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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Melsbach
Melsbach
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Melsbach hervorgehoben
Koordinaten: 50° 29′ N, 7° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Rengsdorf-Waldbreitbach
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 2,8 km2
Einwohner: 1994 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 712 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56581
Vorwahl: 02634
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 043
Adresse der Verbandsverwaltung: Westerwaldstraße 32–34
56579 Rengsdorf
Website: www.gemeinde-melsbach.de
Ortsbürgermeister: Holger Klein
Lage der Ortsgemeinde Melsbach im Landkreis Neuwied
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Über dieses Bild
Melsbach, Luftaufnahme (2017)
Ruine Kreuzkirche in Melsbach

Melsbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz. Die Gemeinde gehört seit dem 1. Januar 2018 der neu gebildeten Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach an.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Der Ort liegt am Rande des Westerwaldes direkt auf einer Anhöhe am Neuwieder Becken im Naturpark Rhein-Westerwald südwestlich von Rengsdorf in der Nähe der Wied.

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1956 wurde auf dem Gelände des damaligen Tonbergwerks der „Didier-Werke AG“ ein Bronzeeimer (Situla) gefunden, welcher der Hallstattzeit (600 bis 300 v. Chr.) zugeordnet wird und der sich heute im Kreismuseum Neuwied befindet.[3] Dies deutet darauf hin, dass der Raum um das heutige Melsbach bereits in der Bronzezeit bewohnt war. Die erste urkundliche Erwähnung Melsbachs datiert auf das Jahr 1267: Graf Gottfried von Eppstein, der Jüngere, verkauft seinen Erbhof.

Im Jahr 1278 gehörte Melsbach zum Kirchspiel Rengsdorf. 1357 wurde Melsbach Zollstation. Auf das Jahr 1399 fällt die erste Erwähnung der Kreuzkirche als Wallfahrtsort. Zwischen 1692 und 1720 wurde in Melsbach eine eigene Schule errichtet. Im Jahr 1747 kam Melsbach zum Kirchspiel Altwied. Um das Jahr 1750 erfolgte am Laubach in neun Gruben die Gewinnung von blauem Dachschiefer.

Als der Unternehmer Heinrich Wilhelm Remy für sein Hütten- und das Walzwerk „Rasselstein“ im Wiedtal bei Neuwied Kohle benötigte, ließ er um 1780 beim heutigen Melsbacher Ortsteil Kreuzkirch Bohrungen vornehmen, wo man Steinkohlelager vermutete. Man stieß jedoch zwischen Tonlagern nur auf unbrauchbare Braunkohle. Der fürstlich wiedische Forst- und Bergrat Engelhardt erkannte aber 1786 in den Tonlagern den Grundstoff von Alaun, der im Ortsteil Kreuzkirch zum Bau des ältesten Alaunwerks im Rheinland führte. Es wurde 1880 stillgelegt und 1882 abgerissen. Auf seiner ehemaligen Abraumhalde befindet sich heute der Sportplatz von Melsbach.

Im Jahr 1863 fand die erste Melsbacher Kirmes mit dem Wein Melsbacher Goldberg statt. 1865 gründete sich der Burschenverein Melsbach und im Jahr 1907 wurde die Freiwillige Feuerwehr Melsbach ins Leben gerufen.

Infolge der Aufrüstung der Wehrmacht im Dritten Reich, blühte ab 1935 die Stahlerzeugung wieder auf. Die damit verbundene wachsende Nachfrage nach Ton zur Auskleidung der Hochöfen machten die Tonlagerstätten in Melsbach für die Firmen „Dr. C. Otto & Comp.“ (Bendorf) und „Didier-Werke AG“ (Wiesbaden) interessant. Letztere ließen 1938/39 einen Förderschacht bis zu einer Teufe von ca. 86 m errichten. Nach der im Zweiten Weltkrieg unterbrochenen Förderung, wurde die Tongewinnung 1948 wieder aufgenommen und lief bis zur Betriebsstilllegung 1983. Das Tonbergwerk der „Dr. C. Otto & Comp.“ wurde noch bis 1990 betrieben.

Vom 11. bis zum 14. August 2017 feierte der Ort sein 750-jähriges Bestehen.

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Melsbach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[4]

Jahr Einwohner
1815 345
1835 382
1871 431
1905 576
1939 609
Jahr Einwohner
1950 731
1961 973
1970 1.391
1987 2.015
2005 2.114

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Melsbach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 5 4 7 16 Sitze
2009 7 4 5 16 Sitze
2004 8 4 4 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Melsbacher Bürger e. V.

GebietsreformenBearbeiten

Melsbach gehörte bis 1970 zur Verbandsgemeinde Niederbieber-Segendorf, welche im Rahmen der mit Wirkung vom 8. November 1970 ausgeführten Gebietsreform in Rheinland-Pfalz aufgelöst wurde. Mit gleichem Datum wurde Melsbach der Verbandsgemeinde Rengsdorf zugeordnet.

Seit dem 1. Januar 2018 gehört Melsbach der neu gegründeten Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach an. Die Pläne zur Fusionierung der beiden Verbandsgemeinden begannen im Oktober 2017 und wurden am 29. Dezember 2017 abgeschlossen und abgesegnet. Seit dem 1. Januar 2018 ist auch ein neues Wappen für die neue Verbandsgemeinde gültig. Melsbachs Dorfwappen bleibt unverändert.[2]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Unter grünem Schildplatt, darin ein linksschräger silberner Wellenbalken, in Silber auf grünem Dreiberg eine grüne Eiche.“
Wappenbegründung: Der Wellenbalken symbolisiert das Grundwort „-bach“ des Ortsnamens, der Dreiberg die Höhenlage des Ortes zwischen Wied- und Wallbachtal, die Eiche seine waldreiche Umgebung. Das Wappen ist rechtsgültig seit dem 31. August 1966 nach einem Entwurf von A. Brust, Kirn.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KulturdenkmälerBearbeiten

 
Ton-Förderturm der „Dr. C. Otto & Comp.“ in Melsbach
Kreuzkirche

Die Kreuzkirche wurde um das Jahr 1399 errichtet, sie war Teil der Abtei St. Thomas zu Andernach. Einer lokalen Sage nach hatte sich ein wohlhabender Ritter des Adelsgeschlechts zu Wied während einer Jagd in den umliegenden Wäldern verirrt und sah sich bei Einbruch der Nacht genötigt, unter einer besonders prächtigen Eiche ein Nachtlager herzurichten. Daraufhin soll sich eine schimmernde, weiße Frau mit einem leuchtenden Kreuz in der Hand gezeigt haben. Diese ermutigte den Ritter, ihr zu folgen, sodass er sicheren Weges zurück nach Hause fand. Der Ritter soll ihr zum Dank ein großes und schönes Kreuz errichtet haben, genau dort, wo er nahe der Eiche der Weißen Frau begegnet war. Später, als der Ritter zu Reichtum kam, soll er den Bau einer Gedenkkapelle in Auftrag gegeben haben. Der tatsächliche Auftraggeber und Erbauer ist jedoch unbekannt.[6] Historische Urkunden aus den Jahren 1542 und 1544 belegen, dass Johann IV. von Runkel, Graf zu Wied, großzügige Spenden entrichtet hatte und mit einem Teil des Ertrages, der an die Kirchspiele Altwied, Feldkirchen, Oberbieber und Heddesdorf ging, sollten unter anderem die Pfarrer der Kreuzkirche besoldet werden. Noch zu dieser Zeit war die Kreuzkirche ein viel besuchter Wallfahrtsort. Bis etwa 1770 waren die Pfarrer der Kreuzkirche verpflichtet, zweimal jährlich einen Gedenkgottesdienst abzuhalten. Dieses Brauchtum endete aber bald, woraufhin die kleine Kirche über die Jahrhunderte vollends zerfiel und offenbar geplündert wurde. Die verbliebenen Ruinen wurden an ein kleines Gehöft angefügt, welches bis 1880 die Zugänge zu den Alaunwerken enthielt. Heute steht die Kreuzkirche unter besonderem Denkmalschutz.[7][8]

Förderturm

Unweit der Ruine Kreuzkirch steht der eiserne Förderturm des stillgelegten Tonbergwerks der Dr. C. Otto & Comp., er war um 1938/1939 errichtet worden. Es ist zwar noch heute möglich, den Förderturm zu besichtigen, er darf aber aufgrund Einsturzgefahr nicht mehr bestiegen werden.[9]

NaturdenkmälerBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Am zweiten Wochenende im August wird traditionell seit mehr als 140 Jahren, mit Ausnahme der Zeit der Weltkriege, die Kirmes in Melsbach gefeiert. Die Kirmes wird traditionell durch den Burschenverein 1865 Melsbach ausgerichtet. Derzeit gibt es in Melsbach 25 Burschen und 17 Maimädchen mit einem Maikönigspaar und einem „Schuldes“.

Seit dem Jahr 2006 erfolgt die Ausrichtung der Kirmes in Kooperation mit einem eigens dafür gegründeten Verein. Die Kirmes- und Kulturgesellschaft Melsbach e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben der Kirmes das kulturelle Leben im Ort durch weitere Veranstaltungen zu bereichern. Im Jahr 2011 löste sich die Kirmesgesellschaft wieder auf. Somit ist seit 2011 der Burschenverein wieder auf sich alleine gestellt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Östlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 256, die von Neuwied nach Altenkirchen (Westerwald) führt. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Neuwied an der Bundesautobahn 3.

Der nächstgelegene Bahnhof ist der Bahnhof Neuwied, die nächsten ICE-Bahnhöfe sind der Hauptbahnhof Koblenz und der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Seit 1907 existiert im Ort eine Freiwillige Feuerwehr.

LiteraturBearbeiten

  • Albert Hardt: Melsbach und seine Geschichte. In: Im Wiedischen Land. Rengsdorf 1989, S. 377 ff. (Geschichte der Orte in der Verbandsgemeinde Rengsdorf).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2017, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b Informationen zur Fusion der Verbandsgemeinden Rengsdorf und Waldbreitbach auf waldbreitbach-vg.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.waldbreitbach-vg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; zuletzt aufgerufen am 2. Januar 2018.
  3. Infotafel vor dem ehemaligen Tonbergwerk der „Didier-Werke AG“ in Melsbach
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Otto Runkel: Aus dem Sagenschatz der Heimat: Westerwald-Sagen, gesammelt und erzählt, 1. Band. Sändig, Wiesbaden 1972 (Nachdruck von 1929), S. 96.
  7. Friedrich von Alberti: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius: welcher die wichtigsten und angenehmsten geographischen, historischen und politischen Merkwürdigkeiten des ganzen Rheinstroms, von seinem Ausfluß in das Meer bis zu seinem Ursprunge, darstellt, Band 3. Verlag Hergt, Koblenz 1856, Seite 655.
  8. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz: Fünfter Band: Die beiden Karten der kirchlichen Organisation, 1450 und 1610; zweite Hälfte: die Trierer und Mainzer Kirchenprovinz; die Entwicklung der kirchlichen Verbände seit der Reformationszeit. Bendt, Bonn/Trier 2015 (Nachdruck von 1913), S. 231 & 566.
  9. Ralf Schaumann: Technik und technischer Fortschritt im Industrialisierungsprozess: dargest. am Beispiel d. Papier-, Zucker- u. chem. Industrie d. nördl. Rheinlande (= Rheinisches Archiv, vol. 101). Röhrscheidt Verlag, Bonn 1977, ISBN 3792803909, S. 233 & 403.