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HEIC Nemesis zerstört eine chinesische Dschunke, (Edward Duncan, 1843)

Der Erste Opiumkrieg war ein politischer und militärischer Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie von 1839 bis 1842 um die Einfuhr des in China verbotenen Opiums nach China. Nach der Niederlage wurde China zur Duldung des Opiumhandels und zur Öffnung seiner Märkte gezwungen.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

 
Kaiser Daoguang (1820–1850)

Seit dem ersten Auftreten europäischer Kaufleute vor den Küsten des Kaiserreichs China im 16. Jahrhundert hatte die Regierung Chinas den Seehandel mit dem Ausland restriktiv geregelt. Zuletzt war dieser nur über den Hafen von Kanton möglich. Die Europäer mussten dort in einem abgeschlossenen Wohngebiet leben und sich bei der Kommunikation mit den chinesischen Handelshäusern der Vermittlung durch Kaufleute der sog. Cohong-Gilde sowie der vom Hof bestellten Handelsbeamten („Hoppo關部, guan1bu4, chinesischer Zolldirektor in Kanton) bedienen. Die Beschränkungen, darunter Preisfestsetzungen, wurden von der Zollverwaltung festgelegt und durchgesetzt.

Bis etwa 1820 zeigte die bilaterale Handelsbilanz des Chinahandels immer einen deutlichen Einnahmeüberschuss der chinesischen Wirtschaft. Die Europäer importierten große Mengen an Tee, Porzellan und Seide, der chinesische Markt entwickelte aber keine Nachfrage nach europäischen Importprodukten, die staatliche Wirtschaftspolitik war auf Autarkie ausgerichtet. Die damit verbundenen Devisenabflüsse, vor allem an Silber nach China führten im Vereinigten Königreich zu einer spürbaren Silberverknappung, die wiederum fatale Auswirkungen auf die dortigen Volkswirtschaften hatte.

Ab etwa 1820 verstärkte die britische East India Company den Export bengalischen Opiums nach China systematisch, obwohl der Import von Opium verboten war. Um die Opiumproduktion zu sichern, wurden vereinzelt auch britische Truppen vor Ort stationiert. Allein zwischen 1821 und 1837 verfünffachte sich die umgeschlagene Menge. Dies führte zu zunehmenden Problemen in der chinesischen Verwaltung und schließlich zu einem Handelsbilanzdefizit auf chinesischer Seite. Dass Millionen Chinesen abhängig von Opium wurden, was zu sozialen und wirtschaftlichen Problemen führte, wurde von der Regierung des Vereinigten Königreichs ignoriert. Kaiser Daoguang unternahm jahrelang die verschiedensten Maßnahmen zur Eindämmung des Konsums, aber ohne Erfolg. Als letzter Schritt erfolgte das Konsumverbot, danach das Importverbot und die Importkontrolle.

AnlassBearbeiten

1838 entsandte der Kaiser den Spitzenbeamten Lin Zexu als Sonderkommissar nach Kanton. Gegen die chinesischen Konsumenten und Zwischenhändler hatte seine auf einer Mischung aus Aufklärung und Repression aufbauende Kampagne noch relativ viel Erfolg: Bis Mitte Juli 1839 waren über 1.600 Chinesen verhaftet sowie 73.000 kg Opium und 70.000 Opiumpfeifen beschlagnahmt.

 
Blick auf die kantonesischen Faktoreien (William Daniell, 1805/06)

In den Jahren zwischen 1830 und 1840 war die East India Company der weltweit größte Drogenhändler. Sie hatte dazu bei verschiedenen Gelegenheiten ihren Einfluss in China, auf den Philippinen und auf Java ausgeweitet. Ihren kritischen Mangel an Barmitteln zum Erwerb von Tee, Seide und Porzellan behob die Kompanie durch den tonnenweisen Export von in Indien hergestelltem Opium nach China. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen zeigten sich die ausländischen Händler wenig kooperativ und forcierten die illegale Opiumeinfuhr nach China massiv weiter. Die Situation eskalierte, als Lin am 24. März 1839 aufgrund eines kaiserlichen Edikts vom 18. März, das Ausländern den Opiumhandel in China verbot, 350 in den Opiumhandel verwickelte Ausländer in ihren Faktoreien internieren ließ. Nur so gelang es ihm, die Herausgabe von über 22.000 Kisten (= 1400 Tonnen) Opium vom britischen Superintendenten für den Handel, Charles Elliot, zu erreichen, offiziell um die chinesische Bevölkerung vor weiterer Drogenabhängigkeit zu beschützen. Das Opium ließ er vom 3. bis zum 23. Juni 1839 in der Nähe von Humen verbrennen und anschließend ins Meer spülen.

VerlaufBearbeiten

 
Zeitgenössische britische Illustration chinesischer Soldaten und ihrer Bewaffnung aus dem Buch Narrative of a Voyage Round the World von Edward Belcher (1843)

Trotz energischer Intervention der überwiegend britischen Opiumhändler und der Ostindienkompanie sah das britische Unterhaus von einer förmlichen Kriegserklärung an China ab. Es bewilligte lediglich die Entsendung eines Flottenverbands, der vom Kaiser „Genugtuung und Wiedergutmachung“ fordern und gegebenenfalls chinesisches Eigentum als Pfand nehmen sollte.

Im Sommer 1839 stach Admiral George Elliot mit 16 Kriegsschiffen, die über 540 Kanonen und 4.000 Mann Besatzung verfügten, in See. Zugleich besetzte am 23. August sein Vetter, Superintendent Charles Elliot, Hongkong Island als Operationsbasis. In diesem Zusammenhang wurde ein Chinese von betrunkenen britischen Matrosen ermordet. Großbritannien weigerte sich jedoch, die Täter an die chinesische Justiz auszuliefern und stellte sie in Kanton vor ein britisches Gericht. Im Juni 1840 traf die britische Flotte in China ein, wo sie nach der Versenkung von chinesischen Kriegsdschunken, an der vor allem die Nemesis beteiligt war, jeweils durch Zurücklassen einiger Schiffe nacheinander die Mündungen des Perlflusses (Hongkong), des Jangtsekiang (Ningbo und Zhoushan) und schließlich des Beihai (Tianjin) sicherte.

Im Januar 1841 schloss Charles Elliot mit dem Generalgouverneur von Tianjin, Qishan, ein Abkommen, in dem sich die Chinesen zur Abtretung Hongkongs, zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 6 Mio. Silberdollar sowie zur Gewährung direkter Kontakte der Europäer zur Qing-Regierung verpflichteten. Das Abkommen stieß bei Kaiser Daoguang wie beim britischen Premierminister Palmerston gleichermaßen auf Ablehnung. Letzterer ersetzte daraufhin Charles Elliot durch Sir Henry Pottinger und beauftragte diesen mit der Fortsetzung des Krieges.

Ende August 1841 eroberte Pottingers Flotte die Städte Xiamen, Ningbo und Zhoushan und blockierte mehrere wichtige Wasserwege. Nach Eintreffen von Verstärkungstruppen aus Indien fielen im Sommer 1842 Shanghai und Zhenjiang. Ein Verhandlungsangebot Chinas wurde ausgeschlagen, vielmehr drangen die Briten im August bis Nanjing vor. Am 29. August 1842 endete der Krieg mit dem Vertrag von Nanking, dem ersten der sog. Ungleichen Verträge. Er verpflichtete die Chinesen unter anderem zur Öffnung der Handelshäfen Kanton, Xiamen, Fuzhou, Shanghai und Ningbo für Ausländer, zur Duldung weitgehend unbeschränkten Handels, zur Abtretung Hongkongs sowie zu Reparationszahlungen.

FolgenBearbeiten

Der Erste Opiumkrieg leitete den Niedergang Chinas von der einst unumschränkten Hegemonialmacht Asiens zu einer informellen Kolonie westlicher Mächte ein, das China bis zur Wende zum 20. Jahrhundert bleiben sollte. Ein seit Menschengedenken währendes Bewusstsein der eigenen Überlegenheit gegenüber den „Barbaren“ (Sinozentrismus) wurde nicht zuletzt durch die Leichtigkeit, mit der die britischen Truppen China besiegten, nachhaltig erschüttert. Beeinträchtigt wurde insbesondere auch die Reputation der mandschurisch-fremdherrschaftlichen Qing-Dynastie, was – neben dem weiterhin erzwungenen Import von Opium durch die Briten und der Verpflichtung, alle britischen Staatsbürger im Chinesischen Reich britischem Recht zu unterstellen – zu erheblicher innenpolitischer Instabilität führte und möglicherweise auch zum Taiping-Aufstand und anderen Unruhen beitrug.

Gleichzeitig trat China durch die erzwungene Öffnung seiner Märkte und seiner Gesellschaft unfreiwillig aus seiner selbstgewählten wirtschaftlichen Isolation gegenüber den Europäern heraus und fand langfristig Anschluss an die Entwicklungen der Moderne. China war gezwungen, seine protektionistische Außenwirtschaftspolitik aufzugeben. Nicht umsonst beginnt daher nach der chinesischen Geschichtsschreibung mit dem Ersten Opiumkrieg die „Neuere Geschichte“ Chinas.

Was im kollektiven Gedächtnis der Chinesen und anderer Völker der Region bis heute unvergessen bleibt, sind die eingesetzten Mittel der europäischen Großmächte, mit denen die Öffnung Chinas erfolgte: mit militärischer Gewalt erzwungener Opiumimport zur Durchsetzung der kolonialen Wirtschaftsinteressen. Nach der Niederlage musste China den Drogenhandel wieder zulassen und Hongkong abtreten.

LiteraturBearbeiten

  • Runhild Böhm: Englands Opiumkriege in China. Die Darstellungen und Voraussagungen von Karl Marx über die Kollision des konfuzianischen China mit der okzidentalen Kolonialexpansion (Arbeitstexte). Universität, Tübingen 2000, TOBIAS-lib Digitalisat (PDF, 1,3 MB).
  • Wolfram Eberhard: Geschichte Chinas. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Kröners Taschenausgabe. Band 413). 3., erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-41303-5.
  • John K. Fairbank: Geschichte des modernen China 1800–1985 („The great chinese revolution“). Dtv, München 1991, ISBN 3-423-04497-7.
  • Peter Ward Fay: The Opium War, 1840–1842. The University of North Carolina Press, Chapel Hill, North Carolina 1975, ISBN 0-8078-1243-9.
  • Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit („Le monde chinois“). Neuaufl. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2008, ISBN 978-3-518-38005-5.
  • Julia Lovell: The Opium War. Drugs, Dreams and the Making of China. Picador, London 2011, ISBN 978-0-330-53785-8.
  • Rosa Luxemburg: Die Einführung der Warenwirtschaft. In: Dies.: Die Akkumulation des Kapitals Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus (28. Kapitel). Verlag Neue Kritik, Frankfurt/M. 1970, ISBN 3-8015-0063-2 (Nachdr. d. Ausg. Berlin 1913).
  • Lawrence Sondhaus: Navies of Europe. 1815–2002. Pearson Education Limited, Edinburgh 2002, ISBN 0-582-50613-1.
  • Jonathan Spence: Chinas Weg in die Moderne („The search for modern China“). Verlag bpb, München 2008, ISBN 978-3-89331-867-4 (Nachdr. d. Ausg. Frankfurt/M. 1997).

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Erster Opiumkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien