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Hennetalsperre

Talsperre in Meschede, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Die Hennetalsperre liegt im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Ein Kilometer südlich der Kreisstadt Meschede im Hochsauerlandkreis staut sie das Wasser der Henne zum Hennesee. Betreiber der Talsperre ist der Ruhrverband als Rechtsnachfolger des 1899 gegründeten Ruhrtalsperrenvereins (RTV). Ihm obliegt als eine Hauptaufgabe die Niedrigwasseraufhöhung der Ruhr durch insgesamt acht Talsperren im Einzugsgebiet.

Hennetalsperre
Der Hennesee bei Meschede im Herbst
Der Hennesee bei Meschede im Herbst
Lage: Hochsauerlandkreis
Zuflüsse: Henne
Größere Städte in der Nähe: Meschede
Hennetalsperre (Nordrhein-Westfalen)
Hennetalsperre
Koordinaten 51° 19′ 57″ N, 8° 15′ 48″ OKoordinaten: 51° 19′ 57″ N, 8° 15′ 48″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1952–1955
Höhe über Talsohle: 54 oder 57 m
Höhe über Gründungssohle: 59 oder 60 m
Höhe der Bauwerkskrone: 327,00 m
Bauwerksvolumen: 1.300.000 m³
Kronenlänge: 376 m
Kronenbreite: 10 m
Böschungsneigung luftseitig: 1:2,5; 1:2,0 und 1:1,645
Böschungsneigung wasserseitig: 1:2,145 bis 1:2,07
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 323,30 m
Wasseroberfläche 213 hadep1
Speicherraum 38,4 Mio. m³
Gesamtstauraum: 39,3 Mio. m³
Einzugsgebiet 97,9 km²
Hennedamals.jpg
Die Hennestaumauer um 1900

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

In den Jahren 1901 bis 1905 errichtete die Talsperrengenossenschaft der Oberen Ruhr an der Henne die erste Talsperre, die 1927 vom RTV übernommen wurde. Mit einer 38 Meter hohen Gewichtsstaumauer aus Bruchstein konnte ein Stauraumvolumen von elf Millionen Kubikmeter Wasser geschaffen werden.

Durch das kohlensäurehaltige Wasser entstanden jedoch in dem kalksteinhaltigen, verwitterten Felsuntergrund Röhren und Ponore, sodass die Mauer im Lauf der Jahre unterläufig, also undicht, wurde. Die bis zu 20 Meter großen und bis über 100 Meter tiefen Löcher im Talsperrenbecken konnten nicht mit Lehm abgedichtet werden und zum Schluss ging mehr Wasser verloren, als der Talsperre im Mittel zufloss. Ein zweckgerichteter Betrieb war damit nicht mehr möglich und das unter der Sperre hindurch fließende Wasser gefährdete die Standsicherheit der Mauer. Am 20. Dezember 1948 wurden daher die Grundablässe geöffnet und die Talsperre lief leer.

Die Kennwerte der alten Staumauer:

  • Höhe über Gründungssohle: 37,9 m
  • Kronenbreite: 5,0 m
  • Basisbreite: 28,0 m
  • Kronenhöhe: 303,43 m ü. NN
  • Stauziel: 302,43 m ü. NN
  • Stauraum: 11 Mio. m³

Die neue SperreBearbeiten

Aus wasserwirtschaftlichen Gründen konnte der RTV auf eine Talsperre im Hennetal nicht verzichten und suchte nach einer geeigneteren Sperrstelle. Als Ergebnis von umfangreichen baugeologischen Untersuchun­gen konnte eine etwa 200 Meter oberhalb der alten Staumauer gelegene neue Sperrstelle gefunden werden, an der eine Abdichtung des löchrigen Untergrundes in wirtschaftlich tragbarem Rahmen möglich war. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde die neue Hennetalsperre in Betrieb genommen. Als Absperrbauwerk wählte man einen Steinschüttdamm mit einer zweilagigen Oberflächendichtung aus Asphaltbeton. Diese Dichtung wird ergänzt durch eine bituminöse Bremszone im Kernbereich des Damms, wodurch eine Erosion des Dammes auch bei undichter Oberflächendichtung verhindern werden soll.

Als Neuerung erhielt der Damm auf der Wasserseite am Übergang von der Oberflächendichtung zum Talgrund einen Kontrollstollen. In diesen münden die 10 Meter breiten Drainageschichten, die zwischen den beiden Lagen des Asphaltbetons eingebracht sind, um eventuelle Schäden der oberen Dichtungslage schnell zu erkennen und grob zu lokalisieren. Eine weitere Besonderheit ist das Kronensicherungsbauwerk, ein Betonklotz mit einem Gewicht von 5.000 t unterhalb der Bauwerkskrone. Circa 30 Meter unter dem Kontrollstollen verläuft ein zweiter Kontrollstollen, von dem aus der darunter liegende Felsbereich durch Zementinjektionen abgedichtet wurde. Der Bereich zwischen den beiden Stollen erhielt eine senkrechte Verbindung durch eine Betonschürze, um den besonders durchlässigen Bereich abzudichten. Bei einer Kronenlänge von 376 Meter verlaufen im Untergrund des Staudamms Stollen und Schächte von fast zweieinhalb Kilometer Länge.

Gegenüber der alten Mauer wurde beim Damm ein 21 Meter höheres Stauziel geplant, sodass die neue Talsperre einen deutlich größeren Stauraum von 38,4 Millionen Kubikmetern erhalten konnte. Damit war das Speichervolumen größer als im Jahresmittel der Talsperre aus dem Einzugsgebiet zufloss. Zur Verbesserung der jährlichen Leistungsfähigkeit baute der RTV ein Beileitungssystem, über das zusätzliches Wasser aus den östlichen Nachbartälern von Brabecke und Kleiner Henne in die neue Talsperre eingeleitet wird. Die Steuerung der Entnahme geschieht selbsttätig und belässt ausreichend Wasser in den unterhalb liegenden Bachabschnitten. Dieses Wasser wird über den zweiten Zulauf der Sperre, dem Horbach, zugeführt.

BetriebseinrichtungenBearbeiten

 
altes Ringkolbenventil und Absperrklappe Hennesee

Am Einlauf der Henne in die Talsperre errichtete der RTV bei Mielinghausen ein Vorbecken, um die im Zufluss mitgeführten Verunreinigungen zurückzuhalten. Durch den Dauerstau im Vorbecken ergibt sich auch eine Verbesserung des optischen Eindrucks im Bereich der Stauwurzel, die ansonsten durch die schwankenden Wasserstände stark vom Trockenfallen geprägt ist. Daneben ist ein Vorbecken einfacher zu entleeren und von den abgelagerten Stoffen zu befreien.

Am rechten Ufer befindet sich vor der Dammkrone das Hochwasserentlastungsbauwerk. Damit wird verhindert, dass nicht speicherbares Wasser die Dammkrone überströmt und schadlos darüber abgeführt wird. Das Bauwerk besitzt parallel zum Ufer ein festes Wehr aus Stahlbeton mit einer Kronenlänge von 33 Meter. An der Stirnseite des Überfallbauwerks ist eine absenkbare Fischbauchklappe angeordnet, um die Wassermenge etwas regeln zu können. Das Bauwerk mündet zur Luftseite des Damms in eine Schussrinne, an derem unteren Ende im Tal ein Energieumwandlungsbauwerk den tosenden Wasserschwall dämpft. Die Rinne ist ausgelegt für einen Durchfluss von maximal 42 Kubikmeter pro Sekunde.

Zwei Grundablässe stehen für die Wasserentnahme und eventuelle Entleerung zur Verfügung. Am linken Ablass ist das Kraftwerk angeschlossen, über dessen Stelleinrichtungen die Menge reguliert wird. Im der zweiten Leitung übernimmt ein Ringkolbenventil die gezielte Einstellung einer Durchflussmenge. Beide Grundablässe besitzen eine maximale Leistungsfähigkeit von jeweils 25 Kubikmeter pro Sekunde.

Bei der Renovierung der Betriebseinrichtungen im Jahr 2001 wurden die Verschlussorgane in den Grundablässen erneuert. Ein Ringkolbenventil und eine Absperrklappe, die seit 1955 in Betrieb standen, wurden als technisches Denkmal in der Nähe der Dammkrone am linken Ufer aufgestellt. Eine Informationstafel beschreibt anschaulich die Funktionsweise.

WassernutzungBearbeiten

Hauptzweck des Wasserspeichers ist die Bereitstellung von Zuschusswasser für den Wasserverbrauch an der mittleren und unteren Ruhr. Durch die Entnahme von Ruhrwasser und Aufbereitung zu Trinkwasser, das nach Verbrauch in andere Einzugsgebiete abgeleitet wird, wird ein Defizit in der Ruhrwasserführung erzeugt, das ausglichen werden muss. Die zentrale Steuerung der Wasserabgabe erfolgt durch die Talsperrenleitzentrale des Ruhrverbands in Essen.

Als weitere Aufgabe kommt der Sperre der Hochwasserschutz zu. In Zeiten hoher Niederschläge oder bei Tauwetter mit Schneeschmelze können die Hochwasserspitzen gemildert werden. Daher muss im Winter ein Hochwasserschutzraum frei gehalten werden.

Die Wasserspiegeldifferenz am Sperrdam und die laufende Abgabe von Wasser wird durch ein Wasserkraftwerk genutzt. Bei einem Nutzgefälle von 56 Metern können zwei Francis-Turbinen im Jahresmittel 5,3 GWh Strom produzieren. Die größere Turbine hat ein Schluckvermö­gen von 3,6 Kubikmetern in der Sekunde und eine Leistung von 1400 kW. Die kleinere kann 1,6 Kubikmetern in der Sekunde nutzen bei einer Leistung von 600 kW. Das Kraftwerk wird von der Lister- und Lennekraftwerke GmbH in Olpe, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des Ruhrverbands, betrieben.

Die Hochsauerlandwasser GmbH errichtete direkt unterhalb der Talsperre ein neues Wasserwerk und entnimmt Wasser aus den Grundablassleitungen. Seit Juni 2016 wird darüber Talsperrenwasser zu Trinkwasser aufbereitet und in das Versorgungsnetz eingespeist.

Dörfer im Hennesee vor dessen StauungBearbeiten

Auf dem Grunde der Hennetalsperre liegen die Überreste mehrerer Dörfer. In sehr heißen Sommern, wie z. B. 1976, bei extrem niedrigem Wasserspiegel kann man über die alte Brücke des Dorfes Hellern und Teile der alten B 55 spazieren gehen. Diese wurden nach dem Bau des neuen Dammes überflutet. Neben Hellern sind auch die Orte Mielinghausen, Enkhausen und Immenhausen vom Ausbau der Hennetalsperre betroffen gewesen, die Betroffenen haben jedoch Ausgleichsflächen an den Hängen der Henne bekommen, oder sind weggezogen.

FreizeitgestaltungBearbeiten

 
Hennesee Logo

Am Hennesee, der maximal eine Fläche von 2,1 km³ bedeckt, gibt es zwei große Badebereiche: Die Berghauser Bucht („Badebucht“) im Nordwesten des Sees gegenüber der Staumauer, die vor allem von Einheimischen genutzt wird und einen "Strand" in der Nähe des Campingplatzes in Mielinghausen auf der östlichen Seite des Sees auf Höhe des Vordamms.

In der Berghauser Bucht sind der vor allem Anfang der 1990er Jahre sehr erfolgreiche Ruderclub Meschede, sowie der seit 1967 bestehende Segel-Club Hennesee e.V. Meschede beheimatet. Zwei weitere Segelvereine gibt es im Süden des Sees mit dem Segelclub Enkhausen und dem Yachtclub Suedstrand.

Das Tauchen ist nach Anmeldung bei der DLRG, Wachstation Berghauser Bucht, in der Berghauser Bucht zwischen den Anlegestellen und dem Badebereich gestattet. Dort kann bis zu einer Tiefe von mehr als 30 Metern getaucht werden.

Wesentlich stiller und unauffälliger sitzen die Angler in den vielen Buchten des Hennesees. Die Gründung des Angelsportvereins Sauerlandia, des ältesten ansässigen Vereins, geht auf das Jahr 1938 zurück.

Auf dem Hennesee verkehrt von Ostern bis Ende Oktober das Motorschiff „MS Hennesee“. Es ist 32,50 m lang und 6,10 m breit, hat 1 m Tiefgang und bietet Platz für 400 Personen.

Rund um die Talsperre fand in den 1990er Jahren die „Internationale Henneseerundfahrt“, ein anspruchsvolles Radrennen durch den Hochsauerlandkreis statt.

Im Rahmen der Regionale 2013, einem Strukturförderprogramm für die neugegründete Region Südwestfalen, erfolgten mit dem Projekt „Sauerland-Seen: Hennesee“ im Umfeld der Hennetalsperre verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität und zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Dabei wurden die Renaturierung der Henne unterhalb des Hennedamms und eine Anbindung des Damms an die Innenstadt von Meschede durch den so genannten Henne-Boulevard vorgenommen. In der dreijährigen Laufzeit des Förderprogramms entstand im Mai 2015 auch die sogenannte Himmelstreppe, die vom Fuße des Staudamms geradewegs in 333 Stahlstufen hinauf zur Dammkrone führt. Sie mündet nach 60 Metern Höhendifferenz in eine rund acht Meter zur Luftseite hin auskragende Aussichtsplattform.

BilderBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hennetalsperre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien