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Deutsche Forschungsgemeinschaft

deutsche Forschungsförderorganisation

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist ein eingetragener Verein, der als Selbstverwaltungseinrichtung zur Förderung der Wissenschaft und Forschung in der Bundesrepublik Deutschland fungiert. 2017 hatte die DFG einen Förderungsetat von fast 3,2 Milliarden Euro.[3] Mitglieder der DFG sind größtenteils Hochschulen und Forschungseinrichtungen von „allgemeiner Bedeutung“ sowie die deutschen Akademien der Wissenschaften.

Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V.
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 30. Oktober 1920
2. August 1951 (Wiedergründung)[1]
Gründer Fritz Haber
Sitz Bonn, DeutschlandDeutschland Deutschland
Ursprung Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Deutscher Forschungsrat
Personen Peter Strohschneider (Präsident)[2]
Schwerpunkt Forschungsförderung
Website www.dfg.de
Die DFG-Geschäftsstelle in Bonn-Bad Godesberg

Inhaltsverzeichnis

Organisation und Aufgaben

Aufgaben

In ihrer Satzung definiert der § 1 ihre Aufgaben:

„Die Deutsche Forschungsgemeinschaft dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch die finanzielle Unterstützung von Forschungsaufgaben und durch die Förderung der Zusammenarbeit unter den Forschern. Sie berät Parlamente und Behörden in wissenschaftlichen Fragen und pflegt die Verbindungen der Forschung zur Wirtschaft und zur ausländischen Wissenschaft. …“

– Satzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft[4]

Die DFG fördert Einzelprojekte, Verbundprojekte (Forschungsgruppen, Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren) sowie Infrastruktur und sie unterhält weltweit Wissenschaftsbeziehungen. Der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gilt ihre besondere Aufmerksamkeit (z. B. Forschungsstipendium, Programm Eigene Stelle, Emmy-Noether-Programm, Heisenberg-Programm). Antragsberechtigt sind neben Institutionen auch einzelne Wissenschaftler (ab der Promotion).

Organe

Die DFG hat lt. § 4 der Satzung acht Organe[4]:

  • Mitgliederversammlung,
  • Präsident,
  • Präsidium,
  • Vorstand,
  • Generalsekretär,
  • Senat,
  • Hauptausschuss,
  • Fachkollegien.

Die Mitgliederversammlung (§ 5 der Satzung) bestimmt die operativen Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von ihr wird der Präsident gewählt, das übrige Präsidium und die Mitglieder des Senats. Zudem bestätigt sie die Berufung des Generalsekretärs durch den Hauptausschuss. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Die Mitgliederversammlung nimmt weiterhin Aufgaben wie die Entgegennahme von Jahresbericht und Jahresrechnung des Vorstands und Entlastung des Vorstands wahr.[4]

Das Präsidium[4] besteht aus dem Präsidenten (Peter Strohschneider) und derzeit acht Vizepräsidenten. Die Vizepräsidenten sind Frank Allgöwer (Regelungstechnik), Katja Becker (Biochemie und Molekularbiologie), Leena Bruckner-Tuderman (Medizin), Roland A. Fischer (Chemie), Julika Griem (Literaturwissenschaften), Marlis Hochbruck (Angewandte und Numerische Mathematik), Wolfgang Schön (Steuerrecht und Öffentliche Finanzen) sowie Andreas Barner (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft/ständiger Gast).[5]

Das Präsidium bedient zur Erledigung der laufenden Geschäfte der Geschäftsführung, an deren Spitze der Generalsekretär steht. Vom 1. September 2007 bis 12. November 2018 war Dorothee Dzwonnek Generalsekretärin der DFG. Im November 2018 hat Dorothee Dzwonnek auf Bitten des Hauptausschusses der DFG ihr Ausscheiden aus den Diensten als Generalsekretärin erklärt. [6]

Die Geschäftsstelle ist am Sitz des Vereins in Bonn, Kennedyallee 40, angesiedelt. Das Berliner Büro befindet sich im WissenschaftsForum Berlin am Gendarmenmarkt.[7]

Finanzierung

Bund und Länder finanzieren nahezu vollständig (Haushalt 2017: 99 % ent. Jahresbericht 2017[8]) die europaweit größte Forschungsförderungsorganisation gemeinschaftlich als einen gemeinnützigen, eingetragenen Verein. Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem Pakt für Forschung und Innovation gegeben.

Senat und Senatskommissionen

Ein wesentliches Steuerungsgremium der DFG ist der Senat, der aus 39 wissenschaftlichen Mitgliedern besteht. Von diesen Mitgliedern werden 36 Mitglieder von der Mitgliederversammlung für drei Jahre gewählt, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, der Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft gehören dem Senat qua Amt an. Ständige Gäste des Senats sind die Präsidenten der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Vorsitzende des Wissenschaftsrates.

Der Senat setzt Kommissionen und Ausschüsse ein.[9]

Ausschüsse des Senats

Die Senatsausschüsse für die Sonderforschungsbereiche und die Graduiertenkollegs bereiten die Förderentscheidungen der beiden korrespondierenden Bewilligungsausschüsse als Unterausschüsse des Hauptausschusses vor. Sie sind außerdem für die Weiterentwicklung dieser Förderprogramme und ihrer Begutachtungs- und Entscheidungsverfahren zuständig.

Bei dem Senatsausschuss „Perspektiven der Forschung“ und dem „Ad-hoc-Ausschuss für die Prüfung von Mitgliedschaftsanträgen“ handelt es sich um Arbeitsgremien des Senats, die Entscheidungen des Senats vorbereiten.

Senatskommissionen

Die Senatskommissionen der DFG unterstützen die satzungsgemäße Aufgabe der Politikberatung der DFG, indem sie unter anderem nach rein wissenschaftlichen Maßstäben Stellungnahmen zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen mit Forschungsbezug erstellen. Außerdem sind sie ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Selbstverwaltung, da sie beispielsweise Fragen mit besonderem Koordinierungsbedarf für bestimmte Wissenschaftsbereiche bearbeiten.

Der Senat hat im Jahr 2010 beschlossen, seine Kommissionen in zwei Kategorien einzuteilen: Ständige Senatskommissionen für bedeutende Felder mit langfristiger Perspektive, in denen neue wissenschaftliche Erkenntnisse fachübergreifend und kontinuierlich aufbereitet werden müssen, oder sich schnell entwickelnde wissenschaftliche Themen, in denen absehbar mit wiederkehrendem gesetzlichen Regelungsbedarf mit deutlicher Relevanz für die Forschung zu rechnen ist. Senatskommissionen werden für einen bestimmten Zeitraum eingerichtet (in der Regel 6 Jahre). Diese haben die Aufgabe, in Gebieten mit hohem Forschungs-, Koordinations- und vielschichtigem Strukturierungsbedarf Disziplinen-übergreifend Ansätze für die komplexe Koordination, Verbesserung der Forschungsinfrastruktur und Etablierung von für die Forschung förderlichen Strukturen zu erarbeiten.

Liste der Senatskommissionen

Weitere Ausschüsse

Der Auswahlausschuss für den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis hat die Aufgabe, die Preisträger für den gleichnamigen Nachwuchsförderpreis auszuwählen. Es handelt sich nicht um einen Ausschuss des Senats, da seine Mitglieder vom Senat der DFG und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam berufen werden.

Die Mitglieder der Fachkommission Exzellenzinitiative (2005–2017) wurden vom Senat der DFG eingesetzt. Die Fachkommission bereitete gemeinsam mit der Strategiekommission, die von der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates eingesetzt wurde, die Förderentscheidungen des Bewilligungsausschusses für die Exzellenzinitiative vor.

Begutachtungs- und Bewilligungsverfahren

Zur Entscheidung über Förderanträge bedient sich die DFG eines mehrstufigen Begutachtungsverfahrens. Das Begutachtungsverfahren beruht auf den Prinzipien der Peer Review und der wissenschaftlichen Selbstverwaltung.

Für jeden eingehenden Förderantrag werden von der DFG-Geschäftsstelle für fachlich kompetent gehaltene Wissenschaftler gebeten, formalisierte schriftliche Gutachten anzufertigen. Nach eigenen Angaben wird dabei versucht, Interessenkonflikte weitestgehend zu vermeiden.[10] Die Gutachten enthalten ein Votum zur Förderentscheidung. Das Votum kann auch auf Teilförderung eines Antrags lauten. Die Gutachten werden mehrmals jährlich in den Sitzungen eines inhaltlich zuständigen Fachkollegien durchgesprochen (s. u.). Die Voten der Gutachter werden von den Fachkollegien entweder bestätigt, modifiziert oder verworfen. Als Ergebnis einer Sitzung eines Fachkollegiums wird ein Fördervorschlag über eine größere Anzahl an Anträgen an den Hauptausschuss weitergeleitet.

Fachkollegium und Mitglieder der Fachkollegien

Fachkollegien werden nach § 11 der DFG-Satzung gebildet.[4] Es bestehen derzeit (2017) 48 Fachkollegien. Für die Mitglieder der Fachkollegien können von der DFG unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaften Vorschläge einreichen. Die promovierten und an anerkannten wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland tätigen Wissenschaftler wählen die Mitglieder der Fachkollegien auf vier Jahre.

Eingehende Förderanträge auf Forschungsvorhaben werden von der DFG-Geschäftsstelle einem thematisch passenden Fachkollegium zugewiesen. Die Fachkollegien beurteilen die Anträge grundsätzlich auf Grundlage erstellter Gutachten. Sie achten satzungsgemäß darauf, dass bei der – meist schriftlichen – Begutachtung einheitliche Maßstäbe angelegt wurden.

Weiterhin arbeiten Fachkollegien an der Ausgestaltung der Förderprogramme der DFG mit.

Hauptausschuss

Die eigentliche Förderentscheidung liegt beim Hauptausschuss (§ 10 Satzung).[4] Dem Hauptausschuss gehören die 39 DFG-Senatoren an sowie weitere Vertreter von Bund (16), Ländern (16) und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2).

Im Hauptausschuss werden alle Fördervorschläge der Fachkollegien zusammengeführt und unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel bewilligt. Eine wichtige Aufgabe des Hauptausschusses ist die Sicherstellung einheitlicher Begutachtungsstandards über die verschiedenen Einzelgremien hinweg.

Internationale Kooperationen und Nationale Gremien

Als Mitglied in verschiedenen internationalen Dachorganisationen und Verbünden unterstützt die DFG internationale Forschung zusätzlich durch jährliche Beiträge wie auch durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für eine Beteiligung von Wissenschaftlern. Unter anderem ist die DFG Mitglied im International Council for Science (ICSU), das 1919 als nongouvernementale internationale Dachorganisation gegründet wurde. Hier unterstützt die DFG den internationalen Austausch zu wichtigen wissenschaftlichen Fragen und beruft z. B. für den Bereich Umwelt und globaler Wandel nationale Gremien wie SCOPE, Nationales Komitee für Global Change Forschung (1997–2012) und Deutsches Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (seit 2013).

Schwesterorganisationen im Ausland sind beispielsweise die National Natural Science Foundation of China, mit der sie gemeinsam das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Wissenschaftsförderung unterhält. Weitere Partnerorganisationen sind die National Science Foundation (USA), die Royal Academy (Vereinigtes Königreich), der Schweizerische Nationalfonds und der Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología (Mexiko). Eine analoge Fördereinrichtung in Japan ist die „Japan Society for the Promotion of Science“ (JSPS).[11]

Der Verein ist Mitglied der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.

Geschichte

Bis 1945

Die Entstehung geht auf die Zeit der Weimarer Republik zurück. Gegründet wurde sie am 30. Oktober 1920 als Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft auf Initiative des Chemikers Fritz Haber und von Friedrich Schmidt-Ott, der ihr erster Präsident wurde. Im Jahr 1929 wurde der Name in Deutsche Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung, kurz (Deutsche) Forschungsgemeinschaft, geändert.

Ein Großteil der tonangebenden DFG-Wissenschaftler begrüßte nach 1933 das NS-Regime und arbeitete im Rahmen eines „radikalnationalistischen Grundkonsenses“ aus freien Stücken an seinen Zielen mit. Die Forschungsförderung war weitgehend frei von politischem Druck.[12] Die Fördermittel für politisch genehme Forschungsgebiete wie „Rassenhygiene“ und Agrarwissenschaften wurden deutlich erhöht.[13] In die „Volksforschung“, wo Wissenschaftler sich während des Krieges u. a. mit der Vernichtung der polnischen Intelligenz und der Juden beschäftigten, wurden 1934 1,2 Milliarden Reichsmark investiert.[14]

Präsident war zwischen 1934 und 1936 der Physiker Johannes Stark. Er berief den NS-Chefideologen Alfred Rosenberg zum Schirmherrn und Ehrenpräsidenten der DFG. Stark verlor sein Amt, weil sich neben Bernhard Rust und seinen Ministerialbeamten auch die SS und die Wehrmacht gegen ihn stellten.[15] Nach Untersuchungen von Historikern vor allem um Götz Aly und Ulrich Herbert trug die DFG in der Zeit des Nationalsozialismus maßgeblich zur Erarbeitung des „Generalplans Ost“ bei, in dem der Tod von Millionen Menschen in Osteuropa als bevölkerungs-, betriebs- und volkswirtschaftlich legitimiert dargestellt wurde.[16][17] Der „Generalplan“ sah vor, so genannte Volksdeutsche in osteuropäischen Regionen anzusiedeln, deren einheimische Bevölkerung zuvor ermordet („vernichtet“) oder vertrieben („umgesiedelt“) worden war. Zwar wurde der „Generalplan“ vor allem aufgrund der militärischen Niederlage des Deutschen Reichs gegenüber der Sowjet-Union nur ansatzweise umgesetzt, die Historiker schätzen aber die Zahl der bis dahin durch ihn verursachten Todesopfer in Osteuropa auf etwa 33 Millionen Menschen. Rudolf Mentzel war ab 1936 Präsident der DFG und Mitglied der SS im Range eines SS-Brigadeführers (1942). Die Forschungsgemeinschaft förderte nahezu jeden Menschenversuch in nationalsozialistischen Konzentrationslagern.[18]

Die DFG financierte bis 1944 Projekte wie die „Asozialen- und kriminalbiologische Forschung“ der Rassenhygienische Forschungsstelle Robert Ritters.[19]

Gegen Kriegsende wurden vorsätzlich zahlreiche DFG-Förderakten vernichtet.[20] Doch konnte z. B. Konrad Meyer, der Koordinator der Forschung zum Generalplan Ost, nach seiner Berufung an die Technische Universität Hannover 1956 wieder erfolgreich DFG-Mittel beantragen, obwohl die DFG seine Forschungskarriere kannte, fahndete sie doch nach dem Krieg nach den Rechenmaschinen, die ihm im Laufe des Generalplan-Projekts zur Verfügung gestellt worden waren.[21]

Nach 1949

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft wiedergegründet. In Göttingen konstituierte sich am 9. März 1949 der wissenschaftspolitisch ausgerichtete Deutsche Forschungsrat.[22] Am 2. August 1951 fusionierten die Notgemeinschaft und der Forschungsrat zur Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Nach der Wiedervereinigung wurde 1990 die Förderarbeit auf das Gebiet des vereinten Deutschland ausgedehnt. 1999 wurde außerdem ein Ombudsman für die Wissenschaft eingerichtet.

Seit dem Jahr 2007 erscheint im Stuttgarter Franz-Steiner-Verlag eine Buchreihe mit Studien zu Geschichte der DFG.[23]

Im Juli 2014 hat die Mitgliederversammlung der DFG auf ihrer Sitzung im Rahmen der Jahresversammlung an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main eine Novelle ihrer Satzung[4] beschlossen.

Kritik

  • Laut einem Beitrag von Roland Reuß und Volker Rieble in der FAZ stelle die DFG ein „Monopol ohne Kontrolle“ dar und sei nichts weniger als eine „freie Selbstverwaltung der Wissenschaft“. Sie zeichne sich insbesondere durch fast völlige Intransparenz bei der Vergabe von Projektfördermitteln aus.[24]
  • In leicht satirischem Stil hat Bernhard Horsthemke, der selbst im biowissenschaftlichen Bereich als Gutachter der DFG tätig war, einige bedenkliche Praktiken der DFG-Gutachter angeprangert. Er zielt vor allem auf offenbar unsachliche Argumente der Gutachter, die aus unterschiedlichen Motiven kein echtes wissenschaftliches Gutachten schreiben, sondern oft schwammige Phrasen benützen. Die Gründe dafür sieht er, verborgen hinter Ironie oder gar Satire, in Unsicherheit, mangelnder Genauigkeit und der Gefahr als unkritisch zu gelten. Typische Beispiele sind bei einem innovativen Antrag für wissenschaftliches Neuland, der Antragsteller sei kein Experte auf diesem Gebiet. Bei vorgeschlagenen Methoden wird behauptet, dies sei nicht die beste Methode, ohne eine Alternative zu nennen. Ein standardisiertes Fazit ohne Begründung in einem Gutachten lautet, der Antrag sei ein Projekt mit hohem Risiko und die zu erwartenden Ergebnisse seien vermutlich nur von geringer Bedeutung. Ein Problem der DFG ist wohl, dass manche Gutachter und Mitglieder der entscheidenden Fachgremien auch selbst Antragsteller in demselben oder in einem verwandten Gebiet sind. Durch die Ablehnung anderer Anträge steigen dann die Chancen für einen eigenen Antrag.[25][26]
  • Die Begutachtungspraxis von Förderanträgen genügt laut Stefanie Salaw-Hanslmaier[27] und Daniel Lübbert[28] nicht rechtsstaatlichen Anforderungen, da Entscheidungen nicht begründet werden und keine Widerspruchsmöglichkeiten bestehen.
  • Auch bei grobem wissenschaftlichen Fehlverhalten erteilte die DFG in der Vergangenheit relativ milde Rügen bzw. Strafen, so im Fall der jahrelangen „groben Vernachlässigung der Aufsichtspflicht“ der Leiterin einer immunologischen Arbeitsgruppe, die schon nach drei Jahren wieder als Gutachterin tätig werden durfte. Ihre Mitarbeiterin, die Hauptverantwortliche einer Datenmanipulation, aufgrund welcher mehrere Veröffentlichungen zurückgezogen werden mussten, darf fünf Jahre lang keine DFG-Mittel beantragen.[29]

Bisherige Präsidenten

Forschungspreise

Die DFG vergibt unter anderem folgende Forschungspreise:

Förderprogramme

DFG-geförderte Lizenzen für elektronische Medien

Um die Versorgung mit elektronischer Fachinformation an deutschen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Bibliotheken nachhaltig zu verbessern, finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2004 den Erwerb von nationalen Lizenzen für elektronische Medien im Rahmen ihres Förderprogramms „Überregionale Literaturversorgung und Nationallizenzen“. Ziel ist es, Wissenschaftlern, Studierenden und wissenschaftlich interessierten Privatpersonen den Zugang zu Datenbanken, digitalen Textsammlungen, elektronischen Zeitschriften und E-Books zu ermöglichen.[32]

Mitglieder

Nach § 3 der DFG-Satzung können „Hochschulen, die Einrichtungen der Forschung von allgemeiner Bedeutung sind, andere Einrichtungen der Forschung von allgemeiner Bedeutung, die in der Union der Akademien der Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland zusammengeschlossenen Akademien“ und bedeutende Wissenschaftsverbände DFG-Mitglieder werden.[4]

Hochschulen

Quelle:[33]

Andere Forschungseinrichtungen

Akademien der Wissenschaften

Wissenschaftliche Verbände

Literatur

  • Anne Cottebrune: Der planbare Mensch. Die DFG und die menschliche Vererbungswissenschaft, 1920–1970 (= Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2). Franz Steiner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09099-5.
  • Perspektiven der Forschung und ihrer Förderung. 2007–2011. Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg.); Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32064-6.
  • Noyan Dinçkal, Christof Dipper, Detlev Mares: Selbstmobilisierung der Wissenschaft. Technische Hochschulen im „Dritten Reich“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-23285-7.
  • Hellmut Flashar, Nikolaus Lobkowicz, Otto Pöggeler (Hrsg.): Geisteswissenschaft als Aufgabe. Kulturpolitische Perspektiven und Aspekte. de Gruyter, Berlin u. a. 1978, ISBN 3-11-007456-7 (17 Beiträge. Quer durch alle Geistes- und Kulturwissenschaften, z. T. bekannte, z. T. weniger bekannte Autoren aus „Orchideenfächern“. Im Anhang Liste der Mitglieder des Arbeitskreises „Geisteswissenschaften und Forschungspolitik“ in der DFG mit Kurzviten.)
  • Notker Hammerstein: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Wissenschaftspolitik in Republik und Diktatur 1920 – 1945. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44826-7. (Ernst Klee wirft Hammerstein Weißwäsche der NS-Aktivitäten der DFG am Beispiel Robert Ritters u. a. Rassenhygienikern vor.)
  • Lothar Mertens: „Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2
  • Thomas Nipperdey, Ludwig Schmugge: 50 jahre forschungsförderung in deutschland: Ein Abriss der Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1920-1970. [Anlässl. ihres 50–jährigen Bestehens], Bad Godesberg: Deutsche Forschungsgemeinschaft 1970.
  • Karin Orth / Willi Oberkrome (Hrsg.), Die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1920-1970. Forschungsförderung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09652-2.

Weblinks

  Commons: Deutsche Forschungsgemeinschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikinews: Kategorie:DFG – in den Nachrichten

Geschichte

Einzelnachweise

  1. http://www.dfg.de/dfg_profil/geschichte/index.html
  2. http://www.dfg.de/dfg_profil/gremien/praesidium/mitglieder_praesidiums/index.html
  3. Jahresbericht 2016. In: dfg.de. Abgerufen am 9. Juli 2018.
  4. a b c d e f g h Satzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in der Fassung des Beschlusses der Mitgliederversammlung vom 2. Juli 2014, eingetragen im Vereinsregister unter Nr. VR 2030 beim Amtsgericht Bonn am 11. November 2014*. In: dfg.de. Abgerufen am 23. April 2015.
  5. Pressemitteilung zu Vizepräsidentinnen und -Präsidenten vom 5. Juli 2017*. In: dfg.de. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  6. Deutsche Forschungsgemeinschaft Pressemitteilung Nr. 52 | 12. November 2018: 
Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek scheidet aus Amt, abgerufen am 12. November 2018
  7. Berliner Büro. In: dfg.de. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  8. Jahresbericht der DFG 2017 *. In: dfg.de. Abgerufen am 9. Juli 2018.
  9. Senat. In: dfg.de. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  10. DFG (2016) Hinweise für Gutachtende. Aktualisierungsdatum: 08.03.2016 (online)
  11. Website der Japan Society for the Promotion of Science. Abgerufen am 23. April 2015.
  12. Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 179.
  13. Die DFG: bereitwillig und anpassungsfähig (Memento vom 20. August 2007 im Internet Archive).
  14. Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 175.
  15. Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. Blessing, München 2005, ISBN 3-89667-148-0, S. 355 (Zugleich: Potsdam, Universität, Habilitations-Schrift, 2005)
  16. Götz Aly und Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung, Erstausgabe 1991, überarbeitete Neuauflage 2013, Fischer Taschenbuch 19510, Frankfurt (Main) 2013, ISBN 978-3-596-19510-7, Seiten 379, 410 ff.
  17. Isabel Heinemann, Willi Oberkrome, Sabine Schleiermacher, Patrick Wagner: DFG-Ausstellung Wissenschaft Planung Vertreibung, abgerufen 3. Juli 2015
  18. Ernst Klee: Deutscher Menschenverbrauch Zeit, 28. November 1997, abgerufen 30. Januar 2015
  19. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus, Ss. 9-10. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 2009
  20. Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 185.
  21. Rüdiger Hachtmann: Die Wissenschaftslandschaft zwischen 1930 und 1949. In: Michael Grüttner, Rüdiger Hachtmann u. a. (Hrsg.): Gebrochene Wissenschaftskulturen: Universität und Politik im 20. Jahrhundert, Göttingen 2010, S. 192.
  22. Thomas Stamm-Kuhlmann: Zwischen Staat und Selbstverwaltung. Die deutsche Forschung im Wiederaufbau 1945–1965. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1981, ISBN 3-8046-8597-8 (Zugleich: Bonn, Universität, Dissertation, 1980).
  23. Studien zur Geschichte der DFG im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  24. „Da in den Gremien der DFG nur die allerbesten Wissenschaftler versammelt sind, wundert es nicht, dass auch diese selbst Forschungsförderung erfahren. Der ehrenhafte Einsatz für die Wissenschaft darf nicht zur Fördersperre missraten. Sonst gewönne man nicht die Besten oder verlangte ihnen ein mönchisches Sonderopfer ab. Über die Förderung der Gutachter erfährt man nichts – weil Gutachter und Gutachten geheim sind. […] Die Ministerialagenten können nach eigenem Gutdünken Forschungskonzeptionen für die gesamte Bundesrepublik entwickeln – innerhalb eines privatrechtlichen Vereines, der niemandem verantwortlich ist.“ Roland Reuß, Volker Rieble: Die freie Wissenschaft ist bedroht. In: FAZ, 18. Oktober 2011.
  25. Horsthemkes Glosse in der Deutschen Universitätszeitung
  26. Horsthemkes Text beim SPIEGEL
  27. Stefanie Salaw-Hanslmaier: Die Rechtsnatur der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Auswirkungen auf den Rechtsschutz des Antragstellers (= Studien zur Rechtswissenschaft. Bd. 129). Kovač, Hamburg 2003, ISBN 3-8300-1194-6 (Zugleich: Augsburg, Universität, Dissertation, 2003).
  28. Daniel Lübbert: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Strukturen, Verfahren, Reformbedarf. Info-Brief des wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages (PDF; 574 kB) Wissenschaftlicher Dienste – WD 8, Berlin 2006.
  29. Julia Merlot: Manipulierte Studien: Milde Strafe für Spitzenforscherin. Spiegel Online, 12. Dezember 2012 [1] abgerufen am 3. August 2015.
  30. Philipps-Universität Marburg, Pressestelle: Gauß-Vorlesung in Marburg
  31. Alle Förderprogramme im Überblick DFG
  32. nationallizenzen.de
  33. Mitgliederversammlung
  34. Zur vollständigen Liste der Mitgliedseinrichtungen DFG auf der Webseite der DFG

Koordinaten: 50° 41′ 58″ N, 7° 8′ 52″ O