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Flughafen Bergamo

Flughafen in Italien
Il Caravaggio International Airport
Bergamo Orio al Serio
Flughafen Bergamo (Italien)
Red pog.svg
Kenndaten
ICAO-Code LIME
IATA-Code BGY
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 5 km südöstlich von Bergamo,
45 km östlich von Mailand
Straße A4 SS671
Basisdaten
Eröffnung 1939
Betreiber SACBO SpA
Terminals 1
Passagiere 12.336.137[1] (2017)
Luftfracht 125.948 t[1] (2017)
Flug-
bewegungen
86.113[1] (2017)
Start- und Landebahnen
10/28 2937 m × 45 m Asphalt
12/30 778 m × 18 m Asphalt

Der Flughafen Bergamo (italienisch Aeroporto di Bergamo-Orio al Serio, auch Il Caravaggio International Airport – Bergamo Orio al Serio; IATA-Code: BGY, ICAO-Code: LIME) ist ein internationaler Flughafen in Norditalien. Er liegt 45 km nordöstlich von Mailand und 5 km südöstlich von Bergamo auf dem Gebiet der lombardischen Gemeinde Orio al Serio. Dieser Flughafen wird vor allem von Billig- und Frachtfluggesellschaften genutzt, die ihn auch als „Flughafen Mailand-Bergamo“ oder „Mailand-Orio al Serio“ bezeichnen.

Inhaltsverzeichnis

VerkehrsanbindungBearbeiten

  • PKW: Der Flughafen liegt an der Autobahn A4, der wichtigsten Ost-West-Verkehrsachse Italiens. Sowohl der Großraum Mailand als auch das westliche Venetien sind schnell zu erreichen. Am Flughafen sind die bedeutendsten Autovermietungsunternehmen vertreten.
  • Bus: Um die Shuttle-Verbindung zum Mailänder Hauptbahnhof konkurrieren Autostradale[2], Terravision[3] und Orioshuttle[4]. Jedes der Unternehmen bietet etwa 60 je einstündige Fahrten täglich an. Der Preis beträgt einheitlich 5 Euro, 9 Euro mit Rückfahrkarte. (Stand 2018) Außerdem bestehen regelmäßige Busverbindungen in die Innenstadt von Bergamo und eine Busverbindung zum Bahnhof Bergamo. Eine direkte Bahnverbindung zum Flughafen ist geplant.

GeschichteBearbeiten

 
Neuer und alter Tower des Flughafens

Der Flughafen wurde im Jahr 1937 in der Nähe des Flusses Serio als Militärflugplatz eingerichtet. Im September 1943 übernahm die Luftwaffe der Wehrmacht den Flugplatz und nutzte ihn zusammen mit der Aeronautica Nazionale Repubblicana bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit gab es um Bergamo noch weitere Militärflugplätze bei Ponte San Pietro, Seriate und Zanica.[5]

In den 1950er und 1960er Jahren verlangten örtliche Unternehmer und Lokalpolitiker eine zivile Mitnutzung des Flugplatzes Orio al Serio, was jedoch an der ablehnenden Haltung der Stadt Mailand und der Betreiber der dortigen Flughäfen Linate und Malpensa scheiterte. Am 16. Juli 1970 wurde die Flughafengesellschaft Società per l'Aeroporto Civile di Bergamo - Orio al Serio (SACBO) gegründet, die die Aufnahme des kommerziellen Flugbetriebes am 21. März 1972 auch erreichte. Der zivile Flugbetrieb entwickelte sich zunächst schleppend, obwohl der Flughafen relativ zentral in der Poebene liegt und in seinem direkten Einzugsbereich rund 5 Millionen Menschen leben. Ende der 1980er Jahre stieg die SEA, Betreiber der beiden Mailänder Flughäfen, bei der SACBO ein, ohne jedoch eine Mehrheitsbeteiligung zu erlangen. Damit scheiterte auch das ursprünglich anvisierte Projekt, alle drei Flughäfen im Großraum Mailand unter Kontrolle zu bringen und synergisch zu nutzen. Darüber hinaus meinte die östlich von Bergamo gelegene Stadt Brescia, ebenfalls einen eigenen Verkehrsflughafen zu brauchen, den Flughafen Brescia-Montichiari, obwohl der Flughafen Verona und auch Bergamo von dort aus leicht zu erreichen sind.

In diesem Umfeld gelang es dem Flughafen Bergamo seit 2002 vor allem dank des Engagements von Fracht- und Billigfluggesellschaften wie DHL Aviation und Ryanair, sich einerseits gegen Brescia durchzusetzen und andererseits im Großraum Mailand eine eigene Rolle zu finden, da Malpensa für die östlichen Teile Mailands und der Lombardei ungünstiger liegt und Linate verschiedenen Beschränkungen unterliegt. Das überdurchschnittliche Wachstum des Flughafens von Bergamo wurde im Sommer 2002 ausgelöst, als Linate wegen der Sanierung der dortigen Start- und Landebahn vorübergehend schließen musste und man den Flugbetrieb auch nach Bergamo verlegte. Bei dieser Gelegenheit gelang es Bergamo, sein Potenzial besser zu vermitteln.

Derzeit liegt südlich der Start- und Landebahn das Passagier- und das Frachtterminal. Im Norden befindet sich noch ein kleiner militärischer Teil mit einer Instandsetzungseinheit der Heeresflieger und ein Bereich für die Allgemeine Luftfahrt mit einer knapp 800 m langen Piste. In diesem nördlichen Bereich soll der Flughafen Bergamo ausgebaut werden.

Fluggesellschaften und ZieleBearbeiten

Vom Flughafen Bergamo aus werden insbesondere Ziele in Italien, in Europa, im Mittelmeerraum, am Roten Meer und auf den Kanarischen Inseln angeflogen. Im deutschsprachigen Raum werden Berlin-Schönefeld, Bremen, Weeze, Hahn, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und Nürnberg von Ryanair bedient.[6] Bedeutendste Fluggesellschaft vor Ort ist Ryanair, die in Bergamo eine Basis unterhält. Hinzu kommen weitere Billigfluggesellschaften wie Wizz Air und Blue Air, Regionalfluggesellschaften sowie Anbieter von Charterflügen.

In der Luftfracht-Branche wird der Flughafen größtenteils von Luftpostunternehmen angeflogen. Es bedienen überwiegend die DHL Aviation und einige ihrer Tochterunternehmen den Flughafen. Von ihnen werden europäische Ziele bedient, unter anderem nach Köln/Bonn und Leipzig/Halle.

VerkehrszahlenBearbeiten

 
 
Quelle: Assaeroporti[1]
Flughafen Bergamo – Verkehrszahlen 2000–2017[1]
Jahr Fluggastaufkommen Luftfracht (Tonnen)
(mit Luftpost)
Flugbewegungen
2017 12.336.137 125.948 86.113
2016 11.159.631 117.765 79.953
2015 10.404.625 121.045 76.078
2014 8.774.256 123.206 67.674
2013 8.964.376 116.112 71.742
2012 8.890.720 117.005 74.220
2011 8.419.948 112.556 71.514
2010 7.677.224 106.921 67.636
2009 7.160.008 100.354 65.314
2008 6.482.590 122.398 64.390
2007 5.741.734 134.449 61.364
2006 5.244.794 140.630 56.358
2005 4.356.143 136.339 51.635
2004 3.337.671 130.974 45.471
2003 2.844.379 128.687 48.362
2002 1.252.878 114.636 33.493
2001 1.061.397 96.253 36.586
2000 1.241.138 100.494 40.944

ZwischenfälleBearbeiten

  • Am 9. April 1975 kam es beim Start einer Fokker F28-1000 Fellowship der Itavia (I-TIDA) zu einem Strömungsabriss. Das Flugzeug sank auf die Startbahn zurück und blieb 200 m vor deren Ende liegen. Alle 31 Insassen überlebten den Unfall. An der Maschine entstand Totalschaden.[7]
  • Am 5. August 2016 schoss ein aus Paris kommendes Frachtflugzeug vom Typ Boeing 737-400SF der ASL Airlines Hungary mit dem Luftfahrzeugkennzeichen HA-FAX über die Landebahn hinaus, durchbrach eine Leitplanke und kam erst auf einer Landstraße zum Stehen. Die beiden Piloten wurden verletzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten am Flughafen Bergamo schlechte Wetterbedingungen, der Flugbetrieb musste danach für rund drei Stunden eingestellt werden.[8][9] Die italienische Untersuchungsbehörde ANSV stellte fest, dass die Besatzung nicht wahrgenommen hatte, dass die Maschine erst nach etwa zwei Dritteln der Bahn aufgesetzt hatte und die Bahnlänge nicht mehr ausreichend war, um das Flugzeug zum Stehen zu bringen. Der Copilot hatte zum Unfallzeitpunkt lediglich 86 Flugstunden auf der Boeing 737 und hatte die Entscheidung des Kapitäns, wegen Gewitters in keinem Falle einen Go-Around zu fliegen, nicht hinterfragt, im Nachhinein jedoch ausgesagt, dass diese Option den Unfall aus seiner Sicht hätte verhindern können.[10]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Statistiche. In: assaeroporti.com. Assaeroporti, abgerufen am 27. November 2018 (italienisch).
  2. https://autostradale.it/Images/Linee/Orari/141.pdf
  3. https://www.terravision.eu/tedesco/airport_transfer/bus-flughafen-bergamo-mailand-zentrum/preise-fahrplan-flughafen-bergamo-mailand-entrum/
  4. http://www.orioshuttle.com/_eng/pdf/OS_01_ENG.pdf
  5. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Italy, Sicily and Sardinia, S. 23–24, abgerufen am 3. Oktober 2015
  6. ryanair.com, abgerufen am 14. September 2016
  7. Unfallbericht I-TIDA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Februar 2016.
  8. Boeing 737 schießt in Bergamo über Piste hinaus. aerotelegraph.com, 5. August 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  9. Unfallbericht HA-FAX. aviation-safety.net, 5. August 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  10. DASHBOARD: Storms led 737 overrun captain to opt against go-around. In: FlightGlobal. 9. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.