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Die Metropolregion Perlflussdelta (englische Abk.: PRD) liegt an der Mündung des Perlflusses in der Bucht Zhujiang Kou (Südchinesisches Meer) und umfasst Teile der chinesischen Provinz Guangdong sowie die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau.[4]

Perlflussdelta
Perlflussdelta (China)
Perlflussdelta
Perlflussdelta
Koordinaten 22° 32′ N, 113° 44′ OKoordinaten: 22° 32′ N, 113° 44′ O
Basisdaten
Staat Volksrepublik China

Provinz

Guangdong
Fläche 17.000 km²
Einwohner 67.000.000
Metropolregion 120.000.000[1]Vorlage:Infobox Ort/Wartung/Zahl
Dichte 3.941,2 Ew./km²
Wirtschaft
BIP 742.181 Mio.
11.077 € pro Kopf
(2014[2][3])
Satellitenbild des Perlflussdeltas aus dem Jahr 2014
Satellitenbild des Perlflussdeltas aus dem Jahr 2014

In nur wenigen Jahrzehnten entwickelte sich das Perlflussdelta von einem eher ländlichen Gebiet zur wirtschaftlich stärksten Region Chinas und beinhaltet mit Guangzhou den aktuell größten Ballungsraum der Erde.[5][6][7]

Weitere bedeutende Städte im Perlflussdelta sind, nach Einwohnerzahl absteigend sortiert, Shenzhen, Dongguan, Foshan, Hongkong, Huizhou, Zhaoqing, Jiangmen, Zhongshan, Zhuhai und Macau.

Geschichte der RegionBearbeiten

Ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Deltas war die Kolonialisierung durch europäische Seemächte. Während Portugal die Stadt Macau bereits 1557 eingenommen hatte, wurde Hongkong im Jahr 1842 britische Kolonie.[8] Dadurch vergrößerte sich der Einfluss westlicher Länder auch in benachbarten Küstenstädten wie Guangzhou, damals bekannt als Kanton. Anfangs waren die Siedlungen der Europäer von den chinesischen Städten abgegrenzt, ein gutes Beispiel dafür ist die Insel Shamian in Guangzhou. Orte wie dieser waren später oft Kristallisationspunkte für die Bildung der modernen chinesischen Städte, bilden also eine Grundlage für deren heutigen Aufbau.[9]

Industrialisierung und UrbanisierungBearbeiten

Infrastruktur und VerkehrserschließungBearbeiten

Guangdong galt lange Zeit als eine eher rückständige und ländlich geprägte Provinz, gerade in den letzten Jahren hat sich die Infrastruktur hier aber signifikant verbessert. Zahlreiche Projekte sollen Flug- und Seehäfen, das Straßennetz und besonders den Schienenverkehr modernisieren und dadurch insbesondere die abgelegenen Gebiete der Provinz erschließen. Da aber seit 2013 die Lokalregierungen für den Ausbau der Schienenstrecken zuständig sind, stehen diese teilweise vor großen Finanzierungsproblemen. Der Ausbau der Infrastruktur ist jedoch von erheblicher Bedeutung, um gegenüber anderen Standorten in der Region wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb werden trotz steigender Kritik an den hohen Ausgaben auch weiterhin neue Bauvorhaben umgesetzt.[10]

Mit dem Hong Kong International Airport, der auf einer speziell dafür geebneten und vergrößerten Insel liegt, befindet sich im Perlflussdelta der größte Frachtflughafen der Welt. Der Flughafen Guangzhou belegt auf dieser Liste weltweit Platz 19, der Flughafen Shenzhen belegt Platz 24.[11] Zusätzlich dazu befinden sich im Delta mit Guangzhou, Hongkong und Shenzhen drei der acht größten Containerhäfen der Welt.[12]

 
Der Verlauf der Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke in der Bucht Zhujiang Kou

Ein bekanntes Großprojekt im Perlflussdelta ist die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, die die an den gegenüberliegenden Enden des Deltas gelegenen Städte miteinander verbindet. Die insgesamt etwa 50 Kilometer lange Verbindung wurde im September 2016 fertiggestellt und soll die Reisedauer von Hongkong nach Zhuhai mit dem Auto von über drei Stunden auf unter dreißig Minuten reduzieren.[13]

Gründe für das starke WirtschaftswachstumBearbeiten

Durch Investitionen im Bereich der Infrastruktur schafften es die Städte im Perlflussdelta, aus dem Gebiet die wachstumsstärkste Region Chinas und die „Werkbank der Welt“[14] zu formen. Letzteres ist aber auch eine Folge des regionalen Lohnniveaus, welches vor allem für die Wanderarbeiter niedrig ist. Der primäre Grund für die Migration sind fehlende Arbeitsplätze im Inland, weswegen jedes Jahr mehr als eine halbe Million neue Zuwanderer in die Städte kommen. In Shenzhen, einer der am schnellsten wachsenden Städte der Welt, waren im Jahr 2012 von etwas mehr als zehn Millionen Einwohnern nur etwa zweieinhalb Millionen registriert. Bis 2016 ist die Einwohnerzahl sogar auf geschätzte 13 Millionen gestiegen, was auch das Wirtschaftswachstum in der Region noch weiter beschleunigt.

Dass ein Wendepunkt in der jetzigen Entwicklung aber bevor stehen könnte, zeigt ein Phänomen in der Region, bei dem Unternehmen ihre Produktionen zunehmend aus dem Delta in chinesische Regionen mit niedrigerem Lohnniveau oder in andere südostasiatische Staaten verlagern. Das müsste allerdings keinen Einbruch des Wachstums bedeuten, vielmehr würde sich der quartäre Wirtschaftssektor (Informationssektor) in den Städten ausbreiten. Dies könnte für ein höheres Durchschnittseinkommen in der Perlflussregion sorgen, da in diesem Sektor vor allem Berufe mit hohen Bildungsvoraussetzungen angesiedelt sind.[15]

Alle diese Faktoren, zusammen mit der verbesserten Infrastruktur, machen aus dem Perlflussdelta eine einzigartig starke Region und setzen sie an die „Speerspitze einer modernen Entwicklung in China.“[16]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. John Vidal: UN report: World's biggest cities merging into 'mega-regions'. 22. März 2010, abgerufen am 24. Februar 2018 (englisch).
  2. Guangdong bald Vorzeigeprovinz für "modernes China"? In: gtai.de. Germany Trade & Invest, 20. März 2015, abgerufen am 1. März 2018.
  3. China - Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Provinzen 2014 | Statistik. Abgerufen am 1. März 2018.
  4. Perlflussdelta - Wirtschaftskraft. Diercke Weltatlas, abgerufen am 24. Februar 2018.
  5. Stefan Ohm: Hyperurbanisierung im Perlflussdelta. In: Spektrum.de. 27. November 2008 (Online [abgerufen am 22. Februar 2018]).
  6. Thomas Brinkhoff: Major Agglomerations of the World. In: CITY POPULATION. 8. Januar 2017, abgerufen am 22. Februar 2018 (amerikanisches Englisch).
  7. China - Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Provinzen 2014 | Statistik. Abgerufen am 1. März 2018.
  8. Dieter Griesshaber: Europäischer Kolonialismus und Imperialismus (1520 - 1914). Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V., 14. Juli 2016, abgerufen am 22. Februar 2018.
  9. Hans Heinrich Blotevogel: Stadtgeographie: Kap. 14: Stadtstruktur und Stadtentwicklung im interkulturellen Vergleich III: Ostasien. (PDF; 32 kB) Universität Duisburg-Essen, 2001, abgerufen am 22. Februar 2018.
  10. China: Guangdong investiert in die Verkehrsinfrastruktur. (Nicht mehr online verfügbar.) CHINA OBSERVER, 11. November 2013, ehemals im Original; abgerufen am 24. Februar 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.china-observer.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Airport Traffic Report. The Port Authority of NY & NJ, 2013, abgerufen am 24. Februar 2018 (englisch).
  12. Die 20 größten Containerhäfen weltweit. In: Containerbasis.de. 7. Oktober 2014 (Online [abgerufen am 3. März 2018]).
  13. Min Rui: World's longest cross-sea bridge completed. CRIENGLISH.com, 27. September 2016, abgerufen am 24. Februar 2018 (englisch).
  14. Marc Eiermann: Das Perlflussdelta – Chinas Boomregion. In: Diercke 360°. Band 2, 2012, S. 12.
  15. Marc Eiermann: Das Perlflussdelta – Chinas Boomregion. In: Diercke 360°. Band 2, 2012, S. 12–13.
  16. Germany Trade and Invest GmbH: Guangdong bald Vorzeigeprovinz für ‚modernes China‘? Abgerufen am 3. März 2018.