Enno Bünz

deutscher Historiker

Enno Bünz (* 19. September 1961 in Marne) ist ein deutscher Historiker. Er lehrt seit 2001 als Professor für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig und ist seit 2002 Direktor des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde.

Enno Bünz aufgenommen von Werner Maleczek im Jahr 2017.

LebenBearbeiten

Enno Bünz studierte Geschichte, Germanistik und Latinistik an den Universitäten in Kiel und Würzburg und legte 1988 das Erste Staatsexamen ab. Von 1989 bis 1990 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg. Anschließend betreute Bünz bis zu seiner Promotion 1993 die Ausstellung Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen am Diözesanmuseum Hildesheim. Zwischen 1993 und 2001 war er wissenschaftlicher Assistent bei Matthias Werner am Lehrstuhl für Thüringische Landesgeschichte und Mittelalterliche Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dort habilitierte er sich 1999 mit einer Arbeit zum Thema „Der niedere Klerus im spätmittelalterlichen Thüringen. Studien zu Kirchenverfassung, Klerusbesteuerung, Pfarrgeistlichkeit und Pfründenmarkt im thüringischen Teil des Erzbistums Mainz“.

Zum Wintersemester 2001/02 folgte Bünz einem Ruf als Nachfolger von Wieland Held auf den Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig, den er seitdem besetzt. Zudem gehört er seit September 2002 dem Direktorium des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde an. Am 10. Februar 2017 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

ForschungstätigkeitBearbeiten

Bünz’ Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der deutschen und vergleichenden Landesgeschichte (vor allem Sachsen, Thüringen, Franken und Schleswig-Holstein), der Geschichte des Hoch- und Spätmittelalters und der Reformationszeit sowie der Historischen Hilfswissenschaften (insbesondere Diplomatik und Sphragistik).

Er ist Mitglied zahlreicher Gremien und Kommissionen, unter anderem der Gesellschaft für fränkische Geschichte, der Historischen Kommission für Thüringen, der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, der Historischen Kommission bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und des Kuratoriums der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. Bünz ist seit dem Erscheinen des Heftes 69/1 (2013) Mitherausgeber des Deutschen Archivs für Erforschung des Mittelalters.

Für seine Arbeiten zur Geschichte Schleswig-Holsteins im Mittelalter bekam Bünz 2004 den Bordesholmer Universitätspreis verliehen.[1]

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Stift Haug in Würzburg. Untersuchungen zur Geschichte eines fränkischen Kollegiatstiftes im Mittelalter (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 128). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-35444-4 (zugleich: Diss. phil., Universität Würzburg, 1993).
  • Fränkische Urbare. Verzeichnis der mittelalterlichen urbariellen Quellen im Bereich des Hochstifts Würzburg (= Quellen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte Frankens. Band 13). Degener Verlag, Neustadt a. d. Aisch 1998, ISBN 3-768-69203-5.
  • Zwischen Kanonikerreform und Reformation. Anfänge, Blütezeit und Untergang der Augustiner-Chorherrenstifte Neumünster-Bordesholm und Segeberg (12. bis 16. Jahrhundert) (= Schriftenreihe der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim. Band 7). Augustiner-Chorherren-Verlag, Paring 2002, ISBN 3-980-54699-3.
  • Martin Luthers Orden in Neustadt an der Orla. Das Kloster der Augustiner-Eremiten und seine Mönche (= Beiträge zur Geschichte und Stadtkultur. Band 13). Verlag B. Vopelius, Jena 2007, ISBN 978-3-939718-02-4.
  • mit Manfred Rudersdorf und Detlef Döring: Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009. Band 1: Spätes Mittelalter und frühe Neuzeit 1409–1830/31. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-301-3.
  • Die mittelalterliche Pfarrei. Ausgewählte Studien zum 13.–16. Jahrhundert. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-153874-2.

Herausgeberschaften

  • mit Rainer Gries und Frank Möller: Der Tag X in der Geschichte. Erwartungen und Enttäuschungen seit tausend Jahren. DVA, Stuttgart 1997, ISBN 3-421-05099-6.
  • Das Mainzer Subsidienregister für Thüringen von 1506 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Große Reihe. Band 8). Böhlau, Köln u. a. 2005, ISBN 3-412-16603-0.
  • mit Stefan Rhein und Günther Wartenberg: Glaube und Macht. Theologie, Politik und Kunst im Jahrhundert der Reformation (= Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Band 5). EVA, Leipzig 2005, ISBN 3-374-02322-3.
  • mit Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt: Klerus, Kirche und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Schleswig-Holstein (= Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins. Band 41). Wachholtz Verlag, Neumünster 2006, ISBN 3-529-02941-6.
  • Bücher, Drucker, Bibliotheken in Mitteldeutschland. Neue Forschungen zur Kommunikations- und Mediengeschichte um 1500 (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Band 15). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006, ISBN 3-865-83120-6.
  • mit Klaus Herbers: Der Jakobuskult in Sachsen (= Jakobus-Studien. Band 17). Narr, Tübingen 2007, ISBN 978-3-8233-6332-3.
  • Ostsiedlung und Landesausbau in Sachsen. Die Kührener Urkunde von 1154 und ihr historisches Umfeld (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Band 23). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86583-165-1.
  • mit Franz Fuchs: Der Humanismus an der Universität Leipzig. Akten des in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig, der Universitätsbibliothek Leipzig und dem Leipziger Geschichtsverein am 9./10. November 2007 in Leipzig veranstalteten Symposiums. (= Pirckheimer-Jahrbuch für Renaissance- und Humanismusforschung. Band 23). Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-06079-0.
  • mit Kurt Andermann: Kirchenvogtei und adlige Herrschaftsbildung im europäischen Mittelalter (= Vorträge und Forschungen. Band 86). Thorbecke, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-7995-6886-9.
  • mit Wolfgang Weiß: Bischof Lorenz von Bibra (1495–1519) und seine Zeit – Herrschaft, Kirche und Kultur im Umbruch (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg. Band 79). Echter Verlag, Würzburg 2020, ISBN 978-3-429054977.
  • Landwirtschaft und Dorfgesellschaft im ausgehenden Mittelalter (= Vorträge und Forschungen. Band 89). Thorbecke, Ostfildern 2020, ISBN 978-3-7995-6889-0.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Pressemitteilung: Bordesholmer Universitätspreis geht an Leipziger Historiker, abgerufen am 21. August 2010.