Hauptmenü öffnen

Frankfurt-Nied

Stadtteil von Frankfurt am Main

Nied ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.

Wappen von Nied
Wappen von Frankfurt am Main
Nied
37. Stadtteil von Frankfurt am Main
AltstadtBahnhofsviertelBergen-EnkheimBerkersheimBockenheimBockenheimBonamesBornheimDornbuschEckenheimEschersheimFechenheimFlughafenFrankfurter BergGallusGinnheimGriesheimGutleutviertelHarheimHausenHeddernheimHöchstInnenstadtKalbach-RiedbergNiedNieder-ErlenbachNieder-EschbachNiederradNiederurselNordend-OstNordend-WestOberradOstendPraunheimPraunheimPreungesheimRiederwaldRödelheimSachsenhausen-NordSachsenhausen-SüdSchwanheimSchwanheimSeckbachSindlingenSossenheimUnterliederbachWestend-NordWestend-SüdZeilsheimKarte
Über dieses Bild
Koordinaten 50° 5′ 59″ N, 8° 33′ 53″ OKoordinaten: 50° 5′ 59″ N, 8° 33′ 53″ O
Fläche 3,707 km²
Einwohner 19.780 (31. Dez. 2018)
Bevölkerungsdichte 5336 Einwohner/km²
Postleitzahl 65934
Vorwahl 069
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 6 – West
Stadtbezirke
  • 561 – Nied-Nord
  • 562 – Nied-Süd
Verkehrsanbindung
S-Bahn S1 S2
Straßenbahn 11 21
Bus 51 54 59 n8
Quelle: Statistik aktuell 01/2019. Einwohner mit Hauptwohnung in Frankfurt am Main. Abgerufen am 20. Februar 2019.

Die Einwohnerzahl beträgt 000000000019780.000000000019.780.

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Nied liegt etwa 9,5 km westlich der Frankfurter Hauptwache, nördlich des Mains am Unterlauf des Flusses Nidda auf einer Höhe von 98 m über NN. Die Siedlung lässt einen regelhaften Grundriss im Flusswinkel von Main und Nidda mit der Kirche in zentraler Lage erkennen. Die moderne Siedlungsentwicklung hat sich ostwärts in Richtung Griesheim und Frankfurter Innenstadt vorgeschoben. Nachbarstadtteile von Nied sind im Westen Höchst, im Norden Sossenheim, im Osten Griesheim und im Süden jenseits des Mains Schwanheim.

GeschichteBearbeiten

Ur- und FrühgeschichteBearbeiten

Um 3000 v. Chr. gab es jungsteinzeitliche Siedlungen an Main und Nidda, so auch in Nied (bandkeramische Zeit). Um 800 v. Chr. bestand eine keltische Besiedlung mit nachfolgender germanischer Landnahme etwa um die Zeit von Christi Geburt. In vorrömischer Zeit verlief hier eine Altstraße – die Antsanvia (Antiana Via), die dem Verlauf der späteren Rödelheimer Straße und Oeserstraße entsprechend durch den Nieder Wald führte.

Die erste römische Ansiedlung in Nied geht auf die Chattenkriege des Kaisers Domitian zurück, in der die römische Provinz Germania superior (Provinz Obergermanien) mit der Hauptstadt Mogontiacum (Mainz) geschaffen wurde. Die Römer drangen in den Jahren 83 und 84 (Chattenkrieg, Revolte des Saturninus, Kaiser Domitian) die Nidda aufwärts in die Wetterau vor und gründeten als Civitas (Bezirkshauptort) die Stadt Nida. In Nied wurden die Reste einer römischen Niddabrücke und großer Zentralziegeleien gefunden, die die ganze Wetterau und den Limes versorgten (siehe den Straßennamen Im Ziegelfeld, bis 1928 Römerstraße genannt). Betrieben wurden die Ziegeleien von Angehörigen dreier römischer Legionen: Legio VIII Augusta, Legio XXI Rapax und Legio XXII Primigenia Pia Fidelis. Auch wurde Töpferware für die regionale Versorgung der Civitas Taunensium mit dessen Hauptort Nida hergestellt. Der Ton wurde von den Römern[1] aus den Gruben in Kelkheim-Münster gewonnen und auf Karren nach Nied transportiert. Öllampen für den regionalen Bedarf wurden in den Werkstätten des Lucius fabriziert[2]. Der Transport dieser Ware wurde mit Lastkähnen entlang der Nidda bis zu dem kleinen Hafen in Nida – damals Umschlagplatz für den gesamten Handel der Region – durchgeführt. Militärisch wurde die römische Siedlung (vicus) durch das nahe gelegene Römerkastell in Frankfurt-Höchst geschützt. Auch sind einzelne villae rusticae (römische Gutshöfe) entlang der Nidda und eine mansio (römische Raststätte) im Nieder Wald nachgewiesen. Dieser an der späteren Via Regia gelegene römische Gebäudekomplex wurde als „Heidenschloß“ bezeichnet. Auf der Gemarkungskarte von 1870 sind Spuren römischer Bauten auf den Fluren „Römerberg“, „Im Kremser“, „Am Heidenschloss“ und an der Nidda ein „Römerthurm“ in der Flur „Lange Wiesen“ verzeichnet. Viele antike Funde aus Nied landeten in den Museen in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt-Höchst. Bei Ausgrabungen im Nieder Kirchweg wurden im Jahr 2003 römische Gräber entdeckt. 2012 wurden bei Baumaßnahmen weitere wertvolle Ziegel mit römischen Schriften und ein sehr gut erhaltener Brennofen archäologisch freigelegt. 2018 wurden in der Baugrube am „Nieder Loch“ in Alt-Nied „Unmengen römischer Tonziegel gefunden und auch eine Art Falschmünzer-Werkstatt aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert, als die Macht der Römer im heutigen Rhein-Main-Gebiet schon bröckelte“.[3]

Um 260 n. Chr. kam es im sogenannten Alemannensturm zum Limesfall und zur Eroberung des Hauptortes Nida. Die Spuren des römischen Nied verloren sich in den darauf folgenden Jahrhunderten. Eine archäologische Kommission forschte erstmals 1834 an der Wörthspitze nach dem antiken Denkmal „Monumentum Trajanum“, dessen Überreste am Zusammenfluss von Nidda und Main gelegen haben sollen[4].

MittelalterBearbeiten

 
Alte Nieder Brücke
 
Gedenkstein auf der Alten Nieder Brücke

Um 500 n. Chr. vollzog sich die Fränkische Landnahme, 770 n. Chr. wurde erstmals der Niddagau erwähnt, zu dem Nied im Hochmittelalter zählte. Um 817 n. Chr. wurde ein Fiscus Franconofurt, ein königlicher Herrschaftsbereich erwähnt, zu dem auch Nied gehörte.

Seit dem Jahr 1105 n. Chr. sind die Familien Diehl als Landwirte in Nied ansässig.[5] Um 1200 n. Chr. zerfiel der Fiskus Frankfurt. Aus den Reliktgebieten bildete sich auch das Gericht Bornheimerberg und das spätere Amt Bornheimerberg, zu dem Nied gehörte. Die älteste erhalten gebliebene Urkunde des Ortes stammt von Erzbischof Siegfried II. von Mainz vom 21. Februar 1218,[6] wobei auch eine Kirche im Dorf erwähnt wird. Zum Kirchspiel gehörten Griesheim, Sossenheim, Breitenloch (1619 untergegangenes Dorf zwischen Sossenheim und Rödelheim)[7] und 1274 auch die Wüstung Biegen (1295 untergegangenes Dorf mit Burg der Herren von Biegen, der Biegwald bei Rödelheim hat daher seinen Namen). Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn. 1268 hatte das Stift St. Maria ad Gradus in Mainz die Dorfherrschaft inne. 1474 und nochmals 1485 übergab das Stift die Dörfer Nied und Griesheim mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit an das Mainzer Erzstift.

Nach Absetzung des Stauferkaisers Friedrich II. fand am 5. August 1246 die Schlacht an der Nidda bei Nied statt. Friedrichs Sohn Konrad IV. und dessen Gegenkönig Heinrich Raspe von Thüringen kämpften um die Thronfolge.

Im Jahr 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg – und so auch Nied – an Ulrich II. von Hanau. 1351 erneuerte Kaiser Karl IV. diese Pfandschaft für Hanau. 1434 wurde Graf Reinhard II. von Hanau von Kaiser Sigismund mit dem Bornheimerberg belehnt. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau im Jahr 1458 kam der Bornheimerberg zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. Die Ortsherrschaft war damit zwischen dem Kurfürstentum Mainz und der Grafschaft Hanau umstritten. Das Kurfürstentum ordnete das Dorf seinem Amt Höchst zu.

Für das Jahr 1275 liegt eine erste urkundliche Erwähnung einer Holzbrücke über die Nidda vor. Ab 1342 wurde Brückenzoll erhoben. Um 1410 bestätigte Kaiser Sigismund der Stadt Frankfurt ihre Rechte an dieser Brücke, die sie zur Sicherheit des Reiseverkehrs zur Messe Frankfurt unterhielt. Durch die Brücke wurde das Fischerdorf auch zu einem Rastplatz auf dem Handelsweg von Mainz nach Frankfurt.

Das Dorf war von Gräben mit Zäunen und zwei mächtigen Falltoren geschützt. Der wehrhafte Kirchturm prägte das Ortsbild. Unterhalb der Niddabrücke (heutiger Kerbplatz) befand sich damals der Bildstock zu St. Wolfgang. In Richtung Höchst lagen einst Weinfelder, am Mainufer zwischen Nied und Griesheim ein Wäldchen auf der Heide und ein jüdischer Friedhof – heute Industriegelände. Ab 1438 besaß Nied Burgrecht in Frankfurt, das heißt, seine Bewohner fanden in unruhigen Zeiten Zuflucht hinter dessen Stadtmauer.

Historische NamensformenBearbeiten

 
katholische Markuskirche an der Mainzer Landstraße

Der Ortsname stammt ursprünglich aus dem Keltischen und steht in Zusammenhang mit dem Fluss Nidda.

  • Nide (1035, Zuordnung zweifelhaft)
  • Nitha (um 1150)
  • Nithe (1218)
  • Nithe (1223)
  • Niede (1268)
  • Nyeda (1271)
  • Niede (1274)
  • Nide (1274)

Frühe NeuzeitBearbeiten

 
Nied auf einer Gemarkungskarte von 1810

Im Jahr 1592 verpfändete das Erzstift seinen Anteil an den Dörfern Griesheim und Nied an die Grafen von Hanau. 1684 tauschten Kurmainz und Hanau eine Reihe von Rechten in Kondominaten und Gebieten ähnlich gemischter Ansprüche. Dabei fiel Nied an Mainz.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Reformation in Nied nach lutherischem Modus durch die Grafen von Hanau eingeführt. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik und machte von seinem Jus reformandi Gebrauch- Mit diesem Recht, als Landesherr die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, setzte er den Calvinismus für seine Grafschaft weitgehend als verbindlich durch – nicht jedoch in Nied. Unter dem Schutz von Mainz machten nicht alle Untertanen diesen zweiten Konfessionswechsel mit und ein römisch-katholischer Bevölkerungsanteil verblieb. Zwischen Lutheranern, Calvinisten und Katholiken brachen jahrzehntelange Konfessionsstreitigkeiten aus. Allerdings teilten 1828 die drei Konfessionen sich letztendlich gemeinsam das eine vorhandene Kirchengebäude als Simultankirche, bis 1908 eine eigene evangelische Saalkirche in klassizistischem Stil errichtet und um einen Turm ergänzt wurde (heute: evangelische Christuskirche). 1906/07 wurde die römisch-katholische St. Markuskirche gebaut.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Nied mehrfach zerstört, unter anderem durch die Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig. Im Juni 1622 fand hier die Schlacht bei Höchst statt, in dem die Katholische Liga unter Graf Tilly und Gonzalo Fernández de Córdoba auf die Protestantische Union traf (die Straßennamen Tillystraße und Schwedenpfad erinnern daran). Landsknechte verschleppten die Bewohner. 1648 zählte der Ort noch „fünf Nachbarn und einige ledige Leut“. 1693 lebten in Nied wieder 28 Familien, davon 13 Bauern und 7 Fischer, und in der Kirchenruine wurde Gottesdienst nach römisch-katholischem Ritus gehalten.[8]

Im Jahr 1787 ordnete das Kurfürstentum Mainz das Dorf Nied seinem Oberamt Höchst und Königstein und dort der Amtsvogtei Höchst zu.

NeuzeitBearbeiten

 
Die alte Nieder Brücke auf einem Gemälde von 1840

Im Ersten Koalitionskrieg wurde Nied 1795 auch von den kaiserlichen Truppen geplündert. Immer wieder war die Niddabrücke für die kämpfenden Parteien von strategischer Bedeutung. Um 1800 wurden der zweite Mündungsarm der Nidda (heute: Wörthspitze) und der das Dorf umgebende Haingraben zugeschüttet. 1803 fiel Nied im Reichsdeputationshauptschluss an das Fürstentum Nassau-Usingen (ab 1806: Herzogtum Nassau). Hier gehörte es weiter zum Oberamt Höchst und Königstein und zur Amtsvogtei Höchst. In napoleonischer Zeit wurde Nied von den Franzosen besetzt. Von 1816 bis 1866 war es wieder Bestandteil des Herzogtums Nassau und hier dem Amt Höchst zugeordnet.

1824 wurde die hölzerne durch eine steinerne Niddabrücke ersetzt. Die Sandsteinkonstruktion mit sechs weiten Flutbögen hat bis heute jedem Hochwasser von Main und Nidda widerstanden. Ein Gedenkstein (aus Lahnmarmor) erinnert an den Wiederaufbau nach der Zerstörung durch die Franzosen.

Das Herzogtum Nassau unterlag als Verbündeter Österreichs 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg dem Königreich Preußen. Dieses annektierte daraufhin das Herzogtum und damit auch Nied. Ab 1867 gehörte Nied deshalb zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau, zum Regierungsbezirk Wiesbaden und zum Landkreis Wiesbaden, von 1886 bis 1928 zum Landkreis Höchst.

1838 wurde die Taunus-Eisenbahn durch die Nieder Gemarkung geführt. Seit 1879 wurde die weiter südlich gelegene Bahnstrecke Frankfurt–Limburg durch die Hessische Ludwigsbahn (HLB) in Betrieb genommen. Doch erst 1888 erhielt Nied für den Nahverkehr einen eigenen Halt und 1915 ein Empfangsgebäude (Bahnhof).[9]

Seit dem 20. JahrhundertBearbeiten

 
Eisenbahnersiedlung in Frankfurt-Nied
 
Gedenksäule vor dem Nieder Friedhof.
 
Stolpersteine an der Oeserstraße 54, Dr. Carl und Jenny Kahn

Ab 1902 wurde die Nieder Zeitung herausgegeben. 1905 entstand das Villenviertel „zur Ansiedlung besserer Steuerzahler“. Der kaiserliche Postverwalter Josef Benner verfasste 1910 die erste Chronik des Dorfes Nied am Main.[10]

Als 1918 in Nied die preußischen Staatseisenbahnen das Königlich-preußische Dampflokomotiv-Ausbesserungs-Werk eröffneten und eine Eisenbahnersiedlung (Nied-Nord) errichtete, kam es zu einem erheblichen Zuzug – vor allem aus Süddeutschland. Das Werk beschäftigte Hunderte von Mitarbeitern. Die Siedlung zählt zu den wenigen in Deutschland noch in ihrer ursprünglichen Art erhaltenen Wohndenkmälern und steht als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz unter Denkmalschutz.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Nied von 1918 bis 1930 zur Französischen Besatzungszone. 1928/29 wurde der Unterlauf der Nidda durch Begradigung und Wehre reguliert, wodurch auf Nieder Gemarkung fünf Nidda-Altarme entstanden – Grillscher Altarm, Waldspitze, Kellerseck, Wiesengraben und Rondell.[11]

Ferdinand Scholling (1867–1952) war der letzte Bürgermeister der bis 1928 eigenständigen Gemeinde Nied.[12] Am 1. April 1928 wurde Nied in die Stadt Frankfurt am Main eingemeindet. Alte Straßennamen wurden durch neue Bezeichnungen ersetzt, so wurden die Frankfurter Straße in Mainzer Landstraße und die Rödelheimer Straße in Oeserstraße umbenannt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1937 auf der Wörthspitze ein Ehrenmal errichtet, das 1965 abgebrochen wurde und dessen Reste am Mainufer heute als Aussichtsplattform und Spielplatz dienen. Für die Opfer des Nationalsozialismus ist am Kahnplatz vor dem Friedhof eine Gedenksäule errichtet worden. In Nied sind bislang 12 Stolpersteine für die Opfer mit den Namen Bender, Salomon, Hirsch, Kahn und Herger ausgelegt worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kontrollierten die US-Streitkräfte den Verkehr nach Schwanheim an einer drehbaren Holzbrücke (Notbrücke) über den Main, die 1963 durch die neue Schwanheimer Brücke ersetzt wurde.

Das Bahnbetriebswerk musste veränderten Betriebsbedingungen der Bahn weichen und wurde 1967 stillgelegt. 1981 zeitweilig besetzt, wurde es nach polizeilicher Räumung abgerissen. Die Fläche wurde mit Wohnhäusern bebaut. Diese Erweiterung der Eisenbahnersiedlung, der Bau der Siedlungen Parkstadt, Nied-Süd, Nied-Ost und die Bebauung des ehemaligen Ausbesserungswerks an der Oeserstraße haben die Wohnbaufläche des Stadtteils mehr als verdreifacht.

Ab 2012 wurde die Nidda renaturiert und das Höchster Wehr mit dessen begradigtem Abschnitt zurück gebaut. Die dort geschaffenen Stromschnellen mit einer neu angelegten Insel ermöglichen den Fischen aus dem Main wieder in die Nidda aufzusteigen und dort zu laichen. Eine neue Fußgängerbrücke wurde gegenüber dem Sulzbach errichtet. Unmittelbar an der Nieder Polo-Anlage befindet sich seitdem auch der bei vielen beliebte „Niddastrand“ für Freizeit und Erholung.[13]

Seit Ende 2018 entsteht an der Mainzer Landstraße am sogenannten „Nieder Loch / Alt-Nied“ ein neuer Wohnbereich, der 131 Wohnungen in Passiv-Bauweise und einen großen Supermarkt vorsieht.[14]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

 

Am 31. Dezember 2018 hatte Nied 19.780 Einwohner[15]

Bevölkerungsstruktur:

Von den 19.780 Einwohnern waren 9.739 weiblich (49,2 %) und 10.041 männlich (50,8 %). 12.411 waren Deutsche (62,7 %) und 7.369 Ausländer (37,3 %). Davon waren 3.494 aus der EU (47,4 %) und 3.875 nicht aus der EU (52,6 %).[16]

1580: 120 Einwohner 1858: 670 Einwohner 1928: 8.673 Einwohner
1620: 160 Einwohner 1864: 776 Einwohner 1939: 8.326 Einwohner
1651: 70 Einwohner 1871: 940 Einwohner 1946: 9.198 Einwohner
1668: 90 Einwohner 1875: 1.035 Einwohner 1950: 10.191 Einwohner
1736: 230 Einwohner 1885: 1.476 Einwohner 1961: 10.086 Einwohner
1808: 273 Einwohner 1895: 2.179 Einwohner 1970: 14.118 Einwohner
1834: 424 Einwohner 1900: 4.028 Einwohner 1976: 14.720 Einwohner
1840: 491 Einwohner 1905: 5.485 Einwohner 2014: 18.853 Einwohner[17]
1846: 535 Einwohner 1910: 7.491 Einwohner 2015: 19.398 Einwohner[18]
1852: 616 Einwohner 1925: 8.597 Einwohner 2016: 19.387 Einwohner[19]

VerkehrBearbeiten

Seit 1888 gibt es in Nied einen Haltepunkt der Main-Lahn-Bahn. Nied ist seit 1935 an das Frankfurter Straßenbahnnetz und seit 1978 an die S-Bahn Rhein-Main angeschlossen. In Höhe der Fußgängerbrücke zwischen Nied-Ost und dem Neubaugebiet/Eisenbahnersiedlung soll mit Zustimmung des Verkehrsausschusses der Stadt Frankfurt am Main die neue Station „Nied-Ost“ für den Regionalverkehr entstehen.[20] Seit Jahrzehnten ist der Bahnübergang Oeserstraße in Höhe der Niddahalle / Birminghamstraße ein ungelöstes Verkehrsproblem – im Berufsverkehr kommt es hier zu erheblichem Stau für den Straßenverkehr. Eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung bleibt weiterhin abzuwarten.[21]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Selzerbrunnen
 
Altarm an der Nidda

Im nahegelegenen Niedwald befindet sich der frei zugängliche Selzerbrunnen, ein Mineralbrunnen, dessen Wasser zwar trinkbar ist, jedoch einen hohen Anteil Schwefelwasserstoff enthält. Ein zweiter schwefelhaltiger Mineralbrunnen (Faulbrunnen) befindet sich innerhalb der Eisenbahner-Siedlung in der Straße Brunnenpfad. Vor der Eingemeindung wurde über einen möglichen Bäder- und Kurbetrieb nachgedacht.

Verschiedene Naturschutzmaßnahmen an der Nidda, an den Altarmen und im Niedwald machen diese Wald-Auenlandschaft zu einem beliebten Erholungs- und Ausflugsziel.

Im Westen des Stadtteils in Richtung Höchst liegt die Wörthspitze, eine große Parkanlage, die sich auf einer ehemaligen Mündungsinsel zwischen Main und Nidda befindet. Sie ist Teil des Frankfurter Grüngürtels.

Im 1840 errichteten und 1908 umgebaut und erweiterten Rathaus an der Niddabrücke ist heute ein Polizeiposten eingerichtet. Die seit 1839 genutzte Eisenbahnbrücke Nied der Taunus-Eisenbahn über die Nidda ist eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen Eisenbahnbrücken Deutschlands (Sandsteinkonstruktion von 1838). Die Brücke wurde 2018 saniert.

Das Heimatmuseum Nied in der Beunestraße 9a zeigt Relikte der einstigen römischen Zentralziegelei, deren Produkte vorwiegend für die Limesbefestigungen des obergermanischen Heeres hergestellt wurden.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Nied

Vereine und EinrichtungenBearbeiten

Im Vereinsring Frankfurt a. M.-Nied e. V.[22] sind aktuell 46 Vereine organisiert. Der Anglerverein Nied 1920 e. V. mit Sitz am Altarm Kellerseck nutzt die in der Nidda und den Altarmen vorhandenen Fischgründe. Das Freizeitgelände des Vereins für Freikörperkultur Orplid-Frankfurt befindet sich auf einer von Nidda und dem Altarm Waldspitze gebildeten „Insel“ am Niedwald. 1986 Eröffnung des Nieder Heimatmuseums. Der auf dem Gelände des Reiterhofs Georgshof ansässige Frankfurter Polo Club bietet im Sommer Polo-Veranstaltungen, die über den Frankfurter Raum hinaus bekannt wurden. Im Sommer findet an der Niddahalle regelmäßig ein Beach-Handball-Turnier statt, auch sind Tennisplätze und eine Anlage für Bogenschießen vorhanden. Sportlich bekannt ist Nied vor allem durch die Sportgemeinschaft 1877 Frankfurt-Nied e. V. Diese ist fünffacher Deutscher Meister im Trampolinturnen (zuletzt 2001). Zudem zählten viele erfolgreiche Einzelturner wie Markus Kubicka, der 2003 Weltmeister im Mannschaftsspringen und 2002 Europameister im Synchronspringen wurde, zu deren Mitgliedern. In der Karnevalsaison bietet der NCC Abwechslung in der kalten Jahreszeit. Fußballveranstaltungen der Alemannia Nied finden am Sportplatz in Nied-Ost statt.

In Nied befindet sich die Feuer- und Rettungswache 3. Auf demselben Grundstück, jedoch mit einer anderen Adresse befindet sich die Freiwillige Feuerwehr Frankfurt am Main – Nied[23]

ReligionsgemeinschaftenBearbeiten

  • zwei katholische Kirchengemeinden mit der Kirche Dreifaltigkeit und St. Markuskirche[25][26][27]
  • andere Glaubensrichtungen[28]

BildungseinrichtungenBearbeiten

  • Fridtjof-Nansen-Schule
  • Friedrich-List-Schule
  • Niddaschule
  • Panoramaschule, Schule für Praktisch Bildbare

SportstättenBearbeiten

  • Niddahalle/Niddakampfbahn
  • Sportanlage am Denisweg (Fußballverein FV Alemannia 08 Nied)
  • Frankfurter Polo Club

LiteraturBearbeiten

  • Gerd Bethke: Main-Taunus-Land. Historisches Ortslexikon – Rad und Sparren; 26. 1996, S. 137–141.
  • Günter Christ: Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte. 2: Erzstift und Erzbistum Mainz. Territoriale und kirchliche Strukturen – Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte 6,2. 1997, S. 93, 295–296.
  • Margarete Dörr: Das St. Mariengredenstift in Mainz. Geschichte, Recht und Besitz. 1953, S. 231–233.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum – Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 71.
  • Anette Löffler: Die Herren und Grafen von Falkenstein (Taunus): Studien zur Territorial- und Besitzgeschichte, zur reichspolitischen Stellung und zur Genealogie eines führenden Ministerialengeschlechts; 1255–1418. – Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 99. Bd. 1. Darmstadt 1994, ISBN 3-88443-188-9, S. 371–372.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein – Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 2000, S. 72, 424.
  • Heinz Schomann u. a.: Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main. Braunschweig 1986, S. 622–629.
  • Christian Daniel Vogel: Beschreibung des Herzogthums Nassau. 1843, S. 864.
  • Adalbert Vollert: Nied am Main. Chronik eines Frankfurter Stadtteils. Frankfurt am Main 1998: Heimat- und Geschichtsverein Nied.
  • Ingeborg Huld-Zetsche: Die Lampen aus den römischen Töpfereien von Frankfurt am Main-Nied. Schnell + Steiner, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7954-2838-9.
  • Andrea Hampel: Die römische Militärziegelei in Frankfurt a. M.-Nied – Neue Ausgrabungen. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Hessen-Archäologie 2012. Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen, S. 115–120.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Frankfurt-Nied – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Andrea Hampel und G. Wetter: Die römische Legionsziegelei in Frankfurt am Main-Nied. In: Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission 8. Jahrgang · 2014 · Heft 1, Seiten 26–30. Deutsche Limeskommission, UNESCO, 1. Januar 2014, abgerufen am 13. April 2019.
  2. Ingeborg Huld-Zetsche: Die Lampen aus den römischen Töpfereien von Frankfurt am Main-Nied. Abgerufen am 3. Februar 2018.
  3. Holger Vonhof: Das Nieder Loch soll sich füllen – Spatenstich für 75 Mietwohnungen. FNP, 7. Dezember 2018, abgerufen am 4. Mai 2019.
  4. Hofrat Johann Wilhelm Christian Steiner: Geschichte und Topographie des Maingebietes und Spessarts unter den Römern, S-139-142. In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde. Selbstverlag, 1834, abgerufen am 1. Juli 2018.
  5. Frankfurter Neue Presse: Ortslandwirt und Ortsbeiratsmitglied Georg Diehl ist mit 63 Jahren gestorben. FNP, 17. Juli 2018, abgerufen am 19. Juli 2018.
  6. Geschichtsverein Nied: Festschrift 800 Jahre. (PDF) 29. Mai 2015, abgerufen am 29. Mai 2018.
  7. Vereinsring Nied: Festschrift 800 Jahre Nied. (PDF) Vereinsring Nied, abgerufen am 10. März 2018.
  8. Hans Wertheim: Der tolle Halberstädter Herzog Christian von Braunschweig im Pfälzischen Kriege 1621–1622. Ein Abschnitt aus dem Dreißigjährigen Kriege. 2 Bände. Internationale Bibliothek Berlin, Berlin 1929.
  9. Chronik von Nied bei frankfurt.de, Stand: 11. Juni 2008
  10. Die sozialen Zustände auf dem platten Lande und einige Ratschläge zur Verbesserung derselben, 1894 ; Chronik des Dorfes Nied am Main, 1910. Rheinland-Pfälzische Personendatenbank, 15. Dezember 2010, abgerufen am 12. April 2019.
  11. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt: Die GrünGürtel Freizeitkarte, 7. Auflage, 2011
  12. Frankfurt-Zoom. Wo lebst Du? Fakten über Deine Straße. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  13. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Renaturierung der Nidda: Erholung am Fluss und Schutz am Teich. 21. August 2016, abgerufen am 4. Dezember 2017.
  14. Frankfurter Rundschau, Clemens Dörrenberg: 131 Wohnungen entstehen in Alt-Nied. 7. Dezember 2018, abgerufen am 1. März 2019.
  15. Stadt Frankfurt am Main: http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/678/16_Bev%C3%B6lkerung_Halbjahr2017.pdf. (PDF) Abgerufen am 14. Oktober 2017.
  16. Stadt Frankfurt am Main: Frankfurt Statistik Aktuell (FSA). 31. Dezember 2018, abgerufen am 7. März 2019.
  17. Bevölkerung Halbjahr 2014 in pdf
  18. Bevölkerung Ende 2015 in pdf
  19. statistik.aktuell Ausgabe 02/2017
  20. Frankfurter Rundschau, Florian Leclerc: Neue Station Nied-Ost wird gebaut. 20. Februar 2018, abgerufen am 3. März 2019.
  21. Frankfurter Rundschau, George Grodensky: Warten auf die Unterführung. 12. Juli 2017, abgerufen am 3. März 2019.
  22. Vereinsring Frankfurt-Nied: Stadtteilbroschüre 2016. (PDF) Abgerufen am 7. Dezember 2017.
  23. Feuerwehr Frankfurt
  24. http://www.eknied.de
  25. http://www.kath-kirche-nied.de
  26. http://www.comunita-italiana-ffm.de
  27. http://www.fraccf.de
  28. Stadt Frankfurt am Main: Kirchen und Religionsgemeinschaften. Abgerufen am 8. März 2019.