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Else Ludwig

österreichische Schauspielerin und Musicaldarstellerin

Else Ludwig (* 23. August 1937 in Greifswald[1]), auch Else Ludwig-Hoffmann, ist eine deutsch-österreichische Schauspielerin und Musicaldarstellerin.

LebenBearbeiten

Ludwig stammt aus einer Theaterfamilie.[2] Sie schloss ihre Schulausbildung mit der Matura ab.[3] Anschließend absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin.[2][3] Sie entschied sich dann jedoch für die Schauspielerei und nahm Schauspielunterricht in Düsseldorf.[2][3]

Ihr erstes festes Bühnenengagement erhielt sie am Schauspielhaus Zürich, dort spielte sie erste große Rollen, u. a. die Edrita in Weh dem, der lügt! und die Titelrolle in Phaedra.[3] Weitere Festengagements hatte sie am Stadttheater Basel (u. a. Titelrolle in Minna von Barnhelm, Cleopatra in Caesar und Cleopatra von George Bernard Shaw), an den Städtischen Bühnen Wuppertal (wichtige Rollen: Titelrolle in Emilia Galotti, Katharina in Der Widerspenstigen Zähmung und Doña Juana in dem Lustspiel Don Gil von den grünen Hosen) und an den Vereinigten Bühnen Graz (u. a. Eve Rull in Der zerbrochne Krug, Hermia in Ein Sommernachtstraum und Rosaura in Das Leben ein Traum).[3]

1965 ging sie nach Wien und wurde Mitglied des Burgtheaters. Dem Burgtheater gehörte sie ohne Unterbrechung bis zu ihrem offiziellen Ausscheiden aus Altersgründen an. Sie spielte dort ein breitgefächertes Repertoire von Stücken der Klassik und Romantik, bis zur Moderne und dem Gegenwartstheater. In der Spielzeit 1968/1969 übernahm sie am Burgtheater unter der Regie von Kurt Meisel die Titelrolle in der Neuinszenierung des Schauspiels Die Jüdin von Toledo, ihre Partner waren Klausjürgen Wussow (als König) und Paul Hörbiger (als Isaak).[4] Unter der Direktion von Claus Peymann spielte sie am Burgtheater u. a. die Hausbesitzerin in Die Mutter (Premiere: Oktober 1986), die Frau Amtsgerichtsrat in Glaube Liebe Hoffnung (Premiere: Juni 1987), Gnädige Frau in Geschichten aus dem Wienerwald (Premiere: November 1987), Lucy in Der Lauf der Welt von William Congreve (Premiere: Jänner 1989), die Mutter des Fliegers in Der gute Mensch von Sezuan (Premiere: Juni 1989), Frau Kielbacke in Die Ratten (Premiere: November 1989), die Blouson-Frau in Schlußchor von Botho Strauß (Österreichische Erstaufführung; September 1991), die Stiefmutter in Aschenbrödel von Jewgeni Schwarz (Premiere: Oktober 1996) und Mrs. Chasen in Harold und Maude (Premiere: Februar 1998). In dem Theaterstück Die Minderleister von Peter Turrini (Uraufführung Juni 1988, Akademietheater Wien) war sie die Frau des Ministers; mit dieser Rolle gastierte sie 1989 auch bei den Mülheimer Theatertagen.[5] Zu ihren letzten Premieren am Burgtheater gehörten Die Bacchen (Premiere: Oktober 1999; Chor der Bacchen) und Damen der Gesellschaft von Clare Boothe Luce (Premiere: November 2001; Regie: Sven-Eric Bechtolf, als Betty/Miss Shapiro/Miss Watts/1. Dame).

Ludwig gastierte am Residenztheater München (Spielzeit 1971/1972; als Dorinda in Strategien der Liebe von George Farquhar), bei den Luisenburg-Festspielen (1964; als Hermia in Ein Sommernachtstraum), und mehrfach bei den Bad Hersfelder Festspielen, u. a. 1962 unter der Regie von Wilhelm Dieterle als Ismene in Antigone. In Bad Hersfeld erhielt sie zweimal, für ihre Rollen als Julie in Liliom (1975) und als Julchen in Carl Zuckmayers Schauspiel Schinderhannes (1977) den „Großen Kritikerpreis der Bad Hersfelder Festspiele“.[2][6] Sie gastierte mehrfach bei den „Perchtoldsdorfer Sommerspielen“ (1981 in Becket oder die Ehre Gottes von Jean Anouilh und 1985 als Königin Gertrude in Hamlet).[7]

Im September 1992 übernahm sie in der Welt-Uraufführung des Musicals Elisabeth im Theater an der Wien die Rolle der Erzherzogin Sophie. Sie spielte diese Rolle bis 1998 in insgesamt über 700 Vorstellungen.[6] Diese Rolle spielte sie auch ab Oktober 2003 (bis Dezember 2005) in der Wiederaufnahme von Elisabeth.[6] Es folgten weitere Musicalrollen: Fräulein Schneider in Cabaret und die Margret Lord (Mutter der weiblichen Hauptrolle) in High Society, jeweils am Wiener Metropol.[6]

In der Spielzeit 2008/2009 war sie in Wien am Theater in der Josefstadt in der Erstaufführung einer Bühnenfassung des Romans Die Buddenbrooks in der Rolle der Konsulin Buddenbrook zu sehen; die Bühnenfassung stammt von John von Düffel. In der Spielzeit 2010/2011 gastierte sie erstmals am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten; sie übernahm dort ab März 2011 die Rolle der Großtante in einer Bühnenfassung des Romans Der Spieler.[8]

Ludwig übernahm im Verlauf ihrer Karriere auch einige Filmrollen. Sie hatte Episodenrollen in den Krimiserien Tatort (1987; als Anita in der Episode Offene Rechnung) und in Kommissar Rex (1999; als Museumsdirektorin Dr. Erika Molden in der Folge Rex rächt sich). Mehrfach wirkte sie in Fernsehfilmen unter der Regie von Xaver Schwarzenberger mit. In dem Filmdrama Lamorte (1997) verkörperte die Rolle der Bambi, eine der zwölf ehemaligen Schulfreundinnen, die sich anlässlich des bevorstehenden Todes ihrer krebskranken Freundin Iris (Nicole Heesters) noch einmal wiedersehen. Weitere Filmrollen unter Schwarzenbergers Regie hatte sie in Fever (1998) und zuletzt in Vino Santo – Es lebe die Liebe, es lebe der Wein (2001).

Für den ORF sprach sie das Hörbuch Fröhliche Weihnachten, liebes Christkind! mit Texten von Christine Nöstlinger.[9]

Ab 1997 unterrichtete sie Schauspiel an der Universität für Musik und Darstellende Kunst (Max Reinhardt Seminar) in Wien.[6]

1986 erhielt sie das Silberne Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich,[2] 2003 wurde sie zur Österreichischen Kammerschauspielerin ernannt.[2]

Else Ludwig ist seit 1966 mit dem Schauspieler und Regisseur Frank Hoffmann verheiratet.[10] Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Else Ludwig lebt mit ihrem Mann in Wien.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

  • 1962: Antigone (Theateraufzeichnung; Bad Hersfelder Festspiele)
  • 1964: Ein Sommernachtstraum (Theateraufzeichnung; Luisenburg-Festspiele)
  • 1969: Schwester Bonaventura (Fernsehfilm)
  • 1977: Die verzauberten Brüder (Fernsehfilm)
  • 1987: Tatort – Offene Rechnung
  • 1997: Lamorte (Fernsehfilm)
  • 1998: Fever (Fernsehfilm)
  • 1999: Kommissar Rex – Rex rächt sich
  • 2001: Vino Santo – Es lebe die Liebe, es lebe der Wein
  • 2005: Elisabeth (Musicalaufzeichnung; Theater an der Wien)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Piet Hein Honig, Hanns-Georg Rodek: 100001. Die Showbusiness-Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts. Showbiz-Data-Verlag, Villingen-Schwenningen 1992, ISBN 3-929009-01-5, S. 588.
  2. a b c d e f Else Ludwig@1@2Vorlage:Toter Link/www.landestheater.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Vita und Interview (Offizielle Internetpräsenz Landestheater Niederösterreich; abgerufen am 12. Dezember 2013)
  3. a b c d e Schauspielerin mit Herz und Seele orf.at; Sendung vom 7. März 2011; zuletzt abgerufen am 12. Dezember 2013
  4. Klimawechsel in Wien Aufführungskritik in: DIE ZEIT vom 22. November 1968, Nr. 47.
  5. Die Stücke eines Jahres im Wettbewerb um den Mülheimer Dramatikerpreis Chronik; abgerufen am 12. Dezember 2013
  6. a b c d e Die Rückkehr von ELISABETH an das Theater an der Wien Bericht zur Wiederaufnahme (mit Künstlerbiografien); Wien Holding vom 21. August 2003
  7. Chronik der Perchtoldsdorfer Sommerspiele (Memento des Originals vom 10. November 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.perchtoldsdorf.at (Offizielle Internetpräsenz der Marktgemeinde Perchtoldsdorf; abgerufen am 12. Dezember 2013)
  8. Der Spieler; Presseaussendung des Landestheaters Niederösterreich vom März 2011; zuletzt abgerufen am 12. Dezember 2013 (online nicht mehr verfügbar)
  9. Fröhliche Weihnachten, liebes Christkind! (Memento des Originals vom 12. Februar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/87.139.91.100 Produktionsdetails und Inhalt
  10. Nachtquartier orf.at; Sendung vom 6. Juli 2011; zuletzt abgerufen am 12. Dezember 2013