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Bözen
Wappen von Bözen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4094i1f3f4
Postleitzahl: 5076
Koordinaten: 648633 / 260652Koordinaten: 47° 29′ 41″ N, 8° 5′ 2″ O; CH1903: 648633 / 260652
Höhe: 405 m ü. M.
Fläche: 3,96 km²
Einwohner: 749 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 189 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
15,0 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.boezen.ch
Blick auf Bözen

Blick auf Bözen

Karte
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Bözen (schweizerdeutsch: ˈbøːtsə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Brugg und liegt rund neun Kilometer westlich des Bezirkshauptorts im oberen Fricktal.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt westlich des Bözbergpasses am Oberlauf der Sissle und ist von sanft ansteigenden Hügeln des Tafeljuras umgeben. Es sind dies der Schemel im Norden (615 m ü. M.), der Hessenberg im Nordosten (507 m ü. M.) und der Müliberg im Südwesten (473 m ü. M.). Ein kurzes Seitental führt nordostwärts in Richtung Elfingen. An den Südhangen des Schemels und Hessenbergs befinden sich mehrere Rebberge.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 396 Hektaren, davon sind 89 Hektaren mit Wald bedeckt und 50 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt ist der Gipfel des Schemels auf 615 Metern, der tiefste liegt auf 397 Metern an der Sissle. Das Gemeindegebiet von Bözen ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung». Nachbargemeinden sind Elfingen im Norden, Effingen im Osten, Zeihen im Süden und Hornussen im Westen.

GeschichteBearbeiten

Verschiedene Funde deuten darauf hin, dass die Gegend bereits während der Jungsteinzeit besiedelt war. Zur Zeit der Römer, ab Ende des 1. bis Mitte des 3. Jahrhunderts, befand sich hier ein einfacher Gutshof, dessen Grundriss mit Wohn- und Badetrakt 1923/28 freigelegt wurde.[6] Die erste urkundliche Erwähnung von Boze erfolgte in einem Dokument aus dem Jahr 1284. Der Ortsname stammt vom lateinischen (ad montem) Vocetum, wobei Vocetum auf das keltische Wort Voceton zurückgeht, das mit Wald oder Gehölz übersetzt werden kann.[3]

 
Luftansicht (1923), von Walter Mittelholzer

Im Mittelalter war das Dorf Teil des Dinghofes Elfingen, das dem Kloster Murbach im Elsass gehörte. Der Dinghof verfügte über umfassende Rechte in der näheren Umgebung und wurde 1291 an die Habsburger verkauft. Königin Agnes von Ungarn schenkte 1322 den Besitz dem Kloster Königsfelden in Windisch. Daneben entstand im 14. Jahrhundert als Gerichtsbezirk die Twingherrschaft Bötzberg, die zuerst den Herren von Schönau und ab dem frühen 15. Jahrhundert der Familie des Arnold von Rotberg aus Basel gehörte. Diese übten die niedere Gerichtsbarkeit aus.

1460 eroberte Bern die Herrschaft Schenkenberg, wozu auch Bözen gehörte. Damit sicherten sich die Berner den wichtigen Passübergang über den Bözberg an der Grenze zu Vorderösterreich. Bözen war nun Hauptort eines Gerichtsbezirks und somit Teil der Untertanengebiete im Berner Aargau. Bern kaufte 1514 den Rotbergern die niederen Herrschaftsrechte ab, der einstmals bedeutende Elfinger Dinghof hörte damit auf zu existieren. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Bözen gehört seither zum Kanton Aargau. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sank die Bevölkerungszahl um fast einen Drittel, da viele verarmte Dorfbewohner sich zur Auswanderung entschlossen oder dazu gedrängt worden waren. Über ein Jahrhundert lang stagnierte die Einwohnerzahl. Ab 1980 nahm die Bautätigkeit markant zu, vor allem seit der Eröffnung der Bözbergautobahn im Jahr 1996.

Seit Juni 2017 laufen Abklärungen zu einer möglichen Fusion der Gemeinden Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen. Sollte sie Ende Juni 2019 von den Gemeindeversammlungen und Ende November 2019 in Volksabstimmungen angenommen werden, so würde auf Anfang 2022 die Gemeinde Böztal entstehen.[7]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Grenzstein von 1733 zwischen Bözen und Hornussen

Die Marienkapelle wurde erstmals 1381 als Filialkirche von Elfingen erwähnt. 1667 brach man die alte, zu klein gewordene Kapelle ab und erbaute an ihrer Stelle die heute noch bestehende Reformierte Kirche im spätbarocken Stil. Seit Juni 2009 ist der so genannte Rüedi-Kelch, ein Abendmahlskelch aus der Zeit um 1640, in der Kirche ausgestellt.[8]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb schwarzer Balken.» Bis 1915 besass die Gemeinde kein eigenes Wappen. Sie übernahm dann vorerst inoffiziell jenes der Herren von Rotberg. Die definitive Einführung erfolgte im Jahr 1953.[9]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 361 539 376 371 383 403 389 372 518 657 699

Am 31. Dezember 2018 lebten 749 Menschen in Bözen, der Ausländeranteil betrug 15 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 44,0 % als reformiert und 22,7 % als römisch-katholisch; 33,3 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 92,8 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 2,0 % Albanisch und 1,8 % Serbokroatisch.[12]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Brugg zuständig. Bözen gehört zum Friedensrichterkreis VIII (Brugg).[13]

WirtschaftBearbeiten

In Bözen gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 170 Arbeitsplätze, davon 22 % in der Landwirtschaft, 17 % in der Industrie und 61 % im Dienstleistungssektor.[14] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Brugg oder in den grösseren Gemeinden des Fricktals.

Von Bedeutung ist weiterhin der Weinbau. An den Südhängen von Schemel und Hessenberg war im Jahr 2018 eine Fläche von 10,75 Hektaren mit Reben bestockt, wobei die Sorten Blauburgunder und Riesling × Sylvaner überwiegen.[15]

VerkehrBearbeiten

Bözen liegt an der Hauptstrasse 3 von Basel über den über den Bözbergpass nach Zürich. Von dieser zweigt die Kantonsstrasse 460 nach Elfingen und ins Hochrheintal ab. Am südwestlichen Dorfrand führt die Autobahn A3 vorbei. Die nächsten Anschlüsse befinden sich zwischen Effingen und Zeihen (nur in Fahrtrichtung Zürich) sowie bei Frick. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie zwischen dem Bahnhof Frick und dem Bahnhof Brugg. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Frick über Bözen nach Densbüren.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Sämtliche Oberstufen (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) können in Frick besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bözen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 105–107.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 9. Juni 2019.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 165.
  7. Ein Geben und Nehmen. Projekt BEEH, 23. Mai 2019, abgerufen am 9. Juni 2019.
  8. Zeitung Sonntag vom 21. Juni 2009, S. 57.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 129.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 9. Juni 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 9. Juni 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 9. Juni 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 18. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 9. Juni 2019.
  15. Weinlesekontrolle 2018 Kanton Aargau. (PDF, 2,4 MB) Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, 2019, abgerufen am 18. Juni 2019.