: Mechthild Dreyer, Jörg Rogge (Hrsg.): Mainz im Mittelalter. Mainz 2009, S. 214–232; Michael Matheus: Rom und Mainz. Italienische und deutsche Universitäten im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert. In: Römische Quartalschrift 102 (2007), S. 47–75; Michael Matheus: Das Verhältnis der Stadt Trier zur Universität in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In: Kurtrierisches Jahrbuch 20 (1980), S. 60–139.
  9. Lukas Clemens, Michael Matheus (Hrsg.): Christen und Muslime in der Capitanata im 13. Jahrhundert. Archäologie und Geschichte. Trier 2018; Michael Matheus: Transformationen in einem Kernraum staufischer Herrschaft: Die Capitanata, Friedrich II. und die Bischöfe von Tertiveri. In: Andreas Gottsmann, Pierantonio Piatti, Andreas Rehberg (Hrsg.): Monumenta incorrupta ecclesiam defendunt. Studi offerti a Mons. Sergio Pagano Prefetto dell’Archivio Segreto Vaticano. 4 Bde., Città del Vaticano: Archivio Segreto Vaticano, 2018, Bd. 2 S. 1059–1082.
  10. Michael Matheus: Einleitung. In: Ders. (Hrsg.): Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich. Stuttgart 2005, S. VII-XII, S. X..
  11. Gisela Drossbach, François-Olivier Touati, Thomas Frank: Einführung: Zur Perspektivität und Komplexität des mittelalterlichen Hospitals – Forschungsstand, Arbeitstechniken, Zielsetzungen. In: Gisela Drossbach (Hrsg.): Hospitäler in Mittelalter und Früher Neuzeit. Frankreich, Deutschland und Italien. Eine vergleichende Geschichte = Hôpitaux au moyen âge et au temps modernes. München 200, S. 9–24, hier: S. 12 (online).
  12. Vgl. dazu die Besprechungen von Ernst-Dieter Hehl in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 42, 1986, S. 335 f. (online); John B. Freed in: Speculum 63, 1988, S. 434–436; Ronnie Po-Chia Hsia in: The Journal of Economic History 47, 1987, S. 519–520; Eva-Marie Felschow in: Zeitschrift für Historische Forschung 17, 1990, S. 356–357; Karl-Heinz Spieß in: Historische Zeitschrift 240, 1985, S. 416–418.
  13. Vgl. dazu die Besprechung von Alexander Patschovsky in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 43, 1987, S. 711 f. (online).
  14. Michael Matheus: Rom und Mainz. Italienische und deutsche Universitäten im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert. In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 102 (2007) S. 47–75.
  15. Michael Matheus, Rainer C. Schwinges: Studieren im Rom der Renaissance. Zürich 2020 (online).
  16. Schriftenverzeichnis von Michael Matheus