Inosemzewo (russisch Инозе́мцево) ist eine Siedlung städtischen Typs in der nordkaukasischen Region Stawropol in Russland mit 28.398 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Siedlung städtischen Typs
Inosemzewo
Иноземцево
Föderationskreis Nordkaukasus
Region Stawropol
Stadtkreis Schelesnowodsk
Siedlung städtischen Typs seit 1959
Bevölkerung 28.398 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 500 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 86532
Postleitzahl 357430
Kfz-Kennzeichen 26, 126
OKATO 07 412 553
Geographische Lage
Koordinaten 44° 6′ N, 43° 6′ OKoordinaten: 44° 6′ 0″ N, 43° 6′ 0″ O
Inosemzewo (Europäisches Russland)
(44° 6′ 0″ N, 43° 6′ 0″O)
Lage im Westteil Russlands
Inosemzewo (Region Stawropol)
(44° 6′ 0″ N, 43° 6′ 0″O)
Lage in der Region Stawropol
Liste großer Siedlungen in Russland

GeografieBearbeiten

Die Siedlung liegt am Nordrand des Großen Kaukasus knapp 200 Kilometer südöstlich der Regionshauptstadt Stawropol am Oberlauf kleinerer rechter Zuflüsse der Kuma.

Unmittelbar westlich von Inosemzewo erhebt sich der 1400 Meter hohe Berg Beschtau, südlich der 993 Meter hohe Maschuk. Gut fünf Kilometer südwestlich von Inosemzewo liegt die Großstadt Pjatigorsk.

Inosemzewo gehört zum Stadtkreis des acht Kilometer nordwestlich gelegenen Schelesnowodsk und hat letzteres mittlerweile in der Bevölkerungszahl überholt.

GeschichteBearbeiten

1802 wurde das von Tataren, Kabardinern und Abasinen bewohnte Dorf Karras an Stelle des heutigen Inosemzewo erstmals von den schottischen Missionaren Henry Brunton und Alexander Paterson in Begleitung des Susu Jellorum Harrison (aus dem heutigen Guinea) besucht. Diese gründeten hier mit Erlaubnis des Zaren Alexander I. 1806 eine Missionssiedlung, um die ansässigen moslemischen Einwohner zum Christentum zu bekehren.[2] Die Mission bestand bis 1835 und nannte sich offiziell Schotlandskaja kolonija (Schottische Kolonie), umgangssprachlich Schotlandka, eine Bezeichnung, die auch später noch benutzt wurde.

Bereits ab 1809 trafen zudem die ersten wolgadeutschen Umsiedler ein. 1819 gründeten diese in der Nähe eine selbständige Kolonie mit Namen Nikolajewskaja. In Folge stellten Deutsche den weitaus größten Teil der Einwohner der beiden Siedlungen.

Bald wurden die beiden deutschen Siedlungen zu beliebten Ausflugsorten für die Kurgäste aus dan nahen Heilbädern Pjatigorsk und Schelesnowodsk. Hier weilten u. a. die Dichter Alexander Puschkin und Michail Lermontow. Lermontow verbrachte hier im Kaffeehaus der Deutschen Gottlieb und Anna Roschke den Abend vor seinem Duelltod am Berg Maschuk 1841.

Im September 1941 wurden die deutschen Einwohner der Siedlungen (zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent der Bewohner) in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert.

1959 wurden Karras und Nikolajewka vereinigt und erhielten den Status einer Siedlung städtischen Typs. Gleichzeitig erfolgte die Umbenennung zu Ehren des Ingenieurs und langjährigen Direktors der Wladikawkaser, später Nordkaukasus-Eisenbahn und Initiatoren des Baus der Zweigstrecke nach Kislowodsk Iwan Inosemzew (1843–1913), welcher in seinen letzten Lebensjahren hier lebte.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1806 500
1897 1.500
1926 3.207
1959 12.070
1970 16.177
1979 17.755
1989 21.358
2002 27.110
2010 28.398

Anmerkung: ab 1897 Volkszählungsdaten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Inosemzewo ist heute wie die umgebenden Städte hauptsächlich Erholungs- und Kurort, wenn auch weniger bedeutend und bekannt. Daneben gibt es Betriebe der Bauwirtschaft und der Lebensmittelindustrie.

Die Siedlung liegt an der Eisenbahnstrecke Mineralnyje Wody–Pjatigorsk–Kislowodsk (Stationen Inosemzewo und Maschuk).

Durch Inosemzewo führt die Fernstraße M29 Rostow am Donaserbaidschanische Grenze.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Hakan Kirimli: Crimean Tatars, Nogays, and Scottish Missionaries (Memento des Originals vom 13. Oktober 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/monderusse.revues.org, in: Cahiers du monde russe, 45/1-2 (2004)

WeblinksBearbeiten