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Alois Gerlich (* 24. September 1925 in Mainz; † 11. März 2010) war ein deutscher Historiker.

Der Sohn eines Lehrers unterstützte als Jugendlicher den Kunsthistoriker Fritz Victor Arens bei der Rettung von Kunstschätzen. Gerlich studierte seit dem Sommersemester 1944 Germanistik, Geschichte, Philosophie und Historische Theologie in Heidelberg. Nach einer kurzen Kriegsdienstverpflichtung konnte er in Mainz von 1945 bis 1950 das Studium fortsetzen. Er promovierte 1948 im Alter von 23 Jahren bei Heinrich Büttner mit einer Arbeit über die Geschichte des Mainzer Stiftes St. Stephan. 1950 legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Anschließend war Gerlich für kurze Zeit im Schuldienst tätig. Unter Ludwig Petry erhielt Gerlich 1953 eine Assistentenstelle. Unter Petrys Leitung erfolgte 1959 in Mainz auch die Habilitation mit einer Arbeit über Habsburg – Luxemburg – Wittelsbach im Kampf um die deutsche Königskrone. Seit 1960 gehörte Gerlich der Historischen Kommission für Nassau an.

1965 wurde Gerlich außerordentlicher und 1969 ordentlicher Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Bamberg. 1973 wurde Gerlich als Nachfolger Petrys ordentlicher Professor in Mainz. Von 1976 bis 1994 war Gerlich als Nachfolger Petrys Vorsitzender des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz. Er war Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Landesbibliothek Wiesbaden.

Zu Gerlichs Arbeitsschwerpunkten zählten die mittelrheinische und fränkische Landesgeschichte sowie der Zeitraum zwischen dem Ende des 12. bis zur Wende des 14. Jahrhunderts unter den für die Reichsgeschichte zentralen Fragestellungen Königtum und Kurfürstenpolitik. Gerlich verfasste zahlreiche Monografien und Aufsätze zur nassauischen Geschichte. Durch eine Neubewertung der Quellen des Königtums Adolf von Nassau gelang es ihm, die bis dahin nationalgeprägte Sichtweise der Geschichtsschreibung des frühen 20. Jahrhunderts durch eine landesgeschichtliche Perspektive zu ersetzen. Gerlich publizierte zahlreiche Artikel für das Lexikon des Mittelalters. Als akademischer Lehrer betreute er 30 Dissertationen und eine Habilitation. Bedeutende akademische Schüler von Gerlich waren Karl-Heinz Spieß und Sigrid Schmitt. Zum 80. Geburtstag wurden von der Historischen Kommission für Nassau in einem Sammelband 16 grundlegende Beiträge von ihm aus der Zeit von 1953 bis 1994 veröffentlicht.

SchriftenBearbeiten

Ein Schriftenverzeichnis erschien in: Elmar Rettinger: Verzeichnis der Schriften sowie der von Alous Gerlich betreuten Dissertationen und Habilitationen. In: Winfried Dotzauer (Hrsg.): Landesgeschichte und Reichsgeschichte. Festschrift für Alois Gerlich zum 70. Geburtstag. Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06540-7, S. 445–452.

  • Könige, Fürsten, Adel und Städte am Mittelrhein und in Franken zwischen Thronstreit und Mainzer Reichslandfrieden 1198–1235 (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 127). Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission, Darmstadt 2001, ISBN 3-88443-079-3.
  • Geschichtliche Landeskunde des Mittelalters. Genese und Probleme. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986, ISBN 3-534-06743-6.
  • Habsburg-Luxemburg-Wittelsbach im Kampf um die deutsche Königskrone. Studien zur Vorgeschichte des Königtums Ruprechts von der Pfalz. Steiner, Wiesbaden 1960 (Zugleich: Mainz, Universität, Habilitations-Schrift, 1960).
  • Das Stift Sankt Stephan zu Mainz. Beiträge zur Verfassungs-, Wirtschafts- und Territorialgeschichte des Erzbistums Mainz (= Jahrbuch für das Bistum Mainz. Bd. 4). Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1954 (Zugleich: Mainz, Universität, Dissertation, 1948).

LiteraturBearbeiten

  • Winfried Dotzauer (Hrsg.): Landesgeschichte und Reichsgeschichte. Festschrift für Alois Gerlich zum 70. Geburtstag (= Geschichtliche Landeskunde. Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz. Bd. 42). Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06540-7.
  • Klaus Eiler: Universitätsprofessor Dr. Alois Gerlich, Wiesbaden (24. September 1925–11. März 2010). In: Nassauische Annalen. Band 121, 2010, S. 477–478.
  • Christiane Heinemann (Hrsg.): Territorium, Reich und Kirche. Ausgewählte Beiträge zur mittelrheinischen Landesgeschichte. Festgabe zum 80. Geburtstag (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. Bd. 74). Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-930221-15-8.

WeblinksBearbeiten