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Mandach
Wappen von Mandach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4105i1f3f4
Postleitzahl: 5318
Koordinaten: 656256 / 266500Koordinaten: 47° 32′ 49″ N, 8° 11′ 9″ O; CH1903: 656256 / 266500
Höhe: 489 m ü. M.
Fläche: 5,54 km²
Einwohner: 341 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 62 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
6,7 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.mandach.ch
Blick nach Norden auf Mandach, ganz im Hintergrund ist der Schwarzwald zu sehen

Blick nach Norden auf Mandach, ganz im Hintergrund ist der Schwarzwald zu sehen

Karte
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Mandach (schweizerdeutsch: ˈmɑndəχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Brugg und liegt etwa sieben Kilometer nördlich des Bezirkshauptorts, nahe der Grenze zu Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt inmitten des Tafeljuras zwischen dem Aaretal und dem Rheintal. Es ist auf allen Seiten von Hügeln umgeben und befindet sich am oberen Ende eines Tals, das in Richtung Norden zur Aare hin entwässert wird. Im Westen liegt der 605 Meter hohe Wessenberg mit der gleichnamigen Burgruine, im Südwesten der Besseberg (618 m ü. M.), im Süden der Rotberg (638 m ü. M.) und im Osten die Ausläufer des Böttebergs. Dem Rotberg vorgelagert ist der Hirzigen (538 m ü. M.). Das Dorf selbst schmiegt sich an einen 561 Meter hohen Hügel, der schlicht «Berg» heisst.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 554 Hektaren, davon sind 149 Hektaren bewaldet und 33 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt ist der Grat des Rotbergs auf 638 Metern, der tiefste liegt auf 430 Metern an der nördlichen Gemeindegrenze. Nachbargemeinden sind Leuggern im Norden, Böttstein im Osten, Villigen im Süden und Mettauertal im Westen.

GeschichteBearbeiten

Untersuchungen um die Mandacher Kirche lassen darauf schliessen, dass das erste Kirchengebäude auf den Fundamenten eines römischen Gutshofes entstand.[6] Doch die Gegend war bereits um 500 v. Chr. vom Keltenstamm der Helvetier besiedelt worden. 1930 fanden man Reste eines römischen Wachtturms, der nach den Alamannenüberfällen von 259 bis 270 errichtet worden war. Die erste urkundliche Erwähnung von Mandacho erfolgte im Jahr 1218. Der Ortsname stammt vom spätlateinischen (praedium) Manduccacum und bedeutet dem Manduccus gehörendes Landgut.[3]

 
Luftansicht (1958)

Im Mittelalter gehörte der meiste Grundbesitz den Herren von Wessenberg, deren Burg auf dem gleichnamigen Berg an der Grenze zu Hottwil lag. Landesherren waren die Habsburger, die das Dorf dem Amt Waldshut zuteilten. 1316 mussten die Habsburger die Dörfer Mandach und Hottwil wegen Geldmangels an die Wessenberger verpfänden. Diese erwarben die niedere Gerichtsbarkeit und Blutgerichtsbarkeit, wodurch sie ein kleines, fast völlig souveränes Herrschaftsgebiet schufen. 1330 wird in einer Urkunde des Stifts Zurzach ein «Her Hainrich von Mandach» als Zeuge genannt, des Weiteren 1373 ein Edelknecht Rudiger von Mandach.[7]

Im Waldshuterkrieg von 1468 besetzte Bern die Herrschaft Wessenberg und fügte es zu seinen Untertanengebieten im Berner Aargau an. Mandach war nun Teil des Gerichtsbezirks Wessenberg im Amt Schenkenberg. Die Berner liessen die Burg verfallen, 1528 führten sie die Reformation ein. Im Jahr 1518 zerstörte ein Grossbrand das Dorf, 1593 und 1668 gab es Pestepidemien. Das Schloss Mandach stand einst am Ufer des Hochrheins bei Zurzach, im Südschwarzwald besteht noch die Ruine der Burg Mandach.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Die Gemeinde gehört seither zum Kanton Aargau. Bis heute ist Mandach aufgrund der peripheren Lage ein von der Landwirtschaft und vom Weinbau geprägtes Dorf geblieben. Zwischen 1900 und 1970 sank die Einwohnerzahl um über 30 Prozent, da viele Dorfbewohner gezwungen waren, anderswo nach Arbeit zu suchen. Seither ist die Bevölkerungszahl jedoch wieder leicht ansteigend.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Reformierte Kirche

Vor 1207 liessen die Herren von Wessenberg auf dem gleichnamigen Hügel ihren Stammsitz errichten. Die Burg Wessenberg war etwa 9 Meter breit und 40 Meter lang und verfiel nach der Eroberung durch die Berner im Jahr 1468 zu einer Ruine. Die reformierte Kirche Mandach stammt ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert. In ihr finden sich Fresken aus dem 16. Jahrhundert, die erst 1962 bei Renovationsarbeiten wiederentdeckt wurden.

Aus Mandach stammt der älteste erhaltene Gemeindesarg mit dem Dendrodatum 1548; er befindet sich heute im Museum Aargau.[8]

WappenBearbeiten

 
Wappen derer von Mandach, Zürcher Wappenrolle

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt von Weiss mit aus der Teilung wachsendem schwarzem Mohr mit roten Lippen und weissem Halsschmuck und von Rot.» Das Gemeindewappen entspricht dem Wappen des Ministerialengeschlechts der Edlen von Mandach und erschien erstmals um 1340 auf der Zürcher Wappenrolle. Der Mohr stellt angeblich den Heiligen Mauritius dar.[9]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 504 361 300 292 294 251 275 303 313 303

Am 31. Dezember 2018 lebten 341 Menschen in Mandach, davon 6,7 % Ausländer. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 62,8 % als reformiert und 18,0 % als römisch-katholisch; 19,2 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 98,4 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an.[12]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Brugg zuständig. Mandach gehört zum Friedensrichterkreis VIII (Brugg).[13]

WirtschaftBearbeiten

In Mandach gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 80 Arbeitsplätze, davon 55 % in der Landwirtschaft, 7 % in der Industrie und 38 % im Dienstleistungsbereich.[14] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Brugg oder in den grösseren Gemeinden der Umgebung.

An den Südhängen von Besseberg, Berg und Hirzigen erstrecken sich Rebberge mit einer Anbaufläche von rund 1,5 Hektaren. Angebaut werden vor allem die Sorten Riesling × Sylvaner und Blauburgunder.[15]

VerkehrBearbeiten

Das Dorf liegt abseits der grösseren Durchgangsstrassen, die Hauptzufahrt erfolgt von Leuggern her über die Kantonsstrasse 445. Weitere Nebenstrassen führen nach Hottwil und über den Rotberg nach Villigen. Mandach ist durch eine Postautolinie mit Leuggern und dem Bahnhof Döttingen verbunden.

BildungBearbeiten

Mandach verfügt über ein Schulhaus mit Kindergarten und Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Kleindöttingen oder Leibstadt besucht werden, die Bezirksschule in Leuggern. Die Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

KulturBearbeiten

Mandach war 2009 Schauplatz der Dreharbeiten zum Kinofilm Der böse Onkel von Urs Odermatt.[16]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mandach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 73–74.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050 und 1070, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 8. Juni 2019.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 182.
  7. Johannes Huber: Die Urkunden des Stifts Zurzach, S. 292 und S. 295
  8. Stefan Hess: Der sogenannte Pestsarg von Mandach – ein aufschlussreiches Zeugnis frühneuzeitlicher Sepulkralkultur. In: Argovia 125 (2013), S. 124–133
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 208.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 8. Juni 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 8. Juni 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 8. Juni 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 18. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 8. Juni 2019.
  15. Weinlesekontrolle 2018 Kanton Aargau. (PDF, 2,4 MB) Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, 2019, abgerufen am 18. Juni 2019.
  16. Carolin Frei: «Der böse Onkel» spielt in Baden und Umgebung. Aargauer Zeitung, 6. Mai 2009, abgerufen am 8. Juni 2019.