Michel Parisse

französischer Historiker

Michel Parisse (* 1. Mai 1936 in Void, Département Meuse, Lothringen; † 5. April 2020 in Paris) war ein französischer Historiker.

Michel Parisse besuchte das Gymnasium in Metz. Nach der Agrégation d’histoire war er Lehrer an einem Gymnasium in Metz. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl von Jean Schneider an der Universität Nancy. Seine Thèse d’Etat (damalige Habilitation in Frankreich) befasste sich mit dem Adel in Lothringen vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Wenig später wurde er Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Nancy. Dort war er Leiter eines Forschungszentrums für die Geschichte und die Edition mittelalterlicher Texte (ARTEM). Von 1985 bis 1991 war er Direktor der Mission historique française en Allemagne in Göttingen. Gemeinsam mit dem dortigen Max-Planck-Institut für Geschichte wurden mehrfach Kolloquien und Tagungen durchgeführt und so die Zusammenarbeit zwischen deutscher und französischer Mediävistik intensiviert. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung 2002 lehrte er an der Universität Paris I als Professor für Geschichte des Mittelalters.

Parisse war ordentliches Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte (seit 1994), der Mainzer Akademie der Wissenschaften (seit 1997)[1], korrespondierendes Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica (seit 1999)[2], der Académie de Stanislas und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (seit 2005) sowie Mitglied der Académie nationale de Metz und der Société des antiquaires de France. Parisse wurde mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Ihm wurde 2000 von der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen, insbesondere für sein Verdienst um die deutsch-französischen Wissenschaftsbeziehungen.

Seine Spezialgebiete waren das mittelalterliche Lothringen, das Mönchtum, die Diplomatik und das mittelalterliche Deutschland. Parisse publizierte zahlreiche Arbeiten zur deutschen Verfassungs-, Gesellschafts- und Kirchengeschichte. Er edierte Briefe von Frothaire de Toul und Diplome Theobalds I., Herzog von Lothringen. Er legte eine lateinisch-französische Ausgabe der Vita des Johannes von Gorze vor. Seine Arbeiten machten ihn zu einem führenden französischen Kenner der deutschen Geschichte im Mittelalter. Er leitete 2000 auf dem 43. Historikertag in Aachen die Sektion „Karl der Große zwischen Faktizität und Aktualität“.

Er starb 2020 während der COVID-19-Pandemie in Frankreich an COVID-19.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Noblesse et chevalerie en Lorraine médiévale. Les familles nobles du XIe au XIIIe siècle (= Publications Université de Nancy. Bd. 2). Service des publications de l’Université de Nancy, Nancy 1982, ISBN 2-86480-127-2.
  • L’Allemagne au XIIIe siècle. De la Meuse à l’Oder. Picard, Paris 1994, ISBN 2-7084-0471-7.
  • Allemagne et Empire au Moyen Âge (= Collection Carré histoire. Bd. 57). Hachette, Paris 2002, ISBN 2-01-145175-2.
  • Religieux et religieuses en Empire: du Xe au XIIe siècle (= Les médiévistes français. Bd. 11). Picard, Paris 2011, ISBN 978-2-7084-0908-8.

LiteraturBearbeiten

  • Michel Parisse. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Bd. 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5, S. 311–318 (Digitalisat).
  • Pierre Monnet: Michel Parisse (1936–2020). In: Francia 48, 2021, S. 529 ff.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Mitgliedseintrag von Michel Parisse bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
  2. Korrespondierende Mitglieder der Zentraldirektion