Karl-Eduard von Schnitzler

deutscher Journalist

Karl-Eduard Richard Arthur von Schnitzler (* 28. April 1918 in Dahlem, heute zu Berlin; † 20. September 2001 in Zeuthen) war ein deutscher Journalist. Als Chefkommentator des DDR-Fernsehens sowie Autor und Moderator der politisch-agitatorischen Fernsehsendung Der schwarze Kanal war er unter der Bevölkerung der DDR der umstrittenste Journalist.

Karl-Eduard von Schnitzler (1956)

Herkunft

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Schnitzler war jüngster Sohn des Legationsrates Julius Eduard von Schnitzler (1863–1934) und dessen Ehefrau Margarethe Julia Luise (1880–1959), geborene Gillett.[1] In seiner Autobiografie behauptete Schnitzler, seine Großmutter väterlicherseits sei eine außereheliche Tochter des „99-Tage-Kaisers“ Friedrich III. gewesen,[2] er selbst ein Urenkel des Kaisers und ein Großneffe Kaiser Wilhelms II.[3] Schnitzlers Vater war seit 1898 als Vizekonsul in Shanghai tätig. Am 20. September 1913 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern Paul und Richard durch den preußischen König in den erblichen Adelsstand erhoben und trug seitdem das Adelsprädikat „von“.

Sein älterer Bruder war Hans Schnitzler. Zu seinen Vettern zählten der Verkaufsdirektor der I.G. Farben, Georg von Schnitzler, und der Botschafter Herbert von Dirksen. Der Bankier Kurt Freiherr von Schröder war durch Einheirat verwandt. Zu Schnitzlers großbürgerlicher Familie gehörten spätere NS-Kriegsverbrecher.[4]

Jugend und Ausbildung

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Schnitzler trat mit 14 Jahren in die Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) ein.[5] Nach dem Abitur in Köln[6] brach Schnitzler 1937 nach zwei Semestern das in Freiburg begonnene Medizinstudium ab.[7] Er hatte Kontakt zur verbotenen KPD. Von 1938 bis 1940 absolvierte er in den Kabelwerken Felten & Guilleaume in Köln eine kaufmännische Lehre.

Zeit des Nationalsozialismus

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1939 wurde er Inhaber einer Speditionsfirma[8][9] und leistete dann im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1944 Kriegsdienst.[8] Er wurde in einer Nachrichtenabteilung der Wehrmacht eingesetzt.[10] Von 1940 bis 1944 war er Soldat in Frankreich, Jugoslawien und der UdSSR. Im August 1941 wurde er verwundet und danach im Afrikafeldzug eingesetzt, wo er erneut verwundet wurde. 1943 knüpfte er in Frankreich Kontakte zur Résistance und wurde im April 1944 in Paris verhaftet. Er floh aus der Untersuchungshaft und betätigte sich im militärischen Widerstand bei den Maquis.[9] Im Juni 1944 kam er in britische Kriegsgefangenschaft. Ab Ende 1944 machte er in der Deutschlandabteilung der BBC Propagandaarbeit für die Briten.[8]

Journalist in der britischen Besatzungszone

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In der britischen Kriegsgefangenschaft erfolgte die Vorbereitung auf seine Arbeit beim deutschen Nachkriegsrundfunk: Er wurde bei der BBC-Sendung Hier sprechen deutsche Kriegsgefangene zur Heimat beschäftigt, und später beim Rundfunk in der britischen Besatzungszone, dem Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) in Hamburg.[5] Im Oktober 1945 trat er in Hamburg als Leiter des Frauenfunks in der NWDR-Zentrale seinen Dienst an und gab auch Beiträge für die Sendereihe Sind wir auf dem richtigen Wege?, die Peter von Zahn leitete. Am 1. Januar 1946 wurde er Leiter des Ressorts Politik des NWDR Köln. Die später oft von ihm zitierte Aussage, er sei in Köln „amtierender Intendant“ gewesen, bezieht sich offenbar auf seine Funktion, wonach er als stellvertretender Intendant maßgeblich am Aufbau des NWDR in Köln beteiligt war.[11] Der britische Chief Controller des NWDR, Hugh Carleton Greene, urteilte rückblickend über ihn: „Schnitzler wurde versuchsweise von Köln nach Hamburg versetzt, wo er weiter politische Kommentare lieferte; er war ein guter Rundfunkpublizist und ein gescheiter Kopf, den ich nicht unbedingt verlieren wollte. Da er in seine Kommentare indes fortgesetzt kommunistische Propaganda einfließen ließ, kam ich zu dem Schluß, daß er gehen müsse.“[12] Zum 31. Dezember 1947 erhielt er die Kündigung.

Übersiedlung in die sowjetische Besatzungszone

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Von Schnitzler (2. v. links) bei der Ankunft des Sonderzuges mit dem Außenminister der DDR, Lothar Bolz, 1959 in Genf

Ende 1947 ging Schnitzler in den Sowjetischen Sektor von Berlin, wo er 1948 in die SED eintrat und Kommentator beim Berliner Rundfunk und 1949 beim Deutschlandsender wurde.[5] 1952 wurde er Leiter der Kommentatorengruppe des Staatlichen Rundfunkkomitees und später Chefkommentator des DDR-Fernsehens.[8]

Den Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR kommentierte Schnitzler folgendermaßen:

„Nach anderthalb Tagen wurde ein Abenteuer beendet, das den demokratischen Sektor Berlins zu einem Brandherd machen sollte, der zu einem Weltbrand hätte entfacht werden können. […] Es ging nicht um Normen, nicht um freie Wahlen, nicht um die Verbesserung des Lebensstandards, nicht um eine – wie immer geartete – Freiheit; sondern unter Mißbrauch des guten Glaubens eines Teils der Berliner Arbeiter und Angestellten, gegen grobe Fehler bei der Normerhöhung mit Arbeitsniederlegung und Demonstrationen antworten zu müssen, wurde von bezahlten Provokateuren, vom gekauften Abschaum der Westberliner Unterwelt ein Anschlag auf die Freiheit, ein Anschlag auf die Existenz, auf die Arbeitsplätze, auf die Familien unserer Werktätigen versucht. Nicht weil Unzufriedenheit herrschte, haben Provokateure die Unruhen entfesselt, sondern weil von unserer Regierung und vom Politbüro der SED alle Maßnahmen und Schritte eingeleitet worden sind, um die Anlässe der Unzufriedenheit zu beseitigen, die Lebenshaltung unserer Werktätigen umgehend zu verbessern und Hindernisse für die Einheit Deutschlands wegzuräumen.“

Karl Eduard von Schnitzler: Der Anschlag auf den Frieden ist gescheitert.[13]

Autor, Moderator und Rezeption der Propagandasendung Der schwarze Kanal

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Titelbild der Sendung in den 1980er Jahren

Autor und Moderator

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Ab 1960 (Erstsendung am 21. März) moderierte er die Propagandasendung[14] Der schwarze Kanal, in der er Ausschnitte aus dem Westfernsehen im Sinne der DDR-Führung kommentierte.[5] Am 27. August 1962 bezeichnete er den 18-jährigen Maurergesellen Peter Fechter, der bei einem unbewaffneten Fluchtversuch vor laufender Kamera am Checkpoint Charlie verblutete, als „einen angeschossenen Kriminellen“.[15]

Sein westlicher Gegenspieler wurde 1969 der Journalist Gerhard Löwenthal, der in der Sendung ZDF-Magazin die Menschenrechtsverletzungen in der DDR thematisierte.

Schnitzler war – abhängig von der jeweiligen politischen Großwetterlage – in seiner Tätigkeit weisungsgebunden: So war er während und nach Anbahnung des Milliardenkredits für die DDR in der ersten Jahreshälfte 1983 gehalten, sich wegen der Darstellung des bisherigen Lieblingsfeindes Franz Josef Strauß als „Kommunistenfresser“ zurückzuhalten.[16]

Rezeptionen in der DDR

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Schnitzler bezeichnete seine Arbeit für das SED-Regime und im DDR-Fernsehen als „aktuelle, streitbare Polemik“. Spöttische Spitznamen gehörten sowohl zum polemischen Sujet Schnitzlers, als auch zum DDR-Witz. Wegen ihm auch in Westdeutschland unterstellten Alkoholproblemen bezeichnete Schnitzler beispielsweise den früheren Regierenden Bürgermeister von Berlin und späteren Bundeskanzler Willy Brandt im DDR-Fernsehen als Willy Weinbrand, mit einer ungewollt-ironischen Wirkung auf weite Teile des DDR-Publikums, welches vom Alkoholkonsum im Kreis des Politbüros entweder wusste bzw. von diesem erfahren hatte oder diesen zumindest erahnte.

Sudel-Ede

Dem als Hardliner geltenden Schnitzler wurde der Spitznamen „Sudel-Ede“ vom SFB-Kommentator Günther Lincke Anfang Februar 1961 in der Sendung Mitteldeutsches Tagebuch verliehen:[5][17][18] Das war eine Replik auf die Verbalattacke Schnitzlers gegen das Mitteldeutsche Tagebuch („Schwarze Kanäle mögen sudeln …“), in dem vorher berichtet wurde, dass der Chefkommentator des DDR-Fernsehens regelmäßig zur Deckung seines Konsumbedarfs in West-Berlin mit D-Mark einkaufe und Nachtlokale besuche.[18] Schnitzler hingegen polemisierte lediglich, ohne auf die Vorwürfe einzugehen: „Ein Günter Lincke – der Name Lincke steht im krassen Gegensatz zur Ideologie dieses Herrn. Mit ‚Sudel-Ede‘ hat er sich für mich etwas Hübsches einfallen lassen.“[18] Die Bezeichnung in dieser Form wurde in der DDR eher „unter vorgehaltener Hand“ (Flüsterwitz) verwendet.

Karl-Eduard von Schni…

Der MDR behauptete, wie auch zahlreiche Medien in unterschiedlichen Versionen zuvor, in einer Sendung vom 19. März 2021: „Für DDR-Zuschauerinnen und Zuschauer war Karl-Eduard von Schnitzler nur Karl-Eduard von Schnitz. Bei ‚…ler‘ hatten sie schon umgestellt“[19] und presste dabei – sehr verkürzt – unterschiedlichste Interpretationen und auch Verkürzungen des eigentlichen Ausspruchs in ein Bonmot über die DDR.

Historisch geht diese Sentenz auf eine Szene im Ost-Berliner Kabarett Distel in dessen Sketch Wetterbericht von 1972 zurück, die 1974 als Mitschnitt auf Schallplatte[20] allgemein veröffentlicht wurde und seit 1973 auch als Text frei zugänglich vorlag.

„Ansagerin: Hören Sie nun den Schwarzen Wetterbericht von Karl-Eduard von Schni… schaut auf ihr Manuskript, liest ab …tzler.“

Hans Rascher: Text zu „Disteleien - Kabarett-Szenen im Sketch: Wetterbericht“[21]

Der Sketch sollte auf diese Weise darstellen, dass der Ansagerin der vollständige Name Schnitzlers (zum Beispiel durch frühes Ab- oder Umschalten) nicht bekannt war; aufgrund staatlicher Zensur war der Kleinkunst der DDR der Witz nur zwischen den Zeilen möglich.

Die Rolle der Ansagerin spielte seinerzeit in der Distel regelmäßig die Kabarettistin Hanna Donner, Texter des Sketches war Hans Rascher. Außer über Schallplatte und gedrucktem Text verbreiteten diese knappe Szene überdies zahlreiche Amateurkabaretts in verschiedenen Abwandlungen.

Mit dem Ausdruck „Karl-Eduard von Schni-“ hatte Rascher eine satirische und bis heute populäre wörtliche Sentenz für das zumeist hastige Ausschalten oder seltener, und wenn möglich, auch Umschalten des Fernsehgeräts auf andere Programme gefunden. Die Montag-Abend-Filme waren in der Regel ideologisch unbefrachtete Unterhaltungsfilme der 1930er und 1940er Jahre, die immer um 20 Uhr nach der Aktuellen Kamera ausgestrahlt wurden; ihnen folgte mit oder ohne Anmoderation stets die Sendung Schnitzlers.

Schnitzler als Dokumentarfilmer

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Neben seiner Fernsehtätigkeit drehte Schnitzler auch zahlreiche Dokumentarfilme. Bei einigen seiner Werke wiesen Medienwissenschaftler der Universität Leipzig in einer Untersuchung nach, dass Schnitzler seine angeblich tatsachenuntermauerten Thesen mit manipuliertem bzw. nachgestelltem Filmmaterial „bewies“.[22][23] Die in der DDR geheim gehaltene Zuschauerquote zu den Dokumentarfilmen Schnitzlers betrug sieben Prozent.[23]

Wendezeit

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Allgemein

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In der DDR gehörte Schnitzler bei der Bevölkerung zu den meistgehassten Systemvertretern.[5][24][25][26] Besonders die fortdauernde Diskrepanz zwischen laut verkündetem gesellschaftlichem Anspruch und individueller Wirklichkeit in der privaten Lebensgestaltung stieß vielen Bürgern bitter auf. So wurde bei den Demonstrationen unmittelbar vor dem 9. November 1989 unter anderem lautstark skandiert: „Schnitzler lass das Lügen sein, kauf nicht mehr im Westen ein!“[27] Auf Transparenten forderten Demonstranten in Leipzig am 23. Oktober 1989: „Schnitzler weg von Bild und Ton, der besudelt die Nation!“[28][29] Der Spiegel kommentierte hierzu: „Neben dem Unterangebot an Südfrüchten war es das Überangebot an Schnitzler-Kommentaren, das die Leute 1989 auf die Straßen trieb.“[30]

Das DDR-Fernsehen war angesichts der Vorgaben der SED-Führung seit dem Sommer 1989 immer unglaubwürdiger geworden. Im September meinte in einer Planungsberatung des Fernsehkomitees der Vorsitzende Heinz Adameck, man dürfe zukünftig „nicht im Gewohnten beharren“. Die Aktuelle Kamera erreichte im Oktober 1989 weniger als vier Prozent der DDR-Bürger.[31] Im Zuge einer Strukturänderung des Schwarzen Kanals sollte Schnitzler ein „Experte“ zum Zweck „sachlicher Information“ zur Seite gestellt werden, was Schnitzler empört ablehnte. Um die Rücknahme der Änderung durchzusetzen, wandte er sich brieflich an den neuen SED-Vorsitzenden Egon Krenz. Schnitzler schilderte seine Verdienste und gelobte zugleich Besserung. Er kündigte „Zurücknahme der Polemik, Verzicht auf namentliche Angriffe bei gleichzeitiger sachlicher Abwägung von Leistungen, Erfolgen und Realitätssinn der BRD“ an. Doch Krenz ging nicht darauf ein und Schnitzler gab auf.[32]

Am 30. Oktober 1989 stellte das Fernsehen der DDR nach der 1519. Folge den Schwarzen Kanal ein,[5] nachdem seine Absetzung bei den Montagsdemonstrationen gefordert worden war. Den Sendeplatz nach dem Montagsfilm erhielt am 6. November die spektakulär-kritische Reportagereihe Klartext, die in den folgenden Monaten eine Sehbeteiligung von über 40 Prozent erreichte.[33] Im Januar 1990 leitete die SED-PDS ein Parteiausschlussverfahren gegen Schnitzler ein, und das ehemalige SED-Zentralorgan Neues Deutschland schmähte ihn als „Nessie-ähnliches Fossil“.[34] Dem Parteiausschluss kam Schnitzler durch einen Austritt zuvor.[28][35]

Nach der deutschen Wiedervereinigung war Schnitzler 1991 einige Monate lang Kolumnist der Satirezeitschrift Titanic und Autor der Weißenseer Blätter.[36] Er wurde Mitglied der DKP. Auf Werte angesprochen, äußerte er in der N3-Talksendung Profile: „Selbstverständlich werden wir [gemeint waren Sozialismus und Kapitalismus] einiges voneinander lernen können“, es gebe aber trotzdem ideologische Gegensätze, die auszutragen seien.[37] Gegenüber dem Fernsehmagazin Spiegel TV äußerte Schnitzler im August 1997: „Na Gott sei Dank […] haben wir die Mauer gebaut. Das war völlig richtig.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs bezeichnete er die Mauer als segensreiches Bauwerk.[38]

Er gehörte von 1998 bis zu seinem Tod 2001 zum ständigen Autorenkreis der kommunistisch-sozialistischen Monatsschrift RotFuchs.

Letzter Auftritt in der Öffentlichkeit

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1999 wurde er in einer Sendung vom Publikum mit seiner Arbeit konfrontiert. Schnitzler, der dabei die DDR unbeirrt selbst gegen Fakten verteidigte, sich selbst lobte und den Mauertoten Peter Fechter als Kriminellen bezeichnete, sagte zu den Vorwürfen gegen seine Sendung im DDR-Fernsehen:

„Ich habe keinen Kommentar gemacht, dessen ich mich zu schämen habe.“

Karl-Eduard von Schnitzler: „Ich stelle mich!“, TV-Berlin, 1999, über seine Arbeit als Kommentator im DDR-Fernsehen

In der Sendung stellten sowohl der Historiker Stefan Wolle als auch der Physiker Frank Halt von der Initiative gegen SED-Unrecht fest, dass mit Schnitzler über die DDR-Vergangenheit und sein Wirken weder eine gemeinsame Erkenntnis zu teilen noch ein Meinungsaustausch möglich wäre.

„Nach so einer Katastrophe wie dem Zusammenbruch des Sozialismus muss doch die Frage erlaubt sein: vielleicht haben wir auch, oder Sie, irgendwo etwas falsch gemacht.“

Stefan Wolle

Schnitzler sagte dazu:

„Ich bin nicht bereit, mit Ihnen darüber zu reden, was wir hätten anders machen müssen, sondern ich bin bereit mit Ihnen darüber zu diskutieren, was richtig war, was gut war, und was bitter nötig wäre, dass es das heute noch gäbe.“

Karl-Eduard von Schnitzler

Schnitzler wertete – zehn Jahre nach dem Mauerfall – die Weigerung, Fehler einzugestehen, als „einzig mögliche Position im Klassenkampf“.

Familie und Privates

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1940 heiratete Schnitzler Marlis Hoeres aus Eschweiler, mit der er den gemeinsamen Sohn Stephan hatte, der 1982 im Alter von 42 Jahren Suizid beging.[8] Marlis bekam am 1. August 1942 die gemeinsame Tochter Jutta Elisabeth von Schnitzler.

1952 heiratete Schnitzler die Schauspielerin Inge Keller. Aus der 1956 geschiedenen Ehe ging die Tochter Barbara Schnitzler hervor, die wie ihre Mutter Schauspielerin wurde. Die 1958 eingegangene dritte Ehe mit der Schauspielerin Christine Laszar wurde 1962 geschieden.[9][39]

Mit der vierten Ehefrau, Márta Rafael, blieb Schnitzler rund 40 Jahre lang verheiratet. Sie war eine ungarische Schauspielerin, Sängerin und Redakteurin. Rafael erregte erhebliche Aufmerksamkeit, als ein Kaufhausdetektiv sie 1983 in einem West-Berliner Kaufhaus beim Diebstahl von zwei Packungen Damenstrümpfen im Wert von 16,40 D-Mark ertappte.[40][41]

Schnitzler starb im Alter von 83 Jahren in Zeuthen an den Folgen einer Lungenentzündung. Sein Urnengrab befindet sich auf dem Friedhof von Eichwalde im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald.[42]

Sonstiges

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Filmografie

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Auszeichnungen

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Schriften

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  • Deutschland und die Welt. Kommentare 1948 bis 1955. Verlag der Nation, Berlin 1955.
  • Fernsehpublizistik – ein Genre des Dokumentarfilms. In: Dokumentaristen der Welt. Selbstzeugnisse. Henschelverlag, Berlin 1982, S. 314–319.
  • Meine Schlösser oder Wie ich mein Vaterland fand. Verlag Neues Leben, Berlin 1989, ISBN 3-355-00971-7.
  • Der rote Kanal. Armes Deutschland. Edition Nautilus, Hamburg 1992, ISBN 3-89401-211-0.
  • Provokationen. Edition Nautilus, Hamburg 1998, ISBN 3-89401-225-0.
  • Meine Filmkritiken 1955–1960. Eine Auswahl. Mit einem Vorwort des Autors Kunst ist Waffe! vom 7. Oktober 1999. Nordost-Verlag W. Metzger, Berlin 1999, ISBN 3-00-005190-2.
  • Frühe Denkanstöße. Fundsachen aus dem Archiv K.-E. v. Schnitzler. Erste Rundfunkkommentare 1944–1947 (über BBC London und NWDR Köln). Zusammengestellt und mit einem Vorwort von Heinz Grote. NORA-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86557-142-7.

Literatur

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Commons: Karl-Eduard von Schnitzler – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. „Sudel-Ede“ ist tot. In: Manager Magazin, 20. September 2001.
  2. Karl-Eduard von Schnitzler: Meine Schlösser oder Wie ich mein Vaterland fand. Edition Nautilus, 1995, ISBN 3-89401-249-8.
  3. Hans Michael Kloth: Adel in der DDR. In: Spiegel Online. 15. Oktober 2007, abgerufen am 29. August 2023.
  4. Der Kläranlagenchef. In: taz, 22. September 2001.
  5. a b c d e f g Torsten Hampel: Das Ende vom schwarzen Kanal. In: Der Tagesspiegel, 26. Oktober 2014.
  6. Biographische Angaben aus dem Handbuch 'Wer war wer in der DDR?' in: Bundesstiftung Aufarbeitung, abgerufen am 18. Juni 2022
  7. HDG, Lebendiges Museum Online, Karl-Eduard von Schnitzler
  8. a b c d e Karl-Eduard von Schnitzler – Klassenkämpfer und Lebemann (Memento vom 23. März 2017 im Internet Archive) MDR vom 29. September 2016.
  9. a b c Bernd-Rainer BarthSchnitzler, Karl-Eduard von. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  10. Als Karl-Eduard von Schnitzler der Ton abgedreht wurde. Bei: saechsische.de, 30. Oktober 2014. Abgerufen am 9. Dezember 2018.
  11. Schnitzler, Karl Eduard von – Eintrag beim Verein Film- und Fernsehmuseum Hamburg in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).
  12. Sir Hugh Greene: Mit dem Rundfunk Geschichte gemacht. Eine Biographie. Quadriga Verlag Severin, Berlin 1984, ISBN 3-88679-114-9, S. 113.
  13. DDR-Rundfunk, 18. Juni 1953. Deutsches Rundfunkarchiv.
  14. 40 Jahre Mauer – 1519 mal Karl-Eduard von Schnitzler. In: Manager Magazin, 10. August 2001.
  15. Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie.
  16. Regina Mönch: Rettungsschirm für einen Feind. Wie die Bundesrepublik einmal das DDR-Regime rettete – „Der Milliardendeal – Strauß und die DDR“. In: FAZ, 6. Oktober 2014, S. 17.
  17. Schwarzer Kanal. Chronik der Wende.
  18. a b c Propaganda, Mann gegen Mann. In: Der Spiegel. Nr. 7, 1961, S. 58 (online).
  19. Karl-Eduard von Schnitzler und „Der Schwarze Kanal“. In: mdr.de. Abgerufen am 31. August 2023.
  20. LITERA, Platten-Nr. 8 65 201, Veranstaltungsmitschnitt des Programms Der Freizeit eine Gasse (gleichzeitig Titel der Schallplatte) vom 8. und 9. Dezember 1972, Seite B, Nr. 3.
  21. Frauke Deißner-Jenssen, Inge Ristock: Disteleien – Kabarett-Szenen. Hentschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1973, S. 102 (im Sketch von Hans Rascher als Autor: Wetterbericht).
  22. Einzelbeispiele hierzu: Tilo Prase Geschichtsfälschung – Der Stummfilm läuft, der Synchronsprecher bellt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. April 2004.
  23. a b Steffen Winter: Schnitzlers Schnitzer. In: Spiegel Online, 23. April 2004.
  24. Ilko-Sascha Kowalczuk: Buchbesprechung, Autobiografie Er hat verstanden, Die erstaunliche Autobiografie des ehemaligen „Junge Welt“-Chefs Hans-Dieter Schütt. In: Der Tagesspiegel, 2. November 2009.
  25. Politik zum Weglaufen. In: Der Spiegel. Nr. 44, 1999 (online).
  26. 20 Jahre Mauerfall. Schwarzes Rauschen. (Memento vom 3. Oktober 2013 im Internet Archive) NDR, abgerufen am 17. Juli 2012.
  27. Ernst Elitz: Als der Schwarze Kanal voll war. In: Die Welt. 30. Oktober 2014, abgerufen am 6. Februar 2017.
  28. a b Jürgen Wilke, Julia Martin, Denis Fengler, Marc Levasier: Journalisten und Journalismus in der DDR – Berufsorganisation, Westkorrespondenten, „Der schwarze Kanal“. Böhlau, Köln 2007, S. 235 (Ausschnitte online bei Google Books).
  29. Konstanze Neumann-Gast, Ursula Gast, Uwe Hartung, Bernd Lindner, Hannelore Reinhardt-Fischer, Jörn Richter, Günter Roski, Wolfgang Schneider: Leipziger Demontagebuch. Sprechchöre und Transparent-Sprüche der Leipziger Montagsdemonstrationen zwischen dem 9. Oktober und dem 11. Dezember 1989. Leipzig 1990, Auszug abrufbar unter dirk-schindelbeck.de (PDF; 136 KB).
  30. Nachruf. In: Der Spiegel. Nr. 39, 2001 (online).
  31. Rüdiger Steinmetz und Reinhold Viehoff (Hrsg.): Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens. VBB, Berlin 2008, ISBN 978-3-86650-488-2, S. 405.
  32. Zitate bei Gunter Holzweißig: Agitator und Bourgeois: Karl-Eduard von Schnitzler. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3923-0, S. 65.
  33. Rüdiger Steinmetz, Reinhold Viehoff (Hrsg.): Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens. VBB, Berlin 2008, ISBN 978-3-86650-488-2, S. 521 f.
  34. Der „Platzanweiser“. In: Neues Deutschland. 10. Januar 1990 (nd-archiv.de).
  35. Asche aufs Glatteis. In: Der Spiegel, 36/1991, S. 75–78.
  36. Karl-Eduard von Schnitzler. In: Der Spiegel. Nr. 32, 2001 (online).
  37. Talksendung Profile NDR-Fernsehen (N3).
  38. Interview mit Karl-Eduard von Schnitzler für Spiegel TV, August 1997, auf Spiegel Online, abgerufen am 15. August 2007.
  39. Christine Laszar zum 85. In: rotfuchs.net. 1. Dezember 2016, abgerufen am 4. Dezember 2021.
  40. Berliner Chronik. 30. Juni 1983. Vor 25 Jahren berichteten wir über eine prominente Ladendiebin. In: Der Tagesspiegel, 30. Januar 2008.
  41. Ernst Elitz: Als der Schwarze Kanal voll war. In: Die Welt, 30. Oktober 2014.
  42. knerger.de: Das Grab von Karl-Eduard von Schnitzler
  43. Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3, S. 445.